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- Interview mit Frank Appel: Bilanzpressekonferenz 2009
"Wir haben die Krise erfolgreich gemeistert"
Die Deutsche Post DHL hat heute ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2009 vorgelegt. Das EBIT des Konzerns betrug im vergangenen Jahr vor Einmaleffekten 1,47 Milliarden Euro und lag damit sogar noch über der im November auf mindestens 1,35 Milliarden Euro erhöhten Prognose. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News erläutert der Vorstandsvorsitzende Frank Appel die Gründe für das in Anbetracht des schwierigen konjunkturellen Umfelds gute Abschneiden sowie die Perspektiven des Konzerns für das Jahr 2010 und darüber hinaus.
Postchef Frank Appel
Deutsche Post DHL News: Der Konzern Deutsche Post DHL ist im abgelaufenen Jahr nach dem Verlust im Jahr zuvor wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das operative Ergebnis vor Einmaleffekten ist sogar besser ausgefallen als noch im vergangenen Herbst angekündigt. Worauf führen Sie diese positive Entwicklung zurück?
Frank Appel: Wir haben uns 2009 in Anbetracht der sehr widrigen gesamtwirtschaftlichen Umstände äußerst respektabel geschlagen. Die Weltwirtschaft ist so stark geschrumpft wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr, und speziell in Deutschland haben wir einen Konjunktureinbruch erlebt wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Einen zum Teil deutlichen Umsatzrückgang quer durch alle Geschäftsfelder konnten wir daher zwar nicht verhindern. Aber wir haben unser Ergebnis sehr stark verbessert - vor allem weil unsere eigenen Maßnahmen gegriffen haben.
Wir konnten unsere indirekten Kosten um mehr als 1 Milliarde Euro senken, ein ganzes Jahr früher als geplant. Wir haben das Express-Geschäft neu geordnet und damit Verlustquellen deutlich reduziert oder geschlossen. Und wir haben durch den Verkauf der Postbank unsere finanzielle Stabilität gestärkt. Insgesamt können wir feststellen: Wir haben die Krise erfolgreich gemeistert und unsere Ziele 2009 übertroffen. Dank unseres strikten Kostenmanagements und der Fortschritte, die wir bei der Umsetzung unserer erfolgreich gestarteten "Strategie 2015" gemacht haben, konnten wir unsere Position als weltweit führender Logistikdienstleister und Europas größtes Postunternehmen weiter festigen.
Wie bewerten Sie die Performance der einzelnen Geschäftsbereiche im vergangenen Jahr, die doch sehr unterschiedlich ausgefallen ist?
Wir können mit Fug und Recht sagen, dass wir in allen unseren Geschäftsfeldern eine sehr solide Leistung abgeliefert haben - auch wenn der weltweite Konjunktureinbruch uns an einigen Stellen naturgemäß härter getroffen hat als an anderen. Im Geschäftsfeld BRIEF sehen wir uns gleich zwei Herausforderungen gegenüber: Neben der globalen Wirtschaftskrise macht uns hier die weiter generell zunehmende Substitution des Briefs durch elektronische Medien zu schaffen. Dennoch hat sich dieser Unternehmensbereich alles in allem recht robust gezeigt und vor allem wegen eines straffen Kostenmanagements erneut einen sehr ordentlichen Ergebnisbeitrag abgeliefert. Den stärksten Erlösrückgang hatten wir im EXPRESS-Bereich. Hier wirkte sich neben der Konjunktur vor allem auch die Aufgabe unseres nationalen US-Geschäfts aus.
Trotzdem konnten wir das operative Ergebnis vor Einmaleffekten steigern, weil wir wie angekündigt unsere Betriebskosten gesenkt, die IT-Plattformen integriert, die Prozesse optimiert und das Portfolio bereinigt haben. GLOBAL FORWARDING, FREIGHT hat als Weltmarktführer bei Luft- und Seefracht und großer Landfrachtspediteur die Krise natürlich beim Umsatz sehr stark gespürt, der Ergebnisrückgang konnte aber abgefedert werden, weil wir erfolgreich Kosten gesenkt und Neugeschäft akquiriert haben. SUPPLY CHAIN schließlich hat sich am Markt gut gehalten, und ohne die Insolvenz unseres Großkunden Arcandor wäre auch hier das Ergebnis positiv gewesen.
Und wie verlief das vierte Quartal? Hat Deutsche Post DHL zum Jahresende wieder etwas konjunkturellen Rückenwind verspürt?
Insgesamt war das zweite Halbjahr klar besser als das erste. Zunächst einmal ist aber nur der Gegenwind abgeflaut: Die bereits im dritten Quartal beobachtete Stabilisierung der Handelsvolumina hat sich im Rest des Jahres 2009 fortgesetzt. In den ersten beiden Monaten des neuen Jahres hat sich der moderate Erholungstrend sogar noch leicht verstärkt, so dass man hier durchaus von einem leichten Rückenwind sprechen kann. Noch ist die weltweite Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre zwar nicht völlig vorüber, aber wir sind heute davon überzeugt, dass das Schlimmste überstanden ist.
