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- Interview mit Frank Appel zur Bilanzpressekonferenz zum Geschäftsjahr 2010
"Wir sind voll auf Wachstum eingestellt"
Der Konzern Deutsche Post DHL hat heute seine Geschäftszahlen für 2010 vorgelegt. Der Umsatz wuchs zweistellig auf mehr als 51 Milliarden Euro, das EBIT vor Einmaleffekten legte überproportional um fast 50 Prozent zu. Im Interview erläutert der Vorstandsvorsitzende Frank Appel die Gründe für das gute Abschneiden im abgelaufenen Geschäftsjahr und gibt einen Ausblick auf die Zukunft.
Konzernchef Frank Appel
Herr Appel, 2010 war ein äußerst erfolgreiches Geschäftsjahr. Was waren aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?
Frank Appel: In der Tat können wir mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr sehr zufrieden sein. Wir haben alle unsere Ziele erreicht oder sogar übertroffen. Wir haben beim Umsatz ein zweistelliges Plus geschafft und die Marke von 50 Milliarden Euro damit wieder klar übertroffen. Beim operativen Ergebnis hatten wir im Jahresverlauf unsere ursprüngliche Prognose bereits zwei Mal angehoben und lagen am Ende trotzdem noch einmal über unseren erhöhten Erwartungen. Die wesentlichen Ergebniskennzahlen sind mittlerweile zurück auf den höchsten Niveaus der Zeit vor der großen Wirtschafts- und Finanzkrise angelangt, teilweise liegen wir auch bereits darüber.
Dies alles zeigt: Der Konzern ist in einer sehr guten Verfassung. Die Restrukturierungsmaßnahmen, die wir in der Krise ergriffen haben, tragen Früchte. Und unsere Strategie 2015, die wir weiter konsequent verfolgen, ist stimmig und greift immer stärker. Durch unsere Präsenz in allen wichtigen Regionen und unser auf den Kundennutzen ausgerichtetes Leistungsangebot partizipieren wir überdurchschnittlich stark am Wachstum der globalen Handelsströme. Das heißt: Wir profitieren als weltweit größter Logistikdienstleister besonders stark von der anhaltend günstigen Entwicklung der Weltwirtschaft, weil wir uns rechtzeitig für den Aufschwung fit gemacht haben.
Sie haben es angesprochen: Die konjunkturelle Erholung hat 2010 eine wichtige Rolle für die positive Ergebnisentwicklung des Konzerns gespielt. Geht das auch 2011 so weiter?
Wir bleiben grundsätzlich optimistisch, was die Konjunktur angeht. Aber wir sind nicht euphorisch. Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung - in vermutlich leicht abgeschwächter Form - auch im laufenden Jahr anhalten wird. Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es ein gewisses Rückschlagpotenzial gibt, etwa durch die anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten infolge der ungelösten Euro-Schuldenkrise oder der Turbulenzen im nordafrikanischen und arabischen Raum.
Hinzu kommt, dass die Weltregionen wie schon 2010 mit deutlich unterschiedlichem Tempo wachsen werden. Die größten Zuwachsraten sind nach wie vor in Asien und den übrigen Emerging Markets zu erwarten, während Europa und Nordamerika sich insgesamt weiterhin verhaltener entwickeln dürften. Entscheidend für uns und unseren zukünftigen Erfolg ist aber, dass wir als globale Nummer eins überall dort stark vertreten sind, wo das Wachstum gerade stattfindet.
Geht die Konjunktur rauf, boomt Ihr Geschäft, geht es abwärts, fallen Sie auch wieder zurück. Ist der Konzern Deutsche Post DHL zu abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung?
Als Branchenführer in der Logistik können wir uns den konjunkturellen Schwankungen naturgemäß nie vollständig entziehen. Wir haben aber in den vergangenen Jahren hart daran gearbeitet, diese Schwankungen abzufedern, denn sie werden zukünftig eher Regel als Ausnahme sein. Ich denke, wir sind nach den erfolgreichen Strukturmaßnahmen nun so aufgestellt, dass wir auch dann vernünftige Ergebnisse erzielen können, wenn es konjunkturell einmal wieder nicht so gut laufen sollte. Unser Ziel ist es zudem, immer deutlich über den Wachstumsraten des Marktes zu liegen. Und wir sind sehr zuversichtlich, dass dies in den kommenden Jahren so sein wird - unabhängig von der jeweiligen konjunkturellen Lage.
Wachstumstreiber des Konzerns ist inzwischen eindeutig DHL. Erstmals hat der Bereich mehr zum operativen Gewinn des Konzerns beigetragen als das BRIEF-Geschäft. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
Zunächst einmal: Wir stehen auf zwei starken Säulen, und das wird auch so bleiben. Richtig ist aber in der Tat, dass sich DHL genau so entwickelt, wie wir das erwartet und geplant hatten. Wir ernten jetzt die Früchte des gezielten Ausbaus in diesem Bereich - für den wir in der Vergangenheit auch manches Mal gescholten worden sind. Heute sieht man, dass die Strategie der Expansion in die globale Logistik goldrichtig war. Wir sind damit unabhängiger vom angestammten Post-Geschäft geworden. Und das Beste ist: Wir haben mit der Realisierung des Wachstumspotenzials bei DHL gerade erst begonnen.
