"Unsere Maßnahmen zahlen sich aus"
Die Deutsche Post DHL hat heute ihre Geschäftszahlen für die ersten drei Monate des Jahres 2010 vorgelegt. Der Konzernumsatz ist nach dem krisenbedingten Rückgang des Vorjahres im Quartalsvergleich wieder gestiegen, das EBIT vor Einmaleffekten hat sich von Januar bis März gegenüber dem ersten Quartal 2009 sogar annähernd verdoppelt. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News erläutert Finanzvorstand Larry Rosen die Gründe für die positive Geschäftsentwicklung und die weiteren Aussichten für das laufende Jahr.
DP DHL News: Der Konzern Deutsche Post DHL ist im ersten Quartal 2010 wieder gewachsen und hat sein Ergebnis deutlich gesteigert. Worauf führen Sie das zurück?
Larry Rosen: Die Belebung der Weltkonjunktur, die sich schon in den letzten Monaten des vergangenen Jahres abgezeichnet hatte, hält auch im laufenden Jahr an. In den ersten Monaten hat sie sich sogar leicht verstärkt. Davon profitieren wir als global aktiver und führender Post- und Logistikkonzern in Form steigender Transportvolumina und letztlich auch steigender Umsätze.
Darüber hinaus hat auch unser Geschäft mit wichtigen Neukunden einen maßgeblichen Einfluß auf die positive Entwicklung in den ersten drei Monaten gehabt. Aber das ist nur die eine Seite. Mindestens genauso wichtig ist: Die Maßnahmen, die wir im Zuge der Krisenbewältigung erfolgreich umgesetzt haben, zahlen sich jetzt aus.
Auch dank der erheblichen Kostensenkungen, die wir in allen Konzernbereichen geschafft haben, ist unsere Marge spürbar gestiegen. Aus diesem Grund ist der Anstieg beim Ergebnis deutlich größer ausgefallen als beim Umsatz. Aber wir sind damit noch nicht am Ende unseres Weges: wir werden die konsequente Umsetzung unserer Strategie 2015 weiter vorantreiben und so die gesamte Leistungsfähigkeit des Konzerns nach und nach entfalten.
Wo kommt das Umsatzwachstum hauptsächlich her?
Bezogen auf unsere Unternehmensbereiche eindeutig von DHL. Vor allem Luft- und Seefracht entwickeln sich dynamisch, aber auch das Express-Geschäft hat wesentlich hierzu beigetragen. Geographisch sind die Zuwachsraten in der Region Asien-Pazifik am höchsten. Aber auch in Nord- und Südamerika sowie im Mittleren Osten sehen wir erfreuliche Zuwächse der Transportvolumina. Dank unserer globalen Aufstellung sind wir überall dort vor Ort präsent, wo die Wirtschaft besonders stark wächst und die Warenströme entstehen. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig und richtig es gewesen ist, den Konzern Deutsche Post DHL in den vergangenen Jahren konsequent zur internationalen Nummer eins in der Logistik auszubauen.
Aber gleichzeitig geht der schleichende Niedergang des heimischen Brief-Geschäfts weiter...
Auch der Unternehmensbereich BRIEF hat sich im ersten Quartal gut geschlagen. Die starken Umsatzrückgänge im Zuge der Wirtschaftskrise liegen hinter uns. Wir konnten den Umsatz zu Jahresbeginn stabilisieren und das Ergebnis nahezu auf Vorjahresniveau halten. Das betrachten wir eindeutig als Erfolg. Aber richtig ist auchGerade beim klassischen Brief wird der Markt weiter schrumpfen, weil zunehmend elektronische Kommunikationsformen genutzt werden. Dieser Effekt wird aber jetzt zumindest nicht mehr, wie im vergangenen Jahr, durch eine Rezession verstärkt.
Außerdem haben wir ja längst begonnen, uns auf die Marktentwicklung einzustellen: zum einen mit der Anpassung und Flexibilisierung unserer Kapazitäten, zum anderen mit neuen Angeboten wie dem "Brief im Internet", den wir planmäßig im Juli auf den Markt bringen werden. Überdies gibt es auch innerhalb des BRIEF-Bereichs Wachstumsfelder. Nehmen Sie das Paketgeschäft. Niemand ist besser positioniert als wir, um vom zunehmenden Internethandel zu profitieren. Wir sehen also - bei allem Realismus, was die allgemeine Marktentwicklung anbetrifft - keinen Grund von einem schleichenden Niedergang zu sprechen. Um die Profitabilität langfristig zu sichern, wird es aber noch einiger Anstrengungen bedürfen.