Für uns bedeutet das: Wir gehen den eingeschlagenen Weg weiter und peilen wieder Wachstum an. Nach der langen und durchaus auch schmerzhaften Phase, in der wir alle Hände voll damit zu tun hatten, die Krisenfolgen einzudämmen und abzufedern, sind wir uns sicher: Die Deutsche Post DHL wird 2010 wieder ein gutes Stück besser werden, in jeder Hinsicht.
Was heißt das konkret?
Wir gehen davon aus, dass sich das weltweite Handelsvolumen im Jahr 2010 moderat erholen wird - mit entsprechend positiver Wirkung auf unseren Umsatz. Für das EBIT des Konzerns vor Einmaleffekten erwarten wir eine deutliche Steigerung auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro, getragen von einer kräftigen Ergebnisverbesserung in den DHL-Bereichen. Was für mich aber mindestens genauso wichtig ist wie eine höhere Profitabilität: Wir werden unsere erfolgreich eingeführte "Strategie 2015" konsequent weiter umsetzen und auch wieder mehr in Wachstum investieren. Das Investitionsbudget des Konzerns haben wir deshalb auf insgesamt 1,4 Milliarden Euro aufgestockt.
Investitionen in Wachstum, heißt das, dass Deutsche Post DHL wieder auf Einkaufstour gehen wird?
Nein, auch im laufenden Jahr wird es allenfalls sehr wenige kleinere Akquisitionen zur Abrundung unseres Dienstleistungsangebotes geben. Der Schwerpunkt wird auch weiterhin klar auf organischem Wachstum liegen - vor allem durch innovative Problemlösungen. Ein Beispiel: Wir werden im Sommer den Brief im Internet einführen, ein Meilenstein in der digitalen Schriftkommunikation und eine überlegene, weil verbindliche, vertrauliche und verlässliche Lösung für unsere Kunden.
Daneben werden wir weiterhin alles tun, um im Paketgeschäft vom E-Commerce-Boom zu profitieren - was uns bisher exzellent gelungen ist. Bei DHL wird es 2010 vor allem darum gehen, uns für das erwartete Wachstum in den kommenden Jahren zu wappnen und in kundenspezifische Lösungen zu investieren. Das bedeutet zum Beispiel im EXPRESS-Geschäft, dass wir in unsere Flugzeugflotte und unsere Hubs investieren, um unsere starke Position in der Luft noch weiter auszubauen.
Warum sind Sie so vorsichtig, was Akquisitionen betrifft? Das nötige Geld für Zukäufe könnten Sie doch allemal mobilisieren. Und gerade ausgangs einer Krise bieten sich doch für gewöhnlich die besten Gelegenheiten, Schnäppchen zu machen ...
Für uns hat eine vorsichtige Finanzpolitik nach wie vor Priorität. Mein Kollege Larry Rosen behält als Finanzvorstand die Liquidität, den Verschuldungsgrad und vor allem die Aufrechterhaltung unseres guten Ratings weiterhin fest im Blick. Das ist für einen Konzern wie Deutsche Post DHL mit seinen vielfältigen Finanzierungserfordernissen von essenzieller Bedeutung. Darüber hinaus wollen wir uns basierend auf den Erfolgen unserer Effizienzprogramme und einer wirtschaftlichen Erholung jetzt darauf konzentrieren, das Potenzial des Konzerns und aller seiner Unternehmensteile voll zu entfalten. Um das zu erreichen brauchen wir eine gewisse Stabilität im Unternehmen. Und was am wichtigsten ist: Es gibt keine strategischen Lücken innerhalb unseres Portfolios mehr, die wir durch Akquisitionen füllen müssten.
Sie sprechen davon, dass Sie Ihre "Strategie 2015" weiter konsequent umsetzen wollen. Ein wichtiges Element dieser Strategie ist "One DHL", also die bessere Verzahnung der verschiedenen Bereiche des Geschäftsfeldes und die optimale Ausschöpfung seines Potenzials. Was haben Sie hier bisher erreicht?
Wir liegen mit "One DHL" voll im Plan. Aber der Name unserer Konzernstrategie weist schon darauf hin: Zieldatum ist 2015, der Prozess ist also langfristiger Natur. Es wird keine Hauruck-Aktionen geben, sondern wir werden alle Maßnahmen mit der gebotenen Sorgfalt vorantreiben. Zwei Beispiele: Wir haben bei der Konzentration von Steuerungsfunktionen große Fortschritte gemacht. Und personell wachsen wir auch zusammen. So erfolgen schon 19 Prozent unserer internen DHL-Neubesetzungen divisionsübergreifend. Diesen Wert wollen wir bis 2015 auf 50 Prozent steigern. Auch die Restrukturierungen der vergangenen Jahre beginnen sich jetzt richtig auszuzahlen. Insgesamt erwarten wir für die DHL-Unternehmensbereiche im laufenden Jahr einen Anstieg des EBIT vor Einmaleffekten auf 1,0 bis 1,1 Milliarden Euro. Das wäre gegenüber 2009 mehr als eine Verdopplung. Und auch darüber hinaus erwarten wir einen weiteren Anstieg.
