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- Bilanzpressekonferenz I/2005: Rede Dr. Klaus Zumwinkel und Dr. Edgar Ernst
Rede Dr. Klaus Zumwinkel und Dr. Edgar Ernst
Anlässlich der Bilanzpressekonferenz zum Geschäftsjahr 2004 am 22. März 2005 in Bonn
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen zur Bilanzpressekonferenz 2005 des Konzerns Deutsche Post World Net in Bonn.
Auch das Geschäftsjahr 2004 brachte für uns wieder beträchtliche Herausforderungen. Es gab Chancen und Risiken. Es gab schöne Erfolge, aber auch Themen, die uns für 2005 und danach noch einige Arbeit bescheren.
Die globale Konjunkturerholung gewann im Jahr 2004 deutlich an Schwung. Die globale Wirtschaftsleistung legte insgesamt um 5 % zu. Dies war das stärkste Wachstum seit fast drei Jahrzehnten! Noch deutlicher expandierte der Welthandel mit gut 9 %.
Zugkräftig zeigten sich die USA, auch wenn sich das Leistungsbilanzdefizit ausweitete und einen neuen Rekordwert erreichte.
Die wachstumsstärkste Weltregion war wieder Asien. Dabei überraschte insbesondere Japan mit einem erneuten kräftigen Anstieg des BIP. In China setzte sich das starke Wirtschaftswachstum mit 9,5 % in unvermindertem Tempo fort.
Im Euroraum erholte sich die Konjunktur Dank des positiven globalen Umfeldes zwar ebenfalls, jedoch wuchs das BIP nur moderat, in Deutschland leider noch geringer.
Wir wollen Ihnen heute davon berichten, wie wir die Herausforderungen 2004 angenommen und Chancen genutzt haben. Wenn ich auf 2004 blicke, denke ich an einige Highlights für unseren Konzern:
- Wir haben Umsatz und Ergebnis gesteigert und unsere Bilanz gestärkt. Es war das beste Jahr seit 1990. Wir sind heute absolut schuldenfrei.
- Wir haben BRIEF in Deutschland gestärkt und international weiter ausgebaut.
- Der Postbank IPO war eine bewegte Zeit. Wer aber heute mit der Postbankaktie ein Plus von 20 % in seinem Depot verbuchen kann, zählt sich wohl zweifelsfrei mit uns zu den Gewinnern.
- Asien macht uns nach wie vor große Freude. Das Wachstum ist enorm, wir haben uns mit Akquisitionen in Indien und einem Joint Venture in Neuseeland gezielt verstärkt.
- DHL USA bleibt unsere größte Herausforderung. Wir sind angetreten, in den USA eine starke dritte Kraft zu werden. Das bleibt unser Ziel. Wir haben dort Hausaufgaben zu erledigen. Daran arbeiten wir systematisch und intensiv. Der Markt ist gut, der Umsatz läuft gut. Das Thema heißt: Integration, Kosten und Qualität.
- Die Verlegung des Europa-Hubs von Brüssel nach Leipzig bis 2008 ist beschlossene Sache. Wir haben reiflich überlegt, rein wirtschaftlich richtig und dabei auch im Interesse Deutschlands entschieden.
- Ende 2004 sind wir mit einem Award ausgezeichnet worden, der uns in einem "good company ranking" zum besten DAX-Unternehmen bzgl. sozialer Verantwortung und bürgerschaftlichen Engagements gekürt hat. Darauf sind wir sehr stolz und nehmen diese Verantwortung ernst.
Konzernkennzahlen 2004
Nun will ich Ihnen, bevor Herr Dr. Ernst Ihnen gleich Detailinformationen zu unserer Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz vorstellen wird, die Konzernkennzahlen des Jahres 2004 präsentieren.
Der Konzern Deutsche Post World Net hat seinen Umsatz von rund 40 Mrd. Euro (2003) auf rund 43,2 Mrd. Euro gesteigert. Das entspricht einem prozentualen Anstieg von 7,9 %.
Das operative Ergebnis (EBITA) haben wir in 2004 um 12,5 % auf rund 3,35 Mrd. Euro gesteigert. Damit liegt es am oberen Ende der Guidance, die wir Ihnen und den Kapitalmärkten kommuniziert hatten. Das werten wir wiederum als ein klares Zeichen der Solidität und Stärke unseres Konzerns.
Der Konzerngewinn stieg um über 21 Prozent auf rund 1,59 Mrd. Euro an.
Die Zahl der weltweiten Mitarbeiter unseres Konzerns stieg im Jahresdurchschnitt um 6.000 Beschäftigte auf über 381.000 an.
STAR Programm
Die Maßnahmen aus unserem STAR Programm für Integration und Wertsteigerung erzielten im Geschäftsjahr einen Ergebnisbeitrag von 439 Mio. Euro. Seit Beginn des Programms im November 2002 steuerte STAR akkumuliert ein Ergebnis von 862 Mio. Euro bei. Damit haben wir unser unterjährig bereits angehobenes Ziel, bis zum Jahresende 2004 mindestens 800 Mio. Euro zu erreichen, klar übertroffen. Was haben wir mit STAR in der Praxis in 2004 gemacht? Aus der Vielzahl der Projekte will ich nur zwei nennen:
- Ein STAR Fokus war die globale Neuaufstellung des Konzerneinkaufs. Sie ist vollendet. Hier haben wir unsere Ziele sogar übertroffen.
- Im September 2004 haben wir nach Kuala-Lumpur und Scottsdale/Arizona das dritte DHL IT Center in Prag eröffnet und unsere globale IT Struktur vollendet. Wir sind nun nach dem Prinzip "Follow the sun" 24 Stunden, rund um die Uhr für unsere Kunden handlungsfähig.
Für das Geschäftsjahr 2005 bleibt es unverändert bei unserer Guidance, dass wir mit STAR in diesem Jahr einen EBITA Beitrag von 1,4 Mrd. Euro und damit ein Konzern-EBITA von mindestens 3,6 Mrd. Euro erreichen werden.
