Weltwirtschaft durch Finanzmarktkrise gebremst
Die Weltwirtschaft ist in den ersten neun Monaten 2008 weiter gewachsen, jedoch langsamer als im Vorjahr und regional sehr unterschiedlich. Während das Wachstum in den Schwellenländern insgesamt robust blieb, verschlechterte sich die Konjunktur in den Industrieländern deutlich. Im September erreichte die Finanzmarktkrise ihren bisherigen Höhepunkt: Mit Lehman Brothers brach eine große US-Investmentbank zusammen. Weitere bedeutende Finanzinstitute konnten davor nur bewahrt werden, indem sie verstaatlicht oder von Wettbewerbern übernommen wurden.
In den Vereinigten Staaten haben die Immobilienkrise, die Schwäche der Finanzmärkte und der hohe Ölpreis das Wachstum gebremst. Auf die gestiegenen Risiken für die Konjunktur und die Finanzmärkte hat die US-Notenbank in einer konzertierten Aktion mit anderen wichtigen Zentralbanken reagiert: Am 8. Oktober 2008 senkte sie ihren Leitzins um weitere 0,5 Prozentpunkte auf 1,5 %. Damit hat sie ihren Leitzins in diesem Jahr insgesamt um 3,25 Prozentpunkte reduziert.
In China ist das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal auf 9,0 % gefallen. In den ersten neun Monaten lag es aber im Durchschnitt noch bei 9,9 %. In Japan kam es nach einem positiven Jahresauftakt im zweiten Quartal zu einem kräftigen konjunkturellen Rückschlag. Das BIP schrumpfte um 0,7 % gegenüber dem Vorquartal und dürfte sich im dritten Quartal allenfalls leicht erholt haben.
Im dritten Quartal bestätigten die einschlägigen Indikatoren, dass sich die Konjunktur im Euroraum weiter abgeschwächt hat. Zudem drohte die Realwirtschaft in den Sog der Turbulenzen an den Finanzmärkten zu geraten. Gleichzeitig ließ das Inflationsrisiko infolge des wieder sinkenden Ölpreises nach. In diesem Umfeld sah die Europäische Zentralbank am 8. Oktober 2008 Spielraum, sich an den international abgestimmten Zinssenkungen zu beteiligen. Sie reduzierte ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 3,75 %. Dies war die erste Senkung seit mehr als fünf Jahren.
Auch in Deutschland zeigten die Konjunkturindikatoren im Jahresverlauf weiter nach unten. Im dritten Quartal brach der ifo-Geschäftsklimaindex deutlich ein. Das BIP dürfte kaum über Stagnation hinausgekommen sein. Selbst ein weiterer Rückgang kann nicht ausgeschlossen werden, womit Deutschland dann im Sommerhalbjahr in eine Rezession gefallen wäre.
