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- Bilanzpressekonferenz 2006: Rede Klaus Zumwinkel und Edgar Ernst
Rede Dr. Klaus Zumwinkel und Prof. Dr. Edgar Ernst
Anlässlich der Bilanzpressekonferenz 2006 am 20. März 2007 in Bonn
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen zur Bilanzpressekonferenz 2006 des Konzerns Deutsche Post World Net hier in Bonn.
Unser Unternehmen hat das Jahr 2006 erfolgreich abgeschlossen und die Versprechungen, die wir bei Umsatz und Ergebnis gegeben haben, eingehalten. Nach der erfolgreichen Integration der Akquisitionen im letzten Jahr, haben wir nun eine hervorragende Plattform als Weltmarktführer. Die Rahmenbedingungen, in denen wir uns bewegen, sind derzeit sehr positiv für unser Unternehmen. Das Welt-Bruttosozialprodukt ist mit 5% stärker als im Vorjahr gestiegen. Die Welthandelsströme wuchsen, wie schon in den Vorjahren, noch stärker, nämlich zwischen 8 und 9%. Die Konjunktur auf dem asiatischen Kontinent ist weiterhin die treibende Kraft in der Weltwirtschaft. China nimmt mit fast 11% wieder den Spitzenplatz ein. In den USA sind die Unternehmensinvestitionen und der private Verbrauch der Motor für das Wachstum von 3,4%.
Auch in Europa wächst die Wirtschaft dank einer lebhaften Binnennachfrage um 2,7%. Hier in Deutschland hat das Wachstum mit ebenfalls 2,7% die Erwartungen übertroffen. Die Ursache liegt in nach wie vor hohen Exporten und einer steigenden Binnennachfrage begründet.
Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick über das Jahr 2006 für den Konzern Deutsche Post World Net geben. Der Konzernumsatz stieg von 44,5 Mrd. EUR auf nunmehr 60,5 Mrd. EUR, wobei alle Unternehmensbereiche zu diesem Anstieg beitrugen. Beim Umsatz und Ergebnis haben wir eine Punktlandung gemacht und die kommunizierten Ziele von mindestens 60 Mrd. EUR Umsatz und 3,9 Mrd. EUR EBIT erreicht.
Das Jahr 2006 war ein Jahr mit großen Herausforderungen. Wir mussten mit Exel die größte Integration unserer Industrie und unserer eigenen Konzerngeschichte vollziehen und gleichzeitig BHW in die Postbank integrieren. Unser Ziel war es, die Unternehmen schnell, effizient und für die Kunden unsichtbar zusammenzuführen. Ich bin stolz, sagen zu können, dass uns dies erfolgreich gelungen ist. Die Postbank hat ihr Integrationsprojekt bereits im September abgeschlossen - drei Monate früher als geplant
Unser Umsatz stieg im Jahr 2006 um rund 36%. Hierbei stammt natürlich der überwiegende Teil aus den großen Akquisitionen des Jahres 2006: BHW, Williams Lea und allen voran Exel. Zusätzlich ist es uns in dem Jahr intensivster Integrationsarbeit gelungen, den Umsatz um 5,3% organisch zu steigern.
Den EBIT konnten wir um 2,9% auf 3,9 Mrd. EUR steigern. Betrachten wir das Ergebnis ohne Sondereffekte, dann haben wir ein Wachstum von 3,4 Mrd. EUR auf 3,5 Mrd. EUR, was ebenfalls einem Anstieg von 2,9% entspricht. Das abgelaufene Geschäftsjahr enthielt positive Einmaleffekte von insgesamt rund 400 Millionen Euro.
Ich möchte Ihnen nun im Folgenden detaillierte Informationen zu den einzelnen Unternehmensbereichen geben und mit der Briefsparte beginnen. Im Unternehmensbereich BRIEF stieg der Umsatz. Besonders stolz bin ich, Ihnen heute berichten zu können, dass es uns gelungen ist, unser EBIT stabil bei 2 Mrd. EUR zu halten. Unsere Qualität haben wir auf dem weltweit höchsten Niveau gehalten und bieten bei Laufzeit und Laufzeitzuverlässigkeit unseren Kunden einen einzigartigen Service.
