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- Interview mit Frank Appel zu den Konzernergebnissen Q3 2011
"Unser Wachstumstrend ist ungebrochen"
Der Konzern Deutsche Post DHL hat sich auch im dritten Quartal dieses Jahres trotz der Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums und der großen Unsicherheiten an den Finanzmärkten sehr positiv entwickelt. Dabei ist das Ergebnis einmal mehr stärker gestiegen als der Umsatz. Dank dieses erfolgreichen Geschäftsverlaufs im abgelaufenen Quartal hat der Konzern seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr noch einmal angehoben. Im Interview geht Vorstandschef Frank Appel näher auf die Gründe für die weiterhin erfreuliche Geschäftsentwicklung ein und erläutert Perspektiven sowie strategische Prioritäten des weltweit führenden Post- und Logistikkonzerns.
Postchef Frank Appel
Herr Appel, Sie haben im dritten Quartal erneut gute Zahlen abgeliefert, und das in einem alles andere als unbelasteten Marktumfeld. Worauf führen Sie das zurück?
Frank Appel: Unser Geschäft erweist sich in der Tat als sehr robust, unser Wachstumstrend ist ungebrochen. Die sich abzeichnende leichte Abschwächung der Weltkonjunktur hat sich bei uns bisher nur sehr begrenzt ausgewirkt. Das liegt vor allem daran, dass wir genau dort besonders stark sind, wo die Dynamik auch weiterhin am höchsten ist: in den asiatischen Wachstumsmärkten zum Beispiel, aber auch hier zu Lande im stark wachsenden Paketgeschäft. Der zweite wichtige Grund für unser sehr gutes Abschneiden sind die effizienten Strukturen, die wir in den vergangenen Jahren im Konzern geschaffen haben. Wir sind heute einfach besser aufgestellt, um profitabel zu wachsen - das heißt, die Bedürfnisse von immer mehr Kunden mit Best-in-class-Lösungen zu erfüllen, und dabei kostengünstiger zu arbeiten als in der Vergangenheit.
Anders als mancher Wettbewerber geben Sie sich immer noch betont zuversichtlich, obwohl die Konjunktur in einigen wichtigen Ländern schwächelt. Sind Sie besser als die anderen, oder macht der Erfolg Sie übermütig?
Frank Appel: Wir sind weder arrogant noch naiv. Auch wir verschließen nicht die Augen davor, dass das konjunkturelle Klima speziell in den entwickelten Volkswirtschaften rauer werden könnte. Aber unsere Frühwarnsysteme geben uns bisher noch keine Hinweise auf eine bevorstehende, besorgniserregende Abschwächung unseres Geschäfts, und auch die Konjunkturprognosen der Experten geben keinen Anlass zum Pessimismus.
Und wenn es doch zu einem gravierenderen konjunkturellen Einbruch käme, was würde das für Sie bedeuten?
Frank Appel: Unsere Kunden sind besser auf eine Abschwächung vorbereitet als vor der Krise 2009, und wir sind es auch. Wir sind jederzeit in der Lage, die Kapazitäten - zum Beispiel unserer EXPRESS-Flugzeugflotte - und Kosten flexibel an die Nachfrage anzupassen. Das waren Kernpunkte der Strukturmaßnahmen, die wir in den letzten Jahren umgesetzt haben, um uns auf die insgesamt gestiegene Volatilität der Märkte einzustellen. Was wir derzeit erleben, wird in Zukunft nicht außergewöhnlich sein: Ein gestiegenes Maß an Unsicherheit gehört zum Geschäft, das müssen wir akzeptieren und uns darauf vorbereiten. Zudem haben wir etwa im Bereich SUPPLY CHAIN viele langlaufende Verträge, die uns Sicherheit geben. Aber noch einmal: Ich rechne nicht mit einer Rezession und folglich auch nicht mit einem Einbruch des Geschäfts. Die für uns derzeit wichtigsten Trends - Wachstum in den Schwellenländern und die vom Internet getriebene Dynamik des Paketgeschäfts - sind intakt.
Was heißt das konkret für Ihren Geschäftsausblick?
Frank Appel: Zunächst einmal gehen wir davon aus, dass es auch im vierten Quartal keine grundsätzliche Trendumkehr geben wird und wir ein gutes Weihnachtsgeschäft erleben werden. Vor diesem Hintergrund und infolge unseres erfreulichen Abschneidens in den letzten Monaten haben wir unsere Prognose für das Konzern-EBIT im Gesamtjahr noch einmal angehoben. Wir gehen heute davon aus, dass wir im laufenden Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von mehr als 2,4 Milliarden Euro erreichen werden. Was mich in diesem Zusammenhang ganz besonders freut ist, dass beide Bereiche - BRIEF wie DHL - in diesem Jahr deutlich besser abschneiden werden, als wir das ursprünglich erwartet hatten. Für unser BRIEF-Geschäft erwarten wir nun ein operatives Ergebnis von rund 1,1 Milliarden Euro, bei den DHL-Bereichen rechnen wir mit einem zweistelligen Gewinnanstieg auf mehr als 1,7 Milliarden Euro. Diese Zahlen belegen, dass unser Erfolg auf einem breiten und sehr soliden Fundament fußt. Insofern bleibe ich auch für die weitere Zukunft optimistisch. Wir werden in den kommenden Monaten das positive Momentum nutzen, um uns noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden und die künftigen Herausforderungen der Märkte einzustellen.
