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- Bilanzpressekonferenz H1, 2007: Rede Dr. Klaus Zumwinkel und Prof. Dr. Edgar Ernst
Rede Dr. Klaus Zumwinkel und Prof. Dr. Edgar Ernst
Anlässlich der Halbjahres-Pressekonferenz 2007 am 3. August 2007 in Bonn
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie recht herzlich zu unserer Halbjahres-Pressekonferenz hier in Bonn.
Insgesamt hatten wir ein erfolgreiches erstes Halbjahr. Wir konnten den Umsatz über alle Unternehmensbereiche hinweg steigern und damit auch den Konzernumsatz.
Beim Ergebnis möchte ich hervorheben, dass sich der Unternehmensbereich Express deutlich verbessert hat und der Unternehmensbereich Logistik sein starkes Ergebniswachstum fortsetzt. Insgesamt stieg dadurch auch das Konzernergebnis überproportional zum Umsatz an.
Besonders erfreulich ist, dass es uns gelungen ist, den operativen Cash Flow zu verdoppeln.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind auch im vierten Jahr in Folge günstig. Bis auf die USA, die einen schwachen Auftakt ihrer Konjunktur im ersten Halbjahr verzeichneten, zeigen alle Regionen ein starkes Wachstum.
China, das im 1. Halbjahr mit 11,5% erneut beeindruckend wuchs, wird eine immer stärkere Wirtschaftsmacht und spielt auch in unserem Konzern eine immer bedeutendere Rolle.
In Europa erleben wir ein unvermindertes Wachstum von rund 2,7%. Die Unternehmen blicken nach wie vor positiv in die Zukunft, so dass mit einer Fortsetzung dieses Wachstums zu rechnen ist.
Ähnlich verhält es sich in Deutschland, wo sich der Aufschwung mit 2,6% fortsetzt.
Ich möchte Ihnen nun einen kurzen Überblick über die Entwicklung unseres Konzerns im ersten Halbjahr geben, bevor mein Kollege Herr Ernst Sie im Detail über die Entwicklung unserer Unternehmensbereiche informieren wird.
Insgesamt können wir feststellen, dass das 1.Halbjahr sich recht erfreulich entwickelt hat und wir im 2. Quartal 2007 sogar noch zulegen konnten.
Der Konzernumsatz stieg im 1. Halbjahr um 5,4% auf rund 31 Mrd. EUR. Im 2. Quartal verbesserte sich unser Umsatz sogar noch stärker und wuchs um 6,5%.
Das operative Ergebnis verbesserte sich im 1. Halbjahr um 9% auf 1,7 Mrd. EUR. Diese Größenordnung erreichten wir auch im 2.Quartal.
Der Konzerngewinn stieg um rund 7% auf 784 Mio. EUR. Im zweiten Quartal konnten wir sogar mit rund 13% zulegen.
Auch der internationale Anteil unseres Umsatzes ist weiterhin gestiegen und bekräftigt mit nunmehr 60,5% unsere Stellung als globales Unternehmen.
Wir arbeiten weiter am Ausbau unserer internationalen Präsenz. So planen wir beispielsweise unser Joint-Venture in Indien mit der Lemuir-Gruppe zu erweitern. Wir werden zusammen eine neue Gesellschaft gründen, um die bereits bestehenden Geschäftsaktivitäten unseres Gemeinschaftsunternehmens zusammenzuführen. Hierdurch festigt DHL seine führende Position auf dem bedeutenden und wachstumsstarken indischen Markt.
Zu Beginn diesen Jahres hat unsere Tochtergesellschaft Williams Lea 100% der Anteile am britischen Unternehmen "The Stationery Office" übernommen. Dies ist Teil unserer Strategie, das internationale Briefgeschäft weiter auszubauen.
Darüber hinaus investieren wir in unsere Infrastruktur, wie zum Beispiel in den Wachstumsmärkten in Asien und Russland aber auch hier in Deutschland beim Luftdrehkreuz Leipzig.