In unserem Schwerpunktgeschäft, der Briefkommunikation, ist die Entwicklung - wie auch schon in den Vorjahren - rückläufig. Dies geht einher mit einem grundsätzlich schrumpfenden Markt. Die Substitution des Briefes durch Fax, E-Mail, SMS und Internet ist ein Fakt und wird sich weiter verstärken und den klassischen Brief zunehmend ersetzen. Hinzu kommt, dass unsere Schlüsselbranchen wie der Versandhandel noch nicht von der erstarkten Konjunktur profitieren konnten. Beim Direktmarketing - also der Werbepost - mussten wir in 2006 erstmals einen leichten Rückgang hinnehmen.
Im vergangenen Jahr haben wir uns durch die Akquisition von Williams Lea, dem weltweit führenden Anbieter von Brief- und Dokumentenmanagement, strategisch noch besser aufgestellt und eine internationale Plattform für Mehrwertdienstleistungen im Briefbereich geschaffen. Wir besitzen nun ein globales Netzwerk für den grenzüberschreitenden Transfer von Daten und für das Outsourcing von Geschäftsabläufen. Von dieser Expertise wird auch unser nationales Geschäft mit Mehrwertdienstleistungen profitieren.
Anfang des Jahres haben wir das Paketgeschäft Deutschland in den Brief-Bereich integriert. Wir erwarten uns von dieser Neuorganisation einen besseren Service für unsere Kunden, indem zum Beispiel IT-Plattformen stärker vereinheitlicht werden. Bereits heute arbeiten Brief und Paket im Rahmen der Verbundzustellung zusammen und bedienen 85% der Fläche gemeinsam. Einsparungspotentiale sehen wir bei den IT- und Overhead-Kosten. Beispielsweise werden wir die 13 Paketniederlassungen mit den 33 Paketzentren und den Briefniederlassungen zusammenlegen.
Um den Paketbereich Deutschland noch profitabler zu machen, arbeiten wir auch an der Verbesserung des Kundenservices. So wollen wir beispielsweise bei der Reklamationsbearbeitung besser und schneller Auskunft über den Verbleib Ihres Paketes geben. Darüber hinaus haben wir zum 1.7.2006 die Paketpreise gesenkt und die Anzahl der Gewichtsklassen von drei auf zwei reduziert, um mehr Transparenz für unsere Kunden zu schaffen.
Kommen wir nun zum Unternehmensbereich EXPRESS. Dieser steht seit kurzem ganzheitlich unter der Führung von John Mullen. Wir haben das europäische Landverkehr-Speditionsgeschäft, DHL Freight, dem Logistik-Bereich zugeordnet. Die Express-Sparte kann sich nun voll und ganz auf das wachsende internationale Geschäft konzentrieren, nachdem nun auch - wie bereits ausgeführt - der deutsche Paketbereich ebenfalls nicht mehr hier eingegliedert ist.
In Europa sind wir weiterhin Marktführer und konnten den Umsatz in dieser Region leicht steigern. Hierzu trug vor allem der grenzüberschreitende Transport bei, da der Handel mit den Wachstumsmärkten Asiens und Osteuropas deutlich angestiegen ist. In der Region Americas mussten wir trotz zusätzlicher Aufträge, die uns in unseren ergriffenen Maßnahmen bestärken, einen Umsatzrückgang um fast 2% auf rund 4,4 Mrd. EUR hinnehmen. Dies beruht vor allem auf der Entwicklung der ersten sechs Monate in den USA, wo wir beim Produkt "Domestic Air" Umsatz- und Mengenverluste hinnehmen mussten. In der zweiten Jahreshälfte konnten wir die Umsatzentwicklung wieder stabilisieren. Bei der Ergebnissituation können wir ebenfalls eine positive Entwicklung feststellen.
Die USA sind der größte Express-Markt der Welt und damit der größte Adressat und die größte Quelle der weltweiten Sendungsströme unseres globalen Netzwerkes. Daher ist es für uns unabdingbar, auf diesem Markt präsent zu sein.
In Asien sind wir weiter stark gewachsen und sind nach wie vor der größte internationale Anbieter in dieser Region. Wir haben in den vergangenen Jahren 1,7 Mrd. USD investiert und bieten ein einzigartiges Netzwerk. Mit 33% Marktanteil behaupten wir unsere seit Jahren führende Position.
Wir sind der einzige internationale Logistik-Dienstleister, der seinen Kunden inländische Dienstleistungen in China und Indien anbietet. In China erreichen wir mit unserem Partner Sinotrans 95% der Bevölkerung durch unser Netzwerk. In den Wachstumsmärkten der Emerging Markets konnten wir unseren Umsatz ebenfalls steigern. In allen wichtigen Emerging Markets nehmen wir die führende Marktposition ein, zum Beispiel in Russland, dem Mittleren und Nahen Osten, der Türkei und Südafrika.
