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"Bei dieser Lösung gewinnen alle!"
Interview mit Dr. Frank Appel und John Allan
In Deutschland entsteht eine einmalig starke Bankenpartnerschaft: Die Deutsche Bank wird Hauptaktionärin bei der Postbank, und beide Unternehmen haben dazu einen weit reichenden Kooperationsvertrag unterzeichnet.
Diese Transaktion ist ein Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung, sie stärkt den deutschen Finanzstandort und steht für Arbeitsplatzsicherheit und Kontinuität. Die Beteiligung der Deutschen Bank von knapp 30 Prozent schafft so die Basis für weiteres dynamisches Wachstum bei der Postbank - und die Deutsche Post kann sich künftig auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.
DPWN News hat mit dem Vorstandsvorsitzenden Frank Appel und dem Finanzchef John Allan darüber gesprochen, wie die Transaktion die heimische Bankenlandschaft verändert und welche Auswirkungen dies auf die beteiligten Unternehmen hat.
Herr Appel, warum verkauft die Deutsche Post knapp 30 Prozent der Postbank-Anteile an die Deutsche Bank?
Appel: In den vergangenen 10 Jahren hat sich die Postbank mit der Deutschen Post als Mehrheitsaktionärin hervorragend entwickelt. Heute ist sie die führende deutsche Filialbank mit 14,5 Millionen loyalen Kunden, eine Position, auf die wir sehr stolz sein können. Die Deutsche Post hat ebenso von dieser Partnerschaft profitiert, und sie hat uns ermöglicht, das volle Potenzial unseres Filialnetzes auszuschöpfen.
Um ein ähnliches Wachstum für Postbank und Deutsche Post auch in Zukunft zu garantieren, haben wir uns in den vergangenen Monaten eine Vielzahl von Optionen angesehen. Wir sind überzeugt, dass unsere Entscheidung die beste Lösung für alle Beteiligten ist - für die Postbank, weil sie einen Großaktionär von bester Reputation erhält, der für Kontinuität und Wachstum steht; für die Deutsche Bank, weil sie sich damit eine Schlüsselposition im deutschen Privatkundengeschäft sichert; und für die Deutsche Post, weil sie sich mittelfristig auf ihre Kernkompetenzen in Logistik, Express und Brief konzentrieren kann.
Herr Appel, viele haben erwartet, dass die Postbank komplett verkauft wird. Warum hat sich der Vorstand für dieses 2-Stufen Modell entschieden?
Appel: Wir sind sehr stolz auf diese gemeinsame Lösung, weil sie drei Gewinner hervorbringt. Wir haben eine Struktur entwickelt, mit der die Postbank einen starken neuen Aktionär erhält, und die es erlaubt, die weiteren Schritte ohne Hast und Reibungsverluste zu machen. Keines der Unternehmen steht unter dem unmittelbaren Druck von Integrationszielen. Die Postbank kann ihr bewährtes Geschäftsmodell weiterentwickeln und Mitarbeiter und Kunden werden von einer breiteren Produktpalette und einem noch besseren Service profitieren.
Für die Deutsche Post bedeutet dieses Modell mittelfristig den Ausstieg aus dem Bankengeschäft. Diese Transaktion schafft zusätzlichen Wert für unsere Aktionäre, genau wie wir es in unserem Kapitalmarktprogramm "Roadmap to Value" skizziert haben: Die Mittel aus dem Verkauf werden zentraler Bestandteil sein für unsere Erwägungen, Cash an die Aktionäre auszuschütten. Auf mittlere Sicht werden wir zudem Wertsteigerungen durch die Konzentration auf unser Logistik- und Expressgeschäft erzielen.
Zuerst Dresdner und Commerzbank - nun Deutsche Bank und Postbank: Führt das nicht zu umfangreichen Filialschließungen und Arbeitsplatzabbau?
Appel: Ganz im Gegenteil. Unsere Lösung ist eindeutig wachstumsgetrieben - Kostensenkungen standen hier nicht im Vordergrund. Die jetzt gefundene Lösung lässt das Postbank-Management und die Marke unangetastet. Damit ist für die Postbank-Mitarbeiter und -Kunden Kontinuität garantiert. Zudem werden beide Partner Vorteile aus dieser Kooperation ziehen, und zwar gänzlich ohne kostspieliges Rebranding oder Umstrukturierungsmaßnahmen.
