- Startseite
- Presse
- Interviews, Reden und Webcasts
- Interview mit Frank Appel zur Hauptversammlung 2011
"Wir liefern Respekt und Resultate"
Der Konzern Deutsche Post DHL blickt auf seiner Hauptversammlung 2011 auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück und sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News erläutert Konzernchef Frank Appel die Gründe für das gute Abschneiden des Konzerns, die Wachstumspläne für die kommenden Jahre und die große gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens.
Postchef Frank Appel
Herr Appel, heute treten Sie vor Ihre Aktionäre und berichten über das vergangene Jahr. Wie fällt die Bilanz aus?
Frank Appel: Durchweg positiv. Der Konzern ist sehr gut aufgestellt. Die Restrukturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre tragen Früchte und unsere Strategie 2015 greift. Als weltweit größter Logistikdienstleister profitieren wir besonders stark von der anhaltend günstigen Entwicklung der Weltwirtschaft, weil wir uns rechtzeitig fit für den Aufschwung gemacht haben. Das zeigen auch die Ergebnisse: Im Geschäftsjahr 2010 haben wir alle unsere Ziele erreicht oder sogar übertroffen. Beim Umsatz haben wir ein zweistelliges Plus verzeichnet und sind wieder klar über 50 Milliarden Euro gelandet. Die Prognose für das operative Ergebnis hatten wir im Jahresverlauf bereits zwei Mal angehoben - und haben sie am Ende doch übertroffen.
Insgesamt lagen wir 2010 bei allen wesentlichen Ergebniskennzahlen wieder auf den höchsten Niveaus der Zeit vor der großen Wirtschafts- und Finanzkrise, zum Teil sogar darüber. In das laufende Jahr sind wir ebenfalls schwungvoll gestartet und haben mit dem Ergebnis des ersten Quartals eine ausgesprochen gute Basis dafür gelegt, unsere Jahresziele zu erreichen. Der Konzernumsatz ist deutlich gestiegen und unsere Profitabilität hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. Alles in allem also durchaus ein Grund, zufrieden zu sein.
Was haben die Aktionärinnen und Aktionäre davon?
Frank Appel: Wir lassen unsere Anteileigner - wie im Übrigen unsere Mitarbeiter auch - gebührend teilhaben am Erfolg des Unternehmens. Aufgrund der sehr guten Ergebnisse des vergangenen Jahres und weil wir überzeugt davon sind, die positive Entwicklung des Konzerns weiter fortschreiben zu können, schlagen wir der Hauptversammlung eine Dividendenerhöhung auf 0,65 Euro je Aktie vor. Das ist ein Anstieg von 5 Cent gegenüber dem vergangenen Jahr. Die Ausschüttungsquote liegt mit 59 Prozent genau in der Bandbreite von 40 bis 60 Prozent des Jahresgewinns, die wir auch langfristig ausschütten wollen. Bezogen auf den Jahresschlusskurs unserer Aktie ergibt sich eine sehr attraktive Dividendenrendite von 5,1 Prozent.
Mittelfristig profitieren unsere Investoren von der außerordentlich guten Wachstumsperspektive des Konzerns, über die sich auch unabhängige Analysten derzeit einig sind. Und langfristig kommt den Aktionärinnen und Aktionären unsere neue Finanzstrategie, die wir im vergangenen Jahr vorgestellt haben, zugute. Ihr Ziel ist es, ein hohes Maß an Kontinuität, Verlässlichkeit und Berechenbarkeit für unsere Investoren sicherzustellen.
Welche Rolle spielt die Strategie 2015 dabei?
Frank Appel: Mit der Strategie 2015, die wir vor zwei Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt haben und die wir Zug um Zug im Unternehmen umsetzen, haben wir frühzeitig die richtigen Weichen gestellt, um überdurchschnittlich - und vor allem nachhaltig - vom Wachstum der Weltwirtschaft zu profitieren. Es geht dabei nicht darum, den Konzern neu zu erfinden; vielmehr arbeiten wir daran, uns von innen heraus weiterzuentwickeln, damit wir noch besser auf die Herausforderungen der Zukunft und die Volatilität der Märkte vorbereitet sind.
Was heißt das bezogen auf die mittelfristigen Konzernziele?
