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Interview mit Dr. Frank Appel zu den Plänen des Konzerns für die Restrukturierung des Expressgeschäfts in den USA
Die Deutsche Post World Net, der weltweit führende Transport- und Logistikkonzern, hat heute Pläne zur Restrukturierung seines US-Expressgeschäfts bekannt gegeben. Die Initiative wird zu einer nachhaltigen Verbesserung der Finanzperformance führen und einen guten Ausgangspunkt für die Steigerung der Effizienz und Kundenorientierung in diesem Geschäftsbereich bieten.
Gemäß diesem Plan wird DHL US Express seine Netzwerkkapazitäten besser auf die Bedürfnisse der Kunden abstimmen und im Luftfrachtgeschäft auf inländischen und internationalen Expressrouten in Nordamerika mit UPS kooperieren. In einem Interview mit DPWN News erläutert der Vorstandsvorsitzende, Frank Appel, die Logik des Plans und die erwarteten Verbesserungen.
Worum geht es beim heute vorgelegten Plan in aller Kürze?
Appel: Ich würde von einem realistischen und pragmatischen Ansatz sprechen. Wir konzentrieren unsere Stärke und unser Know-how auf die tatsächlichen Bedürfnisse unserer Kunden. Sie brauchen uns dort, wo sie den größten Teil ihrer Geschäfte abwickeln, das heißt in den großen Städten der USA und im grenzüberschreitenden Verkehr. Der Plan wird uns erlauben, die Performance unseres US-Aktivitäten erheblich zu verbessern, so wie wir es bei der Vorstellung unseres Kapitalmarktprogramms Roadmap to Value versprochen haben. Zugleich ermöglicht er uns, eine bedeutende Präsenz im weltweit größten Expressmarkt aufrecht zu erhalten.
Welche zentralen Maßnahmen umfasst der Plan?
Appel: Erstens werden wir unsere Infrastruktur in den USA umstrukturieren, um knapp ein Drittel überschüssiger Kapazitäten zu beseitigen. Dies erreichen wir, indem wir unsere bestehenden Standorte um mehr als ein Drittel reduzieren und zu größeren Standorten zusammenfassen. Außerdem werden im Rahmen unserer Maßnahmen zur Prozessoptimierung unsere Kurier- und Sortiereinrichtungen modernisieren, Personaleinsatzpläne anpassen, um betriebliche Spitzen zu vermeiden, und unsere Routenplanung verbessern. Zweitens haben wir mit UPS vereinbart, dass wir gemeinsam einen Vertrag ausarbeiten werden, wonach UPS den Lufttransport der nationalen und internationalen DHL Express USA Sendungen innerhalb Nordamerikas übernimmt. Drittens werden wir unsere Verwaltungs- und Overheadkosten senken.
Dies ist nicht der erste Restrukturierungsplan für das US-Expressgeschäft, den Sie vorlegen. Das Ziel für das Erreichen der Gewinnschwelle wurde mehr als einmal verschoben. Wodurch unterscheidet sich dieser Plan?
Appel: Unser Ansatz ist ein ganz anderer als in der Vergangenheit. Im Gegensatz zu unserem bisherigen Ansatz zielen wir nicht auf eine entsprechend kostenträchtige Ausweitung des Marktanteils von DHL, sondern auf eine Ergebnisverbesserung bei Wahrung der Qualität unserer Dienstleistungen dort, wo sie gebraucht werden. Wir unternehmen drastischere Schritte und sind sicher, dass wir so die erhofften Verbesserungen erreichen werden. In den vergangenen Monaten hat unser Team alle Möglichkeiten ausgelotet und enorm viel Arbeit in die Ausarbeitung dieses Plans gesteckt, den wir für die bestmögliche Lösung für unsere Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter halten.
Hat die wirtschaftliche Entwicklung in den USA der Suche nach einer Lösung zusätzliche Dringlichkeit verliehen? Hat sie Sie bei der Ausarbeitung eines Plans zusätzlich unter Druck gesetzt?
Appel: Der Abschwung in den USA hat eindeutig erhebliche Auswirkungen auf unser US-Geschäft, aber wir wollen nicht so tun, als ob dies die Wurzel aller Herausforderungen sei, vor denen wir in den USA stehen. Selbst vor der aktuellen Wachstumsdelle, als sich unser US-Geschäft während eines ganzen Jahres durch hohes Potenzial und stetige Verbesserungen auszeichnete, suchten wir nach Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die Wachstumsabkühlung hat uns dazu veranlasst, diese Suche zu forcieren, und wir meinen, dass wir jetzt die richtige Lösung gefunden haben.
Ist mit Arbeitsplatzverlusten zu rechnen?
Appel: Bei uns werden sich die Stellenstreichungen im Rahmen halten. Nur rund 4 Prozent unserer Mitarbeiter in den USA werden betroffen sein. Allerdings weise ich darauf hin, dass wir in den USA mit einer großen Anzahl an Subunternehmern zusammen arbeiten und welche Auswirkungen unser Restrukturierungsplan auf deren Geschäft haben wird, können wir heute nicht sagen.
Das klingt so, als ob es bei diesem Plan vor allem um Kostensenkungen zu Lasten des Kunden ginge?
