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- Interview mit John Allan: 9M 2007
"Wir wollen mehr Wert für unsere Aktionäre schaffen"
Die Deutsche Post World Net veröffentlichte heute den Zwischenbericht für die ersten neun Monate 2007. Wie bereits im August angekündigt, stellte das Unter-nehmen zudem ein umfangreiches neues Kapitalmarktprogramm vor, mit dem mehr Wert für die Aktionäre geschaffen werden soll. Das als "Roadmap to Value" bezeichnete Programm beinhaltet einen umfangreichen Maßnahmenkatalog, der auf die Generierung von mehr Barmitteln, auf höhere Zahlungen an die Aktionäre und auf mehr Transparenz abzielt. In einem Interview mit DPWN News sprach Finanzvorstand John Allan über die Eckpunkte der "Roadmap to Value" und über die Ergebnisse des dritten Quartals.
DPWN News: Herr Allan, Sie haben die "Roadmap to Value" vorgestellt, mit der Sie auf Kritik von Investoren an der Deutsche Post World Net reagieren. Sind Sie sicher, damit die richtige Richtung eingeschlagen zu haben?
Allan: Ja, wir sind absolut überzeugt, dass wir das Richtige tun. Wir haben uns in den letzten Monaten sehr genau angehört, was unsere Investoren zu sagen hatten. Über die laufenden Kontakte unserer Investor Relations-Abteilung hinaus hatten wir die Boston Consulting Group damit beauftragt, eine unabhängige Umfrage unter unseren Aktionären durchzuführen. Damit haben wir ein recht genaues Bild von der Meinungs- und Stimmungslage unserer Investoren erhalten, das wiederum eine ausgezeichnete Grundlage für die "Roadmap to Value" lieferte.
DPWN News: Ist die "Roadmap to Value" der erwartete große Schritt in Richtung Wertsteigerung?
Allan: Wir haben in den letzten Wochen stets betont, dass die Roadmap aus einem umfangreichen Maßnahmenkatalog bestehen wird, mit dem mehr Barmittel generiert, die Erträge für unsere Aktionäre gesteigert und die Transparenz erhöht werden soll. Von außen betrachtet scheinen einige Maßnahmen eher technischer Natur, doch in der Summe werden sie sich deutlich positiv auf die Wertsteigerung im Konzern auswirken. Nehmen Sie zum Beispiel die Einführung von "EBIT after Asset Charge" als neue entscheidende Performance-Kennzahl: Dadurch wird sich die Art und Weise, in der unsere Führungskräfte ihre Geschäftsbereiche steuern, erheblich verändern. Ihr Hauptinteresse wird nun vor allem auf der Wertmaximierung liegen. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies zusammen mit unseren weiteren Maßnahmen die zukünftige Richtung unseres Unternehmens bestimmen wird. Das abschließende Urteil überlasse ich jedoch dem Markt.
DPWN News: "EBIT after Asset Charge" klingt nach einem recht abstrakten Konzept. Können Sie näher erläutern, wie das funktionieren soll?
Allan: EBIT after Asset Charge wird als zentrale neue Performance-Kennzahl für die Gruppe eingeführt. Im Hauptunterschied zum bislang üblichen EBIT wird hier auch das Kapital berücksichtigt, das zur Generierung dieser Erträge eingesetzt wird. Im Ergebnis beziehen wir auf diese Weise die Kapitalkosten in die Konzernsteuerung mit ein. Durch diese "Asset Charge" wird die Aufmerksamkeit des Managements auf die effiziente Nutzung von Unternehmensressourcen und damit verbunden auf die Wertsteigerung im Konzern Deutsche Post World Net gelenkt.
DPWN News: Welche Auswirkungen erwarten Sie?
Allan: Mit der Einführung der neuen zentralen Performance-Kennzahl zum 1. Januar 2008 werden die Bonuszahlungen für die Führungskräfte der Deutsche Post World Net an jenen Teil der Erträge gekoppelt, der zur Wertschaffung beiträgt. Es wird somit in ihrem persönlichen Interesse liegen, ihre Handlungen und Entscheidungen voll auf die Interessen unserer Aktionäre auszurichten. Dies wird einen grundlegenden kulturellen Wandel auslösen: Die Deutsche Post World Net wird insgesamt nach den Prinzipien eines wertorientierten Managements geführt.
DPWN News: Welches sind die weiteren wichtigen Stellhebel der "Roadmap to Value"?
