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- Interview mit Prof. Dr. Edgar Ernst: 9M 2006
"Wir haben uns im dritten Quartal gesteigert"
In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres erhöhte die Deutsche Post World Net den Konzernumsatz um 35,9 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro. Zu dieser Entwicklung trugen sowohl organisches Wachstum als auch akquisitionsbedingte Effekte bei. Im Berichtszeitraum konsolidierte der Konzern erstmals den Logistikdienstleister Exel, den Finanzdienstleister BHW sowie ab 01. April 2006 den Postdienstleister Williams Lea. Das EBIT legte um 7,5 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro zu. Finanzvorstand Prof. Dr. Edgar Ernst erläutert im Gespräch mit DPWN News die wesentlichen Eckdaten der Geschäftsentwicklung in den ersten drei Quartalen.
DPWN News: Herr Prof. Ernst, im ersten Halbjahr 2006 hatte sich die Weltwirtschaft recht robust entwickelt. Wie beurteilt die Deutsche Post World Net jetzt die Situation nach den ersten drei Quartalen?
Prof. Dr. Edgar Ernst: Wir sehen die globale Wirtschaft nach wie vor auf einem soliden Wachstumskurs. Zwar ließ seit dem späten Frühjahr die Wachstumsdynamik insgesamt etwas nach, und die US-Konjunktur befindet sich in einer Abkühlungsphase. Aber es gibt weiterhin Regionen, die sich sehr stark entwickeln - schauen Sie nach Asien oder nach Osteuropa. Und auch im Euroraum legte die Wirtschaft in den ersten neun Monaten kräftig zu, Deutschland trug einen guten Teil dazu bei.
DPWN News: Wie ist ihr konjunktureller Ausblick auf das Gesamtjahr?
Ernst: Grundsätzlich sehen wir die weitere Entwicklung über das Jahresende hinaus positiv, auch wenn das Wachstumstempo global etwas nachlassen wird. Aber insgesamt rechnen wir bis Ende 2006 mit einer recht robusten Konjunktur. Immerhin erwarten die Ökonomen, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone in diesem Jahr mit 2,6 Prozent wachsen wird. Das wäre der beste Wert seit sechs Jahren. Für Deutschland scheint ein BIP-Wachstum von 2,4 Prozent realistisch, auch dies läge deutlich über den Werten der Vorjahre. Wir sind also durchaus optimistisch.
DPWN News: In welchem Umfang profitiert die Deutsche Post World Net von diesem positiven Umfeld?
Ernst: Dies ist von Unternehmensbereich zu Unternehmensbereich und von Region zu Region unterschiedlich. Nehmen Sie die EXPRESS Region Asia Pacific: Hier verzeichneten wir beim Umsatz erneut eine zweistellige Zuwachsrate, ebenso in den Emerging Markets (EMA), in denen der Umsatz um 14,8 Prozent zulegte. Das Logistikgeschäft entwickelte sich durchweg sehr gut, ebenso das internationale Briefgeschäft. Andererseits konnten unsere Schlüsselbranchen und -märkte im inländischen Briefgeschäft noch nicht von der stärkeren Binnenkonjunktur profitieren.
DPWN News: Was heißt das für den Konzernumsatz in den ersten drei Quartalen?
Ernst: Wir haben unsere operative Performance in den ersten neun Monaten mit einem Umsatzzuwachs von 35,9 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro verbessert. Hier spielen natürlich die erstmalige Konsolidierung von Exel sowie einige weitere Akquisitionseffekte eine wesentliche Rolle. In Summe belaufen sich diese durch Zukäufe bedingten Wachstumseffekte auf 10,2 Milliarden Euro. Das heißt aber auch, dass wir den Konzernumsatz organisch um rund 1,4 Milliarden Euro gesteigert haben - ich halte das für ein zufrieden stellendes Resultat.
DPWN News: Nach dem aus Sicht des Kapitalmarktes eher enttäuschenden Halbjahresergebnis weist die Deutsche Post World Net nach dem dritten Quartal einen Ergebniszuwachs von 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Wie ist dieser Umschwung zu erklären?
Ernst: Der guten Ordnung halber muss man darauf hinweisen, dass hier auch Sondereffekte eine Rolle spielen, vor allem ein Ertrag aus der vorzeitigen Kündigung der Umtauschanleihe auf Postbank-Aktien. Wichtiger ist aus meiner Sicht jedoch: Wir haben in Unternehmensbereichen, die noch im zweiten Quartal Ergebnisrückgänge verzeichnen mussten, im dritten Quartal Ertragszuwächse erreicht. Dies gilt namentlich für BRIEF und EXPRESS. Das Logistikgeschäft entwickelte sich weiterhin hervorragend und leistete wie bereits zum Halbjahr einen erfreulichen Beitrag zum Ertrag, und auch die Finanzdienstleistungen brachten uns trotz der Aufwendungen für die Integration von BHW einen Ergebniszuwachs.
DPWN News: Woher kommt der Ertragszuwachs im Bereich BRIEF im dritten Quartal, wenn sich das inländische Geschäft eher verhalten entwickelte?
Ernst: Wir haben im internationalen Briefgeschäft und bei den Mehrwertdienstleistungen deutlich zugelegt, sowohl aus eigener Kraft als auch durch die Akquisition von Williams Lea. Mittlerweile entfällt auf diese beiden Geschäftsfelder ein Anteil von 20,5 Prozent am Umsatz des Konzernbereiches.
DPWN News: Wie kommen DHL Exel Supply Chain und DHL Global Forwarding im Markt voran? Immerhin müssen die Geschäftsbereiche eine aufwendige Integration bewältigen.
