Die Kapitalflussrechnung des Konzerns wird gemäß IAS 7 (Cashflow-Statement) erstellt. Sie legt die Zahlungsströme offen, um Herkunft und Verwendung der flüssigen Mittel aufzuzeigen. Sie unterscheidet dabei zwischen Mittelveränderungen aus laufender Geschäftstätigkeit, Investitions- und Finanzierungstätigkeit. Die flüssigen Mittel beinhalten Kassenbestand, Schecks sowie Guthaben bei Kreditinstituten mit einer Restlaufzeit von nicht mehr als drei Monaten und entsprechen den flüssigen Mitteln laut Bilanz. Effekte der Währungsumrechnung sowie Änderungen des Konsolidierungskreises werden bei der Berechnung bereinigt.
51.1 Mittelzufluss aus operativer Geschäftstätigkeit
Der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit wird ermittelt, indem das Ergebnis vor Steuern um das Finanzergebnis sowie nicht zahlungswirksame Größen bereinigt wird, ergänzt um die Steuerzahlungen und die Veränderungen der Rückstellungen (Ergebnis vor Änderung Nettoumlaufvermögen). Nach Berücksichtigung der Veränderungen der kurzfristigen Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten (ohne Finanzschulden) ergibt sich ein Mittelzufluss/-abfluss aus operativer Geschäftstätigkeit.
Der Mittelzufluss aus operativer Geschäftstätigkeit lässt sich in den Mittelzufluss aus operativer Geschäftstätigkeit vor Änderung des kurzfristigen Nettovermögens sowie nach Mittelabflüssen aus der Änderung des Nettovermögens trennen.
Der Mittelzufluss aus operativer Geschäftstätigkeit vor Änderung des kurzfristigen Nettovermögens stieg gegenüber dem Vorjahr um 1.468 Mio € auf 4.461 Mio €. Hierbei ist vor allem der im Berichtsjahr um 1.748 Mio € geringere Rückgang der Rückstellungen zu nennen. Diese waren im Vorjahr insbesondere durch die zahlungsunwirksame Auflösung der Rückstellung Postbeamtenkrankenkasse (1.208 Mio €) sowie die Auflösung der Umsatzsteuerrückstellung (369 Mio €) geprägt.
Im Wesentlichen bedingt durch den Anstieg des Mittelabflusses aus den Nettoforderungen aus Finanzdienstleistungen um –589 Mio € auf –368 Mio €, ergibt sich ein Mittelabfluss aus dem kurzfristigen Nettovermögen von –539 Mio € (Vorjahr: Mittelzufluss in Höhe von 631 Mio €). Hierfür ist insbesondere der Anstieg der Handelsaktiva der Postbank verantwortlich.
Der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit ist gegenüber dem Vorjahr dementsprechend um 298 Mio € auf 3.922 Mio € gestiegen.
Die Steuerzahlungen liegen mit 343 Mio € etwa auf Vorjahresniveau (Vorjahr: 313 Mio €). Hiervon entfallen 85 Mio € auf die Deutsche Postbank Gruppe sowie 258 Mio € auf die übrigen Konzernunternehmen, wobei hierin eine Steuererstattung der Deutsche Post AG in Höhe von 56 Mio € enthalten ist.
In der Veränderung der Rückstellungen von –783 Mio € (Vorjahr: –2.531 Mio €) sind die nicht zahlungswirksamen Aufzinsungen von Rückstellungen (704 Mio €) nicht enthalten. Weiterhin wurden die Veränderungen der Rückstellungen der Bilanz um die bei Akquisitionen bzw. Abgang von Anteilen an Unternehmen übernommenen bzw. abgegangene Rückstellungen (2.316 Mio €) sowie um die Rückstellungen aus Ertragsteuern (200 Mio €) bereinigt. Die Veränderungen der Forderungen und sonstigen Vermögenswerte in Höhe von –917 Mio € (Vorjahr: –503 Mio €) beruhen u. a. auf dem Aufbau der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um 358 Mio € sowie dem Anstieg der sonstigen kurzfristigen Vermögenswerte um 407 Mio €. Die Verbindlichkeiten und sonstigen Posten sind in der Berichtsperiode um 797 Mio € (Vorjahr: 896 Mio €) gestiegen, im Wesentlichen aufgrund der zahlungswirksamen Erhöhung des Nachrangkapitals der Deutsche Postbank AG in Höhe von 575 Mio € (Vorjahr: 976 Mio €), vgl. Textziffer 45.
51.2 Mittelabfluss aus Investitionstätigkeit
Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit ergibt sich im Wesentlichen aus dem Mittelzufluss aus Abgängen langfristiger Vermögenswerte und dem Mittelabfluss für Investitionen in langfristige Vermögenswerte. Insgesamt betrug der Mittelabfluss aus der Investitionstätigkeit im Berichtsjahr 2.697 Mio € (Vorjahr: 5.052 Mio €).