Dieses innovative Modell schafft ausgezeichnete Voraussetzungen für Wachstum, und wir haben dies trotz eines schwierigen und derzeit für Finanzmarkteilnehmer unvorteilhaften Marktumfelds erreicht, und zwar ohne Abbau von Arbeitsplätzen und ohne Filialschließungen. Wir sind davon überzeugt, dass diese Partnerschaft ein neues Schwergewicht im europäischen Bankenmarkt schafft und dass wir so auch den Finanzstandort Deutschland stärken.
Was sind die Vorteile des Verkaufs für die Deutsche Post und die Postbank?
Appel: Für die Postbank bedeutet die neue Struktur vor allem Planungssicherheit. Mit ihrem einmaligen Filialnetz kann sie sich nun wieder voll und ganz auf künftiges Wachstum in einem Markt konzentrieren, der aktuell im Umbruch ist. Besonders positiv dabei ist, dass Filialen, Arbeitsplätze und Marke unberührt bleiben. Auch im Management und der Corporate Governance wird es keine Veränderungen geben.
Wir können uns künftig wesentlich besser auf unsere Kerngeschäfte Brief, Express und Logistik konzentrieren. Das ist für unsere ambitionierten Zukunftspläne unabdingbar, denn der weltweite Express- und Logistikmarkt birgt enorme Wachstumschancen, und die wollen wir in den kommenden Jahren extensiv ausschöpfen. Unser Ziel ist, weltweit erste Wahl für unsere Kunden zu sein. Und darauf werden wir uns jetzt mit aller Kraft konzentrieren.
Wie sieht die Partnerschaft zwischen der Deutschen Bank und der Postbank in der Praxis aus?
Appel: Beide Banken haben grundsätzlich vereinbart, in mehreren Bereichen zu kooperieren. Hierzu zählen der Vertrieb von Immobilienfinanzierungen und Investmentprodukten. Daraus erwarten wir beträchtliches Ertragspotenzial.
Das Management arbeitet zur Zeit an einer langfristigen Strategie. Können Sie uns einen Einblick geben, was Sie als nächstes vorhaben? Den Briefbereich verkaufen?
Appel: Wir sind das führende Unternehmen in den schnell wachsenden Märkten Logistik und Express. Wir sind auch im Briefgeschäft gut aufgestellt, und hier konnten wir uns im inzwischen vollkommen liberalisierten deutschen Briefmarkt sehr gut behaupten. Diese Transaktion ist ein weiterer Meilenstein in unser Roadmap to Value, der es erlaubt, uns künftig Managementressourcen auf die Kerngeschäfte zu konzentrieren, um dort weiter Wert zu schaffen.
Welches Auswirkungen wird die Partnerschaft zwischen Deutsche Bank und Postbank für die Kunden haben?
Appel: Diese Lösung ist für alle Kunden hervorragend, da sie die Möglichkeit haben werden, eine breitere Palette von Dienstleistungen in einer noch größeren Anzahl von Filialen nutzen zu können. Die Postbank ist mit ihren 14,5 Millionen loyalen Kunden bereits die führende Filialbank Deutschlands. Diese Kunden, ebenso wie 9,7 Millionen Kunden der Deutschen Bank in Deutschland, werden Zugriff auf hoch innovative Produkte und Dienstleistungen beider Häuser haben.
Sie haben die Zahl der Filialen in den vergangenen Jahren ständig reduziert. Nun verkaufen Sie die Postbank. Führt das nicht auch zu weiteren Filialschliessungen?
Appel: Zunächst einmal haben wir mit rund 14.000 Deutsche Post-Filialen heute ein größeres Filialnetz als irgendeiner unserer Wettbewerber und die Zahl steigt weiter. Darüber hinaus beabsichtigen Deutsche Post und Postbank, den zwischen ihnen bestehenden Filialvertrag über das Jahr 2012 hinaus zu verlängern. Dabei stehen unsere Kunden immer im Vordergrund aller Entscheidungen und beim Kundenservice ist die Postbank bereits stärker als irgendeine andere deutsche Bank. Auch die Deutsche Post baut ihre Dienstleistungen konsequent weiter aus.
