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- Interview mit Prof. Dr. Edgar Ernst: Q1 2007
"Das erste Quartal hat die positiven Trends bestätigt"
Die Deutsche Post World Net hat heute den Bericht über das erste Quartal 2007 veröffentlicht. Der Konzern startete mit einem Umsatz- und Ergebnisplus gut in das Jahr. Der Umsatz legte um 4,4 Prozent auf 15,5 Mrd. Euro zu, das EBIT stieg um 8,7 Prozent auf 998 Mio. Euro. Im Vergleich zum Vorjahresquartal enthalten die Zahlen dabei erstmals die zum 1. April 2006 konsolidierte Williams Lea sowie das im Januar 2007 erworbene britische Unternehmen The Stationery Office. Finanzvorstand Prof. Dr. Edgar Ernst erläutert im Gespräch mit DPWN News die Geschäftsentwicklung in den ersten drei Monaten.
DPWN News: Herr Prof. Ernst, die Kennzahlen des ersten Quartals lassen auf einen positiven Geschäftsverlauf bei der Deutschen Post World Net schließen. Deckt sich dies mit Ihrer Einschätzung?
Prof. Dr. Edgar Ernst: Wir sind in der Tat gut in das neue Geschäftsjahr gestartet und haben sowohl beim Umsatz als auch beim EBIT einen kräftigen Zuwachs erreicht. Dabei haben wir die Erwartungen der Analysten erfüllt beziehungsweise übertroffen. Jetzt bestätigen wir eine Reihe von positiven Trends, die sich zum Jahresende 2006 abzeichneten.
DPWN News: Welche Geschäftsfelder haben vor allem zum Umsatzwachstum beigetragen?
Ernst: Erfreulicherweise erreichten wir in allen Geschäftsbereichen - BRIEF, EXPRESS, LOGISTIK und FINANZ DIENSTLEISTUNGEN - Umsatzsteigerungen. Besonders hohe Wachstumsraten verzeichneten wir im internationalen Briefgeschäft, zu dem auch unsere Aktivitäten im Bereich Corporate Information Solutions - ehemals Mehrwertleistungen - gehören. Vor allem durch die Konsolidierung von Williams Lea, deren Umsätze im Vorjahresquartal noch nicht enthalten waren, stieg der Umsatz hier um knapp 40 Prozent. In der LOGISTIK trugen die Umsätze mit dem britischen National Health Service maßgeblich zu einem deutlichen Wachstumssprung bei DHL Exel Supply Chain bei.
DPWN News: Wie hat sich der Bereich EXPRESS im ersten Quartal entwickelt?
Ernst: Bei EXPRESS haben wir im ersten Quartal den positiven Ergebnistrend aus den vorherigen Monaten fortschreiben können. Das EBIT verbesserte sich im Berichtszeitraum um 120 Mio. Euro auf 62 Mio. Euro. Neben dem starken Wachstum in den Regionen Europe und EEMEA, die Osteuropa, den Mittleren Osten und Afrika umfasst, konnten wir auch in den USA moderate Wachstumsraten verzeichnen. Volumenzuwächse sowohl im internationalen als auch im nationalen Geschäft zeigen, dass wir unsere Positionen in den Märkten behaupten oder ausbauen konnten.
DPWN News: Dennoch fiel trotz der Volumenzuwächse das Umsatzwachstum im Bereich EXPRESS eher verhalten aus. Wo lagen die Ursachen?
Ernst: Wir erwirtschaften im Bereich EXPRESS mehr als die Hälfte des Umsatzes in Ländern außerhalb Europas. Die Geschäftsentwicklung war in allen Regionen erfreulich, allerdings wirkten sich Währungseffekte in einer Größenordnung von rund 150 Mio. Euro negativ aus. Betrachtet man den Umsatz in den jeweiligen Landeswährungen, erreichten wir bei EXPRESS im Vorjahresvergleich ein organisches Umsatzplus von 6,5 Prozen.
DPWN News: Trotz Umsatzzuwachs ging im ersten Quartal das EBIT im Bereich BRIEF um fast 11 Prozent zurück. Woran liegt das?
Ernst: Das ist richtig, lassen Sie mich aber auch hervorheben, dass wir im Bereich BRIEF im ersten Quartal eine anhaltend hohe Umsatzrendite von 15,7 Prozent erzielten. Unsere Strategie, erwartete Erlösrückgänge im Inland durch Zuwächse im internationalen Briefgeschäft auszugleichen, geht weiterhin auf. Mit Blick auf das EBIT sind zwei Einflussfaktoren wesentlich: Zum einen fehlten im ersten Quartal 2007 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 0,7 Arbeitstage. Zum anderen haben wir im letzten Jahr die Preise im deutschen Paketgeschäft, das seit Jahresbeginn im BRIEF Bereich berichtet wird, deutlich gesenkt. Die hohe Intensität des Wettbewerbs in diesem Geschäftsfeld hat sich im ersten Quartal dämpfend auf die Ertragslage des Segments ausgewirkt.
DPWN News: Sie haben auf die erstmalige Konsolidierung von Williams Lea hingewiesen, die im ersten Quartal einen erheblichen Beitrag zum Wachstum geleistet hat. Welche Auswirkungen erwarten Sie für die Folgequartale?
