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- Interview mit Prof. Dr. Edgar Ernst: Bilanzpressekonferenz 2006
"Wir haben jetzt eine einzigartige Plattform für organisches Wachstum"
Auf der heutigen Bilanzpressekonferenz in Bonn präsentiert die Deutsche Post World Net den Jahresabschluss 2006. Der Konzern steigerte den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr auf mehr als 60 Mrd. Euro und erreichte sein EBIT-Ziel. Die Deutsche Post World Net konsolidierte dabei erstmals die Zukäufe Exel, BHW und Williams Lea. Das EBIT verbesserte sich um 2,9% auf rund 3,9 Mrd. Euro. Finanzvorstand Prof. Dr. Edgar Ernst erläutert die wichtigsten Kennzahlen des vergangenen Jahres und gibt einen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2007.
DPWN News: Herr Prof. Ernst, nach dem dritten Quartal war bereits eine positive Entwicklung zu erkennen. Die vorläufigen Zahlen für das Gesamtjahr 2006 wurden von der Börse mit Kursgewinnen honoriert. Wie bewerten Sie persönlich das Jahr 2006 in der Rückschau?
Prof. Dr. Edgar Ernst: Wir haben unsere Ziele erreicht, im operativen Geschäft ebenso wie in der Eingliederung unserer Akquisitionen Exel, BHW und Williams Lea. Insofern sind wir mit dem Geschäftsjahr 2006 durchaus zufrieden. Wir sind an wichtigen Stellen im Konzern gut vorangekommen und haben in anderen Bereichen, etwa im Briefgeschäft, unsere eigenen Erwartungen sogar leicht übertroffen. Gerade im vierten Quartal sind wir operativ stark gewachsen, lässt man die positiven Einmaleffekte des Vorjahres mal außer Acht.
DPWN News: Vor zwölf Monaten haben Sie 2006 als "Integrationsjahr" bezeichnet. Wie hat sich dies im vergangenen Jahr bemerkbar gemacht?
Ernst: Natürlich haben wir im Konzern an vielen Punkten gemerkt, dass wir drei bedeutende Zukäufe integrieren. Sie müssen bedenken, dass es sich bei der Eingliederung von Exel immerhin um das größte Integrationsprojekt aller Zeiten in der Logistikbranche handelt. Wir haben allein hierfür mehr als 930 Einzelprojekte eingeleitet, die mittlerweile weitgehend abgeschlossen sind. Dazu zählen beispielsweise die Zusammenführung zweier unabhängiger Frachtnetze, die Integration der Organisationen und eine gemeinsame Nutzung von Immobilien. Angesichts dieses erheblichen Aufwandes finde ich es umso erfreulicher, dass diese Integrationsprojekte das operative Geschäft in keiner Weise beeinträchtigt haben. Im Gegenteil: Wir sind bei Exel voll im Zeitplan und werden die geplanten Synergien von 220 Millionen Euro im Jahr 2008 erreichen, vielleicht sogar leicht übertreffen. Die Eingliederung des Baufinanzierers BHW haben wir sogar schneller als geplant abgeschlossen.
DPWN News: Werfen wir einen Blick auf die Ertragslage. Trotz des starken Umsatzwachstums legte das EBIT nur um 2,9% zu. Ist dies aus Ihrer Sicht ausreichend?
Ernst: Sie müssen sehen, dass die Integration von Exel auch mit Kosten verbunden war und dass darüber hinaus die Lage in den USA das Ergebnis noch belastet. Allerdings liegt das EBIT 2006 mit 3,87 Mrd. Euro in der von uns erwarteten Größenordnung und das steht für uns klar im Vordergrund. Der Kapitalmarkt hat das bei Vorlage unserer vorläufigen Zahlen im Februar ja auch entsprechend honoriert.
DPWN News: Welche Sondereffekte haben das EBIT in 2006 beeinflusst?
Ernst: Durch die Ausübung der Umtauschanleihe auf Postbank-Aktien und den damit verbundenen Verkauf von Anteilen an der Deutschen Postbank fiel 2006 ein Einmalertrag an. Zudem wirkte sich das zu unseren Gunsten ausgegangene Schiedsgerichtsverfahren mit der Deutschen Telekom positiv aus. Darüber haben wir im Jahresverlauf ja bereits informiert.
