- Startseite
- Presse
- Interviews, Reden und Webcasts
- Interview mit Larry Rosen zur Bilanzpressekonferenz zum Geschäftsjahr 2010
"Wir werden uns weiter verbessern"
Der Konzern Deutsche Post DHL hat im vergangenen Geschäftsjahr sein operatives Ergebnis um 50 Prozent gesteigert und damit die eigene Prognose übertroffen. Im Interview geht Finanzvorstand Larry Rosen näher auf die Qualität der Ergebnisentwicklung ein und erläutert, aus welcher finanziellen Ausgangsposition der Konzern seine Wachstumspläne für die kommenden Jahre angeht.
Finanzvorstand Larry Rosen
Herr Rosen, Sie haben heute für das vergangene Geschäftsjahr starke Zahlen berichtet. Wie zufrieden sind Sie mit dem Erreichten?
Larry Rosen: 2010 war ohne Zweifel ein sehr gutes Jahr für den Konzern Deutsche Post DHL. Wir haben alle unsere Ziele erreicht und deutlich mehr verdient als wir zu Jahresbeginn erwartet hatten. Wir sehen, dass sich unsere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, die wir in der Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise umgesetzt haben, jetzt auszahlen. Und vor allem freut uns, dass wir mit unserem Angebot bei unseren Kunden erfolgreich sind, was man nicht zuletzt an dem kräftigen Anstieg unserer Umsätze erkennt. Alles in allem haben wir sicherlich Grund, mit einer gewissen Zufriedenheit zurück zu schauen. Aber mehr als das interessiert mich der Blick nach vorn. Und da gibt es noch eine Menge Chancen.
Noch ein Wort zum 2010er Jahrgang. Wie nachhaltig ist die Ergebnisverbesserung? Immerhin haben Sie auch kräftig vom Postbank-Effekt und der erheblichen Reduzierung der Einmalaufwendungen für Restrukturierungen profitiert.
Es ist richtig, dass das Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres noch einige Sondereffekte enthält, die das Bild leicht verzerren. Das ändert aber nichts daran, dass wir eine ganz erhebliche operative Verbesserung erzielt haben. Die sieht man am besten, wenn man das EBIT vor Einmaleffekten betrachtet, das um fast 50 Prozent gestiegen ist.
Ab diesem Jahr wird unsere tatsächliche Performance noch leichter ablesbar, da es nach dem weitestgehenden Abschluss der Restrukturierungsmaßnahmen nun kein separates EBIT vor Einmaleffekten mehr geben wird. Deshalb werden wir für 2011 auch nur noch das tatsächliche EBIT ausweisen, das dann ausschließlich von der tatsächlichen Ertragskraft unseres Konzerns geprägt sein wird. Und die ist, das zeigen die Zahlen des vergangenen Jahres ganz deutlich, signifikant und nachhaltig gestiegen.
Die Steigerung in allen Ehren, aber in puncto Rentabilität können Sie mit Ihren großen Wettbewerbern wie UPS oder FedEx noch nicht mithalten. Wie wollen Sie die Lücke schließen?
Wir haben die vergangenen Jahre dazu genutzt, die Voraussetzungen für nachhaltig profitables Wachstum zu schaffen. Auf diesem Weg sind wir 2010 ein gutes Stück vorangekommen und verfügen heute bereits über die zweitbeste Marge im Express-Bereich. Und durch die konsequente Umsetzung unserer Strategie 2015 werden wir uns in den kommenden Jahren weiter verbessern. Das muss auch sein, wenn wir unser Ziel erreichen wollen, für Investoren die bevorzugte Anlagemöglichkeit in unserem Sektor zu werden.
Bei denen scheint diese Botschaft aber noch nicht recht anzukommen. Auf den großen Ausbruch Ihrer Aktie nach oben wartet man jedenfalls schon länger. Woran liegt das, und wie wollen Sie die Investoren für sich gewinnen?
Das geht in erster Linie durch eine Fortsetzung unserer harten Arbeit und der weiteren Verbesserung unserer Leistungen und Ergebnisse. Hinzu kommen zwei Punkte, die mir sehr wichtig sind: Transparenz und Zuverlässigkeit. Wir können immer noch besser darin werden, zu erklären was wir tun. Und wir müssen unter allen Umständen ein verlässlicher Akteur am Kapitalmarkt sein.
Ein entscheidender Faktor dabei ist die Dividendenpolitik. Mit der für das vergangene Geschäftsjahr vorgeschlagenen Erhöhung der Dividende auf 0,65 Euro je Aktie liegen wir, bezogen auf den bereinigten Nettogewinn, bei einer Ausschüttungsquote von 59 Prozent - und damit innerhalb des von uns kommunizierten Zielkorridors von 40 bis 60 Prozent.
Wie ist unter dem Blickwinkel Zuverlässigkeit die Tatsache zu werten, dass Sie immer wieder Ihre eigenen Prognosen korrigieren? Fürchten Sie nicht, dass der Kapitalmarkt Ihnen auf diesem Weg irgendwann nicht mehr folgen wird?