Die Deutsche Post bleibt Aktionär für mindestens ein Jahr und wird weiterhin im Postbank-Aufsichtsrat vertreten sein - also ändert sich nicht wirklich viel?
Allan: Schauen Sie sich doch das Gesamtkonstrukt an: Für die Deutsche Post ist jetzt ein klar vorgezeichneter Ausstieg aus dem Bankgeschäft gefunden. Damit sind wir auf dem Weg zu einem sauber aufgestellten, fokussierten Logistikkonzern, den unsere Investoren schon seit längerem eingefordert haben. Zudem haben wir einen attraktiven Preis erzielt.
Inwiefern wird sich die Corporate-Governance-Struktur ändern, wenn Deutsche Post künftig nur noch etwas mehr als 20% an der Postbank halten wird?
Allan: Sie ändert sich nicht. Wir werden die wertorientierte Strategie der Postbank auch weiterhin unterstützen und im Interesse unserer Aktionäre umsetzen. Da der neue Partner Deutsche Bank der Postbank unter anderem auch zusätzliches Wachstumspotenzial bietet, freuen wir uns sehr darauf, diesen Kurs weiter verfolgen zu können.
Postbank war für Deutsche Post jahrelang ein Garant für stabilen Cash-Flow und solide Erträge. Wäre eine Bewertung der Postbank von mehr als 10 Milliarden Euro nicht angemessener gewesen?
Allan: Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Wir haben eine Prämie von rund 35 Prozent erzielt, so dass unser Ergebnis pro Aktie nur begrenzt verwässert wird. Wir haben eine sehr gute Lösung gefunden, egal ob Sie dies mit anderen Transaktionen im Bankenbereich vergleichen, oder mit dem Postbank-Aktienkurs vor dem 8. November des vorigen Jahres, als die Spekulationen um einen Verkauf angefangen haben.
Auch die weiteren Fakten sprechen für sich: Die Deutsche Post erzielt nicht weniger als 2,79 Milliarden in bar und es gibt einen klar festgelegten Fahrplan für einen kompletten Ausstieg. Im Endeffekt ist die Deutsche Post vor weiteren Kurseinbußen geschützt, sollte sich der Finanzsektor weiter verschlechtern. Gleichzeitig sichert uns die Put/Call-Vereinbarung einen möglichen Kursgewinn.
Wie wird sich die Transaktion auf die Gewinn- und Verlustrechnung bzw. die Bilanz der Deutschen Post auswirken?
Allan: Es wird sich einiges ändern: Zunächst soll der Postbank-Anteil der Deutschen Post "at equity" bilanziert werden, also in unserer Gewinn- und Verlustrechnung. Der Einfluss auf die Maßgröße Ergebnis pro Aktie ist eher gering. Viel wichtiger ist unser Fokus auf die Generierung von Cash, und hier rechnen wir in unserem Logistik- und Express-Geschäft mit eben so hohem Potenzial wie in unserem Briefeschäft.
Die Bilanz wird insgesamt transparenter und für Investoren leichter lesbar. Das kommt vor allem dadurch, dass die Postbank eine riesige Bilanzsumme von mehr als 200 Milliarden Euro hat, wogegen wir in unserem Industriegeschäft lediglich eine Bilanzsumme von 45 Milliarden Euro haben.
Wie wird sich unser Ausblick ändern?
Allan: Der aktuelle Ausblick für 2008 bleibt unverändert, vorausgesetzt, dass sich das wirtschaftliche Umfeld nicht wesentlich verschlechtert. Der Buchgewinn wird als Einmalgewinn verbucht und hat damit keinen Einfluss auf den Ausblick. Die fehlenden Beiträge der Postbank werden jedoch den Ausblick für 2009 beeinflussen. Das EBIT nach der Transaktion wird nach unseren Erwartungen bei 3,4 Milliarden Euro liegen, verglichen mit vormals 4,7 Milliarden Euro.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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