Sie haben eben darauf hingewiesen, dass der Konzern in den letzten Jahren in den verschiedensten Bereichen große Fortschritte erzielt hat. Wo sehen Sie weiteren Optimierungsbedarf?
Frank Appel: Wir haben in den letzten Jahren in der Tat viel erreicht. Alle unsere Bereiche arbeiten heute hochprofitabel. DHL ist der Wachstumstreiber für unser Unternehmen geworden - so wie wir es seit den Akquisitionen immer geplant und vorausgesagt hatten. Und das gilt nicht nur für die Umsätze, die Ergebnisse wachsen in den drei Divisionen inzwischen durchgängig überproportional. Gleichzeitig kommen wir bei der angestrebten Stabilisierung des BRIEF-Geschäfts gut voran. Die Zwischenbilanz kann sich also sehen lassen. Dennoch: Zur Selbstzufriedenheit besteht kein Anlass. Wir haben uns mit unserer Strategie 2015 viel vorgenommen und erst einen Teil des Weges zurückgelegt. Der Strukturwandel im BRIEF-Bereich etwa ist noch mitten im Gange. Und auch bei DHL liegt noch viel Arbeit vor uns, wenn wir dort unser volles Potenzial ausschöpfen wollen. Dazu soll beispielsweise eine noch intensivere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen DHL-Bereichen beitragen, die wir mit der jüngst erfolgten Ernennung von Bill Meahl zum Chief Commercial Officer gezielt forcieren werden.
Was genau hat es mit dieser Personalie auf sich?
Frank Appel: Alle DHL-Bereiche machen einen phantastischen Job und arbeiten heute schon sehr viel enger zusammen als noch vor einigen Jahren. Dennoch entgeht uns an der ein oder anderen Stelle noch Geschäft, weil wir aus Kundensicht zu komplex sind. Es geht also noch besser. Und deshalb müssen wir jetzt die nächste Stufe unserer Entwicklung zünden: Unser Ziel muss es sein, für Kunden einfacher erfahrbar zu werden. Wir müssen bereichsübergreifend neue Lösungen entwickeln, mit denen wir uns vom Wettbewerb weiter absetzen können. Auf diese Weise können wir neue Wachstumsmöglichkeiten für alle DHL-Bereiche erschließen. Das geht nur, wenn wir unser Know-how teilen und die Kundenbeziehung ganzheitlich betrachten. Dabei wird Bill Meahl die zentrale Rolle spielen.
Sie sprachen den Strukturwandel im BRIEF-Bereich an. Aktuell sieht es so aus, als seien die Klagen, die wir seit Jahren darüber hören, unbegründet. Das Ergebnis ist im dritten Quartal immerhin um fast ein Fünftel gestiegen. Wie passt das ins Bild?
Frank Appel: Zunächst einmal klagen wir nicht über den Strukturwandel, wir stellen uns ihm. Und das mit Erfolg. Was das EBIT im dritten Quartal betrifft: Dies ist nur eine - wenn auch erfreuliche - Momentaufnahme. Blicken wir auf die ersten neun Monate, zeigt sich das tatsächliche Bild: Wir liegen knapp auf Vorjahresniveau. Das heißt: Wir haben uns, wie angestrebt, erst einmal stabilisiert. Das betrachten wir als Erfolg, auf dem wir uns allerdings keine Sekunde ausruhen dürfen.
Wie nachhaltig ist die Stabilisierung?
Frank Appel: Zunächst einmal müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die Substitution des physischen Briefs durch elektronische Medien fortschreitet und dass dieser generelle Trend nicht aufzuhalten ist. Wir werden uns weiter immens anstrengen müssen, um die jüngsten Erfolge bei der Stabilisierung des BRIEF-Ergebnisses fortzuschreiben. Wir setzen dabei an sämtlichen Stellschrauben an: Wir werden weiter an der Kostenflexibilisierung arbeiten. So haben wir uns jüngst mit der Gewerkschaft ver.di auf ein umfassendes Maßnahmenpaket geeinigt, das unsere Produktivität und Flexibilität langfristig erhöht und zugleich den Arbeitnehmern mehr Sicherheit bringt. Beim Briefporto konnten wir zwar keine grundlegende Änderungen bei der Bundesnetzagentur durchsetzen. Die neue, im Oktober vorgestellte Formel ist aber ein erster Schritt in die richtige Richtung und eröffnet uns für die Zukunft größere Spielräume für eine Anpassung der Preise. Im Paketgeschäft investieren wir in den nächsten Jahren 750 Millionen Euro in die Modernisierung unseres bundesweiten Netzwerks und schaffen damit als Markt- und Innovationsführer eine leistungsfähige Plattform für weiteres Wachstum und für neue, innovative und kundenfreundliche Angebote. Und wir werden auch in Zukunft alles unternehmen, was nötig ist, um das Ziel zu erreichen, den BRIEF-Bereich zu stabilisieren. Ein Selbstläufer wird das aber sicherlich nicht.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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