Das operative Ergebnis des Konzerns wuchs insgesamt um 9% auf 1,7 Mrd. EUR. Hierbei ist 2007 ein Einmalertrag vor allem durch den Verkauf des Entsorgungsdienstleisters VfW AG zu erwähnen. Bereinigt um Einmaleffekte ergibt sich ein Wachstum von 12% auf gut 1,6 Mrd. EUR.
Meine Damen und Herren, ich übergebe nun das Wort an meinen Kollegen Edgar Ernst, der Sie über die Entwicklung in unseren einzelnen Unternehmensbereichen informieren wird.
Prof. Dr. Edgar Ernst:
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich möchte Ihnen im Folgenden die Entwicklung in den einzelnen Unternehmensbereichen näher erläutern. Beginnen möchte ich mit dem Unternehmensbereich Brief.
Im Briefbereich konnten wir im zweiten Quartal trotz eines leichten Rückgangs im Umsatz die Profitabilität um 3,4% steigern und ein EBIT von 331 Millionen Euro erwirtschaften.
Der Gesamtumsatz für das erste Halbjahr beläuft sich nunmehr auf mehr als 7,5 Mrd. Euro. Das EBIT ging auf Halbjahresbasis trotz eines um 1,3% gestiegenen Umsatzes um 6,3% auf 949 Millionen Euro zurück. Ein Grund hierfür ist, dass wir im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 0,7 Arbeitstage weniger hatten. Darüber haben wir Sie bereits im ersten Quartal informiert, aber natürlich schlägt sich dies ebenfalls in den Halbjahreszahlen nieder.
Der Trend zu e-Substitution setzt sich fort. Gepaart mit den Auswirkungen aus dem zunehmenden Wettbewerb zeigt sich dies in erneut rückläufigen Volumina in der Brief Kommunikation. Insgesamt sank das Briefvolumen im ersten Halbjahr um 3% auf rund 4,1 Mrd. Sendungen.
Der Bereich Direkt Marketing konnte im zweiten Quartal den Umsatz um 1,9% auf 659 Mio. Euro steigern. Im Halbjahresvergleich bleibt der Umsatz - belastet durch den Arbeitstageeffekt - auf dem Niveau des Vorjahres. Wir stellen jedoch, im Zuge der Erholung der Werbe- und Marketingbranche, eine steigende Sendungsmenge fest. Dies stimmt uns zuversichtlich, dass wir Rückgänge in der Brief Kommunikation hierdurch kompensieren können.
Das stärkste Umsatzwachstum verzeichnet einmal mehr unser internationales Briefgeschäft. In den ersten sechs Monaten stieg der Umsatz in den Geschäftsfeldern Global Mail und Corporate Information Solutions (Williams Lea) um 21% auf rund 1,6 Mrd. Euro und kompensiert so maßgeblich den Umsatzrückgang im Heimatmarkt. Anfang diesen Jahres haben wir zur Stärkung unseres internationalen Briefgeschäftes "The Stationery Office" gekauft. Diese Akquisition trug zum Umsatzwachstum bei. Der Löwenanteil stammt jedoch aus organischem Wachstum in diesem Geschäftsbereich.
Die Integration des zu Beginn diesen Jahres transferierten Paketgeschäftes ist schon weitestgehend abgeschlossen und beginnt erste Früchte zu tragen. Das Paketaufkommen stieg im ersten Halbjahr um 1,1%. Bedingt durch die Preissenkungen im Sommer letzten Jahres konnte das Umsatzniveau des Vorjahres noch nicht wieder erreicht werden und der Umsatz sank insgesamt um 2,9% auf 1,2 Mrd. Euro
Lassen Sie uns nun zum Bereich Express kommen.
Im Expressgeschäft setzte sich die positive Entwicklung des ersten Quartals fort. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 3% auf 3,4 Mrd. Euro während wir das EBIT sogar um rund 29% auf 99 Mio. Euro erhöhen konnten. Durch die bereits positive Entwicklung im ersten Quartal ergibt sich für die ersten sechs Monate ein Umsatz von nahezu 6,8 Mrd. Euro, der negative Währungseffekte in Höhe von 223 Millionen Euro beinhaltet.
