3 Wesentliche Geschäftsvorfälle

Neben den unter Textziffer 2 genannten Akquisitionen und Abgängen ergaben sich für das Geschäftsjahr 2008 folgende wesentliche Geschäftsvorfälle, die die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns beeinflusst haben:

Im September 2008 wurde infolge des Managementbeschlusses vom 12. September 2008 der Verkauf der Deutschen Postbank Gruppe eingeleitet. Im Januar 2009 wurde der Vertrag zwischen Deutsche Bank AG und Deutsche Post AG angepasst, weitere Informationen finden sich unter Textziffer 61 „Wesentliche Ereignisse nach Bilanzstichtag“. Der im September abgeschlossene Vertrag sah vor, eine Minderheitsbeteiligung an der Deutsche Postbank AG in Höhe von 29,75% zum Preis von 2,79 Mrd € bzw. 57,25 € je Aktie an die Deutsche Bank AG zu verkaufen. Die Zustimmung der zuständigen Aufsichts- und Kartellbehörden sowie der Bundesregierung erfolgte im November. Darüber hinaus wurden gegenseitige Optionen zum Erwerb/Verkauf weiterer Anteile an der Deutsche Postbank AG vereinbart. Die Deutsche Bank AG erhält von der Deutsche Post AG die Option, ein weiteres Aktienpaket in Höhe von 18,0% an der Deutsche Postbank AG für 55,00 € je Aktie zu erwerben. Diese Option kann zwischen 12 und 36 Monate nach dem Abschluss des Erwerbs der Beteiligung von 29,75% ausgeübt werden. Gleichzeitig erhält die Deutsche Post AG eine Verkaufsoption: Sie kann den verbleibenden Anteil an der Deutschen Postbank Gruppe von 20,25% plus einer Aktie zum Preis von 42,80 € je Aktie an die Deutsche Bank AG veräußern. Diese Option kann sie zwischen 21 und 36 Monate nach dem Abschluss des Verkaufs der Minderheitsbeteiligung an die Deutsche Bank ausüben. Zudem räumt die Deutsche Post AG der Deutsche Bank AG ein Vorkaufsrecht für ihre verbleibenden Aktien an der Deutschen Postbank Gruppe ein. Die Deutsche Bank kann den Anteilserwerb aus beiden Optionen ganz oder teilweise in eigenen Aktien oder bar bezahlen. Die Optionen fallen gemäß IAS 39.2 (g) nicht unter den Anwendungsbereich des IAS 39 und ziehen daher keine bilanziellen Konsequenzen nach sich. Die Optionen haben zum 31. Dezember 2008 beizulegende Zeitwerte in Höhe von –49 Mio € bzw. 1.220 Mio €.

Weiterhin hat sich die Deutsche Post AG als Mehrheitsaktionärin der Deutsche Postbank AG im November 2008 an einer Kapitalerhöhung der Bank beteiligt. Die Deutsche Post AG hatte sich verpflichtet, über ihren bisherigen Anteil hinaus alle Aktien, die nicht von anderen Investoren gezeichnet wurden, zu übernehmen. Dadurch ist ihr Anteil an der Deutsche Postbank AG auf 62,35% gestiegen. Aus der Kapitalerhöhung entstand ein negativer Firmenwert in Höhe von 81 Mio €, der erfolgswirksam aufgelöst wurde. Weitere Erläuterungen finden sich unter Textziffer 21 und 38.

Im November 2008 gab der Konzern bekannt, sich Anfang 2009 aus dem nationalen US-Expressgeschäft zurückzuziehen. Der Konzern wird sich im Expressmarkt USA künftig auf seine internationale Kernkompetenz konzentrieren und wird Ende Januar 2009 sein nationales Luft- und Boden-Express-Geschäft einstellen. Die internationalen Produkte werden in den USA weiterhin uneingeschränkt angeboten. Der gesamte Restrukturierungsaufwand wird sich auf ca. 3,9 Mrd US-$ über zwei Jahre belaufen. Im Geschäftsjahr 2008 fielen für die geplanten Maßnahmen bereits Aufwendungen in Höhe von 2.117 Mio € an.

Der Werthaltigkeitstest für die Cash Generating Unit (kleinste identifizierbare Gruppe von Vermögenswerten – CGU) Supply Chain führte zu einem Wertminderungsbedarf in Höhe von 436 Mio €. Der erzielbare Betrag der CGU lag mit 2.939 Mio € unter dem Buchwert der CGU von 3.375 Mio €. Des Weiteren ergab sich für die CGU CIS ein Wertminderungsbedarf des Firmenwerts in Höhe von 174 Mio €, da der Buchwert der CGU in Höhe von 814 Mio € über deren erzielbaren Betrag von 640 Mio € lag. Weiterhin wurde beschlossen, die Nutzung der Marke Exel einzustellen. Zum 31. Dezember 2008 wurde der Markenname in Höhe von 382 Mio € vollständig abgeschrieben. Weitere Angaben finden sich unter Textziffer 26 „Immaterielle Vermögenswerte“.

Am 1. Juli 2008 hatte das Europäische Gericht erster Instanz in Luxemburg die Beihilfe-Entscheidung der EU-Kommission aus dem Jahr 2002 für nichtig erklärt. Damals war die Deutsche Post AG von der Kommission zur Rückzahlung angeblicher Beihilfen plus Zinsen in Höhe von 907 Mio € an die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet worden. Die Kommission hatte entschieden, dass die Deutsche Post AG in den Jahren 1994 bis 1998 eine Kostenunterdeckung im Wettbewerbsbereich Geschäftskundenpakete durch eine unzulässige Quersubventionierung aus staatlichen Beihilfen zur Finanzierung des Universaldienstes ausgeglichen habe. Dagegen hatte die Deutsche Post AG im selben Jahr Klage eingereicht. Auf Grundlage dieser Entscheidung hat die Deutsche Post AG 1.067 Mio € im August 2008 vom Bund zurückerhalten. Informationen zum weiteren Verlauf finden sich unter Textziffer 54 „Rechtsverfahren“.

Mit Wirkung zum 1. Juli 2008 erfolgte der wirtschaftliche Vollzug des Immobilienverkaufs der Deutsche Post AG an den amerikanischen Investor Lone Star. Hierbei handelte es sich um überwiegend in Deutschland gelegene Immobilien mit einem Restbuchwert in Höhe von 927 Mio €. Die erste Kaufpreiszahlung in Höhe von 250 Mio € erfolgte im Juni 2008, weitere 661 Mio € wurden im Dezember gezahlt. Der Konzern wird einen Großteil der Immobilien als Operate Lease zurückmieten. Unterjährig waren die Immobilien als „Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte“ ausgewiesen worden. Die aus der IFRS-5-Bewertung resultierenden außerplanmäßigen Abschreibungen in Höhe von 25 Mio € wurden in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wesentlichen Einmaleffekte auf das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT) des Geschäftsjahres 2008 (auf Konzernebene):

Wesentliche Einmaleffekte
Mio €
  1. Januar bis 1. Dezember 2008
Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT) vor Einmaleffekten 2.410
   Rückzahlung Beihilfe
+572
   Aufwendungen für Restrukturierung und
   Reorganisation Bereich US Express
–2.117
   Wertminderung Firmenwerte im Bereich Suply Chain/CIS
–610
   Aufwendungen für Restrukturierung und Reorganisation
   (übrige Konzernbereiche)
–440
   Vollständige Abschreibung Markenname Exel
–382
Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT) nach Einmaleffekten –567
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