Nach wie vor ist die Erhöhung unserer Ertragskraft das zentrale Ziel. Dies wollen wir unter anderem durch ein effizientes und an den Kunden-bedürfnissen und Warenströmen ausgerichtetes Netzwerk erreichen, in das wir massiv investieren - zum Beispiel durch den Kauf von sechs 767 Maschinen für den Verkehr in die USA.
Der Logistik-Bereich unter der Leitung von John Allan hat sich im vergangenen Jahr hervorragend entwickelt. Wir haben schnell, professionell und effizient integriert. Ich möchte an dieser Stelle hervorheben, dass der Unternehmensbereich LOGISTIK trotz der erschwerten Rahmenbedingungen im Zuge der Integration sein Umsatzziel von 20 Mrd. EUR und sein Ergebnisziel von 750 Mio. EUR noch übertroffen hat. Auch bei unserem Ziel, Synergien in Höhe von 220 Mio. EUR zu erreichen, liegen wir voll im Plan.Nach der Umorganisation besteht der Logistik-Bereich nun aus drei Geschäftsbereichen: DHL Global Forwarding, DHL Exel Supply Chain und DHL Freight.
Im interkontinentalen Frachtgeschäft sind wir weiterhin Weltmarktführer. Die weltweit steigenden Warenströme bieten positive Rahmenbedingungen für unsere Dienstleistungen in der Luft- und Seefracht. Es ist uns gelungen, im abgelaufenen Geschäftsjahr die Volumina in beiden Geschäftsfeldern fast zu verdoppeln.
Auch bei der Kontraktlogistik ist DHL Exel Supply Chain der mit Abstand führende Anbieter. Der Umsatz nahm in fast allen Industriesektoren zu. Das größte Wachstum erzielten wir bei den Fast Moving Consumer Goods, wo wir auf den wichtigsten Märkten führend sind. Mit der Eingliederung von DHL Freight in die Logistik-Sparte erwarten wir uns eine Effizienzsteigerung. Da wir über alle Frachtaktivitäten hinweg Volumina bündeln und Frachtkapazitäten gemeinsam einkaufen können, sehen wir hier ein bisher noch nicht ausgeschöpftes Potential.
Besonders erfreut es uns, dass wir im letzten Jahr internationale Großaufträge in bedeutendem Umfang gewonnen haben. Zwei Beispiele darf ich nennen:
- Einen 10-Jahres Vertrag mit dem National Health Service, der mit 1,4 Mrd. EUR den bisher größte Auftrag für den Logistik-Bereich darstellt.
- Saudi Aramco: Auch hier haben wir einen 10-Jahres Vertrag über eine halbe Millarde EUR mit dem führenden Unternehmen in der Gas- und Ölindustrie mit Sitz in Saudi-Arabien abschließen können.
2006 war ein bedeutendes Jahr für die Postbank. Die Anzahl der Mitarbeiter hat sich von 9.240 auf 21.696 mehr als verdoppelt. Zum Jahreswechsel hat die Postbank 850 Filialen der Deutschen Post übernommen. Gleichzeitig bedeutet die Übernahme von BHW einen Quantensprung für das Unternehmen. Dadurch konnten wir unsere führende Position als größtes Einzelinstitut im deutschen Retailmarkt weiter ausbauen und sind nun auch der größte Anbieter von privaten Eigenheimfinanzierungen in Deutschland.
Durch die Akquisition konnten wir vor allem den Vertrieb stärken. Wir sind nun eine bestens aufgestellte Multikanalbank mit
- einem dichten Filialnetz durch 850 eigene Filialen und Tausende Postfilialen,
- eine der größten Beraterorganisationen mit 4.400 mobilen Beratern und haben
- eine Spitzenposition beim Telefonbanking und
- beim Onlinebanking
Die Integration verlief sehr erfolgreich und wurde drei Monate früher als geplant abgeschlossen. Hierauf sind wir besonders stolz. Dabei ist der Umsatz um 35,3 % auf 9,6 Mrd. EUR gestiegen. Besonders hervorheben möchte ich, dass der Unternehmensbereich FINANZDIENSTLEISTUNGEN die Ein-Milliarden-Grenze beim EBIT erreicht und sogar noch leicht übertroffen hat. Dies entspricht einem Anstieg von rund 16%.
