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Rede Josef Hattig
Anlässlich der Hauptversammlung 2006 der Deutschen Post AG am 10. Mai 2006 in Köln
Es gilt das gespochene Wort
Meine sehr verehrten Damen, meine Herren,
liebe Aktionärinnen und Aktionäre,
Ich eröffne die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der Deutsche Post AG und begrüße Sie herzlich auch im Namen des Vorstands und meiner Aufsichtsratskollegen. Mein Gruß gilt auch den Damen und Herren der Presse sowie unseren Gästen.
Die Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand unserer Gesellschaft sind anwesend. An meiner Seite begrüße ich Frau Notarin Dr. Ingrid Doyé. Sie wird die Niederschrift der Hauptversammlung aufnehmen.
Die heutige Hauptversammlung ist am 27. März 2006 durch Veröffentlichung der Einladung im elektronischen Bundesanzeiger form- und fristgerecht einberufen worden. Frau Notarin Dr. Doyé wird der Niederschrift ein Belegexemplar der Einberufung als Anlage beifügen.
Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, möchte ich Sie auf die mit den Stimmkartenblöcken ausgegebenen organisatorischen Hinweise aufmerksam machen, die auch an den Informationsständen ausliegen. Ich bitte Sie, die darin enthaltenen Informationen, insbesondere die Hinweise zum Verfahren bei Wortmeldungen, zu Anträgen, zum Abstimmungsverfahren und zur Vollmachtserteilung zu beachten.
Sie können sich während der gesamten Debatte zu Wort melden. Wenn Sie sich an der Aussprache beteiligen wollen, bitte ich um Ihre schriftliche Wortmeldung. Formulare liegen hier vorn an den Wortmeldecountern aus. Im Interesse einer zügigen und koordinierten Ablaufplanung bitte ich Sie, Ihre Wortmeldung möglichst frühzeitig an den Wortmeldecountern abzugeben. Ich bitte Sie ferner, Ihre Ausführungen nach dem Aufruf durch mich ausschließlich von einem der beiden Rednerpulte aus zu machen. Die Rednerpulte und die Wortmeldecounter befinden sich rechts und links neben dem Podium.
Schließlich darf ich darauf hinweisen, dass das Teilnehmerverzeichnis zur Zeit in Vorbereitung und nach Fertigstellung an den beiden Wortmeldecountern einsehbar ist.
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
der ausführliche Bericht des Aufsichtsrats über das Geschäftsjahr 2005 ist im Geschäftsbericht enthalten. Erlauben Sie daher, dass ich mich bei den Ausführungen über das vergangene Jahr auf ausgewählte Aspekte konzentriere.
1. Der Zukauf von EXEL
Der Unternehmensbereich Logistik ist in den letzten 3 Jahren organisch schneller gewachsen als der Markt und verdient Margen, die keinen Vergleich scheuen müssen. Die Kontraktlogistik ist wachstums- und ertragsstark. EXEL ist der weltweit führende Kontraktlogister. Auf dieser Basis hat der Aufsichtsrat im Herbst dem Erwerb von EXEL zugestimmt. Damit ist DHL zum Marktführer in der Kontraktlogistik sowie im Luft- und Seefrachtgeschäft geworden. Diese Marktposition und Marktstärke, die gegebenen und absehbaren Trends wie auch die Rahmenbedingungen schaffen eine hervorragende Perspektive für diesen Zusammenschluss. Die Integration von Exel verläuft erfreulich.
2. Der Erwerb von BHW
Mit dem Erwerb des BHW hat die Postbank ihre ohnehin betriebliche Vertriebskraft und Marktposition weiter ausgebaut. Die Postbank ist nunmehr in Deutschland im Retailbanking die Nummer 1. In den vergangenen 5 Jahren wurde aus der einst defizitären Postbank ein hochprofitables, marktführendes Kreditinstitut geschaffen, das heute eine Börsenkapitalisierung von rund 10 Mrd. Euro erreicht. Die weitere Entwicklung sehen wir auf dieser Grundlage sehr zuversichtlich.
3. Geschäftsentwicklung EXPRESS
Die Geschäftsentwicklung im Unternehmensbereich EXPRESS hat Licht- und Schattenseiten. Die Ertragsentwicklung in den USA ist unbefriedigend, das Wachstum in Asien, einigen europäischen Ländern, Lateinamerika, Osteuropa, im Mittlerern Osten und in Afrika liegt über dem Markt; dort werden angemessene Margen erwirtschaftet.
Aufsichtsrat und Vorstand messen den Herausforderungen des Konzerns in den USA hohe Bedeutung bei. Der Aufsichtsrat hat sich in seinen Sitzungen regelmäßig über die Situation berichten lassen und intensiv diskutiert. Wir schätzen die Situation wie folgt ein:
- Die Präsenz im größten Expressmarkt der Welt ist für das globale Netzwerk von DHL unabdingbar. So haben die positiven Entwicklungen etwa in Asien ihre Ursachen auch in der USA-Präsenz.
