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- Interview mit Larry Rosen: Q3 2010
"Wir haben die Belastungen aus der Vergangenheit endgültig hinter uns gelassen"
Die Deutsche Post DHL hat heute ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal des Jahres 2010 vorgelegt. In den Monaten Juli bis September konnte der weltweit führende Post- und Logistik-Konzern an die positive Entwicklung des ersten Halbjahres anknüpfen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal zweistellig, das operative Ergebnis vor Einmaleffekten noch deutlich stärker. Im Gespräch mit Deutsche Post DHL News erläutert Finanzvorstand Larry Rosen die Gründe für das gute Abschneiden.
DP DHL News: Die Deutsche Post DHL ist auch im dritten Quartal 2010 zweistellig gewachsen und hat deutlich mehr verdient als im Jahr zuvor. Ist der Konzern einer der großen Gewinner des Aufschwungs?
Larry Rosen: Als weltgrößter Anbieter von Logistik-Dienstleistungen mit einer starken Präsenz in allen wirtschaftlichen Zentren und einer breiten Angebotspalette profitieren wir natürlich davon, dass sich die Konjunktur weiterhin positiv entwickelt und die globalen Handelsvolumina infolgedessen nach wie vor steigen. Dieser Effekt hat unsere Zahlen, vor allem in den DHL-Bereichen, schon im gesamten Jahresverlauf sehr positiv beeinflusst. Das ist auch im dritten Quartal so geblieben. Alles der guten konjunkturellen Entwicklung zuzuschreiben würde dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern aber nicht gerecht werden.
Es ist kein Zufall, dass sich unsere Umsätze und die Profitabilität in vielen Bereichen in letzter Zeit so erfreulich entwickelt haben. Dies ist ein erneuter Beleg dafür, dass wir mit unserer Strategie 2015 richtig liegen, dass unsere Maßnahmen der vergangenen Jahre greifen und dass die Kunden unsere Anstrengungen honorieren.
Ihr operatives Ergebnis hat sich gegenüber dem dritten Quartal 2009 mehr als verdoppelt, nach neun Monaten sogar mehr als verdreifacht. Worauf führen Sie das zurück?
Zunächst einmal ist der Ergebnisanstieg sicherlich eine direkte Folge des Umsatzwachstums und unserer eigenen Effizienzsteigerungen. Es kommt aber im dritten Quartal ein weiterer Effekt zum Tragen: Erstmals seit mehreren Jahren sind keine nennenswerten Einmalaufwendungen für Restrukturierungen mehr angefallen. Die entsprechenden Maßnahmen sind weitestgehend abgeschlossen. Wir haben damit die Belastungen aus der Vergangenheit endgültig hinter uns gelassen und sind jetzt so aufgestellt wie wir uns das vorstellen.
Das bedeutet zugleich, dass die in den Vorquartalen teilweise erheblichen Unterschiede zwischen dem berichteten EBIT und jenem vor Einmaleffekten verschwunden sind. Aber wir wollen uns an dieser Stelle nicht schön rechnen, der Vergleich mit dem Vorjahr ist derzeit natürlich noch verzerrt. Deshalb bleibt in diesem Jahr das operative Ergebnis vor Einmaleffekten die entscheidende Größe - und auch deren Entwicklung kann sich mehr als sehen lassen.
Für das Gesamtjahr haben Sie Ihre Prognose abermals verbessert, den Zielkorridor für das EBIT vor Einmaleffekten nun erneut leicht angepasst, aber am oberen Ende nicht erhöht. Warum so vorsichtig?
Ursprünglich hatten wir für das laufende Geschäftsjahr ein EBIT vor Einmaleffekten von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, zum Halbjahr hatten wir diese Prognose dann auf 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro angehoben. Nach dem sehr guten dritten Quartal fühlen wir uns hinreichend sicher, mindestens 2 Milliarden Euro zu erreichen. Das obere Ende der Spanne haben wir nicht erhöht, weil wir - was unsere Prognose für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft betrifft - noch ein bisschen konservativ bleiben. Möglicherweise könnten wir zum Jahresende hin eine leichte Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft und der globalen Handelsströme sehen. Vor diesem Hintergrund fühlen wir uns als vorsichtige Kaufleute mit dem, was wir heute gesagt haben, sehr wohl.
Die erneute Verbesserung der Ergebnisprognose kommt auch aus dem Unternehmensbereich BRIEF. Hier haben Sie die untere Grenze für das erwartete Jahresergebnis angehoben. Entwickelt sich BRIEF besser als erwartet?
Der Unternehmensbereich hat sich in einem sehr harten Wettbewerbsumfeld und unter weiter erschwerten Rahmenbedingungen sehr gut behauptet. Das Geschäft ist und bleibt eine wichtige Säule für Umsatz und Gewinn des Konzerns, allen Unkenrufen zum Trotz. Der Umsatz ist im dritten Quartal nur leicht gesunken - obwohl die Marktvolumina in der Brief Kommunikation weiter zurückgehen und wir seit der Erhebung der Mehrwertsteuer für Briefe von Geschäftskunden unsere Rabatte erhöht haben.
