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"Wir übernehmen soziale Verantwortung"
Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Post DHL ihre globale Zukunfts-Studie "Delivering Tomorrow" über die Megatrends bis zum Jahr 2020 und darüber hinaus vorgestellt - nicht nur für die Logistikbranche, sondern auch für die Wirtschaft insgesamt und für die ganze Gesellschaft. Die damit angestoßene breite Debatte setzt der Vorstandsvorsitzende Frank Appel gemeinsam mit führenden Experten im neuen Jahr in Form des "Delphi Dialog 2020" fort.
Der Kommunikationschef der Deutschen Post DHL, Christof Ehrhart, eröffnete die Veranstaltung.
Johan Peter Paludan hat klarere Vorstellungen von der Zukunft als die meisten Menschen. Sollte er auch, denn als Direktor des Copenhagen Institute for Futures Studies ist der Blick in die Zukunft sein Forschungsgegenstand. Eine durchaus nützliche und jedenfalls notwendige Arbeit, denn: "Um in der Gegenwart Entscheidungen treffen zu können, müssen wir klare Erwartungen an die Zukunft haben", so Paludan.
Das gilt wohl nirgendwo so sehr wie in der Wirtschaft - und für die globale Logistikbranche ganz besonders. Sie lebt von den volatilen internationalen Warenströmen. Daher ist sie von demographischen und geopolitischen Umwälzungen, von Veränderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen, aber auch von Verschiebungen bei den Lebensgewohnheiten der Menschen und von neuen ökologischen Herausforderungen direkt betroffen. Und von alledem, weiß Paludan, wird es in der näheren und weiteren Zukunft reichlich geben.
Zukunftsforscher Johan Paludan
Der Zukunftsforscher aus Dänemark, einer der führenden Vertreter seiner Zunft, trat als Gastredner des ersten "Delphi Dialog 2020" der Deutschen Post DHL mit etwa 60 Gästen in Frankfurt am Main auf. Die Veranstaltung bildete den Auftakt einer Reihe von Diskussionsrunden im In- und Ausland mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post DHL, Frank Appel.
Sie folgt der Veröffentlichung der Delphistudie des Unternehmens ("Delivering Tomorrow") vom vergangenen Jahr mit umfassenden Expertenmeinungen und Prognosen zu Globalisierung, Wirtschaft, Technologie, Logistik, Umwelt und Gesellschaft. Und soll, bezogen auf die Logistik, Antworten auf die Frage liefern: Wohin steuert die Logistik und wie kann sie eine lebenswerte Zukunft mitgestalten? Die Deutsche Post DHL hat sich damit an die besten Kenner der Materie gewandt, die es dafür gibt: ihre Kunden. Diesen Dialog wolle das Unternehmen in den kommenden Jahren noch intensivieren, erklärte Appel.
Mega-Citys als Mega-Herausforderung für die Logistik
Die Zukunft der Logistik war das Thema für Moderator Stefan Aust, Zukunftsforscher Johan Paludan und Postchef Frank Appel.
Das Thema des ersten, vom ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust moderierten Delphi Dialogs lautete: "Schöne neue Logistikwelt? - wie neue Technologien den Welthandel radikal verändern könnten". Eine der Thesen des dänischen Zukunftsforschers Paludan, der als Experte an der Delphistudie mitgewirkt hat, lautete: "Mega-Citys werden in der Zukunft die größte Herausforderung für die Logistik sein." Um die durch die anhaltende Urbanisierung weiter wachsenden Metropolen zu beliefern, müssten ganz neue Wege beschritten werden. Man werde eine Erlaubnis brauchen, um überhaupt in diese Städte zu gelangen. Es werde nur eine begrenzte Zahl von Lizenzen dafür geben. Die Logistikbranche müsse sich darauf einstellen und sich entsprechend organisieren, meinte der Zukunftsforscher. Sie wird, davon zeigte sich Paludan überzeugt, auf vielfältige Weise dazu beitragen können, die Probleme der Mega-Citys nachhaltig zu lösen.
Eine weitere These Paludans: Demographisch betrachtet drohe China, heute eine der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt und ein viel versprechender Wachstumsmarkt auch für die Logistikbranche, eine "Ergrauung" - sprich: eine rasante Alterung der Bevölkerung durch die strenge Ein-Kind-Politik, mit gravierenden Folgen auch für die Perspektiven der chinesischen Wirtschaft. Langfristig, so Paludan, könnte Indien mit seiner stark wachsenden Bevölkerung China überholen. Auch für den Aufbau eines nachhaltig tragfähigen Altersversorgungssystems, für das etwa Deutschland mehrere Generationen brauchte, werde China nicht genug Zeit haben, fürchtet Paludan.
Er lieferte den Zuhörern damit plastische Beispiele für eine der wichtigsten Erkenntnisse der Delphistudie: Die Themen Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung werden volkswirtschaftlich und für jedes einzelne Unternehmen immer wichtiger.
Frank Appel: "Respekt und Resultate liefern"
Die Deutsche Post DHL trägt dem bereits heute mit diversen Konzernprogrammen, die Klimaschutz, Bildung und Katastrophenhilfe umfassen, Rechnung. "Wir müssen Respekt und Resultate gleichzeitig liefern", postulierte denn auch Konzernchef Frank Appel. Unternehmen, die kein Geld verdienten, seien auf Dauer nicht überlebensfähig.
Doch auch wem es an Respekt vor seinen Mitarbeitern, seinen Kunden und den Ländern, in denen man seine Geschäfte betreibe, vermissen lasse, habe kaum Aussichten auf nachhaltigen Erfolg. Beides, so Appel, müsse im Gleichgewicht sein. Für die Deutsche Post DHL bedeute dies: "Wir übernehmen soziale Verantwortung." Als Beispiel nannte Appel das Ziel, den CO2-Ausstoß der Fahrzeugflotte des Konzerns weiter zu senken.
Einen Mangel an Verantwortungsgefühl machte Appel auch mitverantwortlich für das Entstehen der globalen Finanzkrise. "Die Trader an den Finanzmärkten kennen ihre Kunden nicht und haben keine Mitarbeiter", so Appel. Deshalb fehle ihnen die gefühlte Verantwortlichkeit für ihr Handeln. Dieses Problem müsse dringend angepackt werden.