52.1.1 Risikomanagementsystem
Die Risikonahme zur Ergebniserzielung stellt für die Deutsche Postbank Gruppe die Kernfunktion der unternehmerischen Tätigkeit dar. Eine Kernkompetenz der Deutschen Postbank Gruppe ist, bankübliche Risiken durch genaue Klassifizierung und Messung in einem eng definierten Rahmen einzugehen und gleichzeitig die sich ergebenden Renditechancen zu nutzen. In diesem Sinne hat die Deutsche Postbank Gruppe eine Risikomanagement-Organisation geschaffen, die die Grundlage für eine risiko- und ertragsorientierte Gesamtbanksteuerung bildet.
Die Risikostrategie ist gemäß den Vorgaben der MaRisk konsistent mit der Geschäftsstrategie und berücksichtigt alle wesentlichen Geschäftsfelder und Risikoarten. Neben einer übergreifenden, konzernweit geltenden Risikostrategie hat der Vorstand der Deutsche Postbank AG spezifische Risikostrategien für die Risikoarten Marktpreis-, Kredit-, Liquiditätsrisiko und operationelle Risiken verabschiedet.
Art und Umfang der Risikonahme sowie der Umgang mit den Risiken ergibt sich aus den einzelnen Geschäftsfeldern, deren Aktivitäten durch die Geschäftsstrategie vorgegeben sind. Die Deutsche Postbank Gruppe ist aktiv in den Bereichen Retail Banking, Firmenkunden, Transaction Banking und Financial Markets.
Die operative Verantwortung für die Risikosteuerung ist in der Deutschen Postbank Gruppe auf mehrere Einheiten verteilt; dazu gehören in erster Linie das Ressort Financial Markets, das Kreditmanagement Inland/Ausland, die Kreditfunktionen des Privatkundengeschäfts, dezentral die Tochtergesellschaften BHW Bausparkasse AG, BHW Bank AG, Deutsche Postbank International S. A. und PB Capital Corp. sowie die Niederlassung in London. Der dem Finanzressort zugeordnete Bereich Risikocontrolling ist die unabhängige, konzernweite Risikoüberwachungseinheit und umfasst die Abteilungen Kreditrisiko sowie Marktpreisrisiko und Operational Risk. Im Risikocontrolling liegt die Entscheidungskompetenz über angewandte Methoden und Modelle zur Risikoidentifikation, -messung und -steuerung. Zusammen mit den Risikocontrollingeinheiten der Töchter BHW Bausparkasse AG, BHW Bank AG, Deutsche Postbank International S. A., PB Capital Corp. und der Niederlassung in London übernimmt dieser Bereich das operative Risikocontrolling und hat die Verantwortung für das Reporting auf Gruppenebene.
Die Interne Revision ist wesentlicher Bestandteil des unternehmerischen und prozessunabhängigen Überwachungssystems in der Deutschen Postbank Gruppe. Sie ist organisatorisch dem Vorstandsvorsitzenden unterstellt und berichtet unabhängig an den Gesamtvorstand. Der Gesamtvorstand trägt die Verantwortung für die Risikostrategie, die ordnungsgemäße Organisation des Risikomanagements, die Überwachung des Risikos aller Geschäfte sowie die Risikosteuerung. In Zusammenarbeit mit den Risikokomitees hat der Gesamtvorstand die grundlegenden Strategien für die Aktivitäten an den Finanzmärkten und die sonstigen Geschäftsfelder des Konzerns festgelegt.
Definition der Risikoarten
In der Deutschen Postbank Gruppe wird nach folgenden Risikoarten unterschieden:
- Marktpreisrisiken
- Kreditrisiken
- Liquiditätsrisiken
- Operationelle Risiken
- Immobilien- und Beteiligungsrisiken
- Kollektivrisiko aus dem Bauspargeschäft
- Geschäftsrisiken
Mit Marktpreisrisiken werden die möglichen Gefahren bezeichnet, die bei Finanztransaktionen durch Veränderungen von Zinsen, Spreads, Volatilitäten, Fremdwährungs- und Aktienkursen zu Verlusten führen können. Die Wertveränderungen werden dabei unabhängig von der bilanziellen Betrachtung aus der täglichen Marktbewertung abgeleitet.
