- Startseite
- Presse
- Interviews, Reden und Webcasts
- Interview mit Frank Appel zu den Q3-Zahlen
"Wir dürfen jetzt nicht nachlassen und müssen unser erfolgreiches Kostenmanagement weiter forcieren."
Vorstandsvorsitzender Frank Appel will die Strukturen effizienter gestalten.
Die Deutsche Post DHL hat heute ihre Bilanz für das dritte Quartal vorgelegt. Das EBIT vor Einmaleffekten wäre ohne den Arcandor-Effekt im Vorjahresvergleich gestiegen, obwohl der Umsatz um 18,6 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro zurückging. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News erläutert der Vorstandsvorsitzende Frank Appel die Geschäftszahlen und die erhöhte Prognose für das Gesamtjahr 2009.
Deutsche Post DHL News: Im Vergleich zum zweiten Quartal scheint sich die Lage verbessert zu haben: Das EBIT vor Einmaleffekten ging im Vorjahresvergleich trotz der Arcandor-Insolvenz nur noch um 10 Prozent zurück - im zweiten Quartal lag der Rückgang noch bei fast 40 Prozent. Woran lag das?
Frank Appel: In der Tat hat unsere rigide Sparpolitik in allen Unternehmensbereichen Früchte getragen. Das beste Beispiel ist der EXPRESS-Bereich. Hier ist es dem Management gelungen, den Gewinn vor Einmaleffekten um mehr als das Fünffache zu steigern. Eine beachtliche Leistung! Auf Konzernebene wäre das EBIT vor Einmaleffekten sogar gestiegen, wenn man die Abschreibungen in Zusammenhang mit der Arcandor-Insolvenz herausrechnet.
Deutsche Post DHL News: Heißt das, die Krise ist überwunden?
Frank Appel: Nein - eine solche Einschätzung wäre sicherlich verfrüht. Der Wind weht uns weiter ins Gesicht. Nehmen Sie zum Beispiel die Arcandor-Insolvenz, die zu Abschreibungen in Höhe von insgesamt 186 Millionen Euro in den ersten neun Monaten geführt hat. Und auch bei den Transportvolumina sehen wir noch keine substantielle Besserung. Ich warne daher davor, nun das Ende der Rezession zu propagieren.
Deutsche Post DHL News: Dennoch haben Sie parallel zur Bekanntgabe Ihrer Quartalszahlen die Prognose für das Gesamtjahr angehoben und erwarten jetzt ein bereinigtes operatives Ergebnis von mindestens 1,35 Milliarden Euro. Wie passt das mit Ihrer pessimistischen Einschätzung zur aktuellen Wirtschaftslage zusammen?
Frank Appel: Ich bin kein Pessimist, weiß aber auch, dass Optimismus kein Selbstzweck sein darf. Die erhöhte Prognose ist ein direktes Resultat des erfolgreichen Kostenmanagements in allen Bereichen des Unternehmens und eben nicht Folge eines kurzfristig einsetzenden Rückenwinds. Wenn wir in den nächsten Monaten noch unerwartet Unterstützung von einer wirtschaftlichen Belebung bekommen, werde ich mich sicherlich nicht beschweren. Wir dürfen uns aber nicht darauf verlassen, sondern müssen weiter an einem Strang ziehen und unsere Anstrengungen forcieren.
Deutsche Post DHL News: Was heißt das konkret für die nächsten Monate?
Frank Appel: Konkret heißt das, dass wir die Zügel jetzt nicht schleifen lassen dürfen, sondern weiter sparen müssen. Unser Ziel, 1 Milliarde Euro an indirekten Kosten einzusparen werden wir schon bis Ende des laufenden Jahres erreichen - also ein ganzes Jahr früher als ursprünglich geplant. Das heißt jedoch nicht, dass wir dann schon angekommen sind. Auch in den kommenden Monaten wird unsere oberste Prämisse sein, unsere Strukturen effizienter zu gestalten.
Deutsche Post DHL News: Lassen Sie uns noch einmal über die einzelnen Unternehmensbereiche sprechen. Den EXPRESS-Bereich hatten Sie ja schon angesprochen. Neben den Fortschritten auf Kostenseite, wie hat sich das Geschäft entwickelt?
Frank Appel: Auch im EXPRESS-Bereich spüren wir nach wie vor die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die Umsätze sind auch im dritten Quartal um 27 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig haben die rigorosen Kosteneinsparungen im Expressbereich gegriffen und so lag die Marge beim EBIT vor Einmaleffekten außerhalb der USA bei 9,5 Prozent. Aber auch in den USA, wo wir uns aus dem Markt für inländische Expresssendungen zu Beginn des Jahres komplett zurückgezogen haben, konnten wir die Verluste vor Einmaleffekten um mehr als die Hälfte verringern.
Dementsprechend sind wir auf gutem Weg, unser Ziel zu erreichen und die Verluste auf Jahresbasis ab dem laufenden vierten Quartal auf unter $400 Millionen zu reduzieren. Außerdem schätzen uns unsere amerikanischen Kunden weiterhin als Experten für internationale Expressdienstleistleistungen.
Deutsche Post DHL News: Sie haben den Unternehmensbereich BRIEF zu Beginn des Jahres als Sorgenkind bezeichnet. Wie hat sich das Geschäft der Deutschen Post im dritten Quartal entwickelt?
