Unternehmenssteuerung

Gewinn nach Kapitalkosten deutlich erhöht

 

Seit dem Jahr 2008 verwendet der Konzern Deutsche Post DHL das „EBIT after Asset Charge“ (EAC, Gewinn nach Kapitalkosten) als eine wesentliche Steuerungsgröße. Sie basiert auf dem Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT), ergänzt es aber um eine Kapitalkostenkomponente, die als „Asset Charge“ vom berichteten EBIT abgezogen wird.

A.08 Berechnung des EAC

Indem wir Kapitalkosten in unternehmerische Entscheidungen einbeziehen, fördern wir einen effizienten Einsatz der Ressourcen in allen Unternehmensbereichen und richten das operative Geschäft auf nachhaltige Wertsteigerung und Cashflow-Generierung aus. Im Berichtsjahr war das EAC neben dem EBIT eine entscheidende Steuerungskennzahl, nach der auch die Managementvergütung bemessen wird.

Um die Kapitalkosten zu ermitteln, wird das betriebliche Nettovermögen mit dem gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensatz („Weighted Average Cost of Capital“, WACC) multipliziert. Dies geschieht monatlich auf Basis unkonsolidierter Werte, sodass auch unterjährige Schwankungen im betrieblichen Nettovermögen berücksichtigt werden.

A.09 Berechnung der Nettovermögensbasis

Die Nettovermögensbasis ist für alle Unternehmensbereiche einheitlich definiert. Die wesentlichen Größen des operativen Vermögens sind immaterielle Vermögensgegenstände einschließlich Firmenwert, Sachanlagen und kurzfristiges Nettoumlaufvermögen (Net Working Capital). Bei der Berechnung der Nettovermögensbasis werden davon Rückstellungen und operative Verbindlichkeiten abgezogen. Sie mindern die Vermögensbasis entsprechend.

Der Konzernkapitalkostensatz (WACC) wird aus dem gewichteten Durchschnitt der Nettokosten für verzinsliches Fremdkapital und Eigenkapital berechnet. Dabei werden gemäß „Capital Asset Pricing Model“ unternehmensbereichsspezifische Risikofaktoren berücksichtigt, die durch den Beta-Faktor abgebildet werden.

Um den optimalen Verschuldungsgrad für einen niedrigen WACC zu erreichen, sind folgende zwei Faktoren gegeneinander abzuwägen:

1

Da Eigenkapitalinvestoren höhere Renditen erwarten als Fremdkapitalinvestoren, sinkt der WACC mit einem höheren Verschuldungsgrad („leverage effect“).

2

Mit einem höheren Verschuldungsgrad verschlechtert sich jedoch tendenziell das Kredit-Rating des Unternehmens, die Fremdkapitalkosten erhöhen sich und überkompensieren den ersten Effekt von einem gewissen Punkt an.

Im Jahr 2008 wurde ein für alle Unternehmensbereiche einheitlicher Kapitalkostensatz von 8,5% ermittelt, der zugleich auch eine Mindestzielgröße für Projekte und Investitionen im Konzern darstellt. Die derzeit niedrigen Zinssätze am Kapitalmarkt würden es zwar erlauben, den Kapitalkostensatz zu senken. Wir haben ihn im Berichtsjahr aber nicht verändert, damit die konzerninterne Ressourcenallokation nicht durch kurzfristige Schwankungen der Kapitalmarktzinsen beeinflusst wird und zugleich das EAC mit den Vorjahren vergleichbar bleibt.

Im Jahr 2010 hat sich das EAC von –959 MIO € auf 666 MIO € erhöht, vor allem weil die Ertragskraft der DHL-Unternehmensbereiche deutlich gestiegen ist. Darüber hinaus war das EBIT im Vorjahr durch höhere Einmaleffekte aus Restrukturierungen belastet.

A.10 EBIT after Asset Charge (EAC, Gewinn nach Kapitalkosten)A.10 EBIT after Asset Charge (EAC, Gewinn nach Kapitalkosten)A.10 EBIT after Asset Charge (EAC, Gewinn nach Kapitalkosten)

 MIO €


2009

2010

+/–%

Berichtetes EBIT

231

1.835

>100

- Kapitalkosten

–1.190

–1.169

1,8

= EAC

–959

666

>100

Die Kapitalkosten haben sich im Berichtsjahr leicht um 21 MIO € verringert, während die Nettovermögensbasis um 900 MIO € über dem Endsaldo des Vorjahres lag. Ursächlich für die gegensätzliche Entwicklung von Kapitalkosten und Nettovermögensbasis ist ein anderer Verlauf der Höhe der Vermögensbasis innerhalb der Berichtsjahre. Im Jahr 2009 konnte die Nettovermögensbasis reduziert werden und weist zum Jahresende einen besonders niedrigen Wert aus, die durchschnittliche Vermögensbasis war jedoch höher.

Grund für den Anstieg der Nettovermögensbasis im Jahresvergleich ist vor allem ein gestiegenes kurzfristiges Nettoumlaufvermögen. So haben sich die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um 23,2% gegenüber dem Vorjahr erhöht. Der Anstieg bei den immateriellen Vermögenswerten ist vorwiegend auf Währungseffekte zurückzuführen, die den Firmenwert erhöht haben. Ein weiterer Grund für den Anstieg der Vermögensbasis ist der Verbrauch von Rückstellungen für Restrukturierungen in den Vereinigten Staaten, die als operative Verbindlichkeiten das Nettovermögen im Vorjahr entsprechend verringert haben.

Abgemildert wurde der Anstieg der Nettovermögensbasis durch einen leichten Rückgang bei den Sachanlagen infolge einer eher moderaten Investitionstätigkeit im Berichtsjahr.

A.11 Nettovermögensbasis (unkonsolidiert)

 MIO €


2009

2010

+/–%

Immaterielle Vermögenswerte einschließlich Firmenwert

11.538

11.852

2,7

+ Sachanlagen

6.216

6.125

–1,5

+ Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

4.881

6.011

23,2

+ Andere operative Vermögenswerte

2.139

2.400

12,2

- Operative Rückstellungen

–3.881

–3.620

6,7

- Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

–4.848

–5.672

–17,0

- Andere operative Verbindlichkeiten

–4.525

–4.676

–3,3

= Nettovermögensbasis

11.520

12.420

7,8