Ernst: Die Integration geht sehr gut voran, und der Gesamtbereich LOGISTIK konnte im dritten Quartal weitere wichtige Kunden gewinnen. Sicherlich ist der Vertrag mit der britischen Gesundheitsbehörde einer der bedeutendsten Abschlüsse dieses Jahres. DHL betreibt seit 1. Oktober im Auftrag des National Health Service unter dem Namen NHS Supply Chain eine Sparte, die 600 Krankenhäuser und Dienstleister im britischen Gesundheitswesen in der Produktbeschaffung und Logistik unterstützt. Die Zusammenarbeit ist mit großem Erfolg angelaufen.
Wir haben darüber hinaus in der Logistik im dritten Quartal weitere Großkunden gewinnen können, etwa die LEGO Gruppe, einen der größten Spielwarenhersteller der Welt. DHL hat im September in Tschechien ein neues europäisches Verteilzentrum für LEGO eröffnet und sämtliche Logistik-Aktivitäten an diesem Standort an DHL Exel Supply Chain ausgelagert. Das bedeutet, dass ab 2007 jeder LEGO-Stein, der für Europa, Asien, Afrika und Südamerika bestimmt ist, den Weg über dieses Verteilzentrum nehmen wird.
DPWN News: Blicken wir auf den Konzernbereich EXPRESS. Die Zahlen deuten darauf hin, dass sich auch hier im dritten Quartal einiges zum Positiven gewendet hat?
Ernst: Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, als hätten wir mit Blick auf EXPRESS Grund zu überschäumender Freude. Nach wie vor lag das EBIT in den ersten neun Monaten deutlich unter Vorjahr. Aber wir haben im dritten Quartal bei EXPRESS einige wichtige Erfolge erzielt. Im EBIT konnten wir uns im Vorjahresvergleich um 106 Millionen Euro und im Vergleich zum zweiten Quartal um 44 Millionen Euro verbessern. In der Region Americas ist es uns gelungen, im Verlauf des Jahres 2006 das Umsatzniveau zu stabilisieren und im saisonal üblicherweise schwachen dritten Quartal im Vergleich zum zweiten Quartal zuzulegen. Wir haben die Qualität auf einem hohen Niveau etabliert und gewinnen in zunehmendem Maße neues Geschäft zu verbesserten Konditionen.
DPWN News: Im dritten Quartal hat die Deutsche Post World Net den Bereich EXPRESS neu organisiert. Was hat sich verändert?
Ernst: Wir haben den gesamten Konzernbereich EXPRESS weltweit unter die einheitliche Leitung von John Mullen gestellt. Wir sind überzeugt, dass dies im Gegensatz zu der bisherigen Doppelspitze zu einer strafferen Steuerung, Harmonisierung und Weiterentwicklung aller globalen EXPRESS-Produkte führen wird. Die Deutsche Post World Net verfolgt damit auch das Ziel, den Bereich noch stärker als bisher auf das wachsende internationale Geschäft und die weltweiten Netzwerke mit den entsprechenden Synergieeffekten auszurichten. Deshalb hat EXPRESS auch die Verantwortung für und die Steuerung der Hubs und Flugdienstleistungen, der Global Network Aviation, übernommen.
Ebenso wichtig ist die Herauslösung des europäischen Landverkehr-Speditionsgeschäftes aus dem EXPRESS-Bereich. Diesen Bereich haben wir als DHL Freight in den Unternehmensbereich LOGISTIK überführt. Damit werden sämtliche Luft-, See- und Landspeditionsgeschäfte von der Logistik gesteuert. Dieser Schritt eröffnet uns überdies zusätzliche Erlöspotenziale, da wir durch das zentrale Management aller Landverkehre in Europa weitere Umsatzpotenziale realisieren und ein Transportvolumen im dreistelligen Millionenbereich von externen Lieferanten an die eigene Freight-Sparte vergeben können.
DPWN News: Verwirren Sie mit dieser Neuorganisation nicht ihre Aktionäre?
Ernst: Wir haben selbstverständlich alle Vorjahreszahlen entsprechend angepasst, damit unsere Aktionäre tragfähige Vergleichswerte haben. Ich sehe zudem eher einen positiven Effekt für unsere Investoren: Wir bieten ihnen mit den neu geschnittenen Bereichen tendenziell eine noch höhere Transparenz, weil die Margen des EXPRESS-Bereiches mit denen der unmittelbaren Wettbewerber vergleichbar und die Geschäfte mit geringer Kapitalintensität im Bereich LOGISTIK gebündelt werden. Wir sind generell bestrebt, unseren Aktionären ein hohes Maß an Transparenz zu bieten. In diesem Zusammenhang freuen wir uns natürlich sehr, dass wir von der Jury des angesehenen manager magazin-Wettbewerbs "Der beste Geschäftsbericht" für unseren Geschäftsbericht 2005 mit dem Spitzenplatz ausgezeichnet wurden.
DPWN News: Abschließend die Frage nach dem Ausblick auf das Gesamtjahr?
Ernst: Wir gehen nach wie vor davon aus, dass wir einen Umsatz in der Größenordnung von gut 60 Milliarden Euro und ein EBIT von rund 3,9 Milliarden Euro erreichen werden. Darin sind erhebliche Einmalaufwendungen für die Einbindung von Exel und BHW enthalten - wir haben bereits zu Jahresbeginn gesagt, dass 2006 ein Jahr der Integration werden wird. Angesichts der schnellen Fortschritte in den Integrationsprojekten und mit Blick auf das traditionell starke Weihnachtsquartal bin ich für die letzten Wochen dieses Jahres sehr zuversichtlich.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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