Reiche Ernte
Branchenführer, gut aufgestellt in einem Riesen-Markt und Gewinner eines Mega-Deals: In Brasilien läuft es für DHL Supply Chain (DSC) derzeit richtig rund. Jose Nava, Chef von DSC Lateinamerika, erklärt die Hintergründe.
Brasilien ist 2014 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft. 2016 finden in Rio die Olympischen Sommerspiele statt.
Wenn Jose Nava über Brasilien spricht, greift er häufig zu Superlativen. Gerade erst hat der Chef von DHL Supply Chain (DSC) Lateinamerika den größten Deal in der Geschichte des Unternehmensbereichs verkündet - einen Zehn-Jahres-Vertrag mit Makro, dem führenden Großhandelskonzern Brasiliens.
Am meisten freut ihn, dass sich der neue Kunde gleich für einen langfristigen Vertrag entschieden hat: "Mit unserer Kompetenz werden wir diese Herausforderung meistern.
"Klar ist jetzt schon: Brasiliens Wirtschaft präsentiert sich derzeit in guter Verfassung. Die Erlöse aus dem Verkauf von Rohstoffen steigen konstant. Parallel sorgt der starke Peso für steigende Importe von Konsum- und anderen Gütern. Doch diese Entwicklung hat auch ihre Schattenseiten - sie lähmt die inländische Produktion. Hinzu kommen hohe Subventionen für die brasilianische Entwicklungsbank, ein kompliziertes Steuersystem und diverse Maßnahmen zur Eindämmung der Inflation. Kein leichter Job für die brasilianische Regierung. "Aber es scheint, dass die Präsidentin und ihr Kabinett das alles im Blick haben", erklärt Nava.
Ausbau des Serviceangebots
Obwohl DSC in Brasilien bereits Branchenführer ist, gibt es offenbar immer noch neue Möglichkeiten: "Immer mehr Unternehmen schließen sich zu großen Konglomeraten zusammen. Und die wollen so wie es die multinationalen Konzerne ihre Logistik auslagern", sagt Nava.
Wachstum bringen aber nicht nur Neukunden. Auch mit Bestandskunden wie etwa dem Konsumgüter-Giganten Procter & Gamble (P&G) baut DSC Brasilien aktuell das Geschäft aus. Nach der Übernahme von Gilette drängt P&G mit immer mehr Marken und Produkten in den brasilianischen Markt - und setzt dabei auf DSC als Haupt-Logistikpartner. Fast jeden Monat starte P&G hier neue Marken oder Produktlinien, so Nava: "Das Sortiment und die Warenbestände werden immer größer."
Ähnlich stark wie die Zahl der Kunden baut DSC derzeit sein Serviceangebot aus. Beispiel Ceci: An dem Standort in der Nähe von São Paulo betreut DSC Life Sciences momentan 18 Kunden - vom Diagnostik-Spezialisten Abbott bis zum Pharmazieproduzenten Zodiac. "In Ceci haben wir praktisch alle Services unter einem Dach konzentriert", erklärt Nava. Zuvor gab es diverse Standorte mit Einzellösungen. "In Ceci dagegen haben wir jetzt ein System geschaffen, mit dem wir jedem Kunden alle unsere Dienstleistungen anbieten können." Schon denkt er an Expansion. Die Kapazitäten seien bereits knapp.
DHL in Brasilien
- Beschäftigte: mehr als 8.000
- DHL Global Forwarding: 700
- DHL Supply Chain: 6.500
- DHL Express: 850
- DHL Standorte: 40
- Global Forwarding ist seit 1976 im Land präsent, Express seit 1978, Supply Chain seit 1999
Warten auf den Anpfiff
Zwei Großveranstaltungen dürften das Geschäft von DSC weiter beflügeln: Brasilien ist 2014 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft. 2016 finden in Rio die Olympischen Sommerspiele statt. Kunden wie Nike oder Samsung begreifen die Events als große Wachstumschance, sagt Nava - obwohl im Hinblick auf Infrastruktur- und Kapazitätsplanung noch viele Fragen ungeklärt seien. Generell müsse DSC prüfen, wie realistisch es sei, sowohl die Fußball-WM als auch Olympia mit zu organisieren. "Das sind schließlich einmalige Veranstaltungen mit begrenztem Umsatzpotenzial."
Neuer Standort bei Louveira
Trotz aller Aufmerksamkeit für Großkunden hat DSC in Brasilien auch den Mittelstand im Blick. Allerdings sei es genauso aufwändig, Mittelständler als Kunden zu gewinnen wie Großkonzerne, betont Nava. Kleinere Kunden würden indes helfen, die Standorte besser auszulasten. In der Nähe des DSC-Lagers in Louveira bei São Paulo entsteht gerade ein neuer. Ähnlich wie in Ceci sollen Großkunden und Mittelständler dort alles unter einem Dach vorfinden. Für Jose Nava steht fest: Nie gab es mehr Chancen.