In Landeswährung haben alle Regionen zu der positiven Entwicklung beigetragen.
Das EBIT konnten wir in den ersten sechs Monaten um 142 Mio. auf 161 Mio. Euro steigern. Es hat sich im Vergleich zum Vorjahr somit mehr als verachtfacht.
Die Haupttreiber dieser sehr erfreulichen Entwicklung möchte ich Ihnen im Folgenden etwas detaillierter darstellen.
Global profitiert das Expressgeschäft von dem starken Wachstum des hochmargigen internationalen Expressgeschäfts in allen Regionen. Weltweit konnte das internationale Sendungsvolumen um 3,7% gesteigert werden. Etwas schwächer, jedoch gleichermaßen positiv entwickelten sich die Inlandsvolumina, die um 2,2% zulegen konnten.
Besonders profitiert die Region Europa von der positiven Entwicklung des internationalen Expressgeschäfts. In nahezu allen Ländern stieg das Sendungsaufkommen.
In der Region Americas erhöhte sich der Umsatz in lokaler Währung um 3,6 %. Besonders gut zeigt sich erneut das Inlandsgeschäft Lateinamerikas. In den Vereinigten Staaten blieben die Sendungsmengen entsprechend der nachlassenden Konjunktur schwach, was aber durch einen besseren Produktertrag ausgeglichen werden konnte. Im zweiten Quartal ist unser operatives Geschäft hier vor allem bei den Produkten Ground und International erfreulich angezogen. Bei Ground zog das Volumen durch den Vertrag mit Dell spürbar an und konnte im zweiten Quartal sogar um 8,1% gesteigert werden.
Weiterhin sehr erfreulich entwickelten sich die Regionen Asien Pazifik und EEMEA. Insgesamt verzeichneten wir hier ein zweistelliges Wachstum beim Sendungsaufkommen. Negative Währungseffekte wurden dadurch mehr als ausgeglichen, so dass ein solides Umsatzplus erzielt werden konnte.
Im Bereich Logistik war der Haupttreiber die weiterhin starke globale Entwicklung der Warenströme.
Gefördert durch die anhaltend wachsende Weltwirtschaft stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 7,4% auf 6,3 Mrd. Euro an. Im selben Zeitraum konnte das Ergebnis um 20,5% auf 200 Mio. Euro gesteigert und die Entwicklung des Vorquartals fortgeführt werden.
Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz insgesamt um 6,7% auf 12,5 Mrd. Euro. Negative Wechselkurseffekte in Höhe von 239 Mio Euro aber auch anorganische Effekte, wie der genannte Verkauf der VfW AG, belasteten den Umsatz um 182 Mio. Euro. Rein organisch stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten aber um knapp 10%.
Beim EBIT ist es uns gelungen, um 28,2% auf 414 Mio. Euro zu wachsen. Hierbei ist jedoch einen Erlös aus dem Verkauf der VfW in Höhe von 59 Mio. Euro enthalten. Hierum bereinigt beträgt der Anstieg 9,9%.
Im Geschäftsfeld DHL Global Forwarding entwickelten sich die Volumina in der Luft- als auch der Seefracht weiterhin positiv und konnten so zu der erfreulichen Gesamtentwicklung beitragen. Beeinflusst durch negative Wechselkurseffekte in Höhe von 132 Mio. Euro und gesunkene Frachtraten auf einzelnen Routen im Bereich der Luftfracht entwickelte sich der Umsatz mit einem Wachstum von 0,2% nur leicht positiv. Damit wird die starke Volumenentwicklung in der Luftfracht von 9% und in der Seefracht von 16%, die über dem durchschnittlichen Marktwachstum lag, nicht wider gegeben.
Besonders stark konnte dieses Jahr der Bereich der Kontraktlogistik zulegen. Dort konnten wir durch die Vielzahl von neuen Verträgen ein solides organisches Wachstum generieren und den Umsatz im ersten Halbjahr um 12,8% auf 6,4 Mrd. Euro steigern. Mehr als die Hälfte des gesamten Logistikumsatzes kommt nun aus diesem Subsegment.