Wie letzte Woche bekannt gegeben, wird Herr von Schimmelmann seine Mandate als Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Postbank AG und als Vorstandsmitglied der Deutschen Post AG zum 30. Juni 2007 niederlegen. Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich. Unter seiner Führung hat sich die Postbank zur führenden Retailbank in Deutschland und zu einem erfolgreichen DAX-Unternehmen entwickelt. 15 Millionen Kunden und eine Verdoppelung des Aktienkurses der Postbank seit dem Börsengang 2004 sprechen für sich. Ich bedanke mich an dieser Stelle nochmals herzlich bei Herrn von Schimmelmann.
Wolfgang Klein, bisher im Privatkundensegment der Postbank zuständiger Vorstand für Produktmarketing und den Mobilen Vertrieb, wird sein Nachfolger in beiden Ämtern. Damit wird die erfolgreiche Strategie der Postbank innerhalb des Konzerns Deutsche Post World Net auch unter seiner Führung fortgesetzt.
Ich übergebe nun an meinen Kollegen Edgar Ernst, der Ihnen unsere Konzernkennzahlen vorstellen wird.
Sehr geehrte Damen und Herren,
einen Überblick über die Entwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Ihnen Herr Zumwinkel bereits gegeben. Der Umsatz hat die 60 Milliarden-Marke überschritten und das operative Ergebnis konnte verglichen zum Vorjahr um 2,9 % auf rund 3,9 Milliarden Euro gesteigert werden. Bereinigt um Sondereffekte in 2005 und 2006 stieg das operative Ergebnis (EBIT) von rund 3,4 auf 3,5 Milliarden Euro an.
In 2006 stammten 276 Millionen Euro aus der Kündigung der Wandelschuldverschreibung auf Postbank-Aktien im Juli 2006. Weiterhin hat sich der Erlös von 89 Millionen Euro aus einem Schiedsgerichtsverfahren mit der Deutschen Telekom als Einmaleffekt positiv ausgewirkt.
Der Konzerngewinn sank um 14,3 % auf rund 1,9 Milliarden Euro. Hier schlagen die höheren Ergebnisanteile Dritter zu Buche. Durch die Ausübung der Wandelschuldverschreibung auf die Deutsche Postbank hat sich eine Verringerung unserer Beteiligung auf 50 % plus einer Aktie an der Postbank ergeben.
Alle Unternehmensbereiche konnten in 2006 höhere Umsätze verzeichnen. Der Unternehmensbereich BRIEF steigerte seinen Umsatz von 12,8 Milliarden Euro um 3,2% auf 13,3 Milliarden Euro. Die Aktivitäten von Williams Lea sowie organisches Wachstum im internationalen Bereich führten zu einem Ausgleich des Umsatzrückgangs im nationalen Bereich. Insbesondere das 4. Quartal verlief sehr erfreulich, obwohl wir hier einen Arbeitstag weniger als im Vorjahr hatten.
EXPRESS steigerte seinen Umsatz um 2,2 % auf 17,2 Milliarden Euro. Vor allem in Asien und den Emerging Markets konnten jeweils zweistellige Umsatzzuwächse erzielt werden.
Das Geschäft im Unternehmensbereich LOGISTIK entwickelte sich weiterhin erfreulich. Der Umsatz stieg kräftig von 9,9 Milliarden Euro auf 22,7 Milliarden Euro. Neben dem Akquisitionseffekt durch Exel ergab sich ein starkes organisches Umsatzwachstum. Im vierten Quartal 2006 sahen wir insbesondere im Geschäftsfeld Seefracht einen deutlichen Volumenzuwachs.
Für unseren Bereich FINANZDIENSTLEISTUNGEN konnten wir ebenfalls ein Wachstum im Umsatz verzeichnen. Hier kommt in erster Linie die Akquisition von BHW zum Tragen. Das Segment SERVICES steigerte seinen Umsatz um 4,5% auf 4,1 Milliarden Euro.
Wenden wir uns nun den operativen Ergebnissen der Unternehmensbereiche zu.
BRIEF konnte das EBIT erfreulicherweise leicht steigern. Hier konnten wir erneut durch organisches und anorganisches Wachstum bei Brief International Rückgänge im traditionellen Briefgeschäft in Deutschland ausgleichen. Außerdem erzielten wir Fortschritte auf der Kostenseite.