Meine Damen und Herren, mit Ende dieses Jahres läuft das STAR Programm aus. Schon jetzt können wir ein sehr erfreuliches Vorab-Fazit ziehen. STAR hat uns in allen Unternehmensbereichen gestärkt und die Integration im Konzern nachhaltig gefördert.
Umsätze international
Auch 2004 haben wir die Quote unseres internationalen Umsatzes weiter gesteigert. Sie stieg von rund 43 auf heute fast 48 %.
Die Entwicklung bei den Auslandsumsätzen zeigt: Wir sind heute sehr kurz davor, ein seit langem gesetztes und kommuniziertes Ziel zu erreichen und die Hälfte unserer Umsätze außerhalb Deutschlands zu erwirtschaften.
Aktienentwicklung Deutsche Post und Postbank
Aktienentwicklung Deutsche Post und Postbank
Mit der Entwicklung der Aktie der Deutschen Post in 2004 können wir nicht zufrieden sein. Nach der sehr schönen Steigerung in 2003 von über 60 % konnten wir in 2004 nur um 3 % zulegen. Dies lässt sich u.a. auf die Lage an den Aktienmärkten zurückführen, die Unsicherheiten bei Ölpreis und US-Dollar, aber natürlich auch auf unsere Geschäftslage in den USA, die uns Ende September zu einer neuen Guidance veranlasst hatte.
Seit Jahresbeginn 2005 haben wir mit unserer Aktie wieder deutlich Fahrt aufgenommen und konnten gut zulegen.
Mehr als zufrieden sind wir indes mit der Entwicklung der Postbank Aktie. Sie hat in 2004 um 14 %, bis heute um weitere rund 5 % zugelegt.
Wir werten dies als klaren Beweis für den überzeugenden Wert unserer Bank und für unsere richtige Strategie, die wir im Rahmen des IPO's der Postbank im Juni vergangenen Jahres gefahren haben.
Dividende 2004
Meine Damen und Herren, Sie haben gesehen, unsere Konzernkennzahlen für das Geschäftsjahr 2004 weisen sehr solide Umsätze und ein über den Erwartungen liegendes, gutes Ergebnis aus.
Vor diesem Hintergrund werden wir der Hauptversammlung am 18. Mai 2005 eine Dividendenausschüttung von 556 Millionen Euro oder 50 Cent pro Aktie vorschlagen. Die Dividende ist für unsere Aktionäre steuerfrei.
Im Vorjahr hatten wir eine Dividende von 44 Cent pro Aktie gezahlt.
Mit dieser Dividende wollen wir das Vertrauen unserer Aktionäre in unseren Konzern stärken.
Bevor ich Ihnen zu unseren einzelnen Unternehmensbereichen berichten werde, darf ich an Herrn Dr. Ernst übergeben.
Jahresabschluss 2004
Sehr geehrte Damen und Herren, zunächst will ich einige Worte zu unserem Jahresabschluss sagen.
Wir haben in den Konzernabschluss neben der Deutschen Post AG alle in- und ausländischen Unternehmen des Konzerns einbezogen, bei denen der Deutschen Post die Mehrheit der Stimmrechte zusteht. Dabei haben wir im Jahr 2004 120 inländische und 536 ausländische Unternehmen voll konsolidiert.
Lassen Sie mich mit der Gewinn- und Verlustrechnung beginnen:
Die Umsatzerlöse, einschließlich der Erträge aus Bankgeschäften, haben wir im Jahr 2004 um 7,9 % auf rund 43,2 Milliarden Euro gesteigert. Unsere Akquisitionen haben mit 2,5 Mrd. Euro bzw. 6,2 % zum Umsatzwachstum beigetragen.
Ohne Wechselkursänderungen in Höhe von 668 Mrd. Euro hat sich der (operative) Umsatz um 9,5 % gesteigert.
Weiter gesteigert - um rund 19 % - haben wir den Anteil unserer internationalen Umsätze. Mit 20,6 Mrd. Euro machen die Umsätze außerhalb Deutschlands heute fast 48 % unseres Gesamtumsatzes aus.
Den Erfolg unseres Konzerns messen wir am Ergebnis der operativen Tätigkeit vor Abschreibung Firmenwerte (EBITA).
Dieses haben wir um 12,5 % auf 3,347 Mrd. Euro gesteigert. Dazu haben neben unserem STAR Programm und einem sehr starken 4. Quartal 2004 insbesondere die guten Geschäftsentwicklungen in den Unternehmensbereichen LOGISTIK und FINANZ DIENSTLEISTUNGEN beigetragen.
Ursprünglich waren wir von einem Anstieg des EBITA zwischen 5-10 % ausgegangen. Diese Prognose hatten wir unterjährig auf 7,5-12,5 % angehoben.
Der Konzerngewinn ist von 1,31 Mrd. Euro auf rund 1,59 Mrd. Euro angestiegen. Das Ergebnis je Aktie hat sich dementsprechend von 1,18 Euro auf 1,43 Euro erhöht.
4. Quartal 2004
Lassen Sie mich noch einen kurzen Blick auf das 4. Quartal 2004 werfen, das aus unserer Sicht sehr erfolgreich verlaufen ist.
Wir konnten im 4. Quartal 2004 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Umsätze um 3,1% steigern, den operativen Gewinn (EBITA) sogar um 16,5%.
Die detaillierten Umsatz- und Ergebniszahlen für das 4. Quartal finden Sie in Ihren Presseunterlagen.
Segmentberichterstattung
Zum Gesamtumsatz der Unternehmensbereiche von rund 43 Mrd. Euro hat der Unternehmensbereich BRIEF im Jahr 2004 rund 12,7 Mrd. Euro beigetragen, der Bereich EXPRESS rund 17,8 Mrd. Euro, der Bereich LOGISTIK rund 6,8 Mrd. Euro und der Unternehmensbereich FINANZ DIENSTLEISTUNGEN rund 7,4 Mrd. Euro.