Ernst: Der Wachstumseffekt aus der Konsolidierung von Williams Lea fällt sicherlich im ersten Quartal am stärksten aus. Vom zweiten Quartal an sind Umsätze von Williams Lea auch in den Vorjahresquartalen enthalten, so dass sich dieser Effekt auf das Gesamtjahr gerechnet abschwächen wird. Für den Konzern gehen wir jedoch unverändert davon aus, dass wir im Vergleich zum Vorjahr im Geschäftsjahr 2007 einen leicht steigenden Umsatz erwarten. Der positive Geschäftsverlauf in allen Segmenten bestätigt uns in dieser Erwartung.
DPWN News: Bleiben wir beim Thema Erwartungen. Die Deutsche Post World Net hat im ersten Quartal auf operativer Ebene fast eine Milliarde Euro verdient. Ist Ihre EBIT-Prognose von mindestens 3,6 Milliarden Euro für das Gesamtjahr nicht etwas zu konservativ?
Ernst: Natürlich haben wir unser EBIT im ersten Quartal mit einem Anstieg um 8,7% auf 998 Mio. Euro deutlich verbessert. Dies gilt umso mehr, da der Vorjahreswert von 918 Mio. Euro Einmaleffekte in Höhe von 99 Mio. Euro enthielt. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass auch im EBIT des ersten Quartals 2007 ein Einmaleffekt in Höhe von 59 Mio. Euro aus dem Verkauf des Entsorgungsunternehmens Vfw AG enthalten ist. Die Geschäftsaussichten für die Deutsche Post World Net sind sicherlich überwiegend positiv, dennoch fühlen wir uns mit der aktuellen Guidance eines EBIT von mindestens 3,6 Mrd. Euro für das Gesamtjahr durchaus wohl.
DPWN News: Schlägt sich in dieser Erwartung auch die kürzlich bekräftigte Auffassung der Bundesregierung nieder, den deutschen Briefmarkt unverändert zum Jahresbeginn 2008 vollständig zu liberalisieren?
Ernst: Wir haben unsere Position hierzu nicht geändert und vertreten dies auch weiterhin sehr deutlich gegenüber politischen Entscheidungsträgern in Deutschland und Europa: Wir halten es für notwendig, die europäischen Briefmärkte mehr oder weniger gleichzeitig zu öffnen und darüber hinaus gegen Verzerrungen im Wettbewerb, etwa durch Dumpinglöhne anderer Marktteilnehmer, vorzugehen. Wir gehen davon aus, dass es hier auch auf europäischer Ebene bis zur Sommerpause erste Hinweise über das weitere Vorgehen geben wird. Im Übrigen möchte ich an dieser Stelle einmal mehr bekräftigen, dass wir uns strategisch und operativ auf den Wegfall der Exklusivlizenz umfassend vorbereitet haben. Mehr noch: Wir nehmen unsere Rolle als einziger Universaldienstleister in Deutschland sehr ernst und werden diesen Anspruch in den kommenden Monaten durch weitere Serviceverbesserungen wie die im Test befindliche Sonntagszustellung und kundenorientierte Kommunikationsmaßnahmen weiter bekräftigen.
DPWN News: Wo lagen die Schwerpunkte der Investitionstätigkeit der Deutschen Post World Net im ersten Quartal?
Ernst: Wir haben in allen Unternehmensbereichen weiter in die Modernisierung und den Ausbau unserer Plattformen investiert. Eines der größten laufenden Investitionsprojekte ist der Bau des neuen europäischen Luftdrehkreuzes von DHL am Flughafen Leipzig/Halle. Darüber hinaus flossen Mittel vor allem in die Erneuerung unserer Fahrzeug- und Flugzeugflotten, in die IT-Infrastrukturen sowie im Bereich LOGISTIK in kundenspezifische Transport- und Lagerlösungen.
DPWN News: Eine Kennzahl, die stets im Fokus der Investoren steht ist der Cashflow. Wie hat der sich entwickelt im ersten Quartal?
Ernst: Der Cashflow hat sich weiter verbessert. Betrachtet man die Postbank "at Equity", also ohne Berücksichtigung des operativen Bankgeschäfts, hat sich der operative Cashflow auf 250 Mio. Euro mehr als vervierfacht. Das ist im Wesentlichen auf das höhere Ergebnis vor Steuern sowie eine niedrigere Nettoveränderung der Rückstellungen zurückzuführen.
DPWN News: Blicken wir nach vorn. In vielen Regionen boomt die Wirtschaft. Wie schätzen Sie das aktuelle Marktumfeld ein?
Ernst: Wir sehen die Weltwirtschaft derzeit auf einem soliden Wachstumskurs. Vor allem die Eurozone einschließlich Deutschland sowie Japan und China entwickeln sich derzeit dynamisch. In den USA ist die Abschwächung des Wachstums seit dem zweiten Halbjahr 2006 nach wie vor spürbar. Wir verzeichnen namentlich in unseren Bereichen EXPRESS und LOGISTIK steigende Volumina, ein Indikator für den anhaltenden Boom im Welthandel. Daher gehen wir für das Gesamtjahr weiterhin von einem positiven Geschäftsverlauf aus.
DPWN News: Was heisst das für die weitere Expansion der Deutschen Post World Net?
Ernst: Unsere Prioritäten für das laufende Jahr bleiben unverändert: Wir wollen unsere einzigartige globale Plattform optimal nutzen und unser Geschäft aus eigener Kraft ausbauen. Ein Schwerpunkt unserer Aktivitäten liegt dabei auf einer weiteren nachhaltigen Verbesserung des Kundenservice, um weltweit erste Wahl bei unseren Kunden zu werden. An diesem Ziel halten wir fest.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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