Damit wollten wir wichtige, qualitätsbewusste Kunden halten oder zurückgewinnen, was uns in den vergangenen Monaten sehr gut gelungen ist. Die Rabatte haben erwartungsgemäß auch das Ergebnis belastet. Wir konnten dies aber - zumindest teilweise - durch das weiterhin sehr dynamische Paketgeschäft und unser striktes Kostenmanagement kompensieren. Insgesamt sind wir zuversichtlich, dass wir im Unternehmensbereich BRIEF im Gesamtjahr ein EBIT vor Einmaleffekten von mindestens 1,1 Milliarden Euro erreichen werden.
Ungeachtet dessen entwickelt sich DHL immer mehr zum Wachstumsmotor und zum Haupt-Ertragsbringer des Konzerns. Was waren in den vergangenen Monaten die Treiber des Wachstums von DHL?
Die drei DHL-Bereiche entwickeln sich im laufenden Geschäftsjahr weiterhin exzellent, mit deutlichen Umsatzsteigerungen und sehr kräftigen Ergebnisverbesserungen. Diese sind selbstverständlich teilweise Resultat des konjunkturellen Rückenwinds, den wir derzeit in allen Teilen der Welt verspüren. Gleichzeitig spiegelt sich in dieser Entwicklung aber auch unsere konsequente Orientierung am Kundennutzen wider. Nehmen Sie das Angebot an multimodalen Transportlösungen unseres Global Forwarding Bereichs - also die Kombination von Luft- und Seefracht sowie Straßentransporten - für Exporte aus Asien nach Europa und Afrika: Unternehmen können so ihre Lieferkette ganz nach ihren eigenen spezifischen Anforderungen planen und gleichzeitig Kosten und Emissionen in erheblichem Ausmaß reduzieren.
Es sind genau solche speziell an den Bedürfnissen unserer Kunden ausgerichtete Angebote und Produkte aufgrund derer wir in den letzten Monaten eben nicht nur das Geschäft mit Bestands- und Neukunden im Zuge der wirtschaftlichen Belebung ausgebaut haben. Wir haben vielmehr unsere Zusammenarbeit mit der bestehenden Klientel auf andere Bereiche ausweiten und gleichzeitig beträchtliches Neukundengeschäft generieren können. Allein im Supply Chain Bereich ist uns dies in den ersten neun Monaten in einer Größenordnung von 700 Millionen Euro gelungen. Diese große Akzeptanz, die wir am Markt mit unseren Dienstleistungen finden, stimmt uns für die Zukunft sehr zuversichtlich.
Was kann der Konzern mit DHL in den nächsten Jahren erreichen?
DHL wird 2010 aus heutiger Sicht ein EBIT vor Einmaleffekten von mehr als 1,3 Milliarden Euro erwirtschaften, der mit Abstand beste Wert, den wir je erreicht haben. Erstmals werden die DHL-Bereiche damit mehr zum Konzernergebnis beitragen als unsere zweite Säule, der Unternehmensbereich BRIEF. Für den Konzern ist das ein bedeutender Meilenstein. Wir haben nun endgültig bewiesen, dass die Expansion früherer Jahre in die globale Logistik strategisch sinnvoll gewesen ist und in Zukunft der entscheidende Werttreiber des Konzerns sein wird.
Wir nennen zwar keine konkreten Zahlen für die Geschäftsentwicklung der kommenden Jahre, aber eines ist klar: DHL ist sicherlich noch längst nicht am Ende seiner Möglichkeiten angelangt. Wir haben mit unserer führenden Marktposition und unserer konsequenten Orientierung am Kundennutzen eine hervorragende Basis, unsere Wachstumsinitiative für DHL zum Erfolg zu führen. Daher bin ich fest davon überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren das gesamte Potenzial dieses Geschäfts für den Konzern Deutsche Post DHL, seine Kunden, Mitarbeiter und Investoren nach und nach erschließen werden.
Gilt dieser grundsätzliche Optimismus auch konkret für das kommende Jahr? Wie sind Ihre Erwartungen an die Entwicklung des Konzerns im Jahr 2011?
Wir sind grundsätzlich optimistisch, weil wir glauben, dass die Weltwirtschaft auch im nächsten Jahr wachsen wird. Wie stark, das ist aus heutiger Sicht allerdings noch unklar. Konkrete Prognosen für 2011 veröffentlichen wir deshalb noch nicht, werden dies aber selbstverständlich zu gegebener Zeit noch tun. Wir stehen aber unverändert zu unserer früheren Aussage, dass wir auch für das kommende Jahr eine Fortsetzung der positiven Ergebnisentwicklung erwarten.
Für weitere Informationen für Journalisten stehen Ihnen unsere Pressesprecher gerne zur Verfügung.
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