Kreditrisiken definiert die Deutsche Postbank Gruppe als mögliche Wertverluste, die durch Bonitätsveränderungen oder durch den Ausfall eines Geschäftspartners (zum Beispiel durch Insolvenz) verursacht werden können. Adressenausfallrisiken umfassen die folgenden Risikoarten:
- das Ausfallrisiko, also mögliche Wertverluste, die durch die Zahlungsunfähigkeit oder durch eine Verschlechterung der Bonität des Schuldners entstehen,
- das Länderrisiko, als Risiko möglicher Wertverluste aufgrund von politischen oder sozialen Unruhen, Verstaatlichungen und Enteignungen, staatliche Nichtanerkennung von Auslandsschulden, Devisenkontrollen und Abwertung oder Entwertung der Landeswährung (Transferrisiko)
- das Abwicklungsrisiko als Risiko möglicher Wertverluste bei der Abwicklung oder Verrechnung von Transaktionen und
- das Kontrahentenrisiko, das durch den möglichen Ausfall eines Vertragspartners entsteht und somit ein Risiko für unrealisierte Gewinne aus schwebenden Geschäften darstellt (Wiedereindeckungsrisiko).
Das Liquiditätsrisiko ist die Gefahr, dass die Deutsche Postbank Gruppe ihren gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen nicht zeitgerecht bzw. nicht in voller Höhe nachkommen kann (Zahlungsunfähigkeitsrisiko). Das Liquiditätstransformationsrisiko beschreibt das Risiko, dass aufgrund einer Veränderung der eigenen Refinanzierungskurve (Spreadrisiko) aus einem Ungleichgewicht der liquiditätsbezogenen Laufzeitenstruktur innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums auf einem bestimmten Konfidenzniveau ein Verlust entstehen kann.
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht definiert das operationelle Risiko als die „Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit bzw. des Versagens von Menschen, internen Verfahren und Systemen oder von externen Ereignissen eintreten“. Die Deutsche Postbank Gruppe hat diese Definition als Grundlage zur Einführung eines entsprechenden konzernweiten Controllingprozesses übernommen.
Das Immobilienrisiko bezieht sich auf den Immobilienbesitz der Deutsche Postbank AG und beschreibt das Risiko in Form von Mietausfällen, Teilwertabschreibungen, Veräußerungsverlusten sowie das Risiko aus der Reduktion stiller Reserven dieser Immobilien.
Aus dem Bauspargeschäft der BHW Bausparkasse AG rührt ein spezifisches Geschäftsrisiko, das so genannte Kollektivrisiko. Hierunter fasst die Bausparkasse negative Auswirkungen aufgrund von (nicht zinsinduzierten) Abweichungen der tatsächlichen Verhaltensweisen der Bausparer von den prognostizierten Verhaltensannahmen.
Geschäftsrisiken bezeichnen unerwartete Ergebnisrückgänge, die dadurchn entstehen, dass bei rückläufigen Erträgen die Aufwendungen nicht in gleichem Maße angepasst werden können (Fixkosten-Remanenz) bzw. die Aufwendungen unerwartet steigen. Ursache für derartige Ergebnisrückgänge können neben internen Faktoren z.B. unvorteilhafte volkswirtschaftliche Veränderungen oder politische Entscheidungen sein, die ein geändertes Kundenverhalten zur Folge haben.
Darstellung der Risikolage
Vor dem Hintergrund volatiler Kapitalmärkte, einer flachen Zinsstrukturkurve und der weiter intensiven Wettbewerbssituation am Einlagen- und Kreditmarkt mit dem daraus resultierenden Druck auf die Zinsmargen sowie der allgemeinen gesamtwirtschaftlichen Insolvenzentwicklung kommt einer effizienten Risikosteuerung weiterhin eine zentrale Bedeutung zu. Die Deutsche Postbank Gruppe hat im Geschäftsjahr 2006 die Strukturen, Instrumente und Prozesse für das Risikomanagement und -controlling in den relevanten Risikoarten deutlich weiterentwickelt und verfügt über ein modernes Instrumentarium zur Steuerung der Gesamtbank. Die im Lauf des Geschäftsjahrs erworbenen neuen Konzerneinheiten der BHW AG und der von der Deutsche Post AG übernommene Filialvertrieb wurden zügig in die Steuerung der Deutschen Postbank Gruppe integriert. Damit ist die Deutsche Postbank Gruppe in der Lage, den Herausforderungen des Marktes gerecht zu werden und eine risiko-/ertragsoptimierte Steuerung und Limitierung über alle Risikoarten und Geschäftsbereiche hinweg durchzuführen. Die Methoden und Verfahren entsprechen sämtlichen aktuellen gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen.
Im Bereich der Kreditrisiken konnte auch im Jahr 2006 das risikoarme Profil des Kreditgeschäftes sowie die vorteilhafte Situation relativ geringer Risikokosten sichergestellt werden. Unter anderem konnte den steigenden Kreditrisiken im Retail-Segment in Deutschland durch eine restriktive scoringgestützte Vergabepolitik sowie effizienter und schnellerer Prozesse in der Intensivbetreuung notleidender Engagements begegnet werden.