Appel: Ganz und gar nicht. Wie bereits erwähnt, geht es darum, dort zu sein, wo unsere Kunden uns am meisten brauchen. Wir werden keine Einschnitte in unserer Servicequalität zulassen. Ganz im Gegenteil: Wie unsere jüngste Kooperation mit Walgreens zeigt, werden wir unsere Sichtbarkeit im Markt weiter verbessern und unseren Kunden einen noch besseren Zugang zu günstigen Expressangeboten bieten. Darin liegt unsere Stärke, und diese Stärke wollen wir weiter ausbauen. Die Restrukturierungsmaßnahmen werden weniger als 4 Prozent unseres gesamten Sendungsvolumens in den USA betreffen.
Mit welchen Ergebnisverbesserungen rechnen Sie und zu welchem Preis?
Appel: Die geplanten Maßnahmen werden zu Kosteneinsparungen in Höhe von rund $800 Millionen im Jahr 2010 und rund $1 Milliarde im Jahr 2011 führen, wobei erwartet wird, dass sich das EBIT vor Einmaleffekten entsprechend verbessert. Was die Kosten angeht, rechnen wir mit einem einmaligen Aufwand von insgesamt bis zu $2 Milliarden. Diese Summe setzt sich aus Überführungskosten, Kosten aus vertraglichen Verpflichtungen sowie Abschreibungen zusammen.
Wie hoch sind Ihre derzeitigen Verluste in den USA? Und rechnen Sie damit, hier je einen Gewinn zu erzielen?
Appel: Wie bereits erwähnt, veröffentlichen wir keine EBIT-Zahlen für einzelne Regionen. Da die Situation in den USA allerdings eine etwas andere ist und wir vor allem die Fortschritte bei der Sanierung transparent machen wollen, gehen wir in diesem Jahr von einem EBIT-Verlust von $1,3 Milliarden aus, was natürlich total inakzeptabel ist. Deshalb haben wir heute einen Plan vorgelegt, mit dessen Hilfe es uns gelingen soll, das EBIT um rund $1 Milliarde im Jahr 2011 zu verbessern. Im Rahmen unseres neuen, realistischen Ansatzes sehen wir der Tatsache, dass wir möglicherweise auch künftig in begrenzten Rahmen Verluste schreiben werden, bewusst ins Auge. Obwohl es unser Ziel ist, in allen unseren Geschäftsbereichen profitabel zu wirtschaften, wissen wir, dass unsere Kunden und Aktionäre von einer lokalen Präsenz wie in den USA - wo unsere Aktivitäten allen lokalen Herausforderungen zum Trotz zur Profitabilität des Konzerns insgesamt beitragen - besser fahren als ohne eine solche Präsenz. Unser US-Geschäft spielt eine wichtige Rolle in unseren Bemühungen, unsere Position als Nr. 1 im globalen Expressgeschäft erfolgreich zu verteidigen.
Offensichtlich kostet Sie das eine Menge Geld - wie wird sich dies auf die Ertragsprognosen des Konzerns für die kommenden Jahre auswirken?
Appel: In Folge unseres Restrukturierungsplans und angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten in den USA erwarten wir nun ein EBIT für den Unternehmensbereich EXPRESS von rund 400 Millionen Euro für 2008, womit sich unsere Prognose für den Gesamtkonzern nun auf rund 4,1 Milliarden Euro im EBIT vor Einmaleffekten belaufen wird.
Wenn es hier nur darum geht, weniger Geld zu verlieren, und nicht darum, Gewinne zu erwirtschaften, warum zieht sich der Konzern dann nicht komplett aus dem US-Markt zurück?
Appel: Der US-Markt ist wichtiger Pfeiler des globalen DHL-Netzes. Tatsächlich berühren fast die Hälfte aller DHL-Sendungen die USA, und 50 Prozent unserer 200 größten Kunden sind hier angesiedelt. Ein leistungsstarkes Produkt- und Serviceangebot in diesem Markt bildet die Grundlage für unseren Geschäftserfolg in anderen Regionen. Daher ist dies ein integraler Bestandteil unserer Strategie, erste Wahl für Kunden in aller Welt zu werden. Außerdem reicht unsere Präsenz in den USA deutlich über DHL Express hinaus. DHL ist der bedeutendste Logistikanbieter in den USA und die weltweite Nr. 1.
Haben Sie einen Plan B, wenn dieser Plan scheitern sollte? Wie viel Zeit geben Sie sich?
Appel: Um es noch einmal zu wiederholen: Wir sind sehr zuversichtlich, die richtige Lösung für die Zukunft unseres US-Geschäfts gefunden zu haben. Wir bleiben ein attraktiver Anbieter für unsere Kunden, und der Markt bietet eindeutig genug Platz für einen dritten Player. Wir denken zu diesem Zeitpunkt nicht über Alternativen nach, weil dieser Plan funktionieren wird. Was den Zeitplan angeht, habe ich keinen willkürlich ausgewählten Termin festgesetzt, zu dem wir feststellen müssen, ob wir die Trendwende geschafft haben. Stattdessen werden wir unsere Fortschritte ständig überwachen, um für kontinuierliche Verbesserungen zu sorgen.
Sorgen Sie sich über die Möglichkeit, dass eine schwächere Präsenz in den USA Ihre Kunden in Europa und Asien dazu bewegen könnte, bei Sendungen in die USA zur Konkurrenz zu wechseln?
Appel: Ich bin zuversichtlich, dass unsere internationalen Kunden, sobald sie genau verstehen, was wir in den USA machen, wissen werden, dass wir ihre Sendungen genauso wie bisher abwickeln werden - viele von ihnen werden sogar von einem noch besseren Service profitieren.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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