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- Interview mit Larry Rosen zu den Quartalszahlen Q1 2011
"Wir liefern wie versprochen"
Der Konzern Deutsche Post DHL hat in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres Umsatz und Profitabilität gesteigert und sein operatives Ergebnis um 23 Prozent erhöht. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News geht Finanzvorstand Larry Rosen näher auf die Qualität der Ergebnisentwicklung ein und erläutert die Wachstumsperspektiven des Konzerns.
Herr Rosen, Sie haben heute ein sehr gutes Ergebnis für die ersten drei Monate des Geschäftsjahres 2011 vorgelegt. Sind Sie zufrieden?
Larry Rosen: Wir sind schwungvoll in das Jahr 2011 gestartet und haben mit dem Ergebnis des ersten Quartals eine ausgesprochen gute Basis dafür gelegt, unsere Jahresziele zu erreichen. Der Konzernumsatz ist deutlich gestiegen und unsere Profitabilität hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. Das alles in einem Umfeld, das zwar weitgehend von der Erholung der Weltwirtschaft geprägt war, gleichzeitig aber auch mit den Turbulenzen im nordafrikanischen und arabischen Raum und dem verheerenden Erdbeben in Japan weitere Schocks verkraften musste.
Für unser Unternehmen kann man nach den ersten drei Monaten klar sagen: Wir liefern, was wir versprochen haben. Das ist tatsächlich ein Grund, zufrieden zu sein. Viel wichtiger aber ist, dass wir exzellente Voraussetzungen geschaffen haben, auch in Zukunft weiterhin gute Ergebnisse zu liefern.
Das sollte Ihnen kurzfristig nicht schwer fallen - immerhin profitieren Sie als Logistiker besonders von der Erholung des Welthandels. Aber ist das auch nachhaltig?
Natürlich spielt uns die positive Entwicklung des globalen Handels in die Karten. Aber unser gutes Ergebnis lediglich auf die weltwirtschaftliche Erholung zu reduzieren, wäre zu kurz gesprungen und würde auch der Leistung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht gerecht. Die Ergebnissteigerungen zeigen vielmehr, dass wir in den vergangenen Jahren unsere Hausaufgaben gemacht haben: Heute sind wir so aufgestellt, dass wir überdurchschnittlich von der anhaltenden Dynamik der Märkte profitieren können. Sie können das besonders an der Entwicklung unserer Profitabilität ablesen.
Seit Beginn dieses Jahres bereinigen wir unser EBIT nicht mehr um Einmaleffekte, weil keine weiteren signifikanten außerordentlichen Kosten mehr zu erwarten sind. Dieses operative Ergebnis hat sich im Vorjahresvergleich um 23 Prozent verbessert. Und selbst im Vergleich zu dem um Restrukturierungsaufwendungen bereinigten Vorjahresergebnis ist unser EBIT immer noch zweistellig und vor allem stärker als der Umsatz gestiegen. Das alles zeigt: Die Restrukturierungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen der vergangenen Jahre zahlen sich aus. Unsere Strategie 2015 greift.
Dennoch ist das Nettoergebnis deutlich gefallen...
... was jedoch ausschließlich auf Bewertungseffekte im Zusammenhang mit dem Verkauf der Postbank zurückzuführen ist. Während im vergangenen Jahr die Bewertung der Finanzinstrumente das Finanzergebnis erheblich erhöht hatte, ergaben sich im ersten Quartal 2011 in diesem Zusammenhang Aufwendungen von etwas mehr als 50 Millionen Euro. Zusammengenommen ergibt sich im Jahresvergleich daraus eine - rein buchhalterische also nicht cash-wirksame - Ergebnisverschlechterung von rund 1,5 Milliarden Euro.
Ein genauerer Blick auf den Ergebnisvergleich macht deutlich: Ohne diesen Effekt wären Konzerngewinn und Ergebnis je Aktie um fast 30 Prozent gestiegen. Insofern können wir also auch hier - wie erwartet und prognostiziert - einen sehr stabilen und erfreulichen Aufwärtstrend beobachten.
