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- Interview mit John Allan: Geschäftsbericht 2007
"Wir konzentrieren uns weiterhin auf die Verbesserung unserer Profitabilität und die Freisetzung von Cash"
Die Deutsche Post World Net hat heute ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2007 vorgelegt. Mit einem EBIT vor Einmaleffekten in Höhe von 3,8 Milliarden Euro hat die Deutsche Post World Net ihr selbst gesetztes Ziel leicht übertroffen. Für das Jahr 2008 hat das Unternehmen ein angestrebtes EBIT vor Einmaleffekten von rund 4,2 Milliarden Euro bestätigt. In einem Interview mit DPWN News spricht Finanzvorstand John Allan über die Ergebnisse 2007, die jüngsten Fortschritte wichtiger Unternehmensinitiativen und die Ziele für das laufende Geschäftsjahr.
DPWN News: Herr Allan, was waren nach Ihrer Auffassung die drei wichtigsten Erfolge der Deutschen Post Word Net im Jahr 2007?
Allan: Wir haben 2007 hart gearbeitet und beachtliche Ergebnisse erzielt. Erstens haben wir mit einem EBIT vor Einmaleffekten in Höhe von 3,8 Milliarden unsere eigenen Vorgaben erfüllt. Sämtliche Unternehmensbereiche haben ihre Ziele erreicht. Zweitens wurden die regulatorischen Rahmenbedingungen für unser deutsches Postgeschäft präzisiert. Und drittens haben wir die "Roadmap to Value" eingeführt, unser umfassendes Kapitalmarktprogramm, das auf Wertschaffung für unsere Aktionäre abzielt.
DPWN News: Wenn man sich die heutige Veröffentlichung ansieht, fällt jedoch auf, dass sich das berichtete EBIT um 17 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro reduziert hat. Wie passt das zusammen?
Allan: Als wir im Januar unsere vorläufigen Ergebnisse bekannt gaben, wiesen wir auch darauf hin, dass der Konzern aufgrund eines Impairmenttests eine nicht-liquiditätswirksame Abschreibung auf das Anlagevermögen von EXPRESS Americas vornehmen wird. Die exakte Summe für diese Wertberichtigung beläuft sich auf 594 Millionen Euro - das stimmt mit den im Januar genannten Zahlen überein. Zudem
beinhaltete das 2006 gemeldete EBIT von 3,9 Milliarden Euro Einmalerträge in Höhe von 375 Millionen Euro. Üblicherweise werden solche Einmaleffekte bei der Betrachtung der fundamentalen Profitabilität des Konzerns ausgeklammert. Auf dieser Grundlage hat die Deutsche Post World Net ihr EBIT im Jahr 2007 um 7,6 % auf 3,8 Milliarden Euro gesteigert.
DPWN News: Was bedeutet das für die Ertragskraft des Bereichs EXPRESS?
Allan: Die fundamentale Ertragskraft von EXPRESS hat sich verbessert. Bereinigt um die Wertberichtigung konnte EXPRESS das EBIT im Jahr 2007 aufgrund des starken Umsatzwachstums in den Regionen Asia Pacific, Europe, Middle East und Africa um 46 Prozent auf 420 Millionen Euro steigern. Damit hat dieser Geschäftsbereich sein Ergebnisziel um 5 Prozent übertroffen. Und dies wurde trotz des Baus des neuen europäischen Drehkreuzes von DHL in Leipzig erreicht, der im vergangenen Jahr mit 76 Millionen Euro zu Buche schlug.
DPWN News: Investoren fordern seit einiger Zeit eine Lösung für EXPRESS Amerika. Was dürfen sie für 2008 erwarten?
Allan: Das amerikanische Expressgeschäft ist für den Vorstand ein zentrales Thema. Wir haben im Januar mitgeteilt, dass wir verschiedene Optionen prüfen, wie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in dieser Region verbessert werden kann. Dabei haben wir gleichzeitig betont, dass wir eine starke Präsenz im US-Markt aufrecht erhalten werden, da dieser für den Konzern von strategischer Bedeutung ist. Wir haben uns mittlerweile auf einige wenige Optionen konzentriert und nähern uns bereits einer Lösung, um die Profitabilität im US-Markt nachhaltig verbessern.
DPWN News: Der Unternehmensbereich LOGISTIK ist nunmehr mit 40 Prozent Anteil am Konzernumsatz die größte Sparte. Diesen Bereich haben Sie früher verantwortet. Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden?
