51 Finanzinstrumente

Finanzinstrumente sind vertragliche Vereinbarungen, die Ansprüche auf Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente beinhalten. Gemäß IAS 32 und 39 gehören hierzu originäre wie derivative Finanzinstrumente. Zu den originären Finanzinstrumenten zählen insbesondere das Guthaben bei Kreditinstituten, sämtliche Forderungen, Verbindlichkeiten, Wertpapiere, Kredite, Darlehen und Zinsabgrenzungen. Die derivativen Finanzinstrumente umfassen beispielsweise Optionen, Swaps und Futures.

Innerhalb des Konzerns entfällt der weitaus überwiegende Teil der Finanzinstrumente auf die Deutsche Postbank Gruppe. Die Risiken und derivativen Finanzinstrumente der Deutschen Postbank Gruppe werden daher im Folgenden gesondert dargestellt.

51.1 Risiken und Finanzinstrumente der Deutschen Postbank Gruppe

Die Risikonahme zur Ergebniserzielung stellt für die Deutsche Postbank Gruppe die Kernfunktion der unternehmerischen Tätigkeit dar. Eine Kernkompetenz der Deutschen Postbank Gruppe ist, bankübliche Risiken in einem eng definierten Rahmen einzugehen und gleichzeitig die sich ergebenden Renditechancen zu nutzen. Dabei findet jeweils eine sorgfältige Identifikation, laufende Messung und Überwachung sowie ein regelmäßiges Reporting der relevanten Risiken statt. In diesem Sinne hat die Deutsche Postbank Gruppe eine Risikomanagement-Organisation geschaffen, die die Grundlage für eine risiko- und ertragsorientierte Gesamtbanksteuerung bildet.

Die Risikostrategie ist gemäß den Vorgaben der MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement) konsistent mit der Geschäftsstrategie und berücksichtigt alle wesentlichen Geschäftsfelder und Risikoarten. Neben einer übergreifenden, konzernweit geltenden Risikostrategie hat der Vorstand der Deutsche Postbank AG spezifische Risikostrategien für die Risikoarten Marktpreis-, Kredit-, Liquiditätsrisiko und operationelle Risiken verabschiedet.

Die operative Verantwortung für die Risikosteuerung ist in der Deutschen Postbank Gruppe auf mehrere Einheiten verteilt; dazu gehören in erster Linie das Ressort Financial Markets, das Kreditmanagement Inland/Ausland, die Kreditfunktionen des Privatkundengeschäfts, dezentral die Tochtergesellschaften BHW Bausparkasse AG, BHW Bank AG, Deutsche Postbank International S. A. und PB Capital Corp. sowie die Niederlassung in London.

Der dem Finanzressort zugeordnete Bereich Risikocontrolling ist die unabhängige, konzernweite Risikoüberwachungseinheit. Im Risikocontrolling liegt die Entscheidungskompetenz über angewandte Methoden und Modelle zur Risikoidentifikation, -messung und -limitierung. Zusammen mit den Risikocontrollingeinheiten der Töchter BHW Bausparkasse AG, BHW Bank AG, Deutsche Postbank International S. A., PB Capital Corp. und der Niederlassung in London übernimmt dieser Bereich das operative Risikocontrolling und hat die Verantwortung für das Reporting auf Gruppenebene. 

Die Interne Revision ist wesentlicher Bestandteil des unternehmerischen und prozessunabhängigen Überwachungssystems in der Deutschen Postbank Gruppe. Sie ist organisatorisch dem Vorstandsvorsitzenden unterstellt und berichtet unabhängig an den Gesamtvorstand. Der Gesamtvorstand trägt die Verantwortung für die Risikostrategie, die ordnungsgemäße Organisation des Risikomanagements, die Überwachung des Risikos aller Geschäfte sowie die Risikosteuerung. In Zusammenarbeit mit den Risikokomitees hat der Gesamtvorstand die grundlegenden Strategien für die Aktivitäten an den Finanzmärkten und die sonstigen Geschäftsfelder des Konzerns festgelegt.

Definition der Risikoarten

In der Deutschen Postbank Gruppe wird nach folgenden Risikoarten unterschieden: 

  • Marktpreisrisiken: mögliche Wertverluste bei Finanztransaktionen, die durch Veränderungen von Zinsen, Spreads, Volatilitäten, Fremdwährungs- und Aktienkursen eintreten können.
  • Kreditrisiken: mögliche Wertverluste, die durch Veränderungen in der Bonität oder durch die Zahlungsunfähigkeit eines Geschäftspartners (zum Beispiel durch Insolvenz) verursacht werden können. Es werden vier Arten von Kreditrisiken unterschieden:
    • Bonitäts- und Ausfallrisiken: Risiken möglicher Wertverluste, die durch eine Verschlechterung der Bonität oder durch die Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners entstehen.
    • Abwicklungsrisiken: Risiken möglicher Wertverluste bei der Abwicklung oder Verrechnung von Transaktionen.
    • Kontrahentenrisiken: Risiken möglicher Wertverluste durch den möglichen Ausfall eines Vertragspartners und somit für unrealisierte Gewinne aus schwebenden Geschäften (Wiedereindeckungsrisiko).
  • Länderrisiken: Risiken möglicher Wertverluste aufgrund von politischen oder sozialen Unruhen, Verstaatlichungen und Enteignungen, staatliche Nichtanerkennung von Auslandsschulden, Devisenkontrollen und Abwertung oder Entwertung der Landeswährung (Transferrisiko).
  • Liquiditätsrisiken: Zahlungsunfähigkeitsrisiko als Risiko, gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen nicht vollständig oder nicht zeitgerecht nachkommen zu können. Das Liquiditätsfristentransformationsrisiko (LFT-Risiko) als Risiko, dass aufgrund einer Veränderung der eigenen Refinanzierungskurve (Spread-Risiko) aus einem Ungleichgewicht der liquiditätsbezogenen Laufzeitenstruktur innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums auf einem bestimmten Konfidenzniveau ein Verlust entstehen kann.
  • Operationelle Risiken: die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren und Systemen, Menschen oder infolge externer Ereignisse eintreten. Die Definition umfasst auch rechtliche Risiken.
  • Beteiligungsrisiken: Beteiligungsrisiken umfassen die potenziellen Verluste aus Marktwertschwankungen des Beteiligungsbesitzes, sofern diese nicht bereits in den anderen Risikoarten erfasst werden.
  • Immobilienrisiken: Die Immobilienrisiken beziehen sich auf den Immobilienbesitz der Deutschen Postbank Gruppe und umfassen Mietausfallrisiken, Teilwertabschreibungsrisiken sowie Veräußerungsverlustrisiken.
  • Kollektivrisiken: spezifische Geschäftsrisiken aus dem Bauspargeschäft der BHW Bausparkasse AG. Sie umfassen die negativen Auswirkungen aufgrund von (nicht zinsinduzierten) Abweichungen der tatsächlichen Verhaltensweisen der Bausparer von den prognostizierten Verhaltensannahmen.
  • Geschäftsrisiken: die Gefahr eines Ergebnisrückgangs aufgrund unerwarteter Änderungen von Geschäftsvolumen und/oder Margen und korrespondierenden Kosten. Der Begriff umfasst auch die Modellrisiken, die sich aus der Abbildung der Kundenprodukte mit unbekannter Kapital- und Zinsbindung (vor allem Spar- und Giroprodukte) ergeben, sowie das strategische Risiko und das Reputationsrisiko.
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