In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld erwirtschaftete der Unternehmensbereich BRIEF einen Umsatz, der leicht über dem des Vorjahres lag. Dies ist insbesondere auf unsere klare strategische Ausrichtung auf das internationale Briefgeschäft und die gute Entwicklung in unserem Geschäftsfeld Direkt Marketing zurückzuführen.
Im Bereich EXPRESS haben wir den Umsatz um 16,3 % gesteigert. Alle Regionen: Europa, Americas, Asien/Pazifik und Emerging Markets konnten operativ wachsen.
Einen Umsatzanstieg auf rund 6,8 Mrd. Euro verzeichnete der Unternehmensbereich LOGISTIK. Sowohl DHL Danzas Air and Ocean mit einem Plus von 17,5 % als auch DHL Solutions mit einem Plus von 9,9 % haben dazu kräftig beigetragen.
Bei den FINANZ DIENSTLEISTUNGEN haben wir einen Rückgang der Erlöse um 4,1 % zu verzeichnen, was insbesondere auf die geringeren Zinserträge in Folge des nach wie vor niedrigen Zinsniveaus zurückzuführen ist.
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBITA) beim BRIEF lag mit rund 2,1 Mrd. Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Das gute Ergebnis beruht insbesondere auf den schönen Erfolgen, die wir in unserem Geschäftsfeld Direkt Marketing erzielen konnten.
Im Bereich EXPRESS haben wir unser Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 % auf 367 Mio. Euro leicht übertroffen. EXPRESS "Americas" weist ein Ergebnis von minus 495 Mio. Euro aus. Außerhalb "Americas" konnten wir unser Ergebnis von 603 Mio. Euro auf 862 Mio. Euro steigern. Dies entspricht einem Zuwachs von 43 %.
Im Bereich LOGISTIK hat sich das Ergebnis deutlich verbessert, und zwar um rund 36 % auf 281 Mio. Euro. Dieses beruht auf der sehr guten Umsatzentwicklung in beiden Geschäftsfeldern DHL Danzas Air and Ocean und DHL Solutions. Unsere unterjährig angehobene Prognose - von 10 auf 25 % Zuwachs - haben wir noch einmal weit übertroffen. Mit einer Umsatzrendite 2004 von 4,1 % liegen wir damit im Bereich LOGISTIK in der vorderen Spitzengruppe unserer Wettbewerber.
Der Bereich FINANZ DIENSTLEISTUNGEN konnte sein Ergebnis um ca. 22 % auf 692 Mio. Euro steigern. Zu dieser erfreulichen Entwicklung trug insbesondere das gute operative Geschäft der Postbank bei. Return on Equity (ROE) als Messgröße für die Rentabilität des eingesetzten Eigenkapitals verbesserte sich von 10,7 % auf 13,7 %. Positiv entwickelte sich auch die Cost/Income-Ratio: Sie sank deutlich von 76,1 % auf 70,8 %. Dies belegt, dass es uns gelungen ist, unsere Erträge deutlich zu steigern; zugleich sind unsere Kosten nur unterproportional angewachsen.
Konzernbilanz
Nun möchte ich Ihnen einige ausgewählten Kenngrößen unserer Bilanz vorstellen.
Das Eigenkapital erhöhte sich um 18,2 % auf rund 7,2 Mrd. Euro, was insbesondere auf dem Konzerngewinn von 1,59 Mrd. Euro beruht. Die Eigenkapitalquote stieg folglich auf 24,4 %.
Die Investitionen stiegen um 25 % auf 1,64 Mrd. Euro (bzw. 1,72 Mrd. Euro für den gesamten Konzern).
Der operative Cash-Flow ist leicht auf rund 2,6 Mrd. Euro gestiegen.
Die Nettoverschuldung hat sich in eine Nettoliquidität umgewandelt. Dieses ist in erster Linie auf die Erlöse aus dem Postbank IPO zurückzuführen. Die Postbank IPO-Erlöse und andere Beteiligungsverkäufe haben unsere Ausgaben für Akquisitionen und Investitionen übertroffen.
Damit ist Deutsche Post World Net heute frei von Finanzschulden.
Lassen Sie mich noch auf zwei weitere, speziellere Themen eingehen, die äußerst positiv unsere künftigen Nettogewinne und damit die Ergebnisse pro Aktie beeinflussen.
Die steuerliche Betriebsprüfung, bei der es im Wesentlichen um Wertansätze in der steuerlichen Eröffnungsbilanz des Jahres 1995 ging, ist zum Abschluss gekommen.
Als Ergebnis dieses Prozesses haben wir höhere Abschreibungen in unserer Steuerbilanz. Dies führt zu einem verminderten zu versteuernden Ergebnis und zu einer Verminderung unserer Steuerquote in der Konzernbilanz, die nach den Internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS erstellt wird. Wir erwarten daher in den nächsten Jahren in der Konzernbilanz eine Steuerquote von 20 %.
Die effektive Steuerlast, also die tatsächlichen Steuerzahlungen des Konzerns, bleiben aus heutiger Sicht im Wesentlichen unverändert.
Dies wird sich positiv auf unseren Konzernnettogewinn auswirken. Ab dem 01.01.2005 fallen die regelmäßigen Abschreibungen auf den Goodwill laut den IFRS-Vorschriften weg. Das waren bei uns 370 Mio. Euro in 2004.
Aus dem Fortfall der Goodwill Abschreibungen sowie der neuen Steuerquote ergibt sich insgesamt eine Erhöhung des Nettogewinns um gut 500 Mio. Euro. Das bedeutet dann eine Erhöhung des Gewinns pro Aktie um gut 45 Cent, bzw. auf Basis des 2004 Ergebnisses pro Aktie eine Steigerung um weitere 30 %.