Die Fortschritte bei DHL in allen Ehren, aber reicht das aus, um den Konzern weiter nach vorn zu bringen, wenn der BRIEF-Bereich schrumpft?
Das Briefgeschäft ist in der Tat im Wandel begriffen. Aber wir haben uns darauf eingestellt. Wir sind heute viel flexibler als noch vor wenigen Jahren und können auf veränderte Sendungsmengen schneller reagieren. Außerdem sind wir innovativ - Stichwort Brief im Internet - und investieren kräftig in Wachstumsbereiche wie das Paketgeschäft. BRIEF wird deshalb auch in den kommenden Jahren eine starke Ertragssäule für den Konzern bleiben. Wir gehen für das laufende Jahr von einem EBIT in einer Größenordnung von 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro aus. Sie werden sehen, dass auch in diesem Fall gilt: Totgesagte leben länger. Aber dafür müssen wir künftig noch mehr tun und die Kosten langfristig senken. Nur so können wir Profitabilität und Arbeitsplätze langfristig sichern.
Was macht Sie so zuversichtlich, dass der Konzern vor einer rosigen Zukunft steht? Die Konkurrenz wird Ihnen das Feld ja nicht ohne Weiteres überlassen ...
Statt rosig bevorzuge ich das Wort erfolgreich. Das klingt mehr nach den Früchten harter Arbeit, und die wird auch weiterhin notwendig sein, wenn wir unsere Marktposition gegen starke Wettbewerber weiter ausbauen wollen. Meine grundsätzliche Zuversicht rührt zunächst einmal daher, dass sich das Marktumfeld 2010 und 2011 aller Voraussicht nach weiter erholen wird. Von der zunehmenden Belebung der Weltwirtschaft werden wir überdurchschnittlich profitieren. Wir werden dann auch einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Verbesserung unserer Profitabilität machen können. Über 2011 hinaus, also auf mittlere und lange Sicht, bin ich fest von der Tragfähigkeit unserer "Strategie 2015" überzeugt. Wir werden "Die Post für Deutschland" bleiben und "Das Logistikunternehmen für die Welt" sein.
DP DHL News: Sehen Kunden, Mitarbeiter und Kapitalmärkte das genauso optimistisch wie Sie?
Frank Appel: Wir haben einen klaren Anspruch an uns selbst formuliert: Wir wollen für unsere Kunden der bevorzugte Anbieter, für unsere Mitarbeiter der beste Arbeitgeber und für Investoren das Investment ihrer Wahl in unserem Sektor werden. In allen drei Kategorien haben wir uns im vergangenen Jahr erheblich verbessert.
DP DHL News: Woran machen Sie das fest?
Frank Appel: Dass die Kunden unsere Kompetenz, Zuverlässigkeit und Innovationskraft schätzen, erleben wir jeden Tag. Das Ergebnis: Wir gewinnen Marktanteile, gerade jetzt, ausgangs der Krise, wenn die Handelsvolumina wieder anziehen. Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter messen wir regelmäßig, und den Dialog mit unserer Belegschaft rund um die Welt haben wir deutlich intensiviert. Das wirkt: Die Zufriedenheit wächst, ebenso die Identifikation mit dem Konzern und seinen strategischen Zielen.
Und was die Investoren angeht: Wir haben - auch dank unseres Kapitalmarktprogramms "Roadmap to Value" und der erfolgreichen Kostensenkungen - die Krise besser gemeistert als viele andere. Wichtiger noch: Im Konzern Deutsche Post DHL hat sich nicht zuletzt durch die Roadmap das Bewusstsein fest verankert, dass eine stärkere Orientierung an den Interessen der Investoren für eine erfolgreiche Zukunft ebenso essenziell ist wie Kundenorientierung und Attraktivität als Arbeitgeber. Das sollte sich mittel- bis langfristig für uns auszahlen.
Sie scheinen davon überzeugt zu sein, dass die Deutsche Post DHL als einer der Gewinner aus der Krise hervorgehen wird. Warum sind Sie sich da so sicher?
Erstens, weil wir die Krise genutzt haben, um effizienter und leistungsfähiger zu werden. Zweitens, weil wir in unseren Märkten eindeutig Innovationsführer sind und damit die Zukunft unserer Industrie aktiv gestalten. Drittens, weil wir die Mega-Trends in unserer Branche kennen und verstanden haben, dass wir nur dann weiter wachsen können, wenn wir unseren Kunden das geben, was sie brauchen: innovative und nachhaltige Produkte, die ihr Leben oder ihr Geschäft leichter machen. Und viertens, weil wir wissen, dass wir als führendes Unternehmen unserer Branche nur dann dauerhaft erfolgreich sein können, wenn wir Gewinnstreben und gesellschaftliche Verantwortung miteinander in Einklang bringen.
Dieses umfassende Verständnis von Nachhaltigkeit, das weit über unser Engagement für umweltverträgliche Logistik hinausreicht, ist der Kern unserer Zukunftsstrategie: auf der Basis eines tiefen Verständnisses der Bedürfnisse unserer Kunden dauerhafte Profitabilität und gesellschaftliche Akzeptanz zugleich zu schaffen. Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass uns das gelingen wird.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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