Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden
Strategisch handeln - Einfach wachsen
Der Vorstandsvorsitzende von Deutsche Post DHL ist überzeugt, dass die konsequente Umsetzung der Strategie 2015 Früchte trägt und der Konzern auf einem guten Weg ist, seine durchaus ehrgeizigen Ziele zu erreichen.
Herr Dr. Appel, wie beurteilen Sie das Geschäftsjahr 2011?
Wir haben unsere eigenen Erwartungen, aber auch die der externen Beobachter übertroffen und positiv überrascht. Es zeigt sich eben, dass die konsequente Umsetzung unserer Strategie 2015 Früchte trägt. Der Umsatz ist auf 52,8 Milliarden € gestiegen, wobei er von Währungseffekten und Veränderungen im Portfolio gemindert wurde. Für das Ergebnis hatten wir im Jahresverlauf unsere Prognose bereits zweimal angehoben. Zum Schluss lagen wir mit 2,44 Milliarden € sogar noch einmal leicht über unseren Erwartungen – ein durchaus beachtliches Ergebnis in einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld.
„Warum ist das iPhone so erfolgreich? Weil es Schnittstellen und Anwendungen integriert und es seinen Nutzern so einfach wie möglich macht. Davon können wir lernen, wenn es uns gelingt, diese Idee auf unsere Branche zu übertragen. Deutsche Post DHL soll zum iPhone der Logistik werden.“
Dr. Frank Appel, Vorstandsvorsitzender
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| Der Vorstandsvorsitzende erwartet auch im Jahr 2012 Wachstum für das Unternehmen. |
Was waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Faktoren?
Wir haben unsere Stärken als Marktführer im deutschen Briefgeschäft und in fast allen Geschäftsfeldern des Logistikbereichs konsequent umgesetzt. Das belegen nicht zuletzt die erfreulichen Zuwächse im nationalen Paketgeschäft und in der Wachstumsregion Asien.
Sie verfolgen das Ziel, erste Wahl als Anbieter, Arbeitgeber und Investoren in der Branche zu werden. Wie erfolgreich sind Sie?
Wir sind auf gutem Weg, unsere durchaus ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Die Kundenzufriedenheit ist messbar gestiegen – im Briefbereich wie in den DHL-Geschäftsfeldern. Als Arbeitgeber können wir mehr und mehr überzeugen: Im dritten Jahr in Folge haben wir deutlich an Zuspruch gewonnen, wie unsere jährliche Mitarbeiterbefragung belegt. Ich bin überzeugt, dass zufriedene Mitarbeiter und Kunden unmittelbar auch die finanzielle Leistung verbessern.
Und was bedeutet dies für Ihre Investoren?
Zunächst einmal die Bestätigung, in ein solides Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten investiert zu haben. Im Jahr 2011 hat sich der Kurs unserer Aktie besser entwickelt als der DAX. Natürlich wissen wir, wie wichtig Dividendenkontinuität ist. Daher beabsichtigen wir, grundsätzlich 40 bis 60 Prozent des Nettogewinns als Dividende auszuschütten. Wir werden unseren Aktionären auf der Hauptversammlung im Mai vorschlagen, die Dividende von 0,65 € im Vorjahr auf 0,70 € je Aktie für das Geschäftsjahr 2011 anzuheben.
2010 hat DHL erstmals den größten Beitrag zum Konzernergebnis geleistet. Hat sich dieser Trend fortgesetzt?
Ja. Im Jahr 2011 haben alle Unternehmensbereiche ihren Beitrag zu unseren sehr guten Resultaten geleistet, besonders dynamisch hat sich aber das Express- und Logistikgeschäft entwickelt. Die Umsätze konnten zum Teil deutlich gesteigert werden. Das gilt auch für die Ergebnisse, die im Vorjahr noch durch Restrukturierungen belastet waren. Damit haben wir auch unsere Rentabilität erheblich verbessert. Die Margen sind spürbar gestiegen.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung auf dem deutschen Brief- und Paketmarkt?
Den größten Einfluss darauf hat zweifellos das Internet. Es stellt uns vor Herausforderungen, eröffnet aber auch enorme Wachstumschancen. Der klassische Brief wird durch elektronische Kommunikation substituiert. Im Jahr 2011 haben sich die Volumina zwar stabilisiert, dennoch wird die Nachfrage, strukturell bedingt, weiter zurückgehen. Auf der Paketseite entwickeln wir uns dagegen sehr erfreulich. Hier profitieren wir vom boomenden Internethandel. Wir sind fast zweistellig gewachsen und erwarten auch künftig deutlich steigende Mengen. Überdies haben wir mit den Gewerkschaften einen in dieser Form einmaligen und zukunftsweisenden Generationenvertrag vereinbart.