Und was wird aus dem BRIEF-Bereich? Wie schlimm steht es um ihr Stammgeschäft?
Wir haben hier zwar mit strukturellen Umsatzrückgängen zu kämpfen und das schon seit Jahren. Aber wir haben die Herausforderung angenommen und sind auf bestem Wege, sie zu meistern. Wie robust das Geschäft ist, können Sie daran erkennen, dass wir es im vergangenen Jahr annähernd geschafft haben, sowohl höhere Rabatte wegen der Einführung der Mehrwertsteuer auf Umsätze mit unseren Geschäftskunden als auch den Wegfall des Großkunden Arcandor zu kompensieren. Und gleichzeitig haben wir noch in den Ausbau des digitalen Geschäfts und damit die Zukunftsfähigkeit des Unternehmensbereichs investiert. Vor diesem Hintergrund ist der operative Gewinn von 1,15 Milliarden Euro ein Erfolg. Und wir sind auf einem guten Weg, das Ergebnis nun nachhaltig im Bereich von rund 1 Milliarde Euro zu stabilisieren.
Dank der neuen Wunderwaffe E-Postbrief? Der wird den BRIEF-Bereich doch wohl kaum alleine retten können.
Der E-Postbrief ist ein vorzügliches Produkt, das einen bestimmten Bedarf im Markt - nämlich den nach vertraulicher, verbindlicher und verlässlicher elektronischer Kommunikation - passgenau adressiert. Mit dem Erfolg in den Monaten nach der Markteinführung sind wir sehr zufrieden. Aber der E-Postbrief ist nur ein Element unserer Strategie, innovative Lösungen in der digitalen und der klassischen physischen Kommunikation anzubieten und auf diese Weise unsere Position als DIE Post für Deutschland nachhaltig zu verteidigen. Was bei aller berechtigten Aufmerksamkeit für das Briefgeschäft zudem häufig übersehen wird: Wir sind mit unserem kräftigen Wachstum im Paketgeschäft einer der großen Gewinner des E-Commerce-Booms. Allein im vierten Quartal haben unsere Geschäftskunden über 10 Prozent mehr Pakete mit uns verschickt als im Vorjahr!
Wie sieht Ihre Zwischenbilanz insgesamt aus, zwei Jahre nach Bekanntgabe Ihrer Strategie 2015?
Mit der Strategie 2015 verfolgen wir drei Kernziele: Wir wollen bevorzugter Anbieter für unsere Kunden, attraktives Investment für unsere Aktionäre und präferierter Arbeitgeber für unsere Mitarbeiter werden. Diese Kernziele hängen eng miteinander zusammen und sollen uns helfen, das Potenzial unseres Unternehmens voll auszuschöpfen. Sie sind mittlerweile fest in der DNA des Unternehmens verankert. Und wir sehen auf allen Ebenen, dass es gut vorangeht. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt, die Akzeptanz für unsere Produkte entwickelt sich - ausweislich unserer Zahlen - sehr gut. Und was unsere Investoren betrifft, erfahren wir in unseren Gesprächen sehr viel Zustimmung zu unserer Strategie.
Und wir sind zuversichtlich, dass wir das Vertrauen am Kapitalmarkt in dieses Unternehmen und seine Zukunftsperspektiven in den kommenden Jahren noch weiter festigen können. Das geht durch Transparenz und durch Zuverlässigkeit, auch was zum Beispiel die Dividendenpolitik betrifft. Mit der für das vergangene Geschäftsjahr vorgeschlagenen Erhöhung auf 0,65 Euro je Aktie liegen wir bezogen auf den um Einmaleffekte bereinigten Nettogewinn bei einer Ausschüttungsquote von 59 Prozent - und damit innerhalb des von uns angepeilten Zielkorridors von 40 bis 60 Prozent.
Und wie sind die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr 2011?
Wir sind voll auf Wachstum eingestellt, sowohl was den Umsatz als auch was das Ergebnis betrifft. Wir erwarten, wie gesagt, eine weiterhin positive Entwicklung der Weltwirtschaft, wovon vor allem die DHL-Bereiche profitieren werden. Wir gehen daher davon aus, ein Konzern-EBIT von 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro erreichen zu können. Der Bereich BRIEF soll bei etwa 1 bis 1,1 Milliarden Euro liegen und das EBIT der DHL-Bereiche auf 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro steigen. Wir werden also in diesem Jahr überdurchschnittlich vom Wirtschaftswachstum in allen Teilen der Welt profitieren und unsere Position als führender Logistikkonzern weiter ausbauen. Aber damit ist das Ende der Entwicklung natürlich noch nicht erreicht. 2011 wird lediglich eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg zur nachhaltigen Steigerung unserer Ertragskraft sein.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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