Aus dem Abgang von langfristigen Vermögenswerten erzielte der Konzern Einnahmen in Höhe von 1.274 Mio € (Vorjahr: 761 Mio €). Davon entfallen 331 Mio € auf den Verkauf von Unternehmensanteilen (Marken Ltd. 211 Mio €, der 50 %ige Anteil der BHW Holding an MPSS Modra Pyramida Vseobecna stavebni sporitelna Komercni banky, a.s., Prag 92 Mio €, McPaper 25 Mio €, Vfw Thermomed 3 Mio €).
Für Investitionen in langfristige Vermögenswerte wurden 4.066 Mio € (Vorjahr: 6.176 Mio €) aufgewendet. Davon entfielen 2.094 Mio € (Vorjahr: 4.135 Mio €) auf die Akquisition von Unternehmen, insbesondere auf den Erwerb der BHW Holding und ihrer Tochterunternehmen in Höhe von 1.654 Mio €, der Williams Lea Group Ltd. (296 Mio €), PPL CZ s.r.o. (45 Mio €), dem Asset-Deal Seapack (19 Mio €) und DHL Global Forwarding Japan K.K. (15 Mio €). Insgesamt wurden mit den Akquisitionen Zahlungsmittel in Höhe von 127 Mio € (Vorjahr: 233 Mio €) erworben.
Bei den Akquisitionen von Unternehmen wurden folgende Vermögenswerte und Schulden übernommen:
|
1) |
Angepasste Vorjahreszahl, vgl. Textziffer 5 |
Weitere Erläuterungen zu den Akquisitionen finden sich unter Textziffer 3.
Die Investitionen in andere langfristige Vermögenswerte sind im Vergleich zum Vorjahr um 69 Mio € auf –1.972 Mio € gesunken (Vorjahr: –2.041 Mio €). Davon entfallen –1.931 Mio € auf Capital Expenditure und –41 Mio € auf den Erwerb von sonstigen langfristigen Finanzanlagen.
Neben dem Mittelzu- und -abfluss aus Desinvestitionen bzw. Investitionen in langfristige Vermögenswerte sind unter dem Cashflow aus Investitionstätigkeit die erhaltenen Zinsen in Höhe von 100 Mio € (Vorjahr: 210 Mio €) sowie der Zahlungsmittelabfluss bezüglich der kurzfristigen Finanzinstrumente in Höhe von –5 Mio € (Vorjahr: 153 Mio € Mittelzufluss) auszuweisen. Der Mittelzufluss bei den kurzfristigen Finanzinstrumenten war im Vorjahr im Wesentlichen auf den Verkauf von festverzinslichen Wertpapieren (Available-for-Sale) durch die Deutsche Post AG in Höhe von 159 Mio € zurückzuführen.
51.3 Mittelabfluss aus Finanzierungstätigkeit
Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit ergibt sich aus der Aufnahme und Tilgung von Finanzschulden sowie aus den Ausschüttungen. Zusätzlich werden die gezahlten Zinsen in Höhe von 393 Mio € (Vorjahr: 369 Mio €) als Mittelabfluss aus Finanzierungstätigkeit ausgewiesen.
Insgesamt ist der Mittelabfluss aus Finanzierungstätigkeit von 1.288 Mio € im Vorjahr um 423 Mio € auf 865 Mio € in der Berichtsperiode zurückgegangen. Im Vorjahr war die Veränderung der Finanzschulden (–352 Mio € Mittelabfluss) im Wesentlichen geprägt durch Tilgungen von Bankdarlehen. Im Berichtsjahr ergibt sich Mittelzufluss aus Finanzschulden in Höhe von 345 Mio €. Dies war wesentlich bedingt durch die Darlehensaufnahme der Deutsche Post AG bei dem Bundes-Pensions-Service für Post und Telekommunikation in Höhe von 800 Mio € sowie die Neuaufnahme eines EIB-Kredits von 125 Mio €. Dem steht unter anderem die Rückzahlung eines EIB-Kredits in Höhe von 223 Mio € sowie Darlehen von Exel in Höhe von 448 Mio € gegenüber. Die Ausschüttung der Dividende an die Aktionäre der Deutsche Post AG führte zu einem Mittelabfluss in Höhe von 836 Mio € (Vorjahr: 556 Mio €). An Minderheitsgesellschafter wurden in der Berichtsperiode 105 Mio € ausgeschüttet, davon 68 Mio € an die Minderheitsgesellschafter der Deutsche Postbank AG. Des Weiteren ergab sich aus der Emission von Aktien der Deutsche Post AG aufgrund des Aktienoptionsprogramms ein Mittelzufluss in Höhe von 124 Mio € (Vorjahr: 65 Mio €).
51.4 Flüssige Mittel
Aus den aufgezeigten Mittelzu- und -abflüssen ergeben sich flüssige Mittel am Jahresende in Höhe von 2.391 Mio € (vgl. Textziffer 35). Sie liegen damit um 307 Mio € über dem Vergleichswert des Vorjahres (2.084 Mio €). Der Einfluss aus Währungsumrechnungsdifferenzen auf die flüssigen Mittel betrug im Berichtsjahr –38 Mio € (Vorjahr: –45 Mio €).