Der Unternehmensbereich EXPRESS erzielte 325 Millionen Euro nach einem Verlust von 23 Millionen Euro im Vorjahr. Das Ergebnis stieg in allen Regionen. In den USA konnte seit Jahresmitte die Trendwende eingeleitet werden, so dass sich die Ergebnissituation im 2. Halbjahr substantiell verbessert hat. Das Ergebnis des Unternehmensbereiches Express enthält zudem noch Aufwendungen, die mit dem Bau des neuen Hubs in Leipzig zusammenhängen, in Höhe von rund 50 Millionen Euro.
Die LOGISTIK verzeichnete natürlich akquisitionsbedingt eine erhebliche Verbesserung. Dennoch konnten wir auch hier organisches Ergebniswachstum erzielen. Dies gilt auch für den Bereich FINANZDIENSTLEISTUNGEN, der erstmals ein EBIT von über 1 Milliarde Euro erzielte.
Die Investitionen in Sachanlagen beliefen sich in 2006 auf knapp 2 Milliarden Euro und bewegten sich - trotz erstmaliger Einbeziehung von Exel - damit auf dem Vorjahresniveau. Wir haben hauptsächlich Investitionen in die Netzinfrastruktur Express getätigt, wie zum Beispiel in den Ausbau unseres neuen europäischen Luftdrehkreuzes in Leipzig. Im Unternehmensbereich LOGISTIK haben wir vornehmlich im Bereich DHL Exel Supply Chain investiert.
Der operative Cash Flow verbesserte sich auf 2,8 Milliarden Euro. Aufgrund wesentlich geringerer, nicht zahlungswirksamer Einmalerträge konnten wir hier den Anstieg um 41% gegenüber Vorjahr erzielen.
Die Netto-Finanzverschuldung verringerte sich von 4,2 Milliarden Euro in 2005 auf rund 3,1 Milliarden Euro in 2006. Der Hauptgrund hierfür lag im Umtausch der Wandelanleihe in Aktien der Deutschen Postbank, der unsere Verbindlichkeiten um 1 Milliarde Euro verringert hat.
Unser Aktienkurs hat sich im abgelaufenen Jahr letztlich erfreulich entwickelt. Unsere Aktie folgte in den ersten Wochen 2006 dem positiven Markttrend. Nach der Hauptversammlung in 2006 sank der Aktienkurs - marktkonform - und erreichte Mitte August sein Jahrestief. Danach ging es jedoch stetig aufwärts. Die Deutsche Post Aktie schloss im Dezember bei 22,84 EUR. Das entspricht einer Wertentwicklung von 11,5% seit Jahresanfang. Verglichen mit den Hauptwettbewerbern hat die Aktie der Deutschen Post eine deutlich höhere Kurssteigerung erreicht.
Meine Damen und Herren,
unsere Aktionärsstruktur hat sich auch im abgelaufenen Jahr verändert. Wir sind unserem Ziel 100 % Streubesitz näher gekommen. Eine von der KfW im Dezember 2003 begebene Umtauschanleihe auf Aktien der Deutschen Post AG wurde im Januar 2007 fällig. Durch diesen Umtausch der KfW Anleihe in Aktien der Deutschen Post wurden rund 56 Millionen Aktien aus dem Bestand der KfW an den Kapitalmärkten platziert.
Damit hat sich der Streubesitz unserer Aktie auf 69,4 % erhöht. Berücksichtigt man die Umtauschanleihe der KfW auf Deutsche Post Aktien, hält die KfW aktuell einen Anteil von rund 31 % aller Aktien der Deutschen Post AG. Der Großteil des Unternehmens liegt in Händen von institutionellen Anlegern, welche in den USA, Deutschland und Großbritannien ansässig sind.
Meine Damen und Herren,
Ich habe Ihnen soeben präsentiert, wie sich die Aktionärsstruktur von Deutsche Post World Net international darstellt. Wir stehen kontinuierlich in einem intensiven Dialog mit unseren Investoren rund um den Globus. Außerdem legen Investoren natürlich Wert darauf, für ihr Investment angemessen am Geschäftserfolg des Unternehmens beteiligt zu werden. Dies geschieht über die Dividende, und diese haben wir - seitdem wir an der Börse notiert sind - stetig erhöht. Die Dividende soll auch für das Geschäftsjahr 2006 erneut ansteigen, der entsprechende Dividenden-vorschlag beträgt 75 Euro Cent und entspricht somit über die Jahre hinweg einem jährlichen Anstieg von 19%.
