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- Interview mit Frank Appel: H1 2009
"Wir beginnen jetzt schon, die Früchte unserer rigiden Sparpolitik zu ernten"
Die Deutsche Post DHL hat heute ihre Bilanz für das erste Halbjahr vorgelegt. Obwohl sich nach wie vor das schlechte wirtschaftliche Umfeld bemerkbar macht, konnte der Konzern erste Erfolge bei den Kosteneinsparungen verzeichnen. Insgesamt haben sich die Ergebnisse stabilisiert und das EBIT vor Einmaleffekten lag im zweiten Quartal bei 257 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ging das Ergebnis um 37,8 Prozent zurück. Der Umsatz war mit 11,1 Milliarden Euro und somit 17,7 Prozent niedriger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News erläutert der Vorstandsvorsitzende Frank Appel die Geschäftszahlen.
Deutsche Post DHL News: Herr Appel, das EBIT im zweiten Quartal ist drastisch eingebrochen. Vor Einmaleffekten ging das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um fast 40 Prozent zurück, nach Einmaleffekten sogar um 70 Prozent. Trotzdem gehen Sie davon aus, dass Sie den Konzern sicher durch die Krise steuern. Was macht Sie so optimistisch?
Frank Appel: Natürlich hat sich die globale Wirtschaftskrise wie schon im ersten Quartal auch im zweiten Quartal unmittelbar auf unser Geschäft ausgewirkt. Ist der Patient krank, wird weniger Blut durch den Kreislauf gepumpt. Aber um im Bild zu bleiben: Wir haben frühzeitig mit der Therapie begonnen und merken jetzt, dass sie anschlägt. Sowohl im Briefbereich als auch im Expressbereich haben wir trotz beispielloser Rückgänge bei den Sendungsmengen große Fortschritte auf der Kostenseite gemacht.
Deutsche Post DHL News: Unter dem Strich scheinen Ihre Zahlen widersprüchlich. Während das Konzernergebnis nach Minderheiten im zweiten Quartal um 71 Prozent zurückging, hat der Konzern für die erste Jahreshälfte einen Anstieg von rund 65 Prozent berichtet. Woran lag das?
Frank Appel: Das ist leicht zu erklären. Im ersten Quartal hat sich die Bewertung unserer Verkaufsoptionen auf Aktien der Deutschen Postbank positiv auf das Finanzergebnis und damit auf unser Nettoergebnis ausgewirkt. So erklärt sich der Anstieg im Halbjahr. Im zweiten Quartal hat die Folgebewertung der Postbank Put-Optionen das Finanzergebnis dann negativ beeinflusst und darüber hinaus kommt hier natürlich auch die schlechte Geschäftsentwicklung zum Tragen.
Deutsche Post DHL News: Die Deutsche Post DHL hat im ersten Halbjahr die Transaktion zum Verkauf ihrer Postbank-Tochter abgeschlossen. Wie wirkt sich der Verkauf auf das Ergebnis der Post aus und werden auch die Aktionäre davon profitieren?
Frank Appel: Aufgrund der Vereinbarung, die wir mit der Deutschen Bank ausgehandelt haben, sind uns bisher rund 5 Milliarden Euro aus dem Postbank-Verkauf zugeflossen. Ertragswirksam wird die Transaktion allerdings erst in drei Jahren, wenn die Frist zur Übertragung der restlichen Postbank-Aktien abläuft. Allerdings wirkt sich die Transaktion dieses Jahr positiv auf unser Nettoergebnis aus, so dass wir ein positives Konzernnettoergebnis für das Gesamtjahr 2009 erwarten. Dieser positive Effekt hängt wiederum mit der schon erwähnten Bewertung der Verkaufsoptionen auf Postbank-Aktien zusammen, die das Finanzergebnis positiv beeinflussen wird. Was die Auszahlung an die Aktionäre angeht, so muss ich als verantwortungsvoller Manager angesichts der Unsicherheit in Bezug auf die weitere Konjunkturentwicklung um Geduld bitten. Wir hoffen, dass wir hier im vierten Quartal klarer sehen.
Deutsche Post DHL News: Sie haben Ihren Ausblick an einige Voraussetzungen geknüpft. Wie sicher ist ihre Prognose?
Frank Appel: Wir sind in der Tat vorsichtig, was unseren Ausblick angeht. Es gibt nach wie vor viele Unbekannte. Das zeigt nicht zuletzt die Spanne der Prognosen über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft, vor allem für den Euroraum und Deutschland. Deshalb basiert unser Ausblick jetzt auch auf der Annahme, dass es in den kommenden Monaten keine nennenswerte Erholung des Welthandels geben wird. Dabei haben wir auch berücksichtigt, dass es in den kommenden Monaten bei einzelnen Kunden oder in einzelnen Branchen Geschäftsausfälle oder verlängerte Werksferien geben könnte. All diese Faktoren mit eingerechnet, gehen wir für den Konzern von einem EBIT vor Einmaleffekten von 1,2 Milliarden Euro für das Gesamtjahr 2009 aus.
Deutsche Post DHL News: Können Sie uns ein paar Details des Kostensenkungsprogramms nennen?
Frank Appel: Wir haben ja bereits im vergangenen Herbst gesagt, dass wir als Teil unseres Kapitalmarktprogramms Roadmap to Value die indirekten Kosten - also zum Beispiel Verwaltung, Reise- oder IT-Kosten - im Rahmen des sogenannten IndEx-Programms um 1 Milliarde Euro bis Ende 2010 senken wollen. Da wir vor allem im Expressbereich schneller vorankommen als gedacht und die Kosten seit dem Start des Programms auf Jahresbasis jetzt schon um 552 Millionen Euro reduziert haben, werden wir unser ursprüngliches Ziel nun wahrscheinlich schon im zweiten Quartal 2010 erreichen.