Ich will nun noch kurz auf die Entwicklung unserer heutigen Aktionärsstruktur eingehen: Durch Anteilsverkäufe seitens der KfW ist der Streubesitz auf heute 44 % gestiegen.
Zusätzlich hat die KfW Umtauschanleihen platziert, zuletzt einen so genannten Uridashi-Bond an Privatanleger in Japan. Diese Anleihen sind mit 10,1 % unserer Aktien unterlegt.
Das heißt: Wenn diese Anleihen in Aktien der Post umgetauscht werden, kann unser Freefloat sozusagen von selbst auf über 50 % steigen, ohne dass dazu weitere Platzierungen notwendig wären.
Man kann sagen: wir sind bereits heute ein privates Unternehmen, aber in der öffentlichen Wahrnehmung macht der Mehrheitsbesitz des Staates uns oft noch zu einem "Staatsunternehmen". In diesem Sinne wäre ein Absinken der Staatsbeteiligung auf unter 50 % ein marktpsychologisch wichtiger Schritt. In vielen Gesprächen mit Partnern und Kunden in anderen Ländern spielt dies immer wieder eine Rolle.
Zusammenfassung
Meine Damen und Herren,
ich darf für Sie die wichtigsten Geschäftsdaten des Konzerns Deutsche Post World Net für das Jahr 2004 noch einmal im Überblick zusammenfassen:
- Wir haben den Konzernumsatz um 7,9 % auf rund 43 Mrd. Euro gesteigert. Ohne Wechselkurseffekte wäre der Umsatz 9,5 % höher gewesen.
- Der Anteil des Auslandsumsatz stieg auf fast 48 % an.
- Das Ergebnis von rund 3,35 Mrd. Euro liegt am oberen Rand unserer Prognose und der Erwartungen der Kapitalmärkte an uns.
- Das Ergebnis für das 4. Quartal steigt gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16,5 %.
- Der Konzerngewinn erhöht sich auf 1,59 Mrd. Euro.
- Das STAR Programm hat 439 Mio. Euro zum Ergebnis von 2004 beigetragen und damit die Erwartungen weit übertroffen.
- Der Konzern Deutsche Post World Net ist heute schuldenfrei.
- 8. Die Dividende steigt - bei Annahme durch die Hauptversammlung - um 13,6 Prozent auf 50 Euro Cent pro Aktie.
Meine Damen und Herren, ich meine, die guten Ergebnisse 2004 belegen die fundamentale Stärke und Solidität unseres Konzerns.
Damit darf ich jetzt das Wort an Dr. Zumwinkel zurückgeben.
BRIEF
Sehr geehrte Damen und Herren, im Folgenden will ich Ihnen über die Ergebnisse und Entwicklungen unserer einzelnen Unternehmensbereiche im Jahr 2004 berichten und einen Ausblick auf 2005 geben.
Der UB BRIEF hat das Jahr 2004 bei Umsatz und EBITA mit Werten abgeschlossen, die in etwa auf Vorjahresniveau liegen. Damit sind wir sehr zufrieden. Heute erzielen wir bereits 48,8 % unseres BRIEF Umsatzes außerhalb der Exklusivlizenz. Unsere Umsatzrendite bei BRIEF lag mit 16,4 % (im Vorjahr 16,7 %) weiter auf dem angestrebten hohen Niveau.
Unser Hauptumsatzträger blieb das Geschäftsfeld "Brief Kommunikation". Im Geschäftskundensegment mussten wir durch die schwache Binnenkonjunktur im Geschäftsjahr einen Absatzrückgang hinnehmen. Im Geschäftsfeld "Presse Distribution" konnten wir den Umsatz in leicht rückläufigem Markt halten.
Im Jahr 2004 haben wir unsere BRIEF Internationalisierungsstrategie weiter erfolgreich vorangetrieben. Unsere Akquisitionen in Großbritannien, den Niederlanden, Spanien und insbesondere in den USA halfen, den Gesamtumsatz um rund 2,0 % zu steigern.
Zu diesem Wachstum trug auch unser erfolgreiches "Direkt Marketing" Geschäft bei. Dieses Geschäftsfeld ist weiter auf Erfolgskurs. Es wuchs beim Umsatz um 4,3 %. Aus gutem Grund will ich deshalb etwas näher auf das Thema Direkt Marketing eingehen.
Meine Damen und Herren, unser Konzern erzielt heute bei BRIEF rund 85 % seiner Umsätze mit Geschäftskunden. Deswegen ist das Feld des Direkt Marketing, bzw. des Dialog Marketing sehr wichtig.
Auf diesem Gebiet entwickeln wir neue innovative Angebote und Dienstleistungen. Wir sind sicher, zum Erfolg unserer Geschäftskunden auf Ihren jeweiligen Märkten und bei Ihren Zielgruppen einen entscheidenden Beitrag leisten zu können. Dieser liegt in zielgruppengenauer Ansprache vorhandener und potentieller Kunden, also einer qualitativen Erweiterung der Werbe- und Marketing-Aktivitäten dieser Geschäftskunden.
Hohe Responszahlen, Wirtschaftlichkeit, Kalkulierbarkeit und Sicherheit erhöhen den Erfolg der Marketing-Aktivitäten. Wir unterstützen diese Produkt- und Dienstleistungsoffensive durch eine groß angelegte Werbekampagne, die speziell auf die Felder B-to-B und B-to-C ausgerichtet ist.
Das Kampagne-Motto heißt "Menschen erreichen". Dies beschreibt gewissermaßen unsere Kernkompetenz. Wie kein anderes Unternehmen erreichen wir die Menschen überall, und wir sind für sie erreichbar.
Wer Ziele im Auge hat - und das haben unsere Geschäftskunden ganz gewiss -, der muss dazu Menschen erreichen. Das ist es, was die Deutsche Post wirklich kann.