- Im Herbst vergangenen Jahres sind die vorhandenen 2 HUBs aus qualitativen und wirtschaftlichen Gründen in Wilmington, Ohio zusammengelegt worden. Die Umstellung hat zu einem kurzfristigen Qualitätsrückgang und zu Kundenverlusten geführte. Die Qualitätsprobleme sind inzwischen gelöst - die Servicequalität in den USA entspricht wieder den Kundenerwartungen. Eine Vielfalt sachlicher und personeller Maßnahmen wurde getroffen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und künftig eine angemessene Ertragsqualität sicherzustellen.
- Es bleibt festzuhalten: Der Aufbau einer profitablen Marktposition in den USA dauert länger und kostet mehr als geplant. Er muss aber auch im Kontext der globalen und erfreulichen Gesamtentwicklung des Unternehmens gesehen werden.
Mit meiner nunmehr 10jährigen Verantwortung und Erfahrung als Aufsichtsratsvorsitzender gestatten Sie mir einige weitere Anmerkungen:
Unser Unternehmen wurde erst vor 10 Jahren in die Rechtsform einer AG überführt und im Herbst 2000 an der Börse eingeführt. Geschäftsjahr 2000 schloss mit einem Umsatz von 32,708 Mrd EUR und einem EBIT von 2,235 Mrd. EUR ab. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 44,594 Mrd. EUR und ein EBIT von 3,755 Mrd. EUR erzielt.
Der Erfolg des Konzerns war in der Vergangenheit auch einem unternehmerisch agierenden Aktionär "Bund" zu verdanken - heute sind rund 58,4 % der Aktien im Streubesitz. Dieser Erfolg ist auch mit der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der Unternehmensführung und den Vertretern der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbunden - dies gilt auch für die Arbeit im Aufsichtsrat.
Die ehemalige Behörde ist jetzt ein privates Unternehmen, der Weg in die Marktwirtschaft wurde erfolgreich gegangen. Das Unternehmen ist heute ein führender Global Player mit einer bedeutenden Position in jedem Geschäftsfeld, mit einer starken Ertragslage und einer soliden finanziellen Basis.
Die schwächeren Teile im EXPRESS-Geschäft - vor allem die USA - werden problembewusst und konsequent bearbeitet. Zielsetzung ist eine wettbewerbsfähige Marge.
Der Unternehmensbereich BRIEF ist trotz mehrer Preissenkungen und strenger Regulierung ertragsstark. Die ohnehin herausragende inländische Marktposition wird in der Qualität weiter verbessert, etwa durch das Angebot von Mehrwertleistungen. Zudem wird die Internationalisierung fortgeführt. Auch bei weiterer Deregulierung bleibt der Brief mit dieser Blickrichtung ein gewichtiger Geschäftsteil und er bleibt ertragsstark.
In der Logistik wurde aus einer Reihe von akquirierten Unternehmen wie Danzas, Air Express International und EXEL der größte und am schnellsten wachsende Logistikanbieter der Welt gebaut, der - übrigens auch in den USA - gut verdient.
DHL konnte zu einer Marke entwickelt werden, in der die Logistik und EXPRESS zusammengefasst sind. Marke ist ein notwendiger wie erstrebenswerter Vorteil im globalen Wettbewerb. Marke bedeutet kurzgesagt: Qualität und Emotion. Marktgerechte und international vergleichbare Qualität ist dabei eine stetige Aufgabe. An dieser Aufgabe wird im Konzern konsequent und erfolgreich gearbeitet.
2005 ist der Börsenkurs um 21,2 Prozent gestiegen. Die diesjährige Entwicklung kann allerdings nicht zufrieden stellen. Wir erwarten, dass sich unsere globale Wettbewerbsposition und Marktstärke sowie unsere ambitionierten und realistischen Zielsetzungen - davon sind wir überzeugt - positiv auf den Börsenkurs auswirken werden.
Verehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
die Deutsche Post ist erfolgreich und wird es mit den gegebenen Perspektiven bleiben. Dem entsprechen die Wachstums- und Ertragsplanungen.
Meine Damen und Herren,
unter Punkt 7 der heutigen Tagesordnung werden wir über die Wahl von 7 Aufsichtsratsmitgliedern der Aktionäre Beschluss fassen. Die Amtszeit der Herren van Agtmael, Brahms, Dr. Großmann, Prof. Dr. Krüger und Dr. Lennings sowie auch meine eigene Amtszeit enden mit Ablauf dieser Hauptversammlung. Herr Ehlers hat sein Mandat mit Wirkung zum Ablauf dieser Hauptversammlung niedergelegt. Herr Dr. Großmann kandidiert aus eigenem Entschluss nicht mehr. Ich danke an dieser Stelle herzlich den Herren Ehlers und Dr. Großmann für ihre engagierte Tätigkeit im Aufsichtsrat der Gesellschaft. An Herrn Dr. Lennings darf ich diesen Dank besonders adressieren. Er hat dem Aufsichtsrat über 10 Jahre angehört und den Finanz- und Prüfungsausschuss mit großer Sachkenntnis und hohem Einsatz geleitet. Er hat sich entschlossen, nicht für eine Wiederwahl zu kandidieren.