Und wie sieht es im BRIEF-Bereich aus? Kommen Sie hier mit der geplanten Stabilisierung voran?
Das erste Quartal zeigt deutlich, dass wir bei der Stabilisierung des Bereichs große Fortschritte machen. Das ist umso bemerkenswerter, als der Markt wegen der zunehmenden Nutzung elektronischer Kommunikationsformen weiter schrumpft und wir darüber hinaus im Juli vergangenen Jahres aufgrund der Erhebung der Mehrwertsteuer auf die Umsätze mit unseren Geschäftskunden unsere Rabattstaffeln erhöht haben. Dennoch ist es uns - vor allem dank unseres dynamischen Paketgeschäfts - gelungen, den Umsatz des Bereichs im Vorjahresvergleich leicht zu steigern. Wir sehen insgesamt eine sehr positive Entwicklung bei den Zukunftsprodukten für den BRIEF-Bereich in Deutschland.
Welche sollen das sein?
Die stabile Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Bereich BRIEF fußt - ich habe es gerade bereits erwähnt - größtenteils auf unserem Paketgeschäft, das sich im ersten Quartal wiederum äußerst positiv entwickelt hat. Der Versandhandel zieht weiter an, der Internethandel brummt. Das merken wir vor allem an den zweistellig gestiegenen Volumina mit unseren Geschäftskunden. Dabei zahlt sich aus, dass wir bereits 2007 das Paketgeschäft in den BRIEF-Bereich integriert, operative Synergien zwischen dem Brief- und Paketbereich genutzt und eine nachhaltige Marktstrategie gefahren haben, die unter anderem eine Vereinfachung des Produktportfolios und der Preisgestaltung umfasste. Mit Erfolg: Seit 2007 sind die Umsätze im Paketgeschäft durchschnittlich um 3,5 Prozent pro Jahr gewachsen, im aktuellen Quartal sogar um knapp 9 Prozent.
Dieses Wachstumsfeld liefert damit schon heute rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes im BRIEF-Bereich. Und zusammen mit unseren E-Produkten, wie etwa dem E-Postbrief, wird sich dieser Anteil in den nächsten Jahren signifikant erhöhen. Damit sind wir gut gerüstet, um den BRIEF-Bereich als eine von zwei wichtigen Säulen des Konzerns mit einem EBIT-Beitrag von rund 1 Milliarde Euro langfristig zu sichern.
Wie ist das Geschäft bei DHL gelaufen? Noch zur Bekanntgabe des Jahresergebnisses 2010 wurde der Bereich als Wachstumstreiber gefeiert. Sind Sie immer noch so überzeugt?
Mehr denn je. Im ersten Quartal 2011 konnten wir in allen drei DHL-Bereichen ein deutliches Wachstum verzeichnen. Das zeigt sich sowohl beim Umsatz, vor allem aber auch bei den jeweils überproportional gestiegenen Ergebnissen der DHL-Divisionen. Im Bereich EXPRESS haben wir das Ergebnis fast verdoppelt, bei Global Forwarding/Freight um knapp ein Drittel und im Bereich Supply Chain um fast 40 Prozent zugelegt. Der Begriff "Wachstumstreiber" ist also absolut angebracht.
Woher kommen diese Ergebnissteigerungen?
Hier zeigen sich natürlich die Früchte unserer Restrukturierungsanstrengungen der vergangenen Jahre und die Ergebnisse unserer umfassenden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Gleichzeitig spiegelt sich in dieser Entwicklung aber vor allem auch unsere konsequente Orientierung am Kundennutzen wider. Dank unserer speziell an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichteten Angebote und Produkte konnten wir in den vergangenen Monaten eben nicht nur das Geschäft mit unseren Kunden im Zuge der wirtschaftlichen Belebung ausbauen, sondern vielmehr unsere Zusammenarbeit mit der bestehenden Klientel auf andere Bereiche ausweiten und gleichzeitig beträchtliches Neukundengeschäft generieren.