Damit möchte ich nun zum Ausblick für das laufende Geschäftsjahr und zu unserer Mittelfristprognose kommen. Wir erwarten für den Konzern ein EBIT von mindestens 3,6 Milliarden Euro. Der Unternehmensbereich BRIEF sollte dieses Jahr erneut rund 2 Milliarden Euro erzielen und somit sein Ergebnisniveau halten.
Für EXPRESS erwarten wir ein EBIT von mindestens 400 Millionen Euro. Rechnet man für dieses Jahr einmalige Sonderaufwendungen von 100 Millionen Euro für das Drehkreuz in Leipzig heraus, so ergibt sich ein operatives Ergebnis von über 500 Millionen Euro. Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber der vergleichbaren Vorjahreszahl von mehr als 50%.
Die beiden Sparten LOGISTIK und FINANZDIENSTLEISTUNGEN werden ihren erfolgreichen Weg fortsetzen. Wir erwarten hier eine Steigerung von rund 15% bzw. 5%.
Der Unternehmensbereich SERVICES sollte das Jahr mit einem Ergebnis von rund minus 0,7 Milliarden abschließen. Dieses EBIT enthält - anders als im Vorjahr - keine größeren Sondereffekte.
An unserer Erwartung für 2009 hat sich nichts geändert. Nach wie vor steht das Ziel von mindestens 5,2 Milliarden Euro. Wir werden hier unsere Ziele sicher weiter konkretisieren können, wenn wir einen stabilere Planungsbasis im Briefgeschäft haben.
Ich gebe nun an Herrn Zumwinkel zurück.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich zum Abschluss zum aktuellen Thema Brief und Liberalisierung einige Ausführungen machen.
Durch die technologische Entwicklung hat sich das Kundenverhalten geändert. Geschäfts- wie Privatkunden greifen bei der Kommunikation verstärkt auf elektronische Medien zurück. Rechnungen und zunehmend Banktransaktionen erfolgen ebenfalls durch elektronische Medien. Bedingt durch diese Entwicklung schrumpft der Kernmarkt für Briefkommunikation.
In Deutschland spüren wir zudem den wachsenden Wettbewerb. Deutschland ist mit einem Wettbewerbsanteil von 10% in Europa Spitze. Als Unternehmer begrüßen wir diese Entwicklung, beobachten aber mit zunehmender Sorge, dass diese neuen Marktteilnehmer bei ihrem Geschäftsmodell auf Niedriglöhne setzen.
Sinkende Briefmengen bedeuten weniger Arbeit und damit weniger Arbeitsplätze. Auf alle diese Herausforderungen bereiten wir uns seit langem vor - mit klaren Strategien.
1. Qualitätsführerschaft
- Unsere Geschäftsabläufe stehen in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, damit wir unser weltweit führendes Qualitätsniveau halten.
- Wir haben unseren Vertrieb nach den Kundenbedürfnissen ausgerichtet und maßgeschneiderte Lösungen für die großen Geschäftskunden wie für die Gewerbekunden entwickelt.
- Im Privatkundenbereich rücken wir ebenfalls näher an die Kunden heran. So werden wir beispielsweise - zunächst in einem Pilotprojekt ab April in Bonn und Dortmund - zusätzliche Verkaufsstellen in Kooperation mit dem Einzelhandel anbieten. Dabei handelt es sich um neue Filialformen, die unter dem Namen Postpoint die am meisten nachgefragten Produkte anbieten.
- In Dortmund werden wir im Rahmen dieses Pilotprojektes außerdem spezielle Anlaufstellen für unsere kleinen und mittleren Geschäftskunden testen. Mit dieser "Geschäftspostannahme" gehen wir speziell auf die Wünsche dieser Kunden ein, die eine schnelle und einfache Annahme ihrer Sendungen fordern.
- In Deutschland haben wir eine einzigartige Qualität geschaffen. Unsere Kunden können sich auf eine zuverlässige Auslieferung, ein professionelles Netzwerk und hoch qualifizierte Mitarbeiter verlassen.
2. Mehrwertdienste für Briefkunden
Die E-Substitution nehmen wir als Chance wahr und arbeiten an eigenen Lösungen, um diese Nachfrage zu bedienen. Ich möchte hier nur beispielhaft den Dokumentenservice online und den Digitalen Posteingangsservice, den wir z.B. Versicherungen anbieten, nennen.
3. Kosten
Wir arbeiten zur Zeit an der Einführung von Grooßbriefsortieranlagen, die wir bis 2009 in allen Briefzentren einführen werden, um somit unsere Effizienz zu steigern. Durch den Beschäftigungspakt haben wir eine größere Flexibilität bei den Kosten und Arbeitszeiten unserer Mitarbeiter erzielt.