Allan: Es ist eines unserer Hauptziele, für unsere Investoren wirkliche materielle Vorteile zu schaffen. Die "Roadmap to Value" konzentriert sich daher stark auf die Generierung zusätzlicher Barmittel, die uns in die Lage versetzen werden, mehr Liquidität an unsere Investoren auszuschütten. Wir haben uns quantifizierbare Ziele gesetzt: Wir haben ein Effizienzprogramm mit einem Volumen von 1 Mrd. Euro gestartet und planen, unser Nettoumlaufvermögen um 700 Mio. Euro zu verringern. Zusätzlich wollen wir durch die Veräußerung von Immobilien und anderem nicht-strategischen Anlagevermögen 1 Mrd. Euro einnehmen. All diese Maßnahmen wollen wir innerhalb der nächsten zwei Jahre umsetzen. Damit werden Barmittel freigesetzt, die wir in Form von höheren Dividenden sowie anderen möglichen Maßnahmen an unsere Aktionäre zurückgeben wollen. Die Erhöhung der Dividende für das Geschäftsjahr 2007 um 20 Prozent auf 0,90 Euro ist ein erster Schritt in diese Richtung.
DPWN News: Was verbirgt sich hinter den Maßnahmen, die das EBIT-Wachstum unterstützen sollen?
Allan: Wir haben bereits die entscheidenden Hebel dafür identifiziert. Im Corporate Center und bei den Verwaltungskosten streben wir bis zum Jahr 2009 deutliche Kostensenkungen in der Größenordnung von 230 Millionen Euro an. Zusätzlich planen wir, im Unternehmensbereich EXPRESS Einsparungen in Höhe von 350 Millionen Euro zu erzielen sowie weitere 200 Millionen Euro im Unternehmensbereich LOGISTIK. Weitere Verbesserungen in Höhe von 250 Millionen Euro sollen in anderen Bereichen realisiert werden.
DPWN News: Stichwort Profitabilität - blicken wir auf die Ergebnisse für die ersten neun Monate. Das EBIT liegt leicht hinter der Zahl des Vorjahres zurück. Was sagen Sie dazu?
Allan: Wir haben in den ersten neun Monaten 2007 ein EBIT von 2,54 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Vorjahreszahl in Höhe von 2,59 Milliarden Euro enthielt Einmaleffekte in Höhe von 375 Millionen Euro; dieses Jahr hatten wir nur kleinere Positionen dieser Art zu verbuchen. Bereinigt um Sondereffekte haben wir unser EBIT im Jahresvergleich um 10 Prozent gesteigert. Dieses Ergebnis entspricht unseren Erwartungen. Für mich ist aber am wichtigsten, dass die Segmente LOGISTIK und EXPRESS das stärkste Ertragswachstum erzielten.
DPWN News: Welche Faktoren haben zum Ergebniswachstum im Segment LOGISTIK hauptsächlich beigetragen?
Allan: Das Segment LOGISTIK profitierte von einer starken Nachfrage in zentralen Geschäftsfeldern sowie von der erfolgreichen Integration von Exel. DHL Global Forwarding konnte im Seefrachtgeschäft starkes Umsatzwachstum verbuchen. Bei DHL Exel Supply Chain machten sich die Exklusivkooperation mit der britischen Gesundheitsbehörde (NHS) und das allgemeine Umsatzwachstum in nahezu allen Regionen positiv bemerkbar. Zusätzlich haben wir durch einen Unternehmensverkauf weitere Erlöse erzielt. Unser EBIT ist aber klar von organischem Wachstum bestimmt. Und dies zeigt: Unser Fokus auf organisches Wachstum als ein Bestandteil der "Roadmap to Value" macht sich bezahlt.
DPWN News: Trifft dies auch auf das Segment EXPRESS zu?
Allan: Ja, EXPRESS konnte in den ersten neun Monaten die positive Entwicklung fortsetzen. Trotz erheblicher negativer Auswirkungen durch Wechselkurseffekte legte das EBIT in diesem Segment um 59,7 Prozent auf 246 Millionen Euro zu, wobei alle Regionen ihre Profitabilität steigern konnten. Wir sind sicherlich noch nicht dort, wo wir mit Blick auf die Margen sein wollen, aber wir machen gute Fortschritte. Unsere starke Präsenz in wachstumsstarken Märkten wie dem asiatisch-pazifischen Raum und Osteuropa, in Nahost und Afrika (EEMEA) trugen zum organischen Umsatzwachstum bei. Auch unser US-Geschäft machte Fortschritte, wenngleich ich einräumen muss, dass sich die positive Entwicklung im dritten Quartal nicht fortsetzte. Die konjunkturellen Bedingungen in den Vereinigten Staaten hatten negative Auswirkungen auf das Domestic Air-Geschäft in dieser Region, was angesichts der laufenden Diskussion über die Situation der amerikanischen Wirtschaft nicht sonderlich überrascht. Auch US-amerikanische Wettbewerber hatten unter der schwächeren Konjunktur zu leiden.
