"Unsere Bilanz ist sehr positiv"
Interview mit Rainer Wend, Zentralbereichsleiter Politik und Unternehmensverantwortung, anlässlich der Veröffentlichung des Nachhaltigkeitsberichts 2011 am 03. Mai 2012.
Rainer Wend, Zentralbereichsleiter Politik und Unternehmensverantwortung
Herr Wend, erlauben Sie zu Beginn eine allgemeine Frage: Hat sich die Sichtweise von Unternehmen auf das Thema Unternehmensverantwortung in jüngster Zeit verändert?
Rainer Wend: Zunächst einmal hat sich die Sichtweise von Kunden, Mitarbeitern und Investoren verändert. Sie erwarten ein entsprechendes Engagement von Unternehmen, das über den rein ökonomischen Erfolg hinausgeht - am deutlichsten sichtbar ist das sicher beim Umweltschutz. Unternehmen, die ihre Einstellung zum Thema Corporate Responsibility nicht als Teil ihres Erfolges begreifen, werden auf Dauer weniger erfolgreich sein.
Kommen wir zur Deutschen Post DHL. Sie haben heute Ihren Bericht zur Unternehmensverantwortung 2011 vorgelegt. Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Rainer Wend: Die Bilanz fällt in fast allen Bereichen sehr positiv aus. Wir haben im Jahr 2011 gesehen, dass der Stellenwert der Unternehmensverantwortung in unserem Konzern - sei es beim Management oder bei den Mitarbeitern - weiter gestiegen ist und dies auch von Kunden, Investoren und internationalen Organisationen anerkannt wird. Nehmen Sie nur unseren ersten Nachhaltigkeitstag im Februar 2011 oder den Global Volunteer Day im September, bei dem wir erstmals alle Mitarbeiter weltweit zum Mitmachen aufgerufen haben. Oder nehmen Sie unsere Partnerschaften mit Teach for All und den SOS-Kinderdörfern, die wir auf Spanien, Chile, Peru, Argentinien, Madagaskar, Brasilien, Südafrika, Mexico und Vietnam ausgedehnt haben. Unser CR-Bericht gibt einen guten Überblick über die Maßnahmen und liefert viele konkrete Fakten.
Können Sie uns ein Beispiel nennen, was die Deutsche Post DHL beim Thema CR im Jahr 2011 erreicht hat?
Rainer Wend: Ein schöner Erfolg ist zum Beispiel, dass unsere gelbe Fahrzeugflotte im vergangenen Jahr deutlich grüner geworden: wir haben 2011 mehr als 4.000 Fahrzeuge - und damit 1.000 mehr als im Jahr zuvor - mit alternativen Antrieben und Kraftstoffen sowie aerodynamischen oder motortechnischen Modifikationen eingesetzt.
Gibt es auch Entwicklungen, mit denen Sie unzufrieden sind?
Rainer Wend: Sicher gibt es Dinge, die besser sein könnten, doch in der Regel hat das mit der positiven Entwicklung unseres Logistik-Geschäftes zu tun - und ohne wirtschaftlichen Erfolg geht es nun mal nicht. Ein konkretes Beispiel: Wenn wir eine Zunahme der weltweiten Expresssendungen per Luftfracht haben, dann ist das eine hervorragende Entwicklung für den Konzern - doch für die Umwelt bedeutet es mehr Flüge und mehr Kerosinverbrauch. Uns bestärkt das, uns in allen Bereichen anzustrengen und eine gute Balance zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Zielen zu schaffen. Diese Balance haben wir, das zeigt der Bericht 2011, bereits auf einem hohen Niveau erreicht.
Sie haben den Nachhaltigkeitstag schon erwähnt. Er findet jetzt zum zweiten Mal statt. Was sind Ihre Ziele?
Rainer Wend: Wir möchten möglichst viele Interessierte zusammenbringen, um weitere Ideen und Vorschläge für die Nachhaltigkeitsthemen heute und in Zukunft zu bekommen und unsere eigenen Projekte auf den Prüfstand der Öffentlichkeit zu stellen. Ich freue mich auf angeregte und fruchtbare Diskussionen mit Vertretern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Welch einen Stellenwert unser CR-Tag bereits erlangt hat, zeigt sich unter anderem in der Teilnehmerliste: mit Klaus Töpfer konnten wir zum Beispiel einen ausgewiesenen Umwelt, Energie- und Entwicklungs-Experten als Redner und Diskutanten gewinnen.
Ein CR-Bericht ist immer auch ein Rückblick. Wie geht es weiter mit Ihrem Engagement?
Rainer Wend: Wir haben eine ganze Reihe von neuen Projekten für 2012 und darüber hinaus geplant. Es geht dabei nicht nur darum, das "große Rad zu drehen", Nachhaltigkeit ist auch ein Weg der kleinen Schritte: Ob das ein für 2012 geplanter Deutsche Post DHL World Safety Day ist oder das Ziel, mehr Transparenz bezüglich der CO2-Reduktionsziele und der CO2-Effizienz unserer Subunternehmer im Straßentransport zu schaffen. Ob es die Steigerung des Anteils von grünem Strom in unseren Netzwerken auf über 60 Prozent ist oder weitere Partnerschaften mit Teach for All-Länderorganisationen: Bei einem Unternehmen unserer Größenordnung kann allein die Menge an sinnvollen und guten Maßnahmen schon einen großen Unterschied machen. Der Nachhaltigkeitstag ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir nach vorn schauen. Unsere aktuelle Studie "Delivering Tomorrow - Logistik 2050" ist ein anderes Beispiel. Wir wollen uns frühzeitig mit den Trends der Zukunft beschäftigen. Denn nur so können wir die Weichen für die Zukunft rechtzeitig und richtig stellen.