Rahmenbedingungen
Weltwirtschaft wächst weiter
Die Weltwirtschaft hat ihren Aufschwung im Jahr 2011 fortgesetzt, wenngleich nicht mehr so dynamisch wie im Vorjahr. Eine wesentliche Stütze blieben die aufstrebenden Märkte, deren Wachstum sich allerdings im Jahresverlauf etwas abgeschwächt hat. Die Industrieländer erlitten dagegen einen konjunkturellen Rückschlag. Ihr Wachstum hat sich insgesamt nahezu halbiert, allerdings mit regional außergewöhnlich großen Unterschieden: Während einige Industrieländer hohe Zuwächse erzielen konnten, sind andere in die Rezession zurückgefallen. Die globale Wirtschaftsleistung ist im Berichtsjahr um 3,8% (Vorjahr: 5,2%) gestiegen. Der Zuwachs des Welthandels hat sich dagegen deutlich, von 12,7% im Jahr 2010 auf knapp 7%, abgeschwächt (IWF: 6,9%, OECD: 6,7%).
| A.03 Weltwirtschaft: Wachstumsindikatoren 2011 |
| % |
| China | | 9,2 | | 20,3 | | k. A. | |
| Japan | | –0,9 | | 0,0 | | –0,1 | |
| USA | | 1,7 | | 6,8 | | 1,6 | |
| Euroraum | | 1,6 | | 7,0 | | 0,6 | |
| Deutschland | | 3,0 | | 8,2 | | 2,1 | |
Die asiatischen Länder wiesen erneut die höchste wirtschaftliche Dynamik auf. Mit einem Plus von 7,9% verlor der Aufschwung verglichen mit dem sehr starken Vorjahr (9,5%) jedoch an Tempo.
In China legte das BIP mit 9,2% kräftig zu (Vorjahr: 10,4%). Die Exporte sind um 20,3% und damit nicht mehr so stark wie im Vorjahr (31,3%) gestiegen. Da die Importe um 24,9% (Vorjahr: 38,7%) zugelegt haben, hat sich der Handelsbilanzüberschuss spürbar von 182 MRD US-$ auf 155 MRD US-$ verringert. Dennoch ist das Land für ausländische Investoren attraktiv geblieben; Direktinvestitionen in Höhe von 116 MRD (Vorjahr: 106 MRD) US-$ wurden getätigt.
Die japanische Wirtschaft hat im Jahr 2011 unter den Folgen des schweren Erdbebens im März gelitten. Die Wirtschaftsleistung ist im ersten Halbjahr stark zurückgegangen. Auch die deutliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte konnte dies nicht ausgleichen. Exporte, privater Verbrauch und Investitionen stagnierten nahezu, während die Importe deutlich zulegten. Das BIP hat sich um 0,9% verringert (Vorjahr: 4,4%).
In den Vereinigten Staaten hat sich die Konjunktur nach einem schwachen Jahresbeginn im zweiten Halbjahr wieder belebt. Positiv haben sich die Unternehmensinvestitionen entwickelt, die um rund 10% (Vorjahr: 15%) ausgeweitet wurden. Der private Verbrauch legte angesichts eines schwachen Arbeitsmarktes und mäßig steigender Einkommen erneut nur verhalten zu. Vom Außenhandel kamen keine nennenswerten Impulse, obwohl die Exporte weiter gestiegen sind. Dagegen haben der rückläufige Staatsverbrauch sowie die Lagerinvestitionen die konjunkturelle Entwicklung deutlich belastet. Ein Schwachpunkt blieb der Immobilienmarkt. Das BIP ist nur um 1,7% (Vorjahr: 3,0%) gewachsen.
Im Euroraum war der verhaltene Anstieg des BIP um 1,6% (Vorjahr: 1,9%) überwiegend einem sehr guten Jahresauftakt zu verdanken. Im weiteren Verlauf ist die Wirtschaftsleistung nur noch leicht gestiegen, im Schlussquartal wahrscheinlich sogar gesunken. Konjunkturelle Impulse gingen von den Bruttoanlageinvestitionen und vom Außenhandel aus. Dagegen haben die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben nur leicht erhöht. Gebremst wurde die Konjunktur vor allem von der sich weiter zuspitzenden Staatsschuldenkrise. Der Konsolidierungsbedarf der öffentlichen Haushalte in den betroffenen Ländern hat nochmals zugenommen, Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen haben dann auch den privaten Verbrauch und die Unternehmensinvestitionen gebremst. Es gab weiterhin stark differierende Entwicklungen: Während Deutschland und Österreich hohe Zuwachsraten erzielten, fiel die Zunahme in Frankreich nur verhalten und in Italien schwach aus. Griechenland und Portugal befanden sich sogar in einer Rezession.
Das deutsche BIP ist im Berichtsjahr um 3,0% (Vorjahr: 3,7%) gewachsen. Impulse kamen erneut vom Außenhandel: Die Exporte sind um gut 8% gestiegen. Getragen wurde das Wachstum aber vor allem von der Binnennachfrage. Unternehmens- und Bauinvestitionen wurden kräftig ausgeweitet. Der private Verbrauch legte – wenn auch nur verhalten – weiter zu. Der anhaltende Aufschwung wirkte sich sehr positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Jahresdurchschnitt um rund 260.000 auf rund 2,98 Millionen gefallen. Zugleich erreichten Arbeitslosenquote und Erwerbstätigkeit mit 7,1% bzw. gut 41 Millionen im Jahresdurchschnitt ihre jeweils besten Werte seit der Wiedervereinigung.