DPWN News: Ist dies einer der Gründe, warum Sie das Breakeven-Ziel für den Geschäftsbereich EXPRESS Americas verworfen haben?
Allan: Unsere Produkte Ground und International machen in den USA weiter Fortschritte. Allerdings wäre es töricht, die Tatsache außer Acht zu lassen, dass sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen in den letzten Monaten verändert haben und damit unser US-Inlandsgeschäft beeinträchtigen. Unseren Investoren wird das möglicherweise auf den ersten Blick nicht gefallen, aber wir meinen, wir sollten ihnen ein realistisches Bild vermitteln.
Man muss sich allerdings auch vor Augen führen, dass das Inlandsgeschäft in den USA entscheidender Bestandteil unseres globalen Logistik-Netzwerks ist. Wir müssen in der Lage sein, von Tür zu Tür flächendeckend zu liefern. Unsere Aktionäre können jedoch sicher sein, dass wir unermüdlich daran arbeiten, die Profitabilität bei EXPRESS Americas zu verbessern.
DPWN News: Mit Blick auf das Gesamtbild die Frage: Warum ändert die Deutsche Post World Net ihre Praxis bei den Ergebnisprognosen?
Allan: Wir werden dem Kapitalmarkt Einjahresprognosen für das Ergebnis anstelle von mittelfristigen Zielsetzungen vorlegen. Solche zeitnahen Ergebnisschätzungen werden detaillierter als zuvor sein, und wir werden sie für 2009 einmalig mit indikativen Korridoren zur Profitabilität im zweiten Jahr ergänzen. Alles in allem sind wir überzeugt, dass es im besten Interesse von Analysten und Investoren ist, wenn sie einen genaueren Ausblick mit einem höheren Grad an Zuverlässigkeit bekommen. Dies entspricht im Übrigen auch der Praxis unserer Wettbewerber. Unsere Philosophie lautet: Realistisch, konsistent und transparent sein.
DPWN News: Transparenz ist ein wesentliches Element der "Roadmap to Value". Wie wollen Sie diese verbessern?
Allan: Aufgrund einer ganzen Serie bedeutender Übernahmen kam es bei der Deutsche Post World Net in den letzten Jahren häufig zu Umgliederungen von Geschäftsbereichen und entsprechenden Änderungen im Berichtswesen. Investoren und Analysten hatten Recht, als sie darauf hinwiesen, dass die Ergebnisse der Gruppe mit der Zeit schwer nachvollziehbar wurden und nur noch begrenzt vergleichbar waren. Wir wollen uns daher darauf verpflichten, Transparenz und Vergleichbarkeit deutlich zu optimieren, indem wir die Reportingstruktur nach einer letzten Restrukturierung im Segment Services stabil halten werden. Sollte es aus welchen Gründen auch immer unvermeidbar sein, dass wir einen Geschäftsbereich umgliedern, werden wir unsere Ergebnisse rückwirkend für zwei volle Geschäftsjahre neu ausweisen. Ebenso wichtig: Wir sind bestrebt, unsere Finanzberichterstattung detaillierter zu gestalten. Investoren, Analysten und die Finanzmedien werden beispielsweise künftig in der Lage sein, Auswirkungen auf die Entwicklung unseres EBIT sowohl auf Gruppen- als auch auf Segmentebene differenziert zu bewerten.
DPWN News: Zusammenfassend - wie lautet Ihre Botschaft an Ihre Investoren?
Allan: Erwarten Sie von uns im gesamten Konzern unermüdlichen Einsatz für eine Wertsteigerung und freuen Sie sich auf höhere Erträge.
DPWN News: Eine etwas persönlichere Frage - wie waren die ersten Wochen in Ihrer neuen Position?
Allan: Reichlich ausgelastet, was wohl kaum überraschend ist. Aber zum einen bin ich mit dem gesamten Konzern aufgrund meiner vorherigen Funktion im Vorstand recht gut vertraut, und zum anderen bin ich in der beneidenswerten Situation, ein hervorragendes Team zu haben, das keine Mühen scheut, mich schnellstmöglich "up to speed" zu bringen.
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