Künftige Rahmenbedingungen
Konjunktureller Aufschwung mit Risiken
Die globale Wirtschaft dürfte im Jahr 2012 zwar ihren Wachstumskurs beibehalten, es gibt jedoch erhebliche Risiken. Stark steigende Rohstoffpreise könnten vor allem in den aufstrebenden Ländern die Inflation erheblich beschleunigen und den Aufschwung deutlich bremsen. Vor allem aber die Staatsschuldenkrise im Euroraum könnte die internationalen Finanzmärkte stark beeinträchtigen. Sollten die Risiken beherrschbar bleiben, rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einer Zunahme der globalen Wirtschaftsleistung um 3,3%. Das Wachstum des Welthandels wird zu Jahresbeginn von den meisten Instituten noch relativ verhalten eingeschätzt (IWF: 3,8%, OECD: 4,8%).
| A.73 Weltwirtschaft: Wachstumsprognosen |
| % |
| Welthandelsvolumen | | 6,9 | | 3,8 | |
Reales Bruttoinlandsprodukt | | | | | |
| Welt | | 3,8 | | 3,3 | |
| Industrieländer | | 1,6 | | 1,2 | |
| Emerging Markets | | 6,2 | | 5,4 | |
| Zentral- und Osteuropa | | 5,1 | | 1,1 | |
| GUS-Staaten | | 4,5 | | 3,7 | |
| Emerging Markets in Asien | | 7,9 | | 7,3 | |
| Mittlerer Osten und Nordafrika | | 3,1 | | 3,2 | |
| Lateinamerika und Karibik | | 4,6 | | 3,6 | |
| Afrika südlich der Sahara | | 4,9 | | 5,5 | |
In China ist die Regierung bestrebt, die Inflation unter Kontrolle zu halten und die Konjunktur zu dämpfen. Die Wirtschaft sollte daher etwas langsamer wachsen (IWF: 8,2%).
Die japanische Wirtschaft könnte sich von dem konjunkturellen Rückschlag erholen. Die Exporte dürften wieder deutlich zulegen und die Bruttoanlageinvestitionen auch aufgrund von Wiederaufbaumaßnahmen nach dem Erdbeben stark steigen. Der private Verbrauch dürfte zunehmen. Das BIP sollte deshalb wachsen (IWF: 1,7%, OECD: 2,0%, Postbank Research: 2,1%).
In den Vereinigten Staaten wird sich die Konjunktur voraussichtlich beleben, aber keine starke Dynamik entwickeln. Ausrüstungs- und Bauinvestitionen dürften ausgeweitet werden. Das Überangebot an Wohnimmobilien wird die Aufwärtsentwicklung aber eng begrenzen. Der private Verbrauch sollte bei leicht sinkender Arbeitslosigkeit verhalten zunehmen. Von Außenhandel und Staatsverbrauch sind keine Impulse zu erwarten. Insgesamt dürfte sich das BIP-Wachstum leicht beschleunigen (IWF: 1,8%, OECD: 2,0%, Postbank Research: 2,4%).
Die Wirtschaft des Euroraums wird wohl eine ausgeprägte Schwächephase durchlaufen. Um die Staatsschuldenkrise zu bekämpfen, werden Ausgaben gekürzt und Steuern erhöht werden. Dies wird wohl auch den privaten Verbrauch und die Bruttoanlageinvestitionen bremsen. Aufgrund der schwachen Binnennachfrage dürften die Importe deutlich weniger zunehmen als die Exporte, sodass der Außenhandel positiv zum Wachstum beitragen könnte. Insgesamt dürfte das BIP nur leicht wachsen (EZB: 0,3%, Postbank Research: 0,6%). Auch ein Rückgang der Wirtschaftsleistung ist nicht auszuschließen. Die großen Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern dürften bestehen bleiben.
Die Konjunktur in Deutschland wird von dieser Entwicklung wohl spürbar abgebremst werden, was sich besonders beim Export zeigen wird. Ausrüstungs- und Bauinvestitionen sollten zwar weiter steigen, aber nicht mehr so stark wie im Jahr 2011. Die Zahl der Erwerbstätigen sollte im Jahresdurchschnitt deutlich steigen, was den privaten Verbrauch weiter ankurbeln sollte. Das BIP wird dennoch nur noch schwach bis mäßig wachsen (Sachverständigenrat: 0,9%, Postbank Research: 1,2%).
Wenn die Weltwirtschaft wächst, steigt die Nachfrage nach Rohöl. Gleichzeitig wird auch das Angebot ausgeweitet. Die Rohölnotierungen dürften deshalb im Durchschnitt des Jahres 2012 nur leicht steigen.
Die US-Notenbank hat in Aussicht gestellt, ihren Leitzins noch länger auf sehr niedrigem Niveau zu halten. Für das Jahr 2012 ist deshalb mit einem konstanten Wert von 0% bis 0,25% zu rechnen. Die EZB dürfte ihren Leitzins durchgehend bei 1,0% belassen. Die Kapitalmarktzinsen könnten dennoch steigen. Eine schwache Konjunktur und niedrige Leitzinsen sollten die Renditeaufschläge jedoch in engen Grenzen halten.