Dies gilt auch für mich selbst.
Zur erstmaligen Wahl in den Aufsichtsrat sind die Herren Gatzer, Dr. von Grünberg, Roels und Toime vorgeschlagen. Herr van Agtmael, Herr Brahms sowie Herr Prof. Dr. Krüger stehen zur Wiederwahl an. Kurzlebensläufe liegen zu Ihrer Information an den Info-Schaltern aus.
Persönlichkeit und Qualifikation der zur Wahl stehenden Herren gewährleisten, wie ich finde, die Fortsetzung der guten und effizienten Arbeit des Aufsichtsrats. Darüber hinaus trägt der Wahlvorschlag der stetig wachsenden Internationalität unserer Gesellschaft Rechnung.
Als neues Vorstandsmitglied begrüße ich Herrn John Allan, der zu Beginn dieses Jahres die Leitung der erweiterten Logistiksparte des Konzerns übernommen hat und damit insbesondere auch die Integration von Exel verantwortet. Mit ihm konnten wir einen herausragenden Fachmann gewinnen, der über große Managementerfahrung verfügt und in der Logistikindustrie seit langem zu den besonders geachteten Unternehmerpersönlichkeiten zählt.
Wie bereits in den letzten Jahren, entspricht die Deutsche Post AG allen Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex und - mit Ausnahme der Übertragung der gesamten Hauptversammlung im Internet, auch allen Anregungen. Entsprechend können sie dem Geschäftsbericht auch die individuell aufgeschlüsselte Vergütung aller Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder entnehmen.
Die Grundstruktur der Vergütung möchte ich Ihnen, wie es der Kodex vorsieht, kurz erläutern:
Die Mitglieder des Vorstands erhalten neben der fixen jährlichen Vergütung einen variablen Jahresbonus. Als Vergütungskomponente mit langfristiger Anreizwirkung erhalten die Vorstandsmitglieder anstelle der bisher gewährten Aktienoptionen in diesem Jahr erstmalig Wertsteigerungsrechte (sog. Stock Appreciation Rights). Bei Erreichen bestimmter und anspruchsvoller Erfolgsziele gewähren diese Rechte einen Zahlungsanspruch in Höhe der Differenz zwischen dem Ausgabepreis und dem Kurs der Aktie der Gesellschaft zum Zeitpunkt der Ausübung. Optionen, die zum Bezug von Aktien der Gesellschaft berechtigten, werden nicht weiter ausgegeben, auch um eine Verwässerung der Deutsche Post Aktie zu vermeiden.
Bezugsgröße für die Höhe des Jahresbonus ist das Erreichen quantitativer wirtschaftlicher Zielsetzungen, die der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats jährlich neu festlegt. Der Maximalbonus ist der Höhe nach grundsätzlich auf den Betrag der fixen jährlichen Vergütung begrenzt.
Die Anzahl der an die Vorstandsmitglieder auszugebenden Wertsteigerungsrechte legt der Aufsichtsrat im Rahmen des von ihm beschlossenen Long-Term-Incentive-Plans 2006 fest. Zum Bezug von Wertsteigerungsrechten sind die Mitglieder des Vorstands nur unter der Voraussetzung berechtigt, dass sie für jede Tranche ein Eigeninvestment in Höhe von 10% ihres Jahresmaximalgehalts in Aktien der Gesellschaft erbringen. Die Ausübbarkeit der Wertsteigerungsrechte ist von der Erreichung anspruchsvoller absoluter und relativer Erfolgsziele abhängig.
Insgesamt ist die Vergütung leistungsorientiert und wettbewerbsfähig. Im Vergleich mit den DAX 30 Unternehmen lag die Vergütung aber auch 2005 leicht unter dem Durchschnitt.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Vorstand und Aufsichtsrat haben unterschiedliche Aufgaben in gemeinsamer Verantwortung für das Unternehmen. Ich danke dem Vorstand zugleich auch im Namen des gesamten Aufsichtsrats für eine effiziente und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wenn ich diesen Dank besonders herzlich an Herrn Dr. Zumwinkel richte, so liegt das in der Natur der Sache: Der Vorstandsvorsitzende und der Vorsitzende des Aufsichtsrats sind in besonderer Weise zu einer effizienten und vertrauensvollen Zusammenarbeit verpflichtet. Lieber Herr Zumwinkel, diese Zusammenarbeit haben wir in den 10 Jahren aus meiner Sicht hervorragend praktiziert. Ich danke Ihnen sehr.
Sehr geehrte Damen und Herren, nach diesen Erläuterungen bitte ich nun den Vorstandsvorsitzenden, Herrn Dr. Zumwinkel, uns über den Jahres- und den Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2005 sowie die Lage der Gesellschaft und des Konzerns zu berichten.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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