Frank Appel: Wir sind nun voll auf Wachstum eingestellt. Unsere Ziele sind klar: Wir wollen Umsatz und Ergebnis in den kommenden Jahren kräftig steigern. Damit werden wir auch bei der Profitabilität eine führende Position in unserer Branche erreichen. Ganz konkret streben wir für das operative Ergebnis der DHL-Bereiche ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 13 bis 15 Prozent bis zum Jahr 2015 an. Im BRIEF-Bereich wollen wir das operative Ergebnis nachhaltig auf einem Niveau von etwa 1 Milliarde Euro stabilisieren.
Der Konzern Deutsche Post DHL steht damit auf zwei starken Säulen: Deutsche Post und DHL. Wir wollen effektiver, effizienter und innovativer als andere sein, weil das die Voraussetzung dafür ist, erste Wahl für unsere Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre zu sein. Die Strategie 2015 ist ein klarer Entwicklungspfad für die Zukunft und wir sind schon ein gutes Stück darauf vorangekommen.
Wie wollen Sie die Stabilisierung im klassischen Briefgeschäft schaffen?
Frank Appel: Natürlich sehen wir in diesem Bereich weitreichende strukturelle Veränderungen, die auf elektronische Kommunikationsformen zurückgehen. Wir haben darauf mit einer Reihe von E-Produkten, wie etwa dem E-Postbrief, reagiert. Solche Produkte sind ein Element unserer Strategie, innovative Lösungen in der digitalen und der klassischen physischen Kommunikation anzubieten und auf diese Weise unsere Position als DIE Post für Deutschland nachhaltig zu verteidigen. Und was häufig übersehen wird: Wir sind mit unserem kräftigen Wachstum im Paketgeschäft gleichzeitig einer der großen Gewinner des E-Commerce-Booms.
Schon heute macht das Paketgeschäft rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes im Unternehmensbereich BRIEF aus. Und die Umsätze wachsen äußerst dynamisch - allein im ersten Quartal 2011 um neun Prozent. Unser Ziel bleibt ein operativer Gewinn von rund einer Milliarde Euro im BRIEF-Bereich. Diesen Betrag brauchen wir um die nötigen Investitionen in ein leistungsfähiges Netzwerk leisten zu können. Das dynamische Paketgeschäft wird seinen Teil dazu beitragen. Inwiefern auch das klassische Briefgeschäft dazu in der Lage sein wird, hängt unter anderem von einer Reihe von externen Faktoren ab, die von uns nicht zu beeinflussen sind.
Sie spielen hier auf das Verfahren zur Festsetzung des Briefporto an, oder?
Frank Appel: Dies ist sicherlich ein wichtiger Aspekt. Schauen Sie: Das Porto für einen normalen Brief ist seit 14 Jahren nicht erhöht worden. Unsere Preise sind im europäischen Vergleich niedrig - und das bei höchster Qualität. Gleichzeitig hat sich der Gewinn im Briefgeschäft in nur drei Jahren nahezu halbiert. Es geht also bei der Diskussion um eine mögliche Erhöhung der Portopreise nicht darum, unseren Profit zu maximieren, sondern darum, den Status-quo und eine gute Infrastruktur zu erhalten. Letztendlich entscheidet die Bundesnetzagentur in dieser Diskussion nicht nur über das zukünftige Verfahren zur Preisfestsetzung. Tatsächlich entscheidet sie auch mit über die Frage, ob Deutschland auch in zehn Jahren noch ein modernes und leistungsfähiges Postnetz hat.
Damit wird ihre zweite Säule - DHL - immer wichtiger für das Unternehmen. Was gibt es hier zu berichten?
Frank Appel: DHL hat sich im vergangenen Jahr wie geplant zum Wachstumstreiber des Konzerns entwickelt. Das liegt zum einen daran, dass wir in allen Wachstumsmärkten der Welt hervorragend positioniert sind. So haben wir in den vergangenen Jahren etwa in Asien mehr als 2 Milliarden US-Dollar investiert und sind heute in dieser Region in allen DHL-Bereichen klarer Marktführer. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Der Umsatz in der Region ist im vergangenen Jahr um 36 Prozent gestiegen. Wir sehen bei DHL enormes Potenzial für organisches Wachstum, das wir nutzen wollen, indem wir noch stärker an integrierten Lösungen für die spezifischen Bedürfnisse unserer Kunden arbeiten.
Zum Beispiel mit speziellen Technologien, die die Einhaltung bestimmter Temperaturvorgaben über den gesamten Transportverlauf ununterbrochen kontrollieren und steuern und so eine komplette temperaturgesteuerte Lieferkette sicherstellen. Oder mit unseren City Logistics-Konzepten, bei denen es darum geht, über effizientere Transportsysteme den Verkehr in den Innenstädten und damit auch den CO2-Ausstoß zu reduzieren.
