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- Interview mit Frank Appel zu den Ergebnissen des 1. Halbjahres 2010
"Wir ernten die Früchte unserer Strategie- und Effizienzmaßnahmen"
Die Deutsche Post DHL hat heute ihre Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2010 vorgelegt. Das EBIT des Konzerns vor Einmaleffekten hat sich gegenüber dem Vorjahresquartal fast verdoppelt, der Umsatz ist zweistellig gestiegen. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News erläutert der Vorstandsvorsitzende Frank Appel die Gründe für das gute Abschneiden im zweiten Quartal und die Aussichten des Konzerns für den Rest des Jahres 2010 und darüber hinaus.
Postchef Frank Appel: "Dieser Konzern wird sein ganzes Potential entfalten"
DP DHL News: Der Konzern Deutsche Post DHL hat sein operatives Ergebnis im zweiten Quartal erneut kräftig gesteigert und seinen Umsatz deutlich erhöht. Worauf führen Sie diese positive Entwicklung zurück?
Frank Appel: Zunächst einmal ernten wir jetzt die Früchte unserer erfolgreich umgesetzten Strategie- und Effizienzmaßnahmen in allen Unternehmensbereichen sowie der weitgehend abgeschlossenen Restrukturierungen, vor allem bei DHL. Darüber hinaus hat uns natürlich die anhaltende Belebung der Weltkonjunktur geholfen. Wir profitieren als größter Logistikkonzern der Welt mit einer starken Präsenz in allen wirtschaftlichen Zentren und einer breiten Angebotspalette überdurchschnittlich stark, wenn die internationalen Handelsströme anziehen. Das wirkt sich sehr positiv auf unsere Umsätze und auf die Margen aus, die wir in wichtigen Bereichen von DHL erzielen können. Beide Faktoren zusammen führen zu der sehr erfreulichen Entwicklung, wie wir sie im Augenblick erleben.
Sie haben es erwähnt: Der Konzern ist stark von der Weltkonjunktur abhängig, die Ihnen zurzeit in die Hände spielt. Wie lange wird das noch so bleiben?
Wenn man sich die aktuellen Prognosen der Konjunkturforscher für das Wachstum der Weltwirtschaft ansieht, dann gibt es für uns – bei aller gebotenen Vorsicht mit Blick auf eine Fülle möglicher Risiken und Unsicherheiten – sicherlich keinen Grund pessimistisch zu sein. Und wir erleben ja auch Tag für Tag selbst, mit welcher Dynamik die Wirtschaft expandiert, gerade in Asien, wo wir unseren Umsatz im ersten Halbjahr um fast 40 Prozent gesteigert haben. Auch in Lateinamerika, im Mittleren Osten und den USA geht es spürbar aufwärts. Davon profitieren wir dank unserer starken Position in den Wachstumsmärkten ganz besonders. Nur unser Geschäft in Europa entwickelt sich derzeit etwas verhaltener, aber das können wir durch unsere breite internationale Diversifizierung gut kompensieren. Unser erklärtes Ziel für das zweite Halbjahr ist es aber ganz klar, Wachstum zu generieren, das über den reinen Anstieg der weltweiten Handelsvolumina hinausgeht.
In dem von Ihnen beschriebenen konjunkturellen Umfeld wird DHL für den Konzern immer wichtiger. Welche Rolle wird diese Säule in Zukunft spielen?
In der Tat haben wir im zweiten Quartal in allen DHL-Bereichen mit zweistelligen Umsatzzuwächsen und einem größtenteils noch stärkeren Ergebniswachstum hervorragend abgeschnitten. DHL ist damit ganz klar der Treiber für das Wachstum unseres Unternehmens geworden, und das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben. Aber genau das war ja der Sinn der gezielten Expansion in diese Geschäftsfelder, die wir in den zurückliegenden Jahren - auch mit Hilfe großer Akquisitionen - betrieben haben. Wir haben die Deutsche Post DHL damit zum größten und führenden Logistikanbieter der Welt und unabhängiger vom angestammten Postgeschäft in Deutschland gemacht. Dieser Konzern wird sein ganzes Potenzial in den kommenden Jahren Schritt für Schritt entfalten. Und dabei spielt DHL eine Schlüsselrolle.
Sie sagen es selbst, der Konzern - und damit auch die DHL-Bereiche - haben bisher noch nicht ihr ganzes Potenzial ausgespielt. Was wollen Sie in den nächsten Jahren unternehmen, um das zu ändern?
Wir wollen unseren Kunden in allen unseren Geschäftsfeldern und auf allen Kontinenten Dienstleistungen anbieten, die ihnen das Leben erleichtern. Für DHL heißt das konkret: Wir werden gemeinsam mit unseren Kunden Logistiklösungen entwickeln, die deren Prozesse vereinfachen. Wir sind fest davon überzeugt, dass dies der beste Weg für unser Unternehmen ist, profitabel zu wachsen und unsere Marktanteile weiter auszubauen. Regional setzen wir dabei insbesondere auf aufstrebende Volkswirtschaften wie Indien.
Was die Sektoren angeht, so sehen wir zum Beispiel im Bereich Life Sciences viel versprechende Perspektiven für uns. Bei den Kundengruppen zielen wir vor allem auf global operierende Unternehmen und solche, die es einmal werden könnten. Wir wissen genau, wo wir ansetzen müssen. Und wir haben mit unserer führenden Marktposition und unserer konsequenten Orientierung am Kundennutzen eine bessere Basis als jedes andere Logistikunternehmen auf der Welt, unsere Wachstumsinitiative für DHL zum Erfolg zu führen.
Und der Unternehmensbereich BRIEF erleidet derweil einen schleichenden Niedergang?