4. Internationalisierung
In den vergangenen Jahren haben wir unser internationales Briefgeschäft ausgebaut. Unter der Marke DHL Global Mail haben wir eine führende Position im grenzüberschreitenden Briefmarkt erzielt. Wir haben ein weltumspannendes Netzwerk das 200 Länder umfasst.
Sie sehen, wir haben uns auf die Öffnung des Briefmarktes gut vorbereitet. Der Erfolg unseres Unternehmens wird aber maßgeblich davon beeinflusst, wie die Politik in Berlin und Brüssel mit dem Thema Marktöffnung verfährt.
Wir alle wissen: Deutschland steht nun kurz vor der vollständigen Liberalisierung des Briefmarktes zum 1.1.2008. Bereits heute ist Wettbewerb ein Fakt, den wir begrüßen und immer unterstützt haben. Ich selbst war und bin ein starker Befürworter des freien Marktes und eines fairen Wettbewerbs.
Fairer Wettbewerb bedeutet gleiche Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer, sowohl im In- als auch im Ausland. Und hier sehe ich eine deutliche Schieflage. Ich möchte Ihnen diese besorgniserregende Entwicklung an drei Punkten skizzieren.
1. Wir haben völlig ungleiche Verhältnisse in Europa.
Ich habe immer gesagt, ja, wir als Deutsche Post sind bereit, bei der Liberalisierung voran zugehen, wenn dies in einem europäischen Gleichklang erfolgt. Wir sind bereit hinzunehmen, dass einige Länder erst in spätestens einem Jahr folgen. Doch hiervon kann derzeit nicht die Rede sein. Deutliche Vorzeichen weisen darauf hin, dass in absehbarer Zeit bei unseren westlichen und südlichen Nachbarn die vollständige Marktöffnung nicht angestrebt wird. Diese Entwicklung betrachte ich ernsthaft mit Sorge. Eine Mehrheit ist derzeit für eine Liberalisierung zum 1.1.2009 in Europa nicht gegeben.
2. Die konsequente Einhaltung des Postgesetzes ist nicht gegeben und führt zu Lohndumping.
Wir begrüßen es sehr, dass unsere Wettbewerber in Deutschland aktiv werden und hier auch Arbeitsplätze schaffen. Der Gesetzgeber hat aber ganz klar definiert, unter welchen Bedingungen neue Anbieter auf dem deutschen Markt tätig sein dürfen und die Vergabe der Lizenzen an die Einhaltung sozialer Mindeststandards geknüpft.
Zielsetzung war die Verhinderung von sozial nicht abgesicherten Arbeitsverhältnissen mit geringer Arbeitsplatzsicherheit, nicht auskömmlichem Lohn, Minijobs und schlechten Sozialleistungen.
- Im Moment sehen wir uns jedoch einer Entwicklung gegenüber, die absurd ist. Einige unserer Wettbewerber zahlen ihren Zustellern so niedrige Löhne, dass ihre Mitarbeiter auf Transferzahlungen des Staates angewiesen sind. Dies führt zu Wettbewerbsverzerrungen, die der Gesetzgeber vermeiden wollte.
- Gleichzeitig erhalten diese Anbieter bei Ausschreibungen des öffentlichen Sektors den Vorzug bei der Zustellung, da sie die preiswertesten Dienstleistungen offerieren. Das heißt: einerseits spart eine Behörde bei den Transportkosten, zahlt aber andererseits Menschen, die 40 Stunden pro Woche bei einem Dumpinganbieter arbeiten, Hartz IV oder andere Transferzahlungen. Die Deutsche Post hingegen zahlt ihren Mitarbeitern ein tariflich vereinbartes Gehalt, das es Ihnen ermöglicht, von Ihrer Arbeit zu leben, ohne Transferzahlungen in Anspruch nehmen zu müssen.
3. Die Deutsche Post bietet heute einen qualitativ hochwertigen, flächendeckenden Universaldienst zu erschwinglichen Preisen an.
Nach 2007 sind wir nicht mehr gesetzlich verpflichtet, diesen Dienst anzubieten. Der Gesetzgeber sieht vor, dass alle Wettbewerber dies gemeinsam leisten. Wir schauen nicht darauf, was unsere Wettbewerber machen und welche Beiträge sie zum Universaldienst leisten. Ich bin überzeugt, dass wir lange Zeit der einzige umfassende Universaldienstleister bleiben werden.