Allein im Supply Chain Bereich ist uns dies im ersten Quartal in einer Größenordnung von rund 320 Millionen Euro gelungen. Das ist besonders erfreulich, weil es ein Wachstum von über 30 Prozent zum Vorjahr darstellt. Was aber fast noch wichtiger ist: Auch die Gewinnmargen der neu abgeschlossenen Verträge haben sich in den letzten zwölf Monaten deutlich verbessert. Darüber hinaus ist aber noch ein weiterer Punkt ganz wesentlich für den Erfolg von DHL: Wir sind mit DHL genau dort, wo das Wachstum stattfindet.
Inwiefern?
Nehmen Sie Asien: Die asiatischen Staaten - und dort insbesondere China und Indien - sind heute der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Genau dort haben wir uns mit DHL in den vergangenen Jahren eine hervorragende Marktposition aufgebaut und sind heute in allen drei Unternehmensbereichen klarer Marktführer im asiatischen Raum. Wir verzeichnen dort zweistellige Umsatzzuwächse - allein im vergangenen Jahr haben wir dort ein Umsatzplus von über 35 Prozent erwirtschaftet. Und auch zu Beginn des laufenden Jahres konnten wir an diese positive Entwicklung anknüpfen.
Diese Position der Stärke wollen wir in Zukunft noch weiter ausbauen und haben die Region als einen strategischen Fokus für DHL definiert. China und Indien sind dabei die beiden Schwerpunkte unserer Wachstumsstrategie in Asien. Und genauso verfahren wir auch mit den anderen Zukunftsmärkten wie Lateinamerika und Afrika.
Das klingt so, als gebe es keine Baustellen mehr im Konzern. Ist bei Deutsche Post DHL jetzt alles auf Kurs?
Wir können sicher sagen, dass die Arbeiten an den großen Baustellen der vergangenen Jahre abgeschlossen sind. Mit dem ersten Quartal haben wir zudem gut vorgelegt, um unsere Ziele für 2011 zu erreichen: ein Konzern-EBIT von 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro, einen Gewinn im BRIEF-Bereich zwischen 1,0 und 1,1 Milliarden Euro und ein EBIT bei DHL von 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro. Darüber hinaus befinden wir uns auch für unsere mittelfristigen Ziele auf einem guten Weg. Vorausgesetzt, die Weltwirtschaft erholt sich weiter, sollte sich die positive Ergebnisentwicklung auch in den kommenden Jahren fortsetzen.
Ebenfalls vorausgesetzt: Die Finanzlage des Konzerns ist auch weiterhin gut...
Das ist sie. Das gilt beispielsweise für unsere Liquidität: Trotz der Beamten-Pensionszahlungen, die wir jährlich im Januar zu leisten haben und die in diesem Jahr über eine halbe Milliarde Euro betrugen, ist unsere Liquidität in den ersten drei Monaten des Jahres lediglich um 300 Millionen Euro zurückgegangen. Wir verfügen daher heute immer noch über eine Nettoliquidität von über 1 Milliarde Euro! Dies unterstreicht einmal mehr unsere Bilanzstärke.
Für mich als Finanzvorstand ist dies eine der entscheidenden Indikatoren für die finanzielle Stabilität unseres Unternehmens. Denn: Wie wichtig eine starke und kontinuierliche Cash-Generierung ist, haben die letzten Jahre ja mehr als deutlich gezeigt. Insofern können wir heute mit Fug und Recht behaupten, dass der Konzern Deutsche Post DHL auf einem sehr stabilen und zugleich flexiblen finanziellen Fundament fußt.
Zusammengefasst: Was ist Ihr Fazit nach den ersten drei Monaten des Jahres?
Wir sind erfolgreich und mit Schwung in das Geschäftsjahr gestartet und unsere Strategie trägt Früchte. Und das wiederum macht mich sehr zuversichtlich, dass wir auch in diesem Jahr liefern werden, was wir uns vorgenommen und versprochen haben - Wachstum bei Umsatz und Ergebnis zu generieren.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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