Im Geschäftsfeld "Brief International" stammten die Umsatzzuwächse im Kern aus den Akquisitionen in UK, den Niederlanden und den USA. Zusammen mit dem Geschäftsfeld "Mehrwertleistungen" haben wir einen um 12,3 % gestiegenen Umsatz erzielt. Das internationale Briefgeschäft haben wir 2004 unter die Marke DHL Global Mail gestellt. Wir begreifen die Maßnahme als einen weiteren, richtigen Schritt zu unserem Ziel des "one-face-to-the-customer" Ansatzes - und das weltweit.
Lassen Sie mich einige klärende Worte zu Beteiligungen an ausländischen Postgesellschaften sagen.
- Grundsätzlich müssen bei einer solchen Beteiligung drei Voraussetzungen gegeben sein: Strategisch muss die ausländische Post zu uns passen, z.B. muss sie die gleiche Premium-Qualitätsstrategie verfolgen; dann muss der regulatorische und Gesetzesrahmen verlässlich sein, z.B. bei der Preisregulierung; und schließlich müssen wir als Kaufleute auf einen vernünftigen Kaufpreis und eine ordentliche Rendite achten. Lassen Sie mich die Länder durchgehen, die immer wieder in den Medien genannt werden.
- Japan. Wir haben gute Beziehungen zur japanischen Post und ich habe noch vor kurzem den japanischen Ministerpräsidenten Koizumi besucht. Aber die japanische Post ist noch nicht privatisiert, es gibt keine Perspektive für Anteilsverkäufe an Ausländer und wir haben aus heutiger Gesamtsicht kein Interesse.
- Österreich. Wir arbeiten gut mit der österreichischen Post zusammen. Aber wegen der verschiedenen politischen Entwicklungen in Österreich haben wir definitiv kein Beteiligungsinteresse. Wir haben mit 300 Mio. Euro Umsatz und rund 1.500 Beschäftigten schon heute eine attraktive Marktposition in Österreich, die wir stärken werden.
- Belgien. Es läuft derzeit ein Prozess zum Verkauf eines Anteils an der belgischen Post. Wir haben alles gründlich geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass einige Grundvoraussetzungen nicht gegeben sind. Deswegen haben wir erst gar kein Angebot abgegeben. Auch in Belgien haben wir mit fast 750 Mio. Euro Umsatz und fast 2.700 Mitarbeitern eine starke Position.
- Dänemark. Mit der dänischen Post arbeiten wir gerade im EXPRESS Bereich eng und gut zusammen. Hier findet der Verkauf einer 22 % Beteiligung statt. Strategisch würden wir gut zur dänischen Post passen. Aber wir sind nicht bereit, Preise zu zahlen, die uns keine auskömmlichen Renditen bieten. Deswegen werden wir unser Angebot nicht erhöhen.
- Italien. Hier gibt es nur eine allgemeine Spekulation über die Privatisierung. Wir führen derzeit definitiv keine Gespräche in diesem Zusammenhang.
Sie sehen also: einige klare Entscheidungen unsererseits, sonst viele Spekulationen. Die Privatisierung der Postgesellschaften weltweit kommt langsam in Fahrt. Wir haben grundsätzlich drei Alternativen: Beteiligung oder Kauf bestehender Postgesellschaften, Akquisition privater Briefdienstleister oder Eigenaufbau.
Wir haben eine klare Strategie zur Internationalisierung unseres Briefgeschäftes, die wir gerade in den letzten drei Jahren mit großen Schritten ausgeführt haben.
Wir haben das größte Netzwerk für internationalen Briefversand aufgebaut (mit Direktverbindungen in mehr als 200 Länder weltweit und Produktionszentren auf 4 Kontinenten).
Der wichtigste Baustein war der Einstieg in den weltgrößten Briefmarkt, die USA, im Mai vergangenen Jahres. Dort sind wir mit unseren Akquisitionen auf einen Schlag zur Nr. 1 der privaten Briefanbieter geworden (in Zusammenarbeit mit der USPS).
EXPRESS
Der Unternehmensbereich EXPRESS konnte seinen Umsatz in 2004 erheblich steigern, sein Ergebnis auf Vorjahresniveau halten.
In allen Regionen waren die Umsätze gut: insgesamt + 16,3 %, ohne Währungseffekte gar + 19,7 %.
In der Region "Europa" ist der Umsatz um 4,3 % gestiegen. Insbesondere die iberische Halbinsel, Skandinavien, die Beneluxregion und die Länder Großbritannien und Irland haben dazu beigetragen. In Deutschland konnten wir wachsen, weil wir deutliche Mengenzuwächse im Export- und Importgeschäft verzeichneten. Insgesamt macht die Integration in Europa gute Fortschritte.
In der Region "Americas" werden heute 4,3 Mrd. Euro umgesetzt. Ich werde auf die Situation in den USA gleich noch näher eingehen.
In der Region "Asien/Pazifik" stieg unser Umsatz um erfreuliche 25,1 %.
In den "Emerging Markets (EMA)" verzeichneten wir einen Umsatzanstieg um 20 %. Hier profitierten wir von den gestiegenen Transportvolumina in der Golfregion und einer guten Entwicklung in den osteuropäischen Ländern, insbesondere in Russland.
Meine Damen und Herren, in Deutschland werden wir unser Projekt DHL und Leipzig weiter voran treiben und uns auf den Aufbau unseres internationalen Luftnetzes dort vorbereiten. Rund 10.000 Arbeitsplätze (direkte und indirekte) werden dort ab 2008 entstehen. Die Arbeiten dafür gehen gut voran. Wir werden Sie dazu beständig auf dem Laufenden halten.
Ein Fokus unserer EXPRESS Strategie liegt auf der Region Asien/Pazifik und den Ländern China sowie Indien. Beide bieten enorme Wachstumspotentiale. In beiden Ländern haben wir 2004 wichtige Schritte unternommen, um unsere Position weiter zu festigen. In China mit dem gezielten Ausbau des China Domestic Geschäfts, in Indien mit der Akquisition von Blue Dart, der Nr. 1 im nationalen EXPRESS Geschäft.