Wir wollen das Vertrauen, das unsere Kunden in uns zeigen auch weiterhin rechtfertigen. Hier und heute sage ich ganz klar: der Universaldienst für unsere Kunden ist uns wichtig und wir werden ihn weiterhin mit dem heutigen Standard gewährleisten.
Wir haben, wie erläutert, vielfältige Maßnahmen ergriffen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Doch als größter privater Arbeitgeber dieses Landes haben wir auch eine Verpflichtung unseren Mitarbeitern gegenüber. Die Rechnung ist ganz einfach. Der Briefmarkt schrumpft jedes Jahr. Den daraus resultierenden Arbeitsplatzabbau haben wir in der Vergangenheit sozial verträglich bewältigt. Das werden wir so auch in der Zukunft schaffen. Wenn wir z.B. 20% Marktanteil durch Lohndumpring verlieren, haben wir 20% weniger Arbeit für unsere 160.000 Mitarbeiter beim Brief. Dann sind bei uns 32.000 Arbeitsplätze gefährdet. Dies entspricht der Anzahl aller in Deutschland im Steinkohlebergbau Beschäftigten.
Unsere Mitarbeiter zahlen jährlich 1,6 Mrd. EUR Sozialabgaben in die öffentlichen Kassen ein und subventionieren damit die Transferzahlungen und die Billiglöhne unserer Wettbewerber. Meine Damen und Herren, dies stellt die Regeln des fairen Wettbewerbs völlig auf den Kopf.
Franz Müntefering hat die derzeitige Position bei der Briefliberalisierung meines Erachtens recht treffend beschrieben: "Vorreiter - aber nicht blöd". Es kann nicht sein, dass wir Deutschen unseren Markt für ausländische Anbieter öffnen, wir selbst aber weder auf unserem inländischen Markt noch im Ausland auf vergleichbare Marktbedingungen stoßen.
Lassen Sie es mich nochmals ganz klar sagen: ja, wir sind für freien Wettbewerb und die Wahlmöglichkeit für Kunden. Aber wir wollen dies unter den gleichen fairen Bedingungen für alle Marktteilnehmer. Daher fordern wir:
- Eine völlige Marktöffnung erst, wenn gleiche Marktzutrittsbedingungen für alle Wettbewerber bestehen
- Die Anwendung verbindlicher Mindeststandards für alle Anbieter bezüglich Arbeits- und Sozialbedingungen
Wettbewerb ist gut für die Kunden und für die Unternehmen, aber nur, wenn die Politik Rahmenbedingungen schafft, die allen Anbietern und den dahinter stehenden Mitarbeiten gleiche und faire Chancen auf dem Markt bietet. Nur fairer Wettbewerb ist guter Wettbewerb.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich werde neben dem aktuellen Briefthema immer wieder gefragt, wie gut und ausgewogen ist der DPWN-Konzern heute aufgestellt und wie gut ist der Konzern international aufgestellt.
Meine Antwort darauf ist: Wir haben eine exzellente Plattform aufgebaut mit großen Netzwerken und Skaleneffekten.
Zum ersten Mal erwirtschaften wir in 2006 über 50% unseres Ergebnisses (EBIT) außerhalb des Briefsegmentes. Auch international haben wir uns gut aufgestellt. 60% unseres Umsatzes erzielen wir bereits im Ausland. In fast allen Märkten, auf denen wir vertreten sind, sind wir der Marktführer.
Jetzt sind unsere Ziele im Rahmen von First Choice: Für unsere Kunden weltweit die erste Wahl auf dem rasch wachsenden globalen Logistikmarkt zu werden. Unsere 500.000 Mitarbeiter zu mobilisieren und zu befähigen, Qualität und Produktivität auf Weltklasseniveau zu steigern. Den Umsatz organisch und das EBIT auf über 5,2 Mrd. EUR bis 2009 zu steigern.
Meine Damen und Herren,
Insgesamt ist die Deutsche Post World Net weltweit gut und ausgewogen aufgestellt. Wir stellen uns den Herausforderungen der Zukunft und den steigenden Anforderungen unserer Kunden. Mit und für unsere Kunden arbeiten wir an innovativen Logistik-Lösungen. Hierfür haben wir in Troisdorf bei Bonn unser Technologie- und Innovationcenter errichtet. Dieses wird in der kommenden Woche eingeweiht. Ich lade Sie hiermit herzlich zu der Eröffnung ein.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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