DPWN News: Warum ist trotz des verbesserten EBIT das Konzernjahresergebnis unter dem Strich gesunken?
Ernst: Durch die erstmalige Einbeziehung von Exel hat sich der Finanzaufwand erhöht. Das Finanzergebnis verminderte sich insgesamt um 319 Mio. Euro, das schlägt bei einer gleichbleibenden Steuerquote zwangsläufig auf das Ergebnis nach Steuern durch. Das Konzernjahresergebnis nach Minderheiten lag mit 1,92 Mrd. Euro unter dem Vorjahreswert. Sie sollten mit Blick auf das Nettoergebnis aber auch berücksichtigen, dass durch die Veräußerung der Postbank-Anteile den Minderheiten ein etwas höherer Anteil am Ergebnis zusteht. Hinzu kommt, dass sich die durchschnittliche Aktienanzahl durch die Ausgabe von Aktien im Rahmen der Exel Akquisition erhöht hat, was zu einem Ergebnis je Aktie von 1,60 Euro nach 1,99 Euro im Vorjahr führte.
DPWN News: Dennoch planen Sie eine Anhebung der Dividende?
Ernst: Richtig. Wir schlagen der Hauptversammlung eine Anhebung der Dividende auf 75 Cent je Aktie vor, 7% mehr als im Vorjahr. Damit steigt die Dividendensumme auf 902 Mio. Euro, was einer Ausschüttungsquote von 47,1% entspricht. Unsere Netto-Dividendenrendite erreicht 3,3%, denn wie in den Jahren zuvor ist die Dividende für unsere inländischen Aktionäre steuerfrei.
DPWN News: Welche Konzernbereiche haben besonders zu dem guten Ergebnis beigetragen?
Ernst: Wir haben in drei von vier operativen Konzernbereichen unsere Prognosen übertroffen, und im vierten - dem Bereich EXRESS - unseren Zielkorridor erreicht. Die LOGISTIK, im letzten Jahr übrigens erstmals unser umsatzstärkster Konzernbereich, und der Bereich FINANZ DIENSTLEISTUNGEN haben sehr gute Resultate abgeliefert. Der Konzernbereich BRIEF hat mit einem EBIT von 2,05 Mrd. Euro unsere Erwartungen sogar leicht übertroffen.
DPWN News: Wie kam es zu dem guten Ergebnis im Briefgeschäft?
Ernst: Wir konnten den erwarteten Umsatzrückgang im Inland durch Wachstum im internationalen Briefgeschäft mehr als ausgleichen. In den Geschäftsfeldern Brief International und Mehrwertleistungen legte unser Umsatz um 34,3% auf 2,82 Mrd. Euro zu, sowohl durch die Akquisition und erstmalige Konsolidierung von Williams Lea als auch durch einen kräftigen Zuwachs im bestehenden internationalen Geschäft. So hat sich beispielsweise unsere US-Tochter DHL Global Mail im vergangenen Geschäftsjahr sehr erfreulich entwickelt. Im Inland erzielten wir trotz eines intensiveren Wettbewerbs und der Mengenverluste auf Grund des höheren Anteils elektronischer Kommunikation bei Produktivität und Kosten weitere Fortschritte. Insgesamt haben wir damit unsere Umsatzrendite mit 15,5% auf dem hohen Niveau des Vorjahres gehalten.
DPWN News: Was hat sich im Expressgeschäft in Nordamerika getan?
Ernst: Wir haben 2006 die Trendwende im US-Expressgeschäft eingeleitet, auch wenn sich der Umsatz gerade im ersten Halbjahr noch nicht nach unseren Erwartungen entwickelt hat. Die Ergebnissituation hat sich in der Region im Jahresverlauf sichtbar verbessert, und aus den Monatsergebnissen der zweiten Jahreshälfte wird deutlich, dass wir in den USA auf dem richtigen Weg sind.