Der absolute Anstieg der Risikokosten resultiert im Wesentlichen aus dem planmäßigen Ausbau des Privatkundengeschäftes der vergangenen Jahre. Im Geschäftsjahr 2006 hat die Deutsche Postbank Gruppe erstmals separat Diskonteffekte bei der Bewertung zukünftiger Zahlungsströme leistungsgestörter Forderungen in der Risikovorsorge und die Auflösung der Diskonteffekte über die Zeit (so genannte Unwinding) im Zinsertrag ausgewiesen. Durch die Berücksichtigung von Diskonteffekten und Unwinding in getrennten Positionen der Gewinn-und-Verlust-Rechnung kommt es im Verhältnis zum Geschäftsvolumen gegenüber dem Vorjahr zu einem etwas stärkeren Anstieg in den Zuführungen zur Risikovorsorge, der jedoch im Zinsertrag durch das Unwinding ausgeglichen wird. Ihre risikosensitive Geschäftspolitik wird die Deutsche Postbank Gruppe auch in Zukunft weiter fortsetzen.
Die Deutsche Postbank Gruppe konnte und kann bei der Allokation des Risikokapitals den Geschäftsbereichen ausreichenden Spielraum für das strategiekonforme Geschäftswachstum einräumen. Entwicklungsbeeinträchtigende oder gar bestandsgefährdende Risiken, aus den oben dargestellten Risikoarten, waren und sind nicht erkennbar.
Risikoaktiva und Eigenkapitalquote
Die Deutsche Postbank Gruppe hat sich verpflichtet, die Eigenkapitalanforderungen der jeweils geltenden Baseler Eigenkapitalempfehlung zu beachten. Danach müssen Kreditinstitute ihre gewichteten Risikoaktiva mit mindestens 8 % Eigenmitteln unterlegen (Eigenmittelquote). Mindestens 4 % der Risikoaktiva müssen dabei aus Kernkapital bestehen (Kernkapitalquote). Die Eigenmittel setzen sich aus Kern- und Ergänzungskapital sowie Drittrangmitteln zusammen. Das Kernkapital besteht im Wesentlichen aus dem gezeichneten Kapital, den Rücklagen sowie den hybriden Kapitalbestandteilen. Zum Ergänzungskapital gehören Genussrechtskapital und nachrangige längerfristige Verbindlichkeiten.
52.1.2 Derivative Finanzgeschäfte
Die Deutsche Postbank Gruppe setzt derivative Finanzgeschäfte zur Sicherung im Rahmen der Aktiv-/Passivsteuerung ein. Darüber hinaus werden derivative Finanzgeschäfte auch als Handelsgeschäfte getätigt.
Die Nominalwerte stellen das Bruttovolumen aller Käufe und Verkäufe dar. Bei diesem Wert handelt es sich um eine Referenzgröße für die Ermittlung gegenseitig vereinbarter Ausgleichszahlungen, nicht jedoch um bilanzierungsfähige Forderungen oder Verbindlichkeiten.
Die Zeitwerte der einzelnen Kontrakte wurden auf Grundlage anerkannter Bewertungsmodelle ohne Berücksichtigung von Nettingvereinbarungen ermittelt.
Nach dem wirtschaftlichen Zweck setzt sich der Bestand an derivativen Finanzinstrumenten wie folgt zusammen:
Im Folgenden sind die am Bilanzstichtag noch nicht abgewickelten zins- und fremdwährungsbezogenen Termin- und Optionsgeschäfte der Deutsche Postbank Gruppe dargestellt.
Die Restlaufzeiten der bilanziell ausgewiesenen derivativen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten zeigen sich wie folgt:
Derivative Geschäfte – Kontrahentengliederung
In der nachstehenden Tabelle sind die positiven und negativen Marktwerte der derivativen Geschäfte nach den jeweiligen Kontrahenten aufgegliedert.
52.1.3 Beizulegende Zeitwerte von Finanzinstrumenten, die mit den fortgeführten Anschaffungskosten oder mit dem Hedge-Fair-Value bilanziert werden
Finanzinstrumente, die zu fortgeführten Anschaffungskosten oder mit dem Hedge-Fair-Value bilanziert werden, müssen nach den Vorschriften des IAS 39.166 in Verbindung mit IAS 32 auch mit den beizulegenden Zeitwerten (Full-Fair-Value) angegeben werden. Soweit ein aktiver Markt existiert, wird der Zeitwert durch den Markt- oder Börsenpreis ausgedrückt, ansonsten erfolgt die Berechnung durch finanzmathematische Verfahren.
