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"Die Logistikbranche als Vermittler des Wandels"
Interview mit Frank Appel, Vorstandsvorsitzender von Deutsche Post DHL, über nachhaltige Logistik
Die Deutsche Post DHL hat eine neue Studie "Delivering Tomorrow: Zukunftstrend Nachhaltige Logistik" veröffentlicht. Sie untersucht die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen, CO2-effizienten Logistikbranche und erläutert, wie nachhaltige Lösungen und Technologien entscheidend zur Senkung der CO2-Emissionen in der Logistik beitragen können. Frank Appel, Vorstandsvorsitzender von Deutsche Post DHL, zu den Ergebnissen der Studie und ihren Folgen.
Postchef Frank Appel
Warum hat die Deutsche Post DHL diesen Bericht über grüne Logistik erstellt?
Appel: Es ist eine Folgestudie unserer im vergangenen Jahr veröffentlichten Delphi-Studie. Sie hatte den Schritt hin zu "grünen" Lösungen als das große Thema der Zukunft identifiziert. Der neue Bericht konzentriert sich vollständig auf unser Geschäft, die Logistikbranche. Wir haben diese Studie über Nachhaltigkeit im Logistiksektor erarbeitet, weil wir im Kampf gegen den Klimawandel Teil der Lösung sein wollen.
Die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen haben den Klimawandel zu unserem dringlichsten Problem gemacht. Wenn wir jetzt nicht anfangen, ihn zu bekämpfen, werden die Kosten immer weiter steigen. Die Logistikbranche hat nicht gerade einen geringen Anteil an CO2-Emissionen. Als weltweit größter Logistikkonzern wissen wir deshalb, dass die Deutsche Post DHL eine besondere Verantwortung für die Reduzierung der Emissionen hat.
Sie denken also, dass die Logistikbranche im Klimaschutz eine Vorreiterrolle übernehmen sollte?
Appel: Unbedingt. Wir sehen uns als Vermittler des Wandels hin zu einer schadstoffärmeren Wirtschaft, und wir sind der Meinung, dass Logistik ideal positioniert ist, um Nachhaltigkeit zu fördern. Aufgrund ihres weltweiten Transportnetzes, ihrer Fachkompetenz und der Positionierung entlang der gesamten Lieferkette, kann die Logistikbranche ein Vorbild für viele andere Sektoren sein, die selbst ihre Emissionen reduzieren wollen. Wir können als Katalysator für nachhaltige Geschäftspraktiken fungieren.
Was unternimmt die Deutsche Post DHL gegen den Klimawandel?
Appel: Die Deutsche Post DHL konzentriert sich bereits seit Jahren darauf, mehr grüne Lösungen anzubieten und hat dies auch in die Konzernstrategie integriert. Wir waren weltweit das erste Logistikunternehmen, das sich ein Ziel für seine CO2-Effizienz gesetzt hat: eine Verbesserung um 30% bis 2020 im Vergleich zu 2007. Wir waren auch das erste Logistikunternehmen, das CO2-neutrale Versandservices angeboten hat, wir haben kürzlich ein Carbon-Accounting-System eingerichtet, und wir haben das umfassende GoGreen-Programm als Bestandteil unserer Initiativen zur gesellschaftlichen Verantwortung. Und nicht zu vergessen unser Bereich DHL Solutions & Innovations, der ständig an innovativen Lösungen für grüne Produkte arbeitet.
Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts?
Appel: Der Bericht stellt fest, dass nachhaltigere Geschäftspraktiken für die meisten Unternehmen in der Zukunft Voraussetzung für langfristigen Erfolg sein werden. Dieser Trend ist bereits jetzt ein Antrieb für eine grünere Logistikbranche. Zwar sehen viele immer noch einen Widerspruch zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz, doch tatsächlich können nachhaltige Geschäftspraktiken die Profitabilität steigern.
Die Logistikbranche kann bereits heute eine deutliche Senkung der CO2-Emissionen erzielen, wenn sie Zustellnetze optimiert, durch die richtige Kombination von Transportarten und die effiziente Steuerung von Ladekapazitäten und Routen. Diese Maßnahmen reduzieren gleichzeitig die Kosten. Wir können außerdem die Energieeffizienz von Lagerhäusern steigern, die Aerodynamik unserer Fahrzeuge verbessern und Eco-Drive-Systeme besser nutzen. Der neue Bericht hat einige der hervorstechenden, zukunftsweisenden Entwicklungen unserer Branche herausgearbeitet.
Welche Folgen ergeben sich Ihrer Ansicht nach?
Appel: Die Logistikanbieter, die spezielle Kompetenzen auf diesem Gebiet anbieten, werden die Zukunft der Branche gestalten. Logistik wird immer weniger eine Massenware sein. Angesichts der neuen Technologien wird der Wandel ein gemeinsames Handeln von Unternehmen, Regierungen und Finanzinstitutionen mit sich bringen. Wir werden feststellen, dass Nachhaltigkeit am besten durch die Zusammenarbeit von Unternehmen - selbst zwischen Wettbewerbern - erreicht werden kann. Da nachhaltige Innovationen neue Möglichkeiten eröffnen, werden Logistikunternehmen ihre Geschäftsmodelle anpassen.
Außerdem wird sich das regulative und rechtliche Umfeld weiter entwickeln. Die CO2-Kennzeichnung wird Standard werden und für mehr Transparenz sorgen. Sobald für CO2-Emissionen ein Preis festgesetzt ist, wird es für Entscheidungsträger besonders wichtig, einheitliche Regelungen sicherzustellen. Denn sollten unterschiedliche Regelungen nebeneinander bestehen bleiben, würde es nur zu einer Verlagerung kommen. Das hieße, Sektoren mit hohen Emissionen würden in Länder mit weniger strengen Regelungen verlagert.
Was hoffen Sie mit diesem Bericht zu erreichen?
Appel: Unser Ziel ist es, dass Entscheidungsträger, Kommentatoren und die Medien sowie Geschäftsleute und Verbraucher sich verstärkt mit dem Thema beschäftigen. Alle diese Gruppen müssen sich der Herausforderungen des Klimawandels und der Dringlichkeit bewusst sein und entsprechend handeln. Mit dem Bericht wollen wir zeigen, wie Innovation und grüne Nachfrage eine CO2-effiziente Logistikbranche fördern und zu einer Wirtschaft mit niedrigeren Emissionen führen kann.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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