"Wie managt man ein Land mit 9 Zeitzonen, Herr Leineweber?"
"Sehr stark entwickeln sich die Bereiche Konsumgüter, Handel, Mode, Fertigungstechnik, Hightech- und Autoindustrie."
Russland ist für den Konzern einer der wichtigsten neuen Märkte. Fünf Fragen an Marco Leineweber, Head of DHL Freight Russia.
Herr Leineweber, seit 2006 hat DHL 250 Millionen US-Dollar in Russland investiert. Hat sich das Geld bezahlt gemacht?
Ja, sehr. Auch wir von DHL Freight haben von den Investitionen enorm profitiert. Wir sind dadurch so stark geworden, dass wir uns von der Finanzkrise 2008/2009 schneller als andere Unternehmen erholen konnten und heute sehr gut dastehen.
Russland erstreckt sich über 17 Millionen Quadratkilometer, verglichen mit China oder Indien hat es aber wenig Einwohner. Welche Wachstumsmöglichkeiten gibt es für den Konzern im Land?
Russland ist ein sehr attraktiver Markt, in dem noch große Potenziale stecken. Zum einen, weil die logistische Infrastruktur noch nicht voll entwickelt ist. Zum anderen haben sich viele Firmen bisher nicht getraut, nach Russland zu kommen. Das ändert sich aber gerade, es gibt eine neue Investitionswelle. Sehr stark entwickeln sich die Bereiche Konsumgüter, Handel, Mode, Fertigungstechnik, Hightech- und Autoindustrie. Auf diese Sektoren konzentrieren wir uns.
"Wenn wir Telefonkonferenzen machen, finden diese immer früh morgens statt, damit alle teilnehmen können."
Ist es nicht schwierig, ein Unternehmen in einem Land mit neun Zeitzonen zu managen?
Das ist einfacher, als Sie denken. Wenn ich morgens in die Firma fahre, rufe ich von unterwegs als erstes unser Büro in Wladiwostok an der Pazifikküste an. Danach arbeite ich mich gen Westen vor und rufe einen Gebietsleiter nach dem anderen an. Im Büro angekommen habe ich einen kompletten Überblick über die Lage im Land. Wenn wir Telefonkonferenzen machen, finden diese immer früh morgens statt, damit alle teilnehmen können.
Für Freight spielt die Straßeninfrastruktur naturgemäß eine wichtige Rolle. Wie sieht es damit in Russland aus?
Es gibt ein Programm der Regierung, die Infrastruktur zu verbessern, da geht es um Billionenbeträge. Aber bei der Umsetzung hapert es, da stimmt das Tempo nicht, auch weil man so viel versäumt hat. In erster Linie gibt es Infrastruktur im Westen und Süden des Landes. Weiter im Norden ist Niemandsland. Östlich des Ural fängt die Westsibirische Tiefebene an, da gibt es Öl und Gas, aber kaum Straßen.
China ist nach Europa zum wichtigsten Außenhandelspartner Russlands aufgestiegen. Wie wirkt sich das auf DHL aus?
Gerade Chinas Nordwesten mit der Millionenstadt Urumtschi entwickelt sich sehr stark. Darum haben wir dort zusammen mit der Intermodalabteilung von DHL Global Forwarding einen neuen Brückenkopf eingerichtet. Waren für Russland werden mit Expresszügen nach Urumtschi gebracht und gehen von dort per Lkw zur Grenze. Dort erfolgt eine Umladung auf russische Lkw sowie eine elektronische Verzollung über das Zollkompetenzcenter Nowosibirsk. Über Nowosibirsk besteht dann eine Anbindung an das Sammelgutnetz im westlichen Landesteil. Dasselbe Konzept werden wir auf Kasachstan anwenden.