Beide Länder wiesen in den vergangenen Jahren Wachstumsraten zwischen 7 und 10 % pro Jahr auf. Mit einer Gesamtbevölkerung von nahezu 2,5 Mrd. Menschen werden diese Länder zukünftig eine enorm wichtige Rolle nicht nur in Asien sondern auch auf den Weltmärkten spielen.
Es ist für unseren Konzern von elementarer Bedeutung, in beiden Ländern klar positioniert zu sein. Das sind wir bereits heute, aber wir werden uns auch zukünftig dort weiter und gezielt verstärken, um für unsere Kunden die erste Wahl zu bleiben.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich nun einige Worte zu unserer Situation in den USA sagen. Die Lage in den USA ist gewiss eine große Herausforderung für unseren Konzern in 2005 und 2006.
Unsere Strategie, in den USA präsent und aktiv zu sein, ist nach wie vor unverzichtbar.
Lassen Sie mich die drei wesentlichen Gründe nennen. Erstens sind die USA der größte Express- und Logistikmarkt der Welt. Deswegen läuft zweitens ein großer Teil unseres Expressaufkommens in Europa und Asien in die USA und ein großer Teil des Expressaufkommens in den USA wird in unsere weltweiten Netze außerhalb der USA geflogen und dort ausgeliefert. Ein Netzwerk lebt von der Gesamtabdeckung und dem Volumen. Und drittens muss ein global player mit einem globalen Netzwerk auch dort - nämlich in den USA - vertreten sein, wo die größten Konzerne der Welt ihre Zentralen haben und über globale Geschäfte und Logistik entscheiden.
Mit dieser Strategie haben wir vor einigen Jahren begonnen: zuerst der Kauf der DHL-USA mit den internationalen Produkten, dann der Kauf von Airborne mit dem Schwerpunkt im domestic Luft-Express-Produkt und schließlich der Eigenaufbau des domestic ground based parcel network für die gesamten USA.
Wir wissen um die operativen Hausaufgaben, die uns heute in den USA unter den Nägeln brennen: Es geht um die weitere und bessere Integration, die Senkung der Kosten und die nachhaltige Steigerung unserer Dienstleistungsqualität. Wir wollen unsere Geschäfte mit klarem Fokus auf die Kunden verbessern. Denn wir wollen unser Leistungsversprechen und -niveau, das uns weltweit auszeichnet, auch in den USA klipp und klar einhalten.
Wir haben erste, sehr gute Schritte auf dem Weg dorthin gemacht. Ich meine, der Markt für uns ist zweifelsfrei da.
Es liegt jetzt aber an uns, den Kunden in den USA die wirklich attraktive dritte Kraft zu sein, die sie - das ist uns immer wieder von vielen Seiten bestätigt worden - definitiv wollen.
Für unsere Ergebnisentwicklung in der Region "Americas", die 2004 zu einem operativen Verlust von minus 495 Mio. Euro geführt hat, haben wir einen klaren Fahrplan kommuniziert, an den wir uns halten werden: 2005 erwarten wir noch einen Fehlbetrag von bis zu 300 Mio. Euro, Ende 2006 in den USA den Break-even.
Wir investieren in den nächsten Jahren 1,2 Mrd. US-Dollar in die USA, davon allein 300 Mio. US-Dollar in den Ausbau unseres zentralen USA Knotenpunktes, den eigenen Flughafen in Wilmington (Ohio).
Wir haben Ende 2004 eine weitreichende Management-Entscheidung getroffen, und ich freue mich, Ihnen heute John Mullen vorstellen zu können. Einige von Ihnen kennen ihn aus seiner Zeit als Chef unseres Asien-Geschäfts. Es ist seine Aufgabe, uns in den USA voran zu bringen.
Meine Damen und Herren, es gibt keinen Zweifel an unserer USA Strategie. Der Markt ist gut, unser Umsatz, unsere Markterfolge sind gut - jetzt erledigen wir kraftvoll unsere Hausaufgaben in Sachen Integration, Kosten und Qualität.
Logistik
Der Unternehmensbereich LOGISTIK konnte sowohl seinen Umsatz als auch sein Ergebnis deutlich steigern. Aufgrund der überaus positiven Entwicklung im Berichtsjahr hatten wir unsere Ergebnisprognose unterjährig angehoben: Statt einer Erhöhung von mindestens 10 % im Vergleich zum Vorjahr haben wir einen Zuwachs von mindestens 25 % prognostiziert. Diese Erwartung haben wir mit 36 % noch einmal weit übertroffen! Die Umsatzrendite verbesserte sich folglich um 0,6 Prozentpunkte auf 4,1 %. Das ist eine Spitzenmarge. In 2004 hat unser UB LOGISTIK absolut mehr verdient als unsere größten Konkurrenten in diesem Bereich.
Im Geschäftsfeld Air and Ocean sind sowohl in der Luft- als auch in der Seefracht die transportierten Volumina gestiegen. In der Luftfracht verzeichneten wir gegenüber dem Vorjahr eine zweistellige Zuwachsrate der Tonnage. In der Seefracht wuchs das Volumen nochmals in ähnlicher Höhe wie in 2003 und damit ebenfalls zweistellig. Bei Solutions stieg der Umsatz um 9,9 % an. Die Wachstumsimpulse kamen insbesondere aus den Sektoren Elektronik/Telekommunikation und Fast Moving Consumer Goods. Neugeschäft in den USA, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden ließen die Volumina steigen.
Meine Damen und Herren, Sie wissen, wir übernehmen im Frühjahr dieses Jahres große Teile der KarstadtQuelle-Konzernlogistik. Die Verträge sind am letzten Freitag unterschrieben worden.
Bei einem jährlichen Umsatz von rund 500 Mio. Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren bedeutet dieser Schritt für uns ein Neugeschäft von 5 Mrd. Euro.
