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- Interview mit Frank Appel über Gewinnstreben und Verantwortung von Unternehmen
Mit serienmäßig eingebauter Nachhaltigkeit
Nachgefragt bei Postchef Frank Appel: Gewinnstreben oder Verantwortung der Unternehmen - wer muss auf den Beifahrersitz?
Die Unternehmen schmücken sich gerne mit dem Image von Verantwortung und Nachhaltigkeit, aber in Wahrheit sorgen sie zuallererst immer für die eigenen Gewinne, ehe sie dann ein bisschen davon für die restliche Welt abzweigen, weil es so erwartet wird. Richtig oder falsch?
Frank Appel: Doppelt falsch. Es ist nicht wahr, dass wir uns als Deutsche Post DHL nur auf Gewinne konzentrieren können und anschließend erst etwas abgeben an diejenigen, die diese Gewinne erst ermöglicht haben, nämlich eigene Mitarbeiter und die Länder und Gesellschaften, in denen und mit denen wir Geschäfte machen. Deren Erwartungen und Ansprüche sind Teil unserer Welt, es wäre absurd und fahrlässig für einen Unternehmer, diese Realitäten allein in den Bereich des sozial erwünschten Mäzenatentums zu verweisen. Es ist vielmehr Geschäftsgrundlage.
Wenn Nachhaltigkeit wirklich ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells wäre, dann müssten Sie diese auch rechnen und bilanzieren können.
Was wir natürlich auch tun. Zum Beispiel sind unser Finanz- und unser CO2-Controlling miteinander verbunden, wir buchen mit den Umsätzen auch die Emissionen. Wie anders sollten wir sonst die Steigerung der CO2-Effizienz um 30 Prozent in unserem Unternehmen organisieren und messen können?
Das tun Sie doch aus betriebswirtschaftlichen Gründen und nicht wegen des Klimawandels.
Alles, was wir tun, geschieht aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Wir sind schließlich ein Wirtschaftsunternehmen. Das Interesse an Nachhaltigkeit liegt aber nicht außerhalb der betriebswirtschaftlichen Logik, wie Sie unterstellen, sondern mittendrin. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass normale Menschen ein natürliches Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft ihrer Kinder entwickeln, all die Unternehmer und handelnden Menschen in den Unternehmen aber nicht. Wir haben 477.000 Mitarbeiter weltweit, 286.000 in Deutschland, die haben alle dieselben Sorgen wie Sie auch.
Was ist denn bei der Deutschen Post DHL von diesen ehrenvollen Bemühungen und Zielen tatsächlich in der Unternehmensorganisation und in den Prozessen verankert?
Es ist offizieller und integraler Bestandteil unserer Strategie 2015, die wir im März 2009 vorgestellt haben, und auch in unserer Governance und den Zielen unserer Manager verankert. Unser Nachhaltigkeitsbericht, in dem wir unsere Maßnahmen und Ergebnisse offenlegen, wird von unabhängigen Experten geprüft und bestätigt, wir sind Mitglied der Global Reporting Initiative und bilanzieren gemäß den Sustainability Reporting Guidelines. Die Verankerung im Finanz-Controlling hatte ich schon erwähnt.
Es ist also ziemlich weit oben verankert, was passiert denn unten im Tagesgeschäft?
Die Fülle der Maßnahmen würde dieses Interview sprengen. Im Bereich des Umweltschutzes haben wir das über unser GoGreen-Programm gebündelt, das in die eigene Organisation hineinwirkt, aber auch unsere Kunden mit einbezieht. Wir reduzieren zum Beispiel unsere CO2-Emissionen im Bereich unserer Flotte, binden unsere Einkaufspolitik an ökologische Kriterien und bieten CO2-neutrale Produkte an. Allein an dieser Stelle haben wir im Jahr 2009 mehr als 700 Millionen Sendungen mit Klimaschutzprojekten ausgeglichen.
Als größtes Logistikunternehmen der Welt haben Sie hier theoretisch einen großen Hebel in der Hand, wird der auch genutzt?
2008 haben wir 27,1 Millionen Tonnen CO2 emittiert, 2009 waren es bereits drei Millionen weniger. Bis 2020 wollen wir nicht nur die CO2-Effizienz unserer eigenen Aktivitäten, sondern auch die unserer Subunternehmer um 30 Prozent verbessern, bei gleichzeitigem Wachstum wohlgemerkt. Das ist anspruchsvoll, aber möglich.
Erstreckt sich das Engagement der Deutschen Post DHL auch auf andere Bereiche jenseits von Umwelt und Klimaschutz?
Wir haben zwei weitere Schwerpunkte, einmal GoHelp mit unseren Disaster Response Teams, das unsere Kernkompetenz in der Logistik für schnelle Hilfe bei Naturkatastrophen und humanitären Einsätzen weltweit nutzbar macht, und mit GoTeach ein Programm zur Förderung von Bildung und Chancengleichheit bei Kindern und Jugendlichen.
Disaster Response Teams, das klingt wieaus einem Actionfilm ...
Sie können ja gerne mal mit unseren drei Teams in Panama, Dubai oder Singapur sprechen, die wurden mit den Katastrophen in Haiti, Pakistan oder Chile wochenlang in Atem gehalten. Ein Happy End kann es nach Naturkatastrophen, in denen Menschen gestorben sind, natürlich nicht mehr geben, aber die Überlebenden brauchen vor allem schnelle Hilfe. Wir können hier mit unserem Wissen, unseren Ressourcen und dem Engagement unserer Mitarbeiter eine Menge bewegen und mit unserem logistischen Know-how dazu beitragen, dass Hilfsgüter schnell bei den Bedürftigen ankommen.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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