Deutsche Post DHL News: Herr Appel, die Deutsche Post DHL baut ihr weltweites Expressgeschäft um, mit welchem Ziel?
Frank Appel: Wir konzentrieren uns bei der Restrukturierung darauf, die profitablen Geschäftsfelder weiter zu stärken und unnötige Kosten vor allem bei den zeitkritischen Sendungen zu senken. Damit bekennen wir uns uneingeschränkt zu der hohen Servicequalität, während wir gleichzeitig die Profitabilität steigern. In den USA haben wir per Ende Januar den inneramerikanischen Sendungsverkehr komplett eingestellt. Dadurch sind die Kosten im Expressbereich schon jetzt erheblich gesunken. Bis zum vierten Quartal werden wir die Verluste, die wir nach wie vor in dem Markt machen, auf Jahresbasis auf unter 400 Millionen US-Dollar reduzieren. Auch außerhalb der USA haben wir unser Expressgeschäft umstrukturiert, vor allem in den Ländern, in denen das inländische Expressgeschäft Verluste macht. Darüber hinaus haben wir die Strukturen vereinfacht, die Anzahl der regionalen Organisationseinheiten verringert und so die Verwaltungskosten weiter gesenkt.
Deutsche Post DHL News: Auch im Briefbereich, ihrem traditionell margenträchtigsten Geschäft, gehen die Umsätze zurück. Deshalb haben Sie ein groß angelegtes Zukunftsprogramm für den Briefbereich aufgesetzt. Wie viel Spielraum haben Sie hier überhaupt?
Frank Appel: Beim Thema Rationalisierung, zum Beispiel durch den Einsatz von besseren Maschinen, ist der Spielraum sicherlich begrenzt. Deshalb führt auch kein Weg an einer Verlängerung der Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich vorbei und auch bei den Lohnsteigerungen müssen wir auf die Bremse treten. Diese Maßnahmen sind unumgänglich, wenn wir vermeiden wollen, dass wir in ein paar Jahren zu noch viel drastischeren Maßnahmen gezwungen sind. Darüber hinaus haben wir das Nachtluftpostnetz eingestellt und IT-Projekte auf Eis gelegt. Aber Kostenkontrolle ist ja nur die eine Seite. Auf der anderen Seite arbeiten wir mit Hochdruck an Produkten, die eine Antwort auf die Bedürfnisse der Kunden von morgen geben und die gleichzeitig eine Zuverlässigkeit bieten, die nur die Deutsche Post gewährleisten kann.
Deutsche Post DHL News: Einer der größten Kunden der Deutschen Post ist der Versand- und Warenhauskonzern Arcandor. Welche Auswirkungen hat die Insolvenz auf das Geschäft der Post?
Frank Appel: Es ist richtig, dass Arcandor ein sehr gewichtiger Kunde im Portfolio der Deutschen Post ist. Allerdings ist die Insolvenz eines solchen Großkunden bei einem Konzern wie dem unsrigen, der mehr als 50 Milliarden Euro jährlichen Umsatz macht, natürlich nicht so groß wie bei einem mittelständischen Geschäftspartner. Trotzdem arbeiten auch in unserem Unternehmen allein 4.000 Mitarbeiter nur für den Kunden Arcandor. Außerdem managen wir die gesamte Warenhaus- und Versandhandels-Logistik für Karstadt und Quelle und haben eine Versandpartnerschaft mit Quelle. Deshalb arbeiten wir auch eng mit den Unternehmen Karstadt und Quelle sowie dem Insolvenzverwalter zusammen, um Arcandor weiterhin zu unterstützen.
Deutsche Post DHL News: Hat sich die Insolvenz auch auf Ihre Halbjahreszahlen ausgewirkt?
Frank Appel: Ja. Die Arcandor-Insolvenz schlug im ersten Halbjahr mit rund 40 Millionen Euro negativ zu Buche.
Deutsche Post DHL News: Sie haben im ersten Halbjahr Ihre Vision für die Zukunft vorgestellt, die "Strategie 2015". Hat das Management überhaupt die Zeit, sich angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen mit der Umsetzung einer langfristigen Strategie zu beschäftigen?
Frank Appel: Die Strategie 2015 hat im Kern drei Ziele: die beiden Säulen BRIEF und LOGISTIK zu stärken, die Werte "Respekt & Resultate" nachhaltig in unserem Konzern zu verankern und unsere Dienstleistungen für die Kunden besser, einfacher und nachhaltiger zu machen. Wenn wir die Maßnahmen der Strategie konsequent umsetzen, wird es uns langfristig gelingen, das Potenzial, das im Konzern Deutsche Post DHL verborgen ist, vollständig zu heben. Warten wir mit der Umsetzung der Strategie 2015 bis die Krise vorbei ist? Natürlich nicht. Alles, worüber wir bisher gesprochen haben, IndEx, die Umstrukturierung im Expressbereich und das Zukunftsprogramm der Deutschen Post, also des Briefbereichs, ist ja Teil der Strategie 2015. Sie können sich diese Strategie als Gerüst vorstellen, mit zwei Säulen, auf denen das Haus Deutsche Post DHL künftig ruht. Dabei geht es neben der direkten Kostensenkung darum, mittelfristig in allen Konzernbereichen ein organisches Wachstum von jährlich ein bis zwei Prozentpunkten über dem Marktdurchschnitt zu erreichen. Außerdem sollen sich Profitabilität, Cash Conversion und Kapitalrendite langfristig im oberen Viertel der Gruppe vergleichbarer Wettbewerber bewegen.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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