Unsere Prognosen reflektieren zum jeweiligen Zeitpunkt stets, was wir für vertretbar halten. Man muß sich zudem auch noch einmal die Situation Anfang 2010 in Erinnerung rufen: die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung war damals noch sehr unsicher. DP DHL News: Wie ist vor diesem Hintergrund Ihre Prognose für 2011 einzuordnen? Sollte sich der Markt wieder auf sukzessive Anhebungen im Jahresverlauf einstellen?Larry Rosen: Die Prognose eines Konzern-EBITs zwischen 2,2 Milliarden Euro und 2,4 Milliarden Euro, die wir für das laufende Jahr abgegeben haben, spiegelt zum einen unsere grundsätzlich positive Einschätzung der weiteren Marktentwicklung wider - immerhin würde das Erreichen des oberen Endes unserer Erwartungen für die DHL-Bereiche einen Anstieg des operativen Gewinns von mehr als 15 Prozent bedeuten.
Zum anderen tragen wir mit unserer Prognose aber auch der Tatsache Rechnung, dass es noch gewichtige Unsicherheitsfaktoren gibt. Insofern reflektiert sie unsere Abwägung von Chancen und Risiken im laufenden Jahr. Wir sind aber, wie bisher auch, jederzeit bereit, unsere Prognosen anzupassen, wenn uns dies im Jahresverlauf angezeigt scheint. Ob das geschehen wird, vermag ich aber jetzt natürlich noch nicht vorherzusagen.
Werden Sie 2011 auch wieder mehr investieren? 2010 lagen die Investitionen ja unter Ihrer ursprünglichen Ankündigung!
Die Investitionen des Konzerns lagen im vergangenen Jahr mit 1,3 Milliarden Euro rund 100 Millionen Euro über dem Vorjahreswert, aber - da haben Sie Recht - leicht unter dem ursprünglich geplanten Investitionsvolumen von 1,4 Milliarden Euro. Die Abweichung würde ich allerdings als normale Schwankungsbreite bezeichnen und lässt sich vor allem auf Timing-Effekte zurückführen. Zur Unterstützung des weiteren Wachstums unseres Geschäfts wollen wir im laufenden Jahr wieder mehr investieren. Ich rechne mit bis zu 1,6 Milliarden Euro, wobei der größte Teil in die weitere Optimierung des Netzwerks und der globalen Präsenz unseres EXPRESS-Bereichs und auf Sachanlagen im BRIEF-Bereich entfallen soll, welche die Produktivitäten und Kapazitäten des Bereichs weiter erhöhen werden.
Vor Jahresfrist haben Sie Ihre neue Finanzstrategie vorgestellt. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?
Auch hier sind wir voll im Plan. Unsere Liquidität ist äußerst solide: Trotz cash-wirksamer Restrukturierungsausgaben in Höhe von 800 Millionen Euro ist unsere Liquidität im Jahr 2010 lediglich um 300 Millionen Euro zurückgegangen - und das obwohl wir unseren Aktionären eine Dividende in einem Volumen von über 700 Millionen Euro gezahlt haben. Dies unterstreicht die Stärke unseres operativen Cashflows, die im laufenden Jahr angesichts wesentlich geringerer Restrukturierungskosten noch viel deutlicher zum Ausdruck kommen sollte.
Der Konzern Deutsche Post DHL steht heute auf einem stabilen und zugleich flexiblen finanziellen Fundament. Dazu trägt natürlich auch die Ende 2010 erstmals abgeschlossene revolvierende Kreditlinie im Volumen von 2 Milliarden Euro bei. Damit haben wir zum einen günstige Marktkonditionen genutzt und zum anderen eine langfristig sichere und finanziell attraktive Liquiditätsreserve vereinbart. Gleichzeitig haben wir mit diesem Schritt unsere Finanzierungsstruktur weiter optimiert und damit einen wesentlichen Eckpfeiler der neuen Finanzstrategie umgesetzt.
Und wie genau soll diese Zukunft aussehen?
Wir fokussieren uns für die nächsten Jahre voll auf Wachstum und die weitere Verbesserung unserer Resultate - beim Umsatz und beim Ergebnis. Der Konzern wird davon profitieren, dass die Dynamik des DHL-Geschäfts weiter zunehmen wird. Beim Umsatz wollen wir hier stärker wachsen als der Markt. Und beim Ergebnis peilen wir bei DHL bis 2015 ein durchschnittliches EBIT-Wachstum von 13 bis 15 Prozent pro Jahr an.
Gleichzeitig wollen wir den operativen Gewinn im BRIEF-Bereich bei rund 1 Milliarde Euro stabilisieren. Unsere Prognose für das laufende Jahr - wir planen mit einem operativen Ergebnis zwischen 1 Milliarde Euro und 1,1 Milliarden Euro im BRIEF-Bereich - ist ein erster Schritt in diese Richtung.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
Folgen Sie uns auf Twitter
Aktuelle News und Infos von Deutsche Post DHL.