DPWN News: Durch die Finanzierung der Akquisitionen hatte sich der Verschuldungsgrad der Deutschen Post World Net deutlich erhöht. Haben Sie im Geschäftsjahr 2006 die Finanzposition des Konzerns wieder verbessern können?
Ernst: Ja, wir haben bei wesentlichen Kennziffern zur Vermögenslage des Konzerns Verbesserungen erreicht. Am wichtigsten ist aus meiner Sicht die Rückführung der Nettofinanzverschuldung: Sie lag zum Bilanzstichtag 2005 in der Betrachtung Postbank at Equity bei 4,19 Mrd. Euro. Im Geschäftsjahr 2006 haben wir diesen Wert um 26,5% auf 3,08 Mrd. Euro reduziert. Darüber hinaus lohnt auch ein Blick auf unseren dynamischen Verschuldungsgrad: Diese Kennziffer zeigt an, wie lange wir für die Schuldentilgung benötigen würden, wenn wir den operativen Cashflow eines Geschäftsjahres vollständig für diesen Zweck einsetzen würden. Ende 2006 lag diese Kennziffer bei 1,4 Jahren - 2005 war es noch ein ganzes Jahr mehr. Diese Verbesserung ist nicht nur Ausdruck einer geringeren Verschuldung, sondern auch eines höheren operativen Cashflows.
DPWN News: Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen Voraussetzungen für 2007?
Ernst: Mit Blick auf die konjunkturellen Rahmenbedingungen bin ich durchaus optimistisch gestimmt. Der Welthandel wird auch in diesem Jahr kräftig wachsen, nach Ansicht von Wirtschaftsforschern um bis zu 8%. Die USA machen zwar gerade eine gewisse konjunkturelle Schwächephase durch, aber in den meisten anderen Kernmärkten der Deutschen Post World Net stehen die Signale weiterhin auf Wachstum - in Japan und in China, in den Emerging Markets und in der Eurozone. Und Deutschland scheint die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn recht robust zu verarbeiten.
DPWN News: Was heißt das für die Ziele der Deutschen Post World Net in 2007?
Ernst: Wir rechnen im laufenden Jahr mit einer insgesamt positiven Geschäftsentwicklung. Der Umsatz sollte nach unseren Erwartungen leicht zulegen, und wir gehen davon aus, dass das EBIT abzüglich der Sondereffekte in 2006 von 3,5 Milliarden Euro auf mindestens 3,6 Milliarden Euro steigen wird.
DPWN News: Und wo liegen operativ die Prioritäten?
Ernst: Natürlich haben wir für jeden Bereich klare operative Zielvorstellungen formuliert. Im Briefgeschäft wollen wir Marktanteile im internationalen Briefverkehr und in Auslandsmärkten gewinnen sowie das Geschäft mit Mehrwertleistungen ausbauen. Vor allem aber stehen zentrale Weichenstellungen im deutschen Heimatmarkt an.
Wichtig hierbei ist, dass wir Rückenwind aus der Politik bekommen. Die Liberalisierung der europäischen Postmärkte muss im Gleichklang geschehen. Außerdem muss sichergestellt werden, dass Lohndumping im deutschen Briefmarkt nicht zur Normalität wird. Die Deutsche Post steht zu ihrer Aufgabe, einen qualitativ hochwertigen, flächendeckenden Universaldienst zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Allerdings muss vorausgesetzt sein, dass wir das wirtschaftlich profitabel machen können.
Auch im Expressgeschäft geht es um Service, Service, Service. Wir wollen es den Kunden in allen wichtigen Märkten noch einfacher machen, mit uns zu arbeiten, und so unsere Marktanteile weiter ausbauen. Wir wollen vom Marktwachstum in der Logistikbranche profitieren und unsere Margen kontinuierlich verbessern. Die Postbank hat weiter an Vertriebsstärke gewonnen und will 2007 erstmals mehr als eine Million Neukunden gewinnen.
DPWN News: Wenn Sie es auf eine einfache Formel bringen ...?
Ernst: Wir verfügen als größtes Logistikunternehmen der Welt über eine in der Logistikbranche einzigartige Plattform. Jetzt gilt es, diese Plattform optimal zu nutzen und aus eigener Kraft zu wachsen.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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