CO2-Minderung ist ein erklärtes Ziel von Deutsche Post DHL. Wo stehen Sie da?
Frank Appel: Wir waren der erste globale Logistikanbieter, der sich ein konkretes CO2-Ziel gesetzt hat: Bis zum Jahr 2020 wollen wir unsere CO2-Effizienz gegenüber 2007 um 30 Prozent verbessern. Ein erklärtes Zwischenziel war es, eine Reduktion unserer eigenen Emissionen um zehn Prozent bereits bis zum Jahr 2012 zu erreichen. Wir sind stolz darauf, dass wir dieses ursprünglich erst für das kommende Jahr angesetzte Zwischenziel bereits jetzt erreicht und sogar übertroffen haben. Dieser Erfolg, den wir durch kontinuierliche Flotten- und Netzoptimierung, Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden und die Einführung innovativer Technologien geschafft haben, spornt natürlich sehr an.
Hinzu kommt: Wir haben im vergangenen Jahr weltweit mehr als 1,7 Milliarden GoGreen-Sendungen transportiert. Und ab dem 1. Juli werden wir als erstes Logistikunternehmen alle Privatkundenpakete in Deutschland ohne Aufpreis für den Versender CO2-neutral befördern. Für jedes dieser beförderten Päckchen oder Pakete werden wir einen Beitrag für Klimaschutzprojekte leisten und CO2-Emissionen, die durch Transport und Sendungsbearbeitung entstehen, wieder ausgleichen.
Ist GoGreen denn nicht nur ein ökologisches Feigenblatt?
Frank Appel: Ganz im Gegenteil: GoGreen ist das beste Beispiel für unser Ziel, Respekt und Resultate Hand in Hand zu liefern. Gesellschaftliche Verantwortung ist integraler Bestandteilteil unserer Strategie 2015. Als globaler Marktführer wollen und müssen wir einen aktiven Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaften leisten. Dabei ist ökologisches und gesellschaftliches Engagement kein reiner Altruismus, sondern erschließt auch neue Geschäftschancen. Der Trend ist klar: 57 Prozent der Geschäftskunden, die wir im vergangenen Jahr im Rahmen einer Studie befragten, wollen in den kommenden zehn Jahren einen Logistikdienstleister mit "grünen" Transportlösungen einem günstigeren Wettbewerber vorziehen. In Asien liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent.
Nachhaltiges Wirtschaften hört bei der Ökologie aber noch nicht auf?
Frank Appel: Das ist richtig: Nachhaltigkeit hat immer auch den Nutzen für die Gesellschaft im Blick. Dieser Nutzen ist die Antriebsfeder für die beiden anderen Teile unseres "Living Responsibility"-Strategie: GoTeach, unsere Bildungsinitiative, die wir im vergangenen Jahr mit der Partnerschaft mit der internationalen Organisation Teach For All weiter ausgebaut haben. Und unsere Katastrophenhilfe GoHelp, im Rahmen derer unsere Teams 2010 nach den großen Erdbeben in Haiti und Chile sowie nach den verheerenden Überschwemmungen in Guatemala und Pakistan insgesamt rund 7.000 Tonnen Hilfsgüter umgeschlagen haben.
"Living Responsibility" hat meiner Überzeugung nach auch Auswirkungen auf den Erfolg unseres Konzerns: Nur wem es gelingt, erste Wahl für Kunden und Mitarbeiter zu sein - und dazu gehört explizit die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung im Rahmen unternehmerischen Handelns - wird auf lange Sicht die ökonomische Leistung erbringen können, die ihn auch zur ersten Wahl für Investoren macht.
Der Konzern steht also mit beiden Beinen in der Gesellschaft. Ist das das Erfolgsrezept für zukünftiges Wachstum?
Frank Appel: Ich bin davon überzeugt, dass wir auch mittelfristig stärker wachsen werden als der Markt, sofern es uns gelingt, den Blick auf die wesentlichen Treiber unseres unternehmerischen Erfolgs zu richten: zufriedene Kunden, engagierte Mitarbeiter und loyale Investoren. Dann - und nur dann - wird es uns auch gelingen das enorme Potenzial, das dieser riesige Konzern besitzt, nach und nach voll zu entfalten.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
Folgen Sie uns auf Twitter
Aktuelle News und Infos von Deutsche Post DHL.