Allan: Der Bereich LOGISTIK verzeichnete 2007 mit einem Umsatzanstieg von 5,5 Prozent ein starkes Wachstum. Sieht man von anorganischen Effekten wie der Veräußerung der Vfw ab, legte der Bereich beim Umsatz sogar um 9,1 Prozent zu. Dies ist ein klarer Beweis dafür, dass sich unser Fokus auf organisches Wachstum auszahlt. Lassen Sie mich ein Beispiel anführen: DHL Exel Supply Chain, der weltweite Marktführer auf dem Gebiet der Kontraktlogistik, hat 2007 auf Jahresbasis ein Neugeschäftsvolumen von 1 Milliarde Euro generiert. Und unsere Luft- und Seefrachtdienste haben ihr Transportvolumen deutlich gesteigert.
DPWN News: In Deutschland wurden jetzt die zukünftigen regulatorischen Rahmenbedingungen für das Briefgeschäft festgeschrieben. Was erwarten Sie für den Bereich BRIEF im Jahr 2008?
Allan: Der Unternehmensbereich BRIEF hat sich 2007 wirklich positiv entwickelt und die EBIT-Zielvorgabe von 2 Milliarden Euro erreicht. Mit Blick auf die Zukunft sind wir davon überzeugt, dass die Deutsche Post World Net auch für die frühe Marktliberalisierung in Deutschland gut aufgestellt ist. Außerdem verfügen wir über ein solides und stetig wachsendes internationales Geschäft. Nachdem wir unsere Segmentprognosen an die neue Berichtsstruktur angepasst haben - Sie werden sich erinnern, wir haben den Bereich SERVICES zum 1. Januar aufgesplittet - erwarten wir für 2008 im Segment BRIEF ein EBIT von rund 2 Milliarden Euro.
DPWN News: Sie haben erklärt, dass Sie die Dividende ungeachtet eines geringer ausfallenden Nettoergebnisses um 20 Prozent erhöhen werden. Können Sie uns den Grund dafür nennen?
Allan: Es ist eine der zentralen Zielsetzungen unserer "Roadmap to Value", die Ausschüttungen an unsere Aktionäre zu erhöhen. Indem wir die Dividende auf 0,90 Euro erhöhen - das entspricht einer Dividendenrendite von 3,8 Prozent -, signalisieren wir ganz klar, dass wir unser Versprechen halten wollen. Unser Nettogewinn ist 2007 lediglich wegen der Wertberichtigung bei EXPRESS Americas niedriger ausgefallen; aus operativer Sicht haben wir unsere Ziele erreicht.
DPWN News: Eine Grundvoraussetzung für höhere Ausschüttungen ist eine verbesserte Freisetzung von Cash. Wie sieht es in dieser Hinsicht bei der Deutschen Post World Net aus?
Allan: Die Freisetzung von Cash ist in der Tat eines der Kernziele unserer "Roadmap to Value". Ein Aspekt, auf den wir uns hier konzentrieren, ist die Reduzierung des Nettoumlaufvermögens. Hier haben wir im letzten Jahr bereits große Fortschritte gemacht. Unser Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit ist um 630 Millionen Euro auf über 2,8 Milliarden angestiegen. Grund dafür war vor allem eine erhebliche Senkung des Nettoumlaufvermögens. Per Saldo konnten wir trotz massiver Investitionstätigkeit den positiven freien Cashflow von 1,3 Milliarden Euro auf 1,9 Milliarden Euro steigern. Wir werden auch 2008 hohe Priorität auf die Freisetzung von Cash und auf eine weitere Reduzierung des Nettoumlaufvermögens legen. Ich bin überzeugt davon, dass die Einführung von EBIT after Asset Charge (EAC) als neue Steuerungsgröße im Konzern hier einen entscheidenden Beitrag leisten wird.
DPWN News: In der Roadmap to Value wird auch die Verbesserung der Transparenz in Aussicht gestellt. Was haben Sie seit der Ankündigung im November in dieser Richtung unternommen?