Wenn man das Quartalsergebnis des Konzerns hochrechnet, landet man für das Gesamtjahr bei einem EBIT vor Einmaleffekten von deutlich über 2 Milliarden Euro. Warum halten Sie trotzdem an Ihrer Prognose von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro fest?
Weil wir vorsichtige Kaufleute sind. Es ist noch zu früh, um beurteilen zu können, wie stark und vor allem wie stabil die Erholung der Weltwirtschaft in diesem Jahr am Ende wirklich ausfallen wird. Denken Sie etwa an die möglicherweise wachstumshemmenden Effekte der hohen Staatsverschuldung oder die unwägbare Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise. Vor diesem Hintergrund fühlen wir uns wohler, wenn wir bei unserer Prognose bleiben - und nehmen in Kauf, dass der eine oder andere dies als zu konservativ empfinden könnte. Allerdings sehen wir nach der positiven Entwicklung im ersten Quartal gute Chancen, dass wir am oberen Ende der kommunizierten Spanne von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro landen werden.
Einen Risikofaktor haben Sie noch nicht angesprochenden teilweisen Wegfall der Mehrwertsteuerbefreiung für Postdienste in Deutschland. Wie stark wird dies den BRIEF-Bereich belasten?
Das lässt sich noch nicht exakt beziffern. Wir rechnen aber mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag, bezogen auf ein komplettes Geschäftsjahr. Wir haben uns dazu entschieden, die neu anfallenden Mehrwertsteuern nicht vollständig an unsere Firmenkunden weiterzureichen, sondern ihnen entsprechend höhere Rabatte einzuräumen. Das heißtWir teilen uns diese Last und verzichten auf einen signifikanten Ergebnisbeitrag - vor allem um den Verlust von Volumina und Kunden zu vermeiden und so die Auslastung unserer Kapazitäten zu maximieren. Ein Punkt ist mir in diesem Zusammenhang aber noch wichtigBei unserer EBIT-Prognose für den BRIEF-Bereich von 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro haben wir die voraussichtlichen Belastungen im laufenden Geschäftsjahr schon einkalkuliert.
Erstmals sollen die DHL-Unternehmensbereiche in diesem Jahr etwa so viel zum bereinigten Betriebsergebnis beisteuern wie das angestammte BRIEF-Geschäft. Im ersten Quartal war das noch nicht der Fall. Was macht Sie zuversichtlich, dass sie dieses Ziel im Gesamtjahr erreichen werden?
Zunächst einmal: Wir sind mit dem DHL-Ergebnis im ersten Quartal sehr zufrieden. Bedenken Sie, dass wir - etwa im Express-Geschäft - eine Phase harter Restrukturierungen hinter uns haben. Jetzt sind wir in allen drei DHL-Bereichen profitabel, und der Ergebnistrend zeigt durch die Bank eindeutig nach oben. Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung im Jahresverlauf fortsetzen und - sofern die Konjunktur mitspielt - noch verstärken wird. Für uns steht festDHL wird künftig der Treiber für die weitere Verbesserung unseres Konzerngewinns sein. Das Ende der Fahnenstange ist hier noch lange nicht erreicht.
Im ersten Quartal waren die Einmaleffekte nur noch recht gering, sodass das ausgewiesene EBIT nicht mehr weit vom bereinigten Betriebsergebnis entfernt war. Wird das auch im Gesamtjahr so bleiben?
Wir haben im ersten Quartal in der Tat nur noch geringe Einmaleffekte in Höhe von 54 Millionen Euro verbucht, den größten Teil davon für Restrukturierungen im Express-Geschäft in Großbritannien. Diese Zahl lässt sich zwar nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen, aber wir werden, wie angekündigt, am Ende erheblich geringere Belastungen zu schultern haben als im vergangenen Jahr. Aus heutiger Sicht gehen wir von einer Größenordnung von etwa 350 Millionen Euro aus, nach deutlich mehr als 1 Milliarde Euro im Vorjahr.
Auch an diesen Zahlen wird sichtbar: Der größte Teil der Restrukturierungen liegt hinter uns. Wir sind heute, bis auf die zwei Schlüsselprojekte bei EXPRESS in Großbritannien und Frankreich, so aufgestellt, wie wir uns das vorstellen. Auf dieser Basis haben wir bessere Voraussetzungen denn je, unser Geschäft in den kommenden Jahren organisch weiter auszubauen und die Effizienz stetig zu steigern.