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| Frank Appel sieht enorme Wachstumschancen durch den boomenden Internethandel. |
Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Ihren Kunden einfach zu handhabende Dienstleistungen anzubieten. Was heißt dies konkret?
Wir sind davon überzeugt, dass Kunden nur dann Dienstleistungen einkaufen, wenn diese ihnen das Leben erleichtern. So versuchen wir, wo immer es geht, Dinge einfacher zu machen, Komplexität zu reduzieren – und das über die gesamte Wertschöpfungskette. Warum ist das iPhone so erfolgreich? Weil es Schnittstellen und Anwendungen integriert und es seinen Nutzern so einfach wie möglich macht. Davon können wir lernen, wenn es uns gelingt, diese Idee auf unsere Branche zu übertragen. Deutsche Post DHL soll zum iPhone der Logistik werden. Wir haben gerade die Funktion eines CCO für DHL eingerichtet – die logische Weiterentwicklung unseres Kundenversprechens.
Wo liegen die Wachstumschancen für den Konzern Deutsche Post DHL?
Als ein Unternehmen, das den globalen Handel unterstützt, sehen wir unsere Chancen dort, wo das Mengenwachstum am größten ist, also in den aufstrebenden Regionen Asien, Lateinamerika und dem Mittleren Osten. In diesen Märkten sind wir bereits hervorragend vertreten, in vielen sogar Marktführer. Wir werden uns auf diese Regionen konzentrieren, ohne allerdings die klassischen Märkte – Europa und Amerika – zu vernachlässigen. Auch dort ist noch Wachstum möglich, vor allem durch Marktanteilsgewinne. Für das künftige Wachstum sind wir gewappnet: Wir verfügen über eine solide, weltumspannende Infrastruktur, in die wir ständig weiter investieren.
Wie groß ist die Bedeutung Asiens und der aufstrebenden Märkte für das künftige Wachstum?
Diese Länder sind sehr bevölkerungsreich. Und Menschen streben nach mehr Wohlstand. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen wird also steigen, solange die Beschäftigung nicht sinkt. Gerade in diesen Ländern steigt sie jedoch. Daher sind so bevölkerungsreiche Länder wie Brasilien, China, Indien, Russland und Mexiko von zentraler Bedeutung für uns und unseren nachhaltigen Erfolg. Schon jetzt sind wir hier hervorragend vertreten und werden unsere Position sicherlich in Zukunft weiter ausbauen.
Wie ist Deutsche Post DHL in das Geschäftsjahr 2012 gestartet?
Trotz der eher verhaltenen Prognosen der Makroökonomen sehen wir, dass sich die insgesamt positiven Entwicklungen aus dem Schlussquartal in das neue Jahr hinein fortsetzen.
Mit welchen Aussichten rechnen Sie für das Gesamtjahr?
Vor diesem Hintergrund erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr ein Konzern-EBIT in Höhe von 2,5 bis 2,6 Milliarden €. Dazu sollte der Unternehmensbereich BRIEF 1,0 bis 1,1 Milliarden € beitragen. Für die DHL-Unternehmensbereiche erwarten wir verglichen mit dem Vorjahr insgesamt eine weitere Ergebnisverbesserung auf rund 1,9 Milliarden €. Und auch das Konzernergebnis sollte sich analog zum operativen Geschäft weiter verbessern.
Mit Angela Titzrath zieht erstmals eine Frau in Ihren Vorstand ein. Was erwarten Sie davon?
Ich freue mich sehr darüber, dass wir Frau Titzrath für unser Personalressort und als Arbeitsdirektorin gewinnen konnten. Dank ihrer umfangreichen Erfahrungen bringt sie alle Voraussetzungen mit, um uns unserem Ziel – weltweit ein bevorzugter Arbeitgeber zu werden – entscheidend näher zu bringen.
Einen ganz persönlichen Dank richte ich an Walter Scheurle, der fast 45 Jahre lang für unser Unternehmen tätig war und es mit seinem Engagement und seiner Persönlichkeit ganz entscheidend mitgeprägt hat. Ich habe großen Respekt vor dieser Leistung.
Herr Dr. Appel, vielen Dank für das Gespräch.