Frank Appel: Nach wie vor haben wir es hier mit einem Markt zu tun, der kontinuierlich schrumpft, weil die Kommunikation zunehmend ins Internet wandert. Deshalb arbeiten wir ja auch mit Hochdruck an dem Brief im Internet, weil nur die Deutsche Post Briefkommunikation im Internet mit der von der Deutschen Post gewohnten Sicherheit verbinden kann. Auch im dritten Quartal hat die Rezession viele Kunden gezwungen, ihre Investitionen zurückzufahren. Und obwohl wir bei den Geschäftskunden nach dem schwachen zweiten Quartal eine Stabilisierung sehen, so bleiben die Umsätze doch insgesamt unter dem Vorjahresniveau. Das EBIT vor Einmaleffekten ist um rund 6 Prozent zurückgegangen, weil Sparmaßnahmen auf der einen Seite die gestiegenen Kosten auf der anderen Seite nicht ganz ausgleichen konnten.
Deutsche Post DHL News: Ende vergangener Woche haben Sie sich nach intensiven Verhandlungen mit Ver.di auf ein umfangreiches Paket im Rahmen des laufenden Tarifvertrags geeinigt. Wie bewerten Sie das Ergebnis?
Frank Appel: Wir haben mit dem erzielten Kompromiss einen wichtigen Etappensieg verbucht, der uns Planungssicherheit für die nächsten zwei Jahre gibt. Nicht mehr und nicht weniger. Die Einsparungen von etwa 370 Millionen Euro werden in den nächsten zwei Jahren einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Profitabilität und der Arbeitsplätze im BRIEF-Bereich leisten. Ich bleibe aber dennoch dabei: um die Deutsche Post zukunftsfähig zu machen und den sinkenden Volumina zu begegnen, werden wir mittelfristig mehr tun müssen. Unsere Mitarbeiter haben jetzt ihren Teil zur Stabilisierung der BRIEF-Ergebnisse in den nächsten beiden Jahren geleistet. Aber auch die Politik muss den veränderten Rahmenbedingungen endlich Rechnung tragen. Oder können Sie mir neben dem Briefporto ein einziges anderes Produkt nennen, dessen Preis in den letzten zwölf Jahren nicht erhöht wurde?
Deutsche Post DHL News: Lassen Sie uns einen Blick auf die zweite Säule des Konzerns werfen. Auch das Logistikgeschäft ist nach wie vor von der schwachen Wirtschaftslage betroffen. Ist hier aber vielleicht das viel zitierte Licht am Ende des Tunnels in Sicht?
Frank Appel: In unserem Fracht und Global Forwarding-Geschäft können wir sicherlich von einer Stabilisierung sprechen. Es hat sich in den letzten Monaten ausgezahlt, dass wir hier neben den Kostenmaßnahmen auch die Vertriebsaktivitäten intensiviert haben. Wir konnten unsere Marktposition deutlich ausbauen. Leider haben sich die Frachtraten unvorteilhaft entwickelt, was sich in einem entsprechenden EBIT-Rückgang widerspiegelt. Im Supply Chain-Bereich haben wir uns eigentlich ganz gut geschlagen, wenn man sich die Umsatzentwicklung ansieht. Leider hat die Arcandor-Insolvenz hier zu einem Verlust beim EBIT vor Einmaleffekten geführt.
Deutsche Post DHL News: Genau vor zwei Jahren haben Sie in Frankfurt Ihre Roadmap to Value vorgestellt – dabei war ein Hauptziel, die Ausschüttung an die Aktionäre zu erhöhen. Haben Sie hier Ihre eigenen Erwartungen und die der Aktionäre erfüllt?
Frank Appel: Die Roadmap to Value ist ein großer Erfolg und hervorragend im Markt angekommen. Dass wir im selben Zeitraum in eine der tiefsten Wirtschafts- und Finanzkrise der vergangenen Jahrzehnte schlittern würden, konnten wir damals natürlich nicht absehen. Aber Dank der Roadmap haben wir frühzeitig die richtigen Weichen gestellt, um sicher durch die Krise zu steuern. Und wenn wir jetzt nach zwei Jahren Bilanz ziehen, können wir sagen, dass wir bei Profitablität, dem Nettoumlaufvermögen, dem Verkauf nicht-strategischer Unternehmenseinheiten sowie bei Transparenz und Investitionen unsere Ziele mindestens erfüllt, in großen Teilen sogar übererfüllt haben. Dass sich das Konzernergebnis und dementsprechend die Ausschüttung an die Aktionäre nicht so entwickelt haben, wie gewünscht, ist dem wirtschaftlichen Umfeld geschuldet. Aber Sie können sich sicher sein: Wir haben dieses Ziel nicht aus den Augen verloren.
Deutsche Post DHL News: Zum Schluss noch - Sie haben einen neuen CFO an Ihrer Seite, Larry Rosen, der im September von der Fresenius Medical Care zur Deutschen Post DHL kam. Wie klappt die Zusammenarbeit?
Frank Appel: Ich glaube, wir können nach zwei Monaten sagen, dass Larry Rosen perfekt in das Managementteam der Deutschen Post DHL passt, und wir sind sehr froh, dass wir einen so hervorragenden Finanzvorstand für uns gewonnen haben. Schon in den ersten Wochen hat er gezeigt, dass er sehr besonnen und offen an seinen neuen Job herangeht. Dabei hat er die Interessen unserer internationalen Investoren und Stakeholder ebenso im Blick wie die der Mitarbeiter.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
Folgen Sie uns auf Twitter
Aktuelle News und Infos von Deutsche Post DHL.