Mit der Übernahme des größten europäischen Logistikauftrags werden wir erneut unsere Leistungsfähigkeit im Bereich des Supply Chain Management unter Beweis stellen.
DHL Solutions übernimmt die Distributionslogistik für die Karstadt Warenhaus AG einschließlich der Mitarbeiter. Auch der Bereich Groß-/Stückgut der Versender Quelle und Neckermann wird von DHL Solutions betrieben.
Ich glaube, kein anderes Unternehmen ist heute in der Lage, eine derartig komplexe Struktur zu übernehmen und die reibungslose Versorgung der Warenhäuser sowie die Belieferung der Versandhandelskunden zu gewährleisten.
FINANZ DIENSTLEISTUNGEN
Im Jahr 2004 erzielte der Unternehmensbereich Finanzdienstleistungen Erlöse in Höhe von 7,3 Mrd. Euro. Das Äquivalent zum Umsatz eines Industrieunternehmens sind im Bankgeschäft die Bruttoerträge aus Zins-, Provisions- und Handelsgeschäften. Hauptgrund für den Erlösrückgang war das niedrigere Zinsniveaus.
Das Ergebnis erhöhte sich im Geschäftsjahr 2004 im Vergleich zum Vorjahr um 21,8 %. Zu dieser erfreulichen Entwicklung trug im Wesentlichen das gute operative Geschäft der Postbank bei.
Besonders erfreulich entwickelte sich der Provisionsüberschuss; er stieg um 31,0 % auf 612 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr. Dies ist darauf zurückzuführen, dass wir den Absatz beratungsintensiver Produkte weiter steigern konnten und im neuen Geschäftsfeld Transaktionsbanking Dienstleistungen für andere Banken erbringen.
Anfang Mai haben wir die gesamte Abwicklung des Zahlungsverkehrs der Dresdner Bank übernommen. Am 1. Juli hat uns die Deutsche Bank die Abwicklung ihres inländischen und Teile ihres ausländischen Zahlungsverkehrs übertragen.
Dadurch fielen im zweiten Halbjahr 2004 erstmals die vollen Erträge aus diesen Aktivitäten an.
Zum 1. Januar 2005 haben wir unsere Filialen in die Deutschen Post Retail GmbH überführt, eine neue, selbständige Organisationsform mit knapp 20.000 Beschäftigten. Mit unserer neuen Tochter wollen wir uns noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden einstellen und auch unseren Vertriebskanal Filiale mit seinen vielfältigen Aufgaben für die drei Marken Deutsche Post, DHL und Postbank weiter stärken.
Meine Damen und Herren, der IPO der Postbank war das Highlight unseres Konzerns in 2004. Es waren bewegte Zeiten, die wir mit gemeinsamer Anstrengung zu einem Erfolg gefügt haben. Wer heute Aktionär der Postbank ist, wird mit dem Ergebnis zufrieden sein. Ich meine, der Markt hat unser Handeln und unsere Strategie, insbesondere aber unsere Vorstellung vom Wert dieser Bank, bestätigt. Das Geschäftsmodell ist fokussiert und stimmig, die Qualität des Managements allgemein anerkannt.
Das renommierte Bank- und Kapitalmarktmagazin EUROMONEY hat vor kurzem den IPO der Postbank als "beste Eigenkapitaltransaktion 2004 unter besonders schwierigen Bedingungen" in Westeuropa ausgezeichnet. Wir freuen uns über diese Auszeichnung, die wir als weitere Bestätigung für unsere Vorgehensweise werten. Wir sind stolz auf unsere Postbank und ihr Ansehen in Deutschland und darüber hinaus. Wir werden sie in unserem Konzernverbund halten und diesen starken Pfeiler weiter ausbauen.
10 Jahre Deutsche Post AG
Meine Damen und Herren, 10 Jahre Aktiengesellschaft Deutsche Post sind ein mehr als guter Anlass, um mit Stolz auf das Erreichte und mit Zuversicht auf das vor uns Liegende zu schauen. Wir sind den Mitarbeitern dankbar für ihr Engagement und den Kunden für ihr Vertrauen.
Die dynamische Entwicklung unseres Unternehmens in den vergangenen zehn Jahren gilt weltweit als Modell für eine rundum gelungene Privatisierung und Internationalisierung. Nur fünf Jahre nach Gründung der AG waren wir an der Börse. Die umfassende Modernisierung unserer Brief- und Frachtlogistik in den 90er Jahren und die konsequente Neuausrichtung unserer Produkte und Services hat uns rechtzeitig auf den zunehmenden Wettbewerb eingestellt. Unsere internationale Ausrichtung erfüllt die wachsenden Kundenanforderungen an weltumspannende Logistik-Dienstleistungen.
Ich meine, die "neue Post" hat unseren Kunden zahlreiche Vorteile gebracht. Briefe und Pakete werden schneller zugestellt, die Services in den Filialen wurden verbessert. Geschäftskunden erhalten heute weltweit maßgeschneiderte Lösungen, die weit über den klassischen Transport von Brief- und Paketsendungen hinausgehen. Die Privatisierung selbst gilt inzwischen auch im Ausland als gelungenes Beispiel, wie das hohe Interesse in anderen Ländern zeigt.
Meine Damen und Herren, gestatten Sie mir heute noch einmal deutlich Stellung zu nehmen zu den Themen Konsolidierung, Teilleistungszugang, Wettbewerb und Aufhebung der Exklusivlizenz vor Ende 2007.
Meine Damen und Herren, ich bin für Wettbewerb. Deswegen bin ich ja bei der Post angetreten. Aber für einen Wettbewerb mit offenem Visier und gleichen Rechten und Pflichten. Ich meine, eine vorzeitige Aushöhlung der Exklusivlizenz bedeutete Wettbewerbsverzerrung im europäischen und internationalen Vergleich. Der Markt muss schrittweise, geordnet und unter verlässlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen liberalisiert werden.