Von Niedergang kann bei einem im Jahresvergleich annähernd stabilen Umsatz, wie wir ihn trotz des Ausfalls unseres Großkunden Quelle im zweiten Quartal erwirtschaftet haben, keine Rede sein. Erst recht nicht, wenn Sie sich das operative Ergebnis anschauen: Dank unseres strikten Kostenmanagements und einer sehr erfreulichen Entwicklung im Paketgeschäft haben wir beim EBIT vor Einmaleffekten immerhin mehr als 40 Prozent zugelegt. Insgesamt hat sich der Unternehmensbereich BRIEF damit erneut mehr als respektabel geschlagen.
Gleichwohl müssen wir konstatieren, dass die Substitution des physischen Briefs durch elektronische Medien fortschreitet und dass dieser Trend nicht aufzuhalten ist. Darauf stellen wir uns ein, zum Beispiel mit dem E-Postbrief, den wir vor knapp einem Monat auf den Markt gebracht haben und dessen Start äußerst erfolgreich war. Mit dem E-Postbrief bringen wir das Briefgeheimnis ins Internet. Dafür gibt es einen wachsenden Markt, und von diesem Kuchen werden wir uns ein möglichst großes Stück abschneiden.
Im Übrigen wird es auch in Zukunft Kommunikation in Papierform geben, und da sind und bleiben wir die Nummer eins in Deutschland. Hinzu kommt, dass wir im weiterhin wachstumsträchtigen Paketgeschäft unsere Stärke als DIE Post für Deutschland voll ausspielen können. Die Perspektiven für das Briefgeschäft sind also vielleicht nicht rosig, aber auch nicht so düster wie es manche Beobachter gerne sehen würden.
Die Wettbewerbslandschaft im BRIEF-Geschäft könnte sich, nicht zuletzt durch den Trend zur elektronischen Kommunikation, gravierend verändern. Wie sieht Ihre Antwort auf diese Herausforderung aus?
Wir werden den Unternehmensbereich BRIEF in den kommenden Jahren weiter fit für die Zukunft machen und seine Profitabilität dauerhaft sichern. Dafür arbeiten wir nach wie vor intensiv an unserer operativen Performance, vor allem durch eine weitere Optimierung der internen Prozesse. Zudem treiben wir den Wandel unseres Kerngeschäfts in allen Funktionen und Bereichen gezielt voran, zum Beispiel durch Investitionen in neue Technologien und die Umsetzung unseres neuen Filial-Vertriebskonzepts mit der Postbank. Und nicht zuletzt investieren wir in Wachstum, wie der E-Postbrief unterstreicht. Am Ende dieser Entwicklung wird ein noch leistungsfähigeres, technologisch führendes Dienstleistungsgeschäft stehen, das elektronische Angebote und physische Kommunikation komplett integriert. Auf diese Weise werden wir bis 2015 die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass wir auch im BRIEF-Bereich wieder an Wachstum denken können - Wettbewerb hin oder her.
Von den kühnen Visionen zurück zu den harten Fakten: Nachdem Sie nach zwei Quartalen operativ schon mehr als eine Milliarde Euro verdient haben, was ist für das Gesamtjahr 2010 noch drin?
Wir haben mit der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse unsere Ergebnisprognose angehoben. Ursprünglich hatten wir ein EBIT vor Einmaleffekten von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Nach dem äußerst erfreulichen Geschäftsverlauf der ersten beiden Quartale und vor dem Hintergrund der zu erwartenden weiteren moderaten Erholung der Weltkonjunktur gehen wir nun davon aus, dass wir am Ende des Jahres bei 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro landen werden. Dazu wird DHL voraussichtlich zum ersten Mal mehr beitragen als der Unternehmensbereich BRIEF - und das nicht etwa, weil das BRIEF-Ergebnis niedriger ausfallen würde als erwartet, sondern weil die DHL-Bereiche mit rund 1,3 Milliarden Euro wohl mehr verdienen werden als wir das zu Jahresbeginn annehmen durften. Für uns ist das ein wichtiger Meilenstein.
Es scheint bei Ihnen System zu haben, mit Gewinnprognosen klein anzufangen und dann im Jahresverlauf draufzusatteln. Warum stapeln Sie so tief, und liegen Sie mit ihrer aktuellen Prognose für 2010 nicht immer noch zu niedrig?
Unsere Ergebnisprognosen spiegeln unsere realistische Erwartung zum jeweiligen Zeitpunkt wider. Wir rechnen uns nicht aus taktischen Gründen ärmer als wir sind. Aber es stimmt: Wir gehen an dieses Thema eher vorsichtig heran und kalkulieren konservativ. Das ist aber auch mit Blick auf die Aktienmärkte besser als umgekehrt. Wenn Sie eine Prognose nach unten korrigieren müssen, dann werden Sie zu Recht abgestraft. Und was die konkrete Frage nach dem Ergebnis im Gesamtjahr 2010 betrifft: Wir wären sehr zufrieden, wenn wir innerhalb der angehobenen Bandbreite herauskommen würden. Und sollte es am Ende doch mehr werden, bin ich mir sicher, dass sich niemand bei mir beschweren würde.
In welcher Größenordnung sehen Sie das Konzernergebnis der Deutschen Post DHL langfristig, also wenn Sie Ihre "Strategie 2015" umgesetzt und die noch brach liegenden Potenziale voll ausgeschöpft haben werden?
Für 2011 erwarten wir eine Fortsetzung des positiven Ergebnistrends. Und ich sehe keinen Grund, warum wir - sofern uns schwere Krisen erspart bleiben - in den darauf folgenden Jahren nicht auch noch weiter vorankommen sollten.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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