Allan: Wir haben mit Blick auf unser Kapitalmarktprogramm "Roadmap to Value" recht gute Fortschritte gemacht. Das Programm hat bereits ganz konkrete Ergebnisse gebracht und wir konzentrieren uns weiter intensiv auf die konsequente Umsetzung. Um die Transparenz zu erhöhen, haben wir beispielsweise das Segment SERVICES aufgesplittet und die Kennzahlen für 2007 neu ausgewiesen. Zusätzlich haben wir die Prognosen für die einzelnen Bereiche an die neue Struktur angepasst. Beginnend mit dem ersten Quartal werden wir künftig in dieser neuen Struktur berichten - das bedeutet, dass sämtliche Kosten des Segments SERVICES auf die einzelnen operativen Einheiten umgelegt werden. Das Ergebnis wird ein eng gefasstes Segment CORPORATE CENTER / Others sein. Darüber hinaus werden Volumenangaben für EXPRESS und Untersegmente wie das Luft- und Seefrachtgeschäft bei Global Forwarding veröffentlicht. Die Kennzahlen Cashflow und Investitionsvolumen werden wir zudem auch für die einzelnen Unternehmensbereiche offen legen.
DPWN News: Können Sie uns mehr Informationen über die Auswirkungen der Aufspaltung des Bereichs SERVICES geben?
Allan: Die Aufteilung dieses Segments basiert auf der Idee, alle Kosten von Global Business Services auf die operativen Unternehmensbereiche umzulegen. Die Erträge der einzelnen Segmente werden dementsprechend ihre tatsächliche Inanspruchnahme der zentralen Services widerspiegeln. Zudem wird künftig ein Segment CORPORATE CENTER / Others ausgewiesen.
DPWN News: Die Deutsche Post World Net will innerhalb der nächsten 24 Monate 1 Milliarde Euro aus dem Verkauf von Anlagevermögen generieren. Haben Sie in dieser Hinsicht seit November Fortschritte gemacht?
Allan: Ja, das haben wir. Die seit der Ankündigung des Programms vereinbarten Immobilienverkäufe werden Barmittel in Höhe von 350 Millionen Euro freisetzen. Wir sind der Meinung, dass dies angesichts der schwierigen Marktsituation im Immobiliensektor ein guter Anfang ist.
D PWN News: Wann beginnen Sie, das EBIT after Asset Charge zu berichten?
Allan: EBIT after Asset Charge wird es erstmals mit der Bekanntmachung unserer Ergebnisse des ersten Quartals geben.
DPWN News: Birgt 2008 aus Ihrer Sicht Risiken aufgrund einer möglichen Konjunkturabschwächung der Weltwirtschaft?
Allan: 2007 ist die Wirtschaft sehr robust gewachsen. In der zweiten Jahreshälfte haben die wirtschaftlichen Risiken sicherlich zugenommen, doch die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf das Wachstum waren bislang eher gering. Der internationale Handel wächst weiterhin doppelt so schnell wie die industrielle Produktion. Und in den
Emerging Markets, in denen die Deutsche Post World Net bereits eine sehr starke Position einnimmt, sind jetzt auch steigende Importe zu verzeichnen.
Sicher gibt es gute Gründe für eine gewisse Vorsicht, schließlich können wir die möglichen Folgen einer etwaigen US-Rezession nicht abschätzen. Doch andererseits gibt es weltweit viele Regionen, darunter die Regionen Asien-Pazifik, Osteuropa, den Mittleren Osten und Afrika, die nach allgemeiner Erwartung ihr beeindruckendes Wachstum fortsetzen werden. Zudem setzen sich die beiden entscheidenden Branchentrends für den Express- und Logistikmarkt - Wachstum des globalen Handelsvolumens und vermehrtes Outsourcing - fort. Gerade hier sehen wir ein enormes Potenzial.
DPWN News: Würden Sie uns Ihre drei wichtigsten Ziele für 2008 nennen?
Allan: Ganz einfach: Erstens das Erreichen unserer EBIT-Zielvorgaben vor Einmaleffekten in Höhe von 4,2 Milliarden Euro. Zweitens die Förderung des organischen Wachstums in allen Unternehmensbereichen. Und drittens die weitere Umsetzung unserer "Roadmap to Value" und die Schaffung von Wert für unsere Aktionäre.
DPWN News: Sie haben Ihren Vertrag mit der Deutschen Post World Net bis Ende 2010 verlängert. Vermissen Sie Großbritannien nicht?
Allan: Überhaupt nicht, ich mache meinen Job als Finanzvorstand der Deutschen Post World Net sehr gerne. Ich arbeite mit einem hervorragenden Team und freue mich darüber, ein Teil davon zu sein. Außerdem haben wir in den kommenden Jahren so viel vor, dass es sicher eine überaus spannende Aufgabe für mich bleiben wird.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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