Die EU hat diesen Fahrplan vorgesehen. An diesen werden wir uns halten, erwarten aber, dass sich auch unsere Gesprächspartner - in der nationalen wie europäischen Politik - daran halten. Sie alle wissen, unsere Exklusivlizenz in Deutschland ist mit weitreichenden Verpflichtungen für uns gekoppelt. Zu diesen stehen wir ohne Wenn und Aber.
Wir bieten heute rund 220.000 hochwertige und voll sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Deutschland und haben mit unseren Sozialpartnern einen Beschäftigungspakt, der bis März 2008 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt sowie einen Ausbildungspakt, der 7.000 Ausbildungsplätze bis 2007 garantiert. In Leipzig werden durch unsere Investitionen 10.000 neue direkte und indirekte Arbeitsplätze entstehen.
Unsere Wettbewerber dagegen schaffen nur wenig Investitionen und Arbeitsplätze. Das Geschäftsmodell z.B. der Konsolidierung erzeugt aber keinen wirklichen Wettbewerb. Der immer wieder gern behauptete Impuls für den Arbeitsmarkt ist bislang nicht sichtbar. Ich will Ihnen gerne einige Zahlen dazu an die Hand geben:
Die Arbeitsentgelte für Vollzeitarbeitnehmer bei kleineren Wettbewerbern liegen deutlich unter dem Bezahlungsniveau der Deutschen Post AG. Anstelle von Vollzeitarbeitsplätzen werden bei unseren Wettbewerbern andere Beschäftigungsformen gewählt: Die Ich-AG als Ein-Mann-Betrieb oder auch 400 Euro Minijobs.
Im Jahresbericht 2004 der RegTP werden für die Deutsche Post AG 0,7 % der Mitarbeiter als geringfügig beschäftigt ausgewiesen, 99,3 % sind voll- oder teilzeitbeschäftigt. Bei unseren Wettbewerbern sind nur 19 % Vollbeschäftigte (Zahlen für 2003).
Eine Konsolidierungsvorgabe für den Briefbereich in Deutschland würde als Äquivalent einem Abbau von 6.000 Stellen bei der Deutschen Post entsprechen.
Die Einhaltung des EU-Zeitplans für Deregulierung und Wettbewerb in den Postmärkten ist eine Voraussetzung zur Sicherung tausender Arbeitsplätze in Deutschland. Wer in Zeiten wie diesen politische Verantwortung trägt, muss sich das vor Augen halten.
Vor kurzem war ich zwei Tage lang mit meiner Top-Führungsmannschaft zusammen. Wir haben über 2005 und die nächsten Jahre gesprochen. Und wir haben ein Projekt vertieft, das mir sehr am Herzen liegt: Das ist die Vermittlung unserer so genannten Corporate Values und ihrer Verwirklichung im Arbeitsalltag jedes einzelnen. Integration bedeutet für unser Unternehmen nicht nur die Erschließung von Kosten- und Umsatzsynergien in einem weltumspannenden Netzwerk und die Heranbildung einer globalen Arbeitsgemeinschaft. Wir wollen auch eine Wertegemeinschaft sein.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht um ein gemeinsames Werteverständnis, auf das sich alle Mitglieder unseres multinational und multikulturell verfassten Unternehmens verständigt haben. Dabei handelt es sich nicht um ein abstraktes ethisches Ziel, sondern um die sehr konkrete Verhaltensweise eines jeden einzelnen. In zahlreichen Projekten und mit einer kaskadenhaften internen Kommunikation versuchen wir die Brücke herzustellen zwischen den für richtig erkannten Wertsetzungen und dem konkreten Arbeitsalltag unserer 380.000 Mitarbeiter überall in der Welt.
Wir sind fest davon überzeugt, dass ein solcher Orientierungsrahmen maßgeblich auch zu unserem wirtschaftlichen Erfolg beiträgt - also eine nicht unterschätzende Erfolgsressource des Unternehmens ist. Und dass die Verwirklichung von Werten letztlich zur Steigerung des Unternehmenswertes beiträgt.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss kommen.
Was wir in den vergangenen 10 Jahren erreicht haben, ist letztlich Ausfluss einer Strategie, die wir konsequent verfolgt haben: Internationalisierung und Nutzung der Chancen durch die Globalisierung.
Deutsche Post World Net hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Global Player entwickelt. Mit DHL sind wir heute auf allen wichtigen Märkten der Welt stark vertreten. Wir sind weltweit präsent.
Wir sind die Nr. 1 in Europa und Asien, wir werden eine dritte Kraft in den USA sein. Wir sind die Nr. 1 bei der globalen Luftfracht, die Nr. 2 bei der Seefracht. Wir decken mit 380.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 220 Länder ab und sind damit in Reichweite und globaler Plattform unserer Dienstleistungen in unserer Branche schon heute unangefochten.
Es ist richtig, es warten weitere Herausforderungen auf uns. Wir werden in diesem Jahr als Konzern weiter zusammenwachsen, unser Wertsteigerungsprogramm STAR erfolgreich abschließen und ein kundenorientiertes, profitables USA-Geschäft auf den Weg bringen. Außerdem wollen wir unser nationales und internationales Briefgeschäft ausweiten und Wachstumsmöglichkeiten weltweit aktiv nutzen. Ich darf noch einmal unsere Gewinnerwartung für das Jahr 2005 mit mindestens 3,6 Mrd. Euro bekräftigen.
Ich möchte schließen mit der Feststellung: Unser Unternehmen ist strategisch, unternehmerisch und finanziell gut aufgestellt und wird von seiner mittlerweile geschaffenen globalen Plattform aus weiter wachsen - in den verschiedenen Regionen und den verschiedenen Geschäftsfeldern.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ihre Bereitschaft, unseren Weg auch weiterhin konstruktiv-kritisch zu begleiten.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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