Das Geschäftsfeld DHL Freight weist für das erste Halbjahr 2007 einen Umsatz von 1,8 Mrd. EUR aus. Berücksichtigt man anorganische Effekte sind wir operativ um 4,1 % gewachsen. Die meisten Länder entwickelten sich sehr positiv - allen voran Deutschland, wo wir verstärkt für die Automobilbranche tätig waren.
Lassen Sie uns nun einen Blick auf die Entwicklung des Bereichs Finanzdienstleistungen werfen.
Im Unternehmensbereich Finanzdienstleistungen, der im Wesentlichen das Geschäft der Postbank enthält, konnten sowohl Umsatz als auch die Profitabilität erneut gesteigert werden.
Diese Entwicklung war vor allem durch die sehr gute Umsatzentwicklung im 2. Quartal getrieben, in dem der Umsatz sogar um 16,8% gesteigert werden konnte. Das EBIT stieg in den ersten sechs Monaten um 6,7% auf rund eine halbe Milliarde Euro.
Herr Klein, der zum 1. Juli den Vorstandsvorsitz der Postbank von Herrn von Schimmelmann übernommen hat, hat Sie am Anfang der Woche bereits über die Details der Entwicklung informiert. Daher möchte ich nur kurz auf einige der Wachstumstreiber unseres Bereichs Finanzdienstleistungen eingehen.
Die weiterhin solide Entwicklung bei der Postbank basiert in diesem Jahr auf einem sehr erfolgreichen Kostenmanagement. Der Anstieg der Mehrwertsteuer und die Einmalkosten durch die Integration von BHW konnten erfolgreich kompensiert werden. Dadurch basiert das Umsatz- und Ergebniswachstum größtenteils auf dem mobilen Vertrieb und dem Bereich Baufinanzierung.
Besonders erfreulich für uns ist das Ergebnis einer Studie über die Leistungsqualität von Filialinstituten, die das Deutsche Institut für Service-Qualität in sieben deutschen Großstädten durchgeführt hat. Im Ranking erreichte die Postbank in allen Städten jeweils einen der ersten drei Plätze, in Berlin sogar Platz 1. Dies unterstreicht unseren Anspruch, dem Kunden ein qualitativ hochwertiges und preislich attraktives Gesamtangebot zu machen und langfristige Kundenbeziehungen anzustreben.
Wir fühlen uns dadurch erneut bestärkt in unserer klaren Ausrichtung als führende deutsche Retailbank.
Lassen Sie mich nun einige Worte zu ausgewählten Konzernkennzahlen sagen.
Die Investitionen des Konzerns beliefen sich im ersten Halbjahr auf 794 Mio. Euro und bewegen sich somit auf Vorjahresniveau. Darin enthalten sind auch die Investitionskosten für unser neues Drehkreuz in Leipzig, welches bis Mitte des nächsten Jahres seinen Betrieb voll aufnehmen wird.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung des operativen Cash Flows (Postbank at Equity). Basierend auf der soliden Ergebnisentwicklung der einzelnen Unternehmensbereiche stieg dieser um 125% bzw. um 439 Mio. Euro auf 789 Mio. Euro.
Die Nettoverschuldung, ebenfalls Postbank at Equity, stieg seit Jahresbeginn um 27,9% auf knapp 4 Mrd. Euro. Dieser Anstieg ist durch die Vorauszahlung unserer Pensionsverpflichtungen gegenüber unseren Beamten im ersten Quartal sowie die Zahlung der Dividende im zweiten Quartal zu erklären und wird sich im Verlauf des Jahres wieder auf ein niedrigeres Niveau bewegen.
Abschließend möchte ich noch etwas zu unserer Guidance für das Geschäftsjahr 2007 sagen.
Die von uns im März dieses Jahres gegebene Guidance im Hinblick auf unseren Konzern-EBIT - ohne Einmaleffekte - von mindestens 3,6 Mrd. Euro bleibt weiterhin unverändert.
Meine Damen und Herren, unser Konzern hatte ein erfolgreiches erstes Halbjahr. Wir arbeiten intensiv daran, diese positive Entwicklung fortzusetzen.
Es gilt aber auch, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es uns ermöglichen, uns in einem fairen Wettbewerb zu behaupten. Ich übergebe zu diesem Thema das Wort zurück an Herrn Zumwinkel.
Dr. Klaus Zumwinkel:
Meine Damen und Herren,
Das Thema Postmarkt ist nicht erst seit den politischen Entscheidungen der letzten Wochen ein vieldiskutiertes Thema. Bis in das kleinste Detail und jede juristische Feinheit werden die Regelungen diskutiert.
Aber um was geht es grundsätzlich? Ich sehe hier drei große Herausforderungen für die Zukunft, die eng miteinander verknüpft sind.
Zum einen das Thema Liberalisierung in Europa. Sie alle kennen ja unsere Position, nämlich die Bereitschaft der Deutschen Post, 1-2 Jahre bei der Liberalisierung voranzugehen. Verbunden haben wir diese Zusage immer mit der Forderung, dass die übrigen Länder verbindlich innerhalb dieses Zeitraums folgen. Nur so kann die Idee des Binnenmarktes verwirklicht werden.
Zweitens, der Universaldienst. Die Deutsche Post ist und bleibt der einzige Anbieter, der einen flächendeckenden und gesetzeskonformen hochwertigen Universaldienst in vollem Umfang anbietet.
Und drittens, die Festschreibung sozialer Mindeststandards für die Beschäftigten im Postdienst in Deutschland. Derzeit haben wir ein Missverhältnis bei den Löhnen und die Branche driftet in unakzeptable Niedriglöhne ab.
Wie sieht der Stand bei der Liberalisierung aus?
Vor Kurzem hat das Europäische Parlament die Öffnung der Postmärkte bis mindestens Anfang 2011 verschoben. Das ist aus meiner Sicht eine dramatische Entwicklung.
Und es kommt noch schlimmer. Während 5 Länder, darunter Deutschland, weiterhin an dem vereinbarten Zeitplan festhalten und bis Ende 2007 ihre Postmärkte für den Wettbewerb öffnen, betreiben die übrigen 22 Länder formal ein "Europa der drei Geschwindigkeiten". Alle Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, letztendlich wird sich jedes dieser Länder an dem späteren Zeitraum orientieren. Denn die jetzt vereinbarte Regelung bietet den neuen EU-Mitgliedsländern und denjenigen Staaten mit zum Beispiel einer schwierigen Topographie die Möglichkeit, ihren Markt sogar bis 2013 abzuschotten.
Die erste schlimme Schlussfolgerung ist: Die Liberalisierung in 22 Ländern wird 5 Jahre dauern. Die zweite noch schlimmere Schlussfolgerung ist: unter der portugiesischen und dann der slowenischen Präsidentschaft muss ja noch der Ministerrat zustimmen. Und dort sitzt die Mehrheit der Verweigerer wie Frankreich und Polen. Dann können aus den 5 Jahren auch 7 Jahre werden und das verbunden mit weiteren Handelshemmnissen.
Ich gebe Ihnen einmal ein Beispiel, für Handelshemmnisse, die es heute schon gibt. Finnland brüstet sich mit seiner Liberalisierung. Wenn man aber in der Hauptstadt Helsinki ein Postunternehmen eröffnen will, zahlt man 20% - ich wiederhole 20% - auf den Umsatz als Abgabe direkt an den finnischen Staat. Das Ergebnis: Es gibt kein einziges privates Postunternehmen in Finnland. Es ist zu befürchten, dass andere Staaten noch erfindungsreicher sein werden.
Zusammenfassend muss man feststellen: die Liberalisierung im Gleichklang ist in der Europäischen Union gescheitert. Wir stehen vor einem Scherbenhaufen. Es zeigt sich wieder einmal, dass Vorleistungen nicht honoriert werden.
Kommen wir zum zweiten Thema: dem Universaldienst. In Deutschland leben wir ja faktisch bereits den Wettbewerb und hier wird deutlich: Trotz vieler mehr oder weniger großer Player auf dem Markt, ist die Deutsche Post der einzige Anbieter, der seinen Kunden, ob Privat- oder Geschäftskunde ein flächendeckendes Netzwerk mit umfangreichen Postdienstleistungen auf hohem Qualitätsniveau bereitstellt, den sogenannten Universaldienst.
Die Deutsche Post leistet heute eine flächendeckende Zustellung in ganz Deutschland und zwar in jedem Winkel unseres Landes. Unsere bald mehr als 13.000 Filialen sind sowohl in den Ballungszentren der Städte als auch auf dem Land. Ihre Briefe können die Kunden in einen unserer 108.000 Briefkästen einwerfen. Das hohe Qualitätsniveau - die Laufzeit ist nur ein Beispiel - gilt für jeden in Stadt und Land. Es gibt einen Einheitstarif für alle Bürger dieses Landes.
Das Fazit ist eindeutig: Deutsche Post World Net gewährleistet einen umfangreichen flächendeckenden Universaldienst, wie er vom Gesetzgeber gefordert wird - und dies als einziger Anbieter.
In fast allen europäischen Ländern und fast überall auf der Welt sind Universaldienst und Mehrwertsteuerbefreiung untrennbar miteinander verbunden - gerade weil die nationale Post sich nicht nur die Rosinen herauspickt, sondern auch in wirtschaftlich unattraktive Regionen geht. Aber eben dort sitzen auch Kunden, die zu erschwinglichen Preisen versorgt sein wollen.
Unsere Zusteller kommen zu allen Kunden, in der Innenstadt von Berlin oder auf der Hallig. Ich habe dies in der Vergangenheit bekräftigt und mache dies heute wieder: wir halten am Universaldienst fest - gerade im Interesse unserer Kunden.
Aber hierfür benötigen wir geeignete Maßnahmen, die dies flankieren. Dazu gehört auch die Mehrwertsteuerbefreiung für Universaldienstleistungen. Die neuen Anbieter im Postmarkt haben im Gegenzug die Möglichkeit des Vorsteuerabzuges.
Wie der Bundesfinanzminister sind wir der Meinung, dass die Deutsche Post als einziger umfassender Universaldienstleister weiterhin von der Mehrwertsteuer befreit bleiben muss.
Im Sinne unserer Kunden appelliere ich an die Politik: Universaldienst und Mehrwertsteuerbefreiung dürfen nicht angetastet werden. Bei der Einführung der Mehrwertsteuer von 19% würden die Briefpreise für private Kunden zweistellig wachsen. Es darf nicht zu staatlich verordneten Preiserhöhungen für die Privatkunden kommen.
Ich appelliere an den Gesetzgeber im Namen meiner Mitarbeiter und ihrer Familien in Deutschland : jetzt muss gehandelt werden.
Konkret fordern wir:
1. Ein sofortiges Einwirken des Bundeswirtschaftsministers auf die Bundesnetzagentur: Bei der Vergabe der Lizenzen für Briefdienstleister müssen die vom Gesetzgeber beabsichtigten Ziele des Postgesetzes bei den Standards der Arbeitsbedingungen eingehalten werden.
2. Die Postbranche muss in das Entsendegesetz aufgenommen werden, um die Einhaltung von branchenüblichen Mindestlöhnen und damit faire Wettbewerbsbedingen auf Dauer zu gewährleisten.
3. Abschluss eines allgemein gültigen Tarifvertrages für die Postbranche.
4. Rasche Einführung eines Branchen-Mindestlohns
Meine Damen und Herren,
es ist Zeit zu handeln, sonst entstehen unerwünschte Fakten, die wir nicht mehr zurückdrehen können. Wir stehen bei der Liberalisierung in Deutschland vor einem Scherbenhaufen: Alle können nach Deutschland kommen, aber deutsche Unternehmen nicht ins Ausland. Jetzt gilt es einen zweiten Scherbenhaufen zu